Georg Pniower

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Georg Wolf Theodor Béla Pniower (* 29. April 1896 in Breslau; † 14. März 1960 in Berlin) war Gärtner, Landschaftsarchitekt und Professor für Garten- und Landeskultur in Berlin. Vor allem im Berlin der 1920er und 1930er Jahre gestaltete er Gärten avantgardistischer Villen, aber auch Kleingärten und Wohnanlagen Er plädierte schon in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg für eine ressourcenschonende, planmäßige Landespflege. Er gilt gemeinsam mit Reinhold Lingner als wichtigster Landschaftsplaner der DDR. Da er nach dem Zweiten Weltkrieg in Ost-Berlin lebte und lehrte, wurde Georg Pniower lange Zeit wenig beachtet; erst in 1990er Jahren wurden seine Arbeiten „wiederentdeckt“.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Georg Pniower erlernte ab 1911 das Gärtnerhandwerk, war danach in den städtischen Gartenverwaltungen in Trier und Beuthen tätig. Von 1916 bis 1920 studierte Pniower mit Unterbrechungen in Proskau in Schlesien Gartenbautechnik. Seine berufliche Prägung erhielt er vor allem in der Zeit der Weimarer Republik. 1920/1921 arbeitete er im Gartenbauamt Hannover als Gartentechniker. Es folgten Weiterbildungen in Gartenschulen sowie an der Technischen Hochschule Hannover und an der Kunstakademie Düsseldorf. Pniower wurde zum Gartenbauinspektor 1922/1923 in Proskau ausgebildet. Darüber hinaus war Pniower von 1922 bis 1925 bei den Berliner Firmen Ludwig Späth und Hermann Rothe als leitender Gartenarchitekt tätig und arbeitete anschließend als freischaffender Garten- und Landschaftsarchitekt und Berater beim Provinzialverband der Kleingärtner von Groß-Berlin.

Bis 1933 war Pniower Mitglied der SPD. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde Pniower 1933 von den Nationalsozialisten als „Halbjude“ klassifiziert und 1935 aus der Reichskammer der Bildenden Künste ausgeschlossen, was einem Berufsverbot gleichkam, da es die Arbeit als Freiberufler unmöglich machte. Als er sein Büro auf seine Frau Ruth übertrug, die ebenfalls Landschaftsplanerin und „Arierin“ war, wurde auch sie 1936 aus der Reichskammer ausgeschlossen. Pniower emigrierte 1938 nach England. 1939 kehrte er jedoch nach Deutschland zurück und wurde für eine kurze Zeit zum Wehrdienst einberufen und betrieb danach ab 1940 eine Gemüsegärtnerei. 1944 wurde er verhaftet und zur Zwangsarbeit in einer Spinnstofffabrik verpflichtet.

Nach Kriegsende erhielt er von den westlichen Alliierten in Berlin erste Aufträge und wurde 1946 zum ordentlichen Professor sowie zum Inhaber des Lehrstuhls für Gartengestaltung an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Berlin berufen, der sich in Berlin-Dahlem befand. 1951 verließ Pniower den Westen Berlins und baute an der Humboldt-Universität zu Berlin den Lehrstuhl für Gartenkunst und Landschaftsgestaltung auf und wurde Direktor des Instituts für Gartenkunst und Landschaftsgestaltung an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität. Das bisherige Institutsgebäude im Dahlemer Albrecht-Thaer-Weg ging an die Technische Universität. Pniower forderte in den 1950er Jahren die Verabschiedung eines moderneren Umweltgesetzes. Er konnte sich gegen die Naturschützer, an deren Spitze der Botaniker und Pflanzensoziologe Hermann Meusel stand, aber nicht durchsetzen 1960 wurde Pniower mit der Doktorwürde ausgezeichnet. Pniower starb am 14. September 1960 in Berlin; er erhielt auf dem Neuen Friedhof Baumschulenweg ein Ehrengrab der Stadt.

Wirken[Bearbeiten]

Liegewiese im Volkspark Wilmersdorf

Unter Pniowers Leitung entstand ab 1930 in der Siemensstadt die Gartenanlage der Siedlung Heimat, die bis heute weitgehend originalgetreu erhalten ist. Weitere Arbeiten Pniowers in Berlin sind

Pniower sah es als Aufgabe, der Landschaftsplaner an, in den „Dienst der Volksgesundheit“ zu treten. Dabei sollten sie „die Menschen ausreichend mit Luft, Licht, Sonne und Bewegungsraum (…) versorgen und dadurch die Krankheitsbereitschaft und die Verbreitung typischer Zivilisationsseuchen (…) vermindern.“

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Giese, Siegfried Sommer: Prof. Dr. Georg Béla Pniower – Leben und Werk eines bedeutenden Garten- und Landschaftsarchitekten. Dresden 2005, ISBN 3-86005-465-1.
  • Joachim Wolschke-Bulmahn, Peter Fibich: Vom Sonnenrund zur Beispiellandschaft. Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur, Hannover 2004, ISBN 3-923517-60-2.
  • Wolfgang Schäche: Siemensbauten in Siemensstadt – Wohnsiedlungen. Konopka, Berlin 1995.
  • Willi Oberkrome: Deutsche Heimat. Nationale Konzeption und regionale Praxis von Naturschutz, Landschaftsgestaltung und Kulturpolitik in Westfalen-Lippe und Thüringen (1900–1960). Schöningh, Paderborn u. a. 2004, ISBN 3-506-71693-X.
  • Volker Wagner [mit unzutreffender Angabe zum Vater]: Pniower, Georg Bela. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Windbarriere - eine Arbeit für Georg Pniower, ein Landschaftskunstprojekt von Wieland Krause, Katalog, Kunstverein Röderhof, wortraum Edition 2001, ISBN 3-936174-02-4

Weblinks[Bearbeiten]