Geflecktes Lungenkraut
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Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Pulmonaria officinalis | ||||||||||||
| L. |
Das Gefleckte Lungenkraut[1] (Pulmonaria officinalis), auch als Echtes Lungenkraut bezeichnet und kurz Lungenkraut genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Sie ist in Europa verbreitet.
Trivialnamen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weitere deutsche Trivialnamen sind: Hänsel und Gretel, Brüderchen und Schwesterchen (wegen der unterschiedlichen Blütenfarben), Bachkraut, Blaue Schlüsselblume, Bockkraut, Fleckenkraut, Himmelschlüssel, Hirschkohl, Hirschmangold, Hosenschiffern, Lungenwurz, Schlotterhose, Schwesternkraut, Ungleiche Schwestern, Unser lieben Frauen Milchkraut.
Beschreibung
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Vegetative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Gefleckte Lungenkraut ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern.[1] Die Stängel sind borstig und drüsig behaart.
Die Laubblätter sind grundständig und am Stängel wechselständig verteilt angeordnet. Die einfachen, borstig behaarten, meist derben Grundblätter sind leicht herzförmig mit spitzem oberen Ende, gelb-grün und besitzen stets rundliche, oft scharf begrenzte, weiße Flecken. Ihre Blattunterseite ist mit winzigen Stachelhöckern versehen. Die nicht blühenden Stängel haben eine eiförmige Spreite, die länger als ihr 15 Zentimeter langer Blattstiel ist und plötzlich in den geflügelten Blattstiel übergehen kann. Die borstig behaarten Stängelblätter sind halbstängelumfassend, unterseits mit Stachelhöckern und oft weiß gefleckt.
Generative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Blüten erscheinen endständig in borstig-drüsigen Schraubeln.
Das Gefleckte Lungenkraut ist distyl. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf, borstig behaarten, wärzlichen Kelchblätter sind bis mindestens zur Hälfte ihrer Länge kantig verwachsen. Bei frisch geöffneter Blüte ist der Kelch V-förmig und etwa doppelt so lang wie breit. Die trichterförmige Blütenkrone ist anfangs rot, färbt sich später während der Anthese durch Änderung des pH-Wertes innerhalb der Kronblätter nach Violett und später Blau, selten Weiß, um. Der Kronschlund ist behaart. Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen, der durch eine falsche Scheidewand in vier Fächer () geteilt wird. Die Staubblätter sitzen am Schlund oder in der Mitte Kronröhre. Der Griffel endet jeweils umgekehrt zur Position der Staubblättern. Die kopfige Narbe ist geteilt. Es ist ein Diskus vorhanden.
Die Klausenfrucht zerfällt zur Reife in vier Teilfrüchte = Klausen.
Das Gefleckte Lungenkraut ist diploid und die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14 oder 16.[2]
Ökologie und Phänologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Gefleckte Lungenkraut ist ein wintergrüner Hemikryptophyt,[1] eine Halbrosettenpflanze mit ziemlich dünnem Rhizom. Es ist ein Lehmzeiger und Mullbodenwurzler. Es wächst ort im Halbschatten. Das Gefleckte Lungenkraut ist ein Lichtkeimer.
Blütenökologisch handelt es sich um meist homogame „Stieltellerblumen mit eingeschlossenen Staubbeuteln und Narben“. Sie sind anfangs rot-purpurn und später violettblau gefärbt. Sie besitzen eine hohe UV-Reflexion. Die Krone bleibt etwa sechs bis acht Tage erhalten, nach 3 bis 4 Tagen erfolgt der Farbwechsel. Die Bestäuber – es ist zunächst vor allem die langrüsselige Wildbienenart Anthophora plumipes, später eine weitere Art aus derselben Gattung – bevorzugen die jungen roten Blüten, die mehr Nektar enthalten als die blauen. Der Nektar ist durch einen Haarsaum an den relativ kleinen Schlundschuppen am Eingang der Kronröhre geschützt und wegen der etwa 1 Zentimeter langen Kronröhre nur langrüsseligen Bienenverwandten und Schmetterlingen zugänglich. Schwebfliegen fressen den Pollen. Die Blüten sind verschiedengrifflig und selbststeril. Die Blütezeit reicht von März bis Mai.
Die Klausen sind mit einem Elaiosom genannten Ölkörper versehen. Sie werden durch Ameisen ausgebreitet. Der Fruchtstängel neigt sich bei der Reife zur Erde und die Frucht wird dadurch zum Selbstaussäer. Fruchtreife erfolgt zwischen Mai und Juni.
Vorkommen
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Pulmonaria officinalis ist in weiten Teilen Europas verbreitet: westlich bis zu den Ardennen, nördlich bis in die Niederlande, Dänemark und Mittelschweden. Sie fehlt in Norwegen, auf den britischen Inseln ist sie nur eingebürgert. Östlich findet man das Gefleckte Lungenkraut bis Mittelrussland und den Kaukasusraum, südlich kommt es auf dem nördlichen Balkan und bis Mittelitalien vor. In Deutschland kommt das Gefleckte Lungenkraut verbreitet bis zerstreut südlich der Donau vor, außerdem in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen vor und ist sonst selten.[3]
Das Gefleckte Lungenkraut wächst in krautreichen Laub- und Buchenmischwäldern sowie deren Rändern vom Flachland bis ins Gebirge bis in Höhenlagen von etwa 1300 Metern. Im Süden ist es häufiger als im Norden. Es gedeiht am besten auf frischen, nährstoff- und basenreichen, meist kalkhaltigen, steinigen oder reinen Ton- und Lehmböden. Es ist eine Charakterart der Ordnung Fagetalia und kommt besonders in Pflanzengesellschaften der Verbände Fagion und Alno-Ulmion vor.[4]
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+ (feucht), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).[5]
Systematik und Namensgebung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Name Pulmonaria[6] kommt vom lateinischen Wort pulmo für „Lunge“. Das (Gefleckte) Lungenkraut wird seit dem Mittelalter gegen Lungenleiden eingesetzt. Hildegard von Bingen nennt es Lungwurz.
Die Erstveröffentlichung von Pulmonaria officinalis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 135. Synonyme für Pulmonaria officinalis L. sind: Pulmonaria konradii Opiz, Pulmonaria maculosa Liebl. nom. inval., Pulmonaria tridentina Evers, Pulmonaria officinalis subsp. maculosa (Hayne) Gams.[7]
Seit 2014 gibt es bei Pulmonaria officinalis zwei Unterarten:[7]
- Pulmonaria officinalis subsp. marzolae G.Astuti, Peruzzi, Cristof. & P.Pupillo: Sie kommt nur in den italienischen Südalpen vor und wurde 2014 erstbeschrieben. Benannt ist sie nach Vorkommen am Monte Marzola im Trentino.
- Pulmonaria officinalis L. subsp. officinalis
Inhaltsstoffe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Gefleckte Lungenkraut enthält unter anderem Kieselsäure, Schleime, Saponine, Gerbstoffe und größere Mengen Mineralien und wirkt dadurch hustenreiz- und entzündungshemmend. Die Blüten enthalten einen Farbstoff, der zu den Anthocyanen gehört – er wechselt bei einer Änderung des Säuregehalts die Farbe von Rot (sauer) auf Blau (basisch).
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
- Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. 2. Auflage. Band V. Teil 3: Angiospermae: Dicotyledones 3 (3) (Pirolaceae – Verbenaceae). Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin/Hamburg 1966, ISBN 3-489-76020-4, S. 2213–2216, urn:nbn:de:hbz:061:2-170701-p0241-9 (unveränderter Nachdruck der 1. Auflage von 1927 mit Nachtrag).
- Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 7., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1994, ISBN 3-8252-1828-7.
- Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
- Sofie Meeus, Rein Brys, Olivier Honnay, Hans Jacquemyn: Biological Flora of the British Isles: Pulmonaria officinalis. In: Journal of Ecology. Band 101, Nr. 5, 2013, S. 1353–1368. JSTOR:42580367.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Pulmonaria officinalis L., Geflecktes Lungenkraut. auf FloraWeb.de
- ↑ Pulmonaria officinalis subsp. maculosa bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
- ↑ Jens G. Rohwer: Boraginaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 649.
- ↑ Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 786–787.
- ↑ Pulmonaria officinalis L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 8. Januar 2023.
- ↑ Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 152.
- 1 2 Benito Valdés, E. von Raab-Straube, 2011: Boraginaceae. Datenblatt Pulmonaria officinalis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Pulmonaria officinalis agg., Geflecktes Lungenkraut (Artengruppe). auf FloraWeb.de
- Geflecktes Lungenkraut – Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns
- Thomas Meyer: Datenblatt Pulmonaria officinalis mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).