Gartengeißblatt
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| L. |
Das Gartengeißblatt (Lonicera caprifolium), auch Geißblatt, Echtes Geißblatt, Wohlriechendes Geißblatt oder Jelängerjelieber genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae).
Beschreibung
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Vegetative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Gartengeißblatt ist eine rechtswindende, sommergrüne, verholzende Kletterpflanze (Liane), die Wuchshöhen von 2 Metern erreichen kann. Findet sie eine Kletterhilfe wie kleine Bäume, Sträucher, Pfeiler, Tore, Zäune usw., so kann sie Höhen von 6 bis zu 10 Metern und eine Breite von bis zu 3 Metern erreichen. Die hohlen Zweige besitzen eine anfangs abstehend behaarte, später verkahlende, weißlich bereifte Rinde.
Von den gegenständig angeordneten Laubblättern weisen die oberen keinen Stiel auf und sind paarweise am Zweig zusammengewachsen. Die grünen, einfachen Blattspreiten sind bei einer Länge von 4 bis 8, selten bis zu 10 Zentimetern eiförmig bis verkehrt-eiförmig.
Generative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Jeder Blütenkopf kann bis zu zwölf Blüten enthalten. Die Hochblätter sind paarweise verwachsen. Die zwittrigen, fünfzähligen, trompetenförmigen Blüten sind gelblich bis weiß und oft rötlich überlaufen.
Nach dem Aufplatzen der länglichen roten Röhren werden die fünf cremigweißen Staubgefäße und der Griffel freigegeben. Der Pollen ist gelb.
Ab dem Spätsommer erscheinen die bei Reife rötlichen, etwa erbsengroßen, schwach giftigen Beeren.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[1]
Ökologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die kurzlebigen, nektarreichen Gartengeißblattblüten verströmen von Mai bis Juli in den Abendstunden einen starken, wohlriechenden Geruch und locken damit Nachtfalter und Schwärmer an. Am Folgetag erschlafft die gerade erst geöffnete Blüte wieder. Die Früchte bleiben dagegen lange hängen und werden von Drosselartigen verzehrt und verbreitet.
Vorkommen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ursprünglich kommt Lonicera caprifolium in Norwegen, Schweden, Polen, Spanien, Italien, Österreich, Ungarn, Tschechien, im früheren Jugoslawien, Rumänien sowie Albanien vor.[2] Auch in Vorderasien in der Türkei und im Kaukasusraum hat das Gartengeißblatt ursprüngliche Vorkommen.[3]
Dagegen ist das Gartengeißblatt in fast allen weiteren Teilen Europas, im Kaukasusraum und in Kleinasien sowie in den südamerikanischen Anden ein Neophyt. Auch ist das Gartengeißblatt eine beliebte Zierpflanze in Parks und Gärten. Man findet das Gartengeißblatt in Mitteleuropa wild oder verwildert in lichten Wäldern, Hecken oder auf Heideböden vor. Es gedeiht am besten auf kalkhaltigen Böden. Der Wurzelbereich benötigt schattige, kühle und feuchte Standorte, um vor Austrocknung geschützt zu sein. Das Gartengeißblatt blüht nur an genügend hellen (sonnigen oder halbschattigen) Standorten. Es ist eine Charakterart des Verbands Berberidion, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Ordnung Quercetalia pubescentis vor.[1] Oben: Die ökologischen Zeigerwerte sind:[4] Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (Subozeanisch bis subkontinental).[5]
Giftige oder pharmazeutische Inhaltsstoffe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Saponine, cyanogene Glykoside, Alkaloide, Flavonoide, phenolische Verbindungen.[6]
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einige anspruchslose Züchtungen des Gartengeißblatts können durch Kopfstecklinge vermehrt werden. Gelegentlich kommt es zur Einschnürung und Überwallung und es entstehen gewendelte Holzstöcke.
Frühere Medizin
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die getrockneten Blüten des Gartengeißblatts hatten den Ruf, schweiß- und harntreibend zu wirken, werden aber längst nicht mehr genutzt, da eine Überdosierung Vergiftungssymptome wie Erbrechen hervorruft.[6] In der früheren keltischen und chinesischen Kräuterheilkunde wurde auch ein Absud aus Gartengeißblattblüten gegen „Leberbeschwerden“ und Atemwegsinfektionen eingesetzt.
Sprachliche Herkunft, Trivialnamen und volkstümliche Namen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Alternativname „Wohlriechendes Geißblatt“ weist auf den intensiven, angenehmen Blütenduft des Gartengeißblatts hin, die alternative Bezeichnung „Jelängerjelieber“ wohl auf die langen windenden Sprossachsen, oder aber auf die lange Blütezeit bis hin zum Oktober, falls Wärme und Wassermenge optimal sind.
Für das Gartengeißblatt, kurz auch nur Geißblatt oder botanisch, wegen der Gattungstaxonomie, auch caprifolium – womit auch andere, zur Gattung der Heckenkirschen gehörende Arten einbezogen werden,[7] bestanden zuhauf auch weitere deutschsprachige Trivialnamen: Bärentappe (Elsaß bei Mülhausen), Geisblatt, Geis(s)hasle[8] (Schweiz), Gilgenkonfort, Je-länger-je-besser (Aachen), Je-länger-je-lieber (Bremen, Henneberg), Nachtengalla (Coburg), Nachtsfaden (Siebenbürgen), Specklelgen (Siebenbürgen), Waldmeister und groß Winden.[9]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 878.
- ↑ Lonicera im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 19. April 2018.
- ↑ Eckhard von Raab-Straube (2017+): Caprifoliaceae. Datenblatt Lonicera, In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
- ↑ nach Landolt et al. 2010 in der Schweiz:
- ↑ Lonicera caprifolium L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 22. April 2026.
- 1 2 Karl Hiller, Matthias F. Melzig: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, 2 Bände, Genehmigte Sonderausgabe für den area verlag, 2006, ISBN 3-89996-682-1.
- ↑ Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 168 („Caprifolium – geyßbladt … liceos“).
- ↑ So Johann Michael Kohler: Alphabetisch geordnetes Namens-Verzeichniß der verbreitetsten Pflanzenarten in der Schweiz, Zürich 1850, S. 6 (Digitalisat) und Carl Jakob Durheim: Schweizerisches Pflanzen-Idiotikon, Bern 1856, S. 165 (Digitalisat), wonach Schweizerisches Idiotikon, Band III, Frauenfeld 1895, Sp. 1677 (Digitalisat) sowie Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen, Band II, Leipzig 1972, Sp. 1375; in Pritzel/Jessen mit Druckfehler als „Geishalsle“ übernommen.
- ↑ Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 77 (online).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lonicera caprifolium L., Echtes Geißblatt auf FloraWeb.de
- Gartengeißblatt. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Gartengeißblatt – Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns
- Thomas Meyer: Geißblatt Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Steckbrief.
- Giftpflanzen.com – Lonicera caprifolium.
- Weitere Bilder vom Gartengeißblatt.
- Geißblatt, in: RDK Labor (2014), Online-Plattform zur kunsthistorischen Objektforschung