Geschichte des Islams in Deutschland

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Die Geschichte des Islams in Deutschland beginnt im 18. Jahrhundert mit der dauerhaften Etablierung erster islamischer Gemeinden. Kontakte zwischen der islamischen Welt und dem Römischen Reich deutscher Nation begannen jedoch schon mit einem Besuch muslimischer Gesandter beim Frankenherrscher Karl in Aachen 788. Mit einzelnen islamischen Ländern, beginnend mit dem Osmanischen Reich, entwickelte Deutschland engere diplomatische Beziehungen, doch erst 1914 wurde die erste Moschee auf deutschem Boden errichtet. Eine deutliche Steigerung der muslimischen Bevölkerung ist seit 1945 bzw. seit den 1960er Jahren zu verzeichnen, v.a. durch Einwanderung aus muslimischen Ländern, viele davon aus der Türkei. Heute leben schätzungsweise über 4 Millionen Muslime in Deutschland, das entspricht etwa 5 % der Bevölkerung[1] (siehe unter Religionen in Deutschland#Islam).

Mittelalter, Renaissance und Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Kalif Harun schenkte Kaiser Karl 801 einen weißen Elefanten namens Abul Abbas

Nach den ersten Kontakten zwischen Kalif Hārūn ar-Raschīd und Karl dem Großen in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts (Islam in Frankreich) und einer kurzzeitigen arabischen Herrschaft über weite Teile der damals zum Reich gehörenden Schweiz bzw. des Herzogtums Schwaben in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts (Islam in der Schweiz), stand in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts Kaiser Friedrich II. kulturell unter islamischen Einfluss (siehe Islam in Italien). In der Schlacht bei Tannenberg (1410) wurde der Deutsche Orden nicht nur von Polen und Litauern, sondern auch von polnischen Lipka-Tataren geschlagen. In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts schließlich begannen die Einfälle türkischer Muslime in Österreich. In der Mitte des 17. Jahrhunderts forderte der Tatarensturm in Ostpreußen zahlreiche Opfer.

Nach der Abwehr der ersten Belagerung im Jahre 1529 erlebte die Stadt Wien 1683 die zweite Belagerung durch die Osmanen. Die mit „Türkennot“ bezeichnete Angst vor der Türkengefahr prägte das Lebensgefühl ganz Europas. Die Reichsstände beteiligten sich im Rahmen der Reichstürkenhilfe, an der Verteidigung der Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches. Muslimische Kriegsgefangene mögen sich an den verschiedenen Höfen zu einigen hunderten befunden haben. Die Mehrheit wurde getauft oder kehrte in ihre Heimat zurück. Die Hinterlassenschaft dieser Beutetürken in Deutschland bestand im besten Fall in einer Grabstätte. Die ältesten bekannten und erhaltenen Grabstätten sind die des sechsjährigen Mustaf in Brake von 1689 sowie von Hammet und Hasan auf dem Neustädter Friedhof in Hannover von 1691.

18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

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1701 kam der erste offizielle osmanische Diplomat, Mektupçu Azmi Said Efendi, in das damalige Heilige Römische Reich. Anlass für diesen Besuch war die Krönung Friedrichs I. am 18. Januar 1701 im Königsberger Schloss zum König in Preußen.[2] Dessen Sohn, König Friedrich Wilhelm I., erhielt vom Herzog von Kurland zwanzig großgewachsene türkische Kriegsgefangene als Geschenk für sein Garderegiment der Langen Kerls. Nach Muhammad Salim Abdullah ließ Friedrich Wilhelm I. mit dem Dekret zu Potsdam 1731 für diese Muslime am Langen Stall in Potsdam einen Saal als „erste Moschee“ errichten, zudem sei spätestens im Jahr 1739 die erste islamische Gemeindegründung auf deutschem Boden erfolgt. Der katholische Theologe Thomas Lemmen widerspricht dieser These: aus einer zeitgenössischen Quelle gehe hervor, die besagten Muslime hätten sich nur vorübergehend dort aufgehalten. In den Collectaneen (Sammlungen) des Samuel Gerlach (1711–1786), die 1883 in den Mittheilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams abgedruckt wurden, heißt es:

Den 22 großen Türken, welche dem in der Folge unglücklichen Herzog von Curland, in dem Kriege, welchen Russland mit den Türken führte, in die Hände gerathen waren und die dieser Herzog A. 1739 unserm Könige zum Präsent machte, ward, ihren Mohammedanischen Gottesdienst abzuwarten im Königlichen Waysenhause auch ein eigenes Zimmer angewiesen, und wer weiß, was der König mehr getan hätte, wenn er sie hätte behalten wollen, sie wurden aber aus Königlicher Großmut allesamt wieder auf freiem Fuß gestellt und mit Geschenken wieder in ihr Vaterland zurück geschickt.“

Der Nachfolger Friedrich Wilhelms I., Friedrich der Große, bekannte sich in seiner Antwort auf eine Anfrage der Stadt Frankfurt am Main aus dem Jahre 1740, ob ein Katholik das Bürgerrecht in einer evangelischen Stadt erwerben dürfe, umfassend zur Religionsfreiheit:

„Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leute, so sie profesieren (= ausüben), erliche Leute seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren (= bevölkern), so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen“.[3]
Preussisches Bosniaken-Regiment 1786

In der zaristischen Armee Russlands ging 1760 das Gerücht um, der türkische Sultankalif plane aus Freundschaft zu Preußen den „Heiligen Krieg“ gegen Russland auszurufen. Tatsächlich schlossen der von feinde umringte preußische König und ein Gesandter des Sultans im Lager von Bunzelwitz 1761 ein militärisches Bündnisabkommen. Dies führte dazu, dass die zahlreich in der russischen Armee dienenden muslimischen Soldaten zu den Preußen überliefen. Aus ihnen wurde im Jahr 1762 ein selbstständiges „Bosniakenkorps“ mit ca. 1000 Mann gebildet. Die Verbindungen intensivierten sich weiter, beruhten aber lange nicht auf Gegenseitigkeit. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts war ein Aufschwung der deutschen militärischen und diplomatischen Tätigkeiten in der Türkei zu verzeichnen. Seit 1763 gab es in Berlin eine ständige osmanische Gesandtschaft, doch erst 1877 wurde die Deutsche Botschaft Konstantinopel eröffnet, und auch die Deutsche Militärmission im Osmanischen Reich entwickelte ihre beraterische Tätigkeit im Dienste der Osmanischen Armee hauptsächlich in der Bismarck-Ära.

Die Architektur im Deutschland des 18. Jahrhunderts machte einige Anleihen in der orientalischen Bauweise. Im sogenannten „Türkischen Garten“ des pfälzischen Kurfürsten Carl-Theodor entstand im Schlosspark von Schwetzingen als Mittelpunkt ein „Moschee“ genanntes Gebäude, welches aber nicht als Gebetsstätte sondern als Ausdruck der Aufklärung sowie des Orientalismus konzipiert war und (nach Lange/1994) wie andere orientalisierende Bauwerke auch nicht so genutzt wurde. Laut Muhammad Salim Abdullah wurde sie hingegen ab 1870/71 von kriegsgefangenen Zuaven und Turkos als Gebetsstätte verwendet.

Am 29. Oktober 1798 verstarb der dritte osmanische Gesandte, Ali Aziz Efendi. Der preußische König stellte zu seiner Bestattung ein Gelände zur Verfügung. Es folgte noch ein Tausch des Geländes. Dieses neue Gelände bildete den Grundstein des bis heute benutzten türkischen Friedhofs am Columbiadamm.

Preußisch-deutsche Muslime kämpften in den Feldzügen Friedrich des Großen und in der Schlacht bei Preußisch Eylau am 7. und 8. Februar 1807 gegen Napoleons Armee.

20. Jahrhundert bis 1945[Bearbeiten]

Postkarte von der Holzmoschee des Halbmondlagers

Der Stifter des Internationalen Sufi-Ordens, Hazrat Inayat Khan, machte 1910 auf einer Reise in die USA auch in Deutschland Station.

Auf Betreiben der Nachrichtenstelle für den Orient wurde seit Beginn des Ersten Weltkrieges das Halbmondlager in Wünsdorf bei Zossen in der Nähe von Berlin errichtet, in dem bis zu 30.000 meist muslimische Kriegsgefangene interniert waren. Mit geringem Erfolg wurde versucht, die Gefangenen zum Überlaufen auf die deutsche Seite zu bewegen. Dies geschah vor allem dadurch, dass den Gefangenen die Befolgung des Fastenmonats Ramadan ermöglicht wurde und 1914/1915 im Halbmondlager die erste funktionierende Moschee auf deutschem Boden gebaut wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb eine Reihe muslimischer Exilanten und Flüchtlinge vornehmlich in Berlin. Wegen Einsturzgefahr wurde die aus Holz gebaute Moschee 1924 geschlossen und 1925/26 abgerissen. Allein die „Moscheestraße“ und einige Soldatengräber erinnern noch an sie.

In der Folgezeit wurden einige Vereine gegründet, die das muslimische Leben in Deutschland befördern sollten. Im Jahre 1918 wurde der „Verein zur Unterstützung russisch-mohammedanischer Studenten e.V.“ und der „Hilfsverein in Deutschland lebender Mohammedaner e.V.“ gegründet, leider konnten sie nichts historisches Bewirken und versanken in den nächsten Jahren in der Bedeutungslosigkeit.

Berliner Moschee im Nazi Reich

1922 erreicht der erste Missonar der Ahmadiyya Gemeinde Maulana Sadr ud-Din Deutschland um in Berlin eine Mission nach dem Vorbild der Woking Muslim Mission zu gründen und der deutschen Bevölkerung den Islam näher zu bringen. Bereits im Jahr 1922 gründet er mit den Berlin lebenden Muslimen überwiegend Anhänger der Ahmadiyya die „Islamischen Gemeinde Berlin e.V.“ . Der Imam der Moschee Maulana Sadr ud-Din bringt 1939 auch die erste deutsche Koranübersetzung aus muslimischer Hand heraus. Die Konvertiten aus Deutschland schlossen sich diesen Verein und dem Ahmadiyya Islam an.

Die älteste erhaltene Moschee. Die Wilmersdorfer Moschee der Ahmadiyya

Um 1924 wurde die älteste erhaltene Moschee Deutschlands in Berlin von den Spenden der Ahmadiyya erbaut Wilmersdorfer Moschee die damals „Berliner Moschee“ hieß. Weiterhin wurde im Zeitraum von 1924 bis 1940 die erste muslimische Zeitschrift Moslemische Revue herausgegeben.


1924 erfolgte die Gründung der „Gesellschaft für islamische Gottesverehrung e.V.“ 1927 gründete sich das als „fromme Stiftung“ nach islamischem Recht konzipierte Islam-Institut zu Berlin. Auf die Tradition des Instituts beriefen sich zwei später formierte Vereine, das „Islam Institut zu Berlin e.V.“ und das „Islamische Zentral-Institut zu Berlin“, worin sich eine Uneinigkeit innerhalb der muslimischen Gemeinschaft jener Tage widerspiegelt.

Am 30. Mai 1930 erfolgte, von Muhammad Nafi Tschelebi angeregt, die Gründung der Deutschen Moslemgemeinde, die später als Deutsch-Muslimische Gesellschaft e.V. firmiert. Dabei handelte sich im Grunde nur um eine Umbenennung der bestehenden Gemeinde in der Brienner Straße, die heute noch unter dem Namen „Islamische Gemeinde Berlin“ besteht. Dadurch sollte zum einen Offenheit für Konvertiten, zum anderen die Loyalität zu Deutschland bekundet werden. Muhammad Nafi Tschelebi, ein syrischer Student an der technischen Universität Charlottenburg, war eine der herausragendsten Persönlichkeiten der Muslime dieser Zeit in Deutschland. Unter ungeklärten Umständen kam er zu Tode. Seine Leiche wurde im Sommer 1933[4] am Ufer eines Sees im Grunewald gefunden. Seinerzeit lebten in Deutschland etwa tausend Muslime, darunter 300 deutsche Konvertiten.

Am 31. Oktober 1932 gründete sich der Verein Islamischer Weltkongress/Zweigstelle Berlin, der am 31. Mai 1933 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Berlin-Lichterfelde eingetragen wurde. Dieser Verein schuf mit einem „Islam-Kolloquium“ die erste moslemische Bildungseinrichtung auf deutschem Boden, welches heute zum Zentralinstitut Islam-Archiv Deutschland gehört. Der 1986 gegründete Islamrat sieht sich als Rechtsnachfolger des Vereins Islamischer Weltkongreß/Zweigestelle Berlin. Zu den Gründungsmitgliedern des Islamrates gehören der VIKZ, die sufische Gemeinschaft „Les amis de l’Islam e.V.“, die „Islamische Gemeinschaft Jama' at-un Nur e.V.“, und der Islamische Weltkongreß / Deutsche Sektion e.V., der sich 1997 mit dem „Islamischen Weltkongreß Deutschland“ (altpreußischer Tradition) e.V. zusammenschloss[5]

1939 wird das Islam Institut (Ma’ahad-ul-Islam) zu Berlin e.V. gegründet. Am 21. September 1941 gründete der ägyptische Journalist Kamal Eldin Galal im Restaurant „Berliner Kindl“ am Kurfürstendamm das „Islamische Zentral-Institut zu Berlin e.V.“, das spätere Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland e.V., das seit 1981 seinen Sitz in Soest hat. Galal arbeitete unter dem Decknamen Baschir Sufian wie die meisten Mitarbeiter des neugegründeten Instituts auch als Journalist für das Auswärtige Amt. 1942 erhielt das Archiv den Rechtsstatus eines eingetragenen Vereins.

Zur Zeit der NS-Herrschaft wurden die Araber in Deutschland durch die Nürnberger Rassegesetze verfolgt. Unter anderem der sexuelle Verkehr mit "Ariern" war schwerer Strafe ausgesetzt und es wurden Zwangssterilisierungen vorgenommen.[6] Im Vergleich zu Juden und Zigeunern waren Muslime im NS-Staat allerdings geringerer (nicht systematischer) Verfolgung ausgesetzt. Es gab jedoch in allen Konzentrationslagern auch arabische und muslimische Häftlinge; ihre genaue Anzahl ist aufgrund weniger historischer Untersuchungen zu dem Thema allerdings nicht bekannt. Außenpolitisch suchten die Nazis hingegen aufgrund der gemeinsamen Gegnerschaft zum englischen Kolonialreich Bündnisse mit einigen fundamentalistischen Muslimen. Im Juni 1941 schlugen die Engländer einen Putsch im Irak unter Führung von Ministerpräsident Raschid Ali al-Gailani nieder. Einer der Anwesenden, Mohammed Amin al-Husseini, floh nach Berlin, wo er am 6. November 1941 eintraf. Al-Husseini propagierte in Übereinstimmung mit dem Gastgeber Antisemitismus: die Juden seien die „erbittertsten Feinde“ der Muslime, seit jeher ein „zersetzendes Element“ und „das Weltjudentum“ hätte den Zweiten Weltkrieg entfesselt.[7] Al-Husseini reiste mehrfach nach Bosnien, wo er im Auftrag der SS muslimische Regimenter rekrutierte, u.a. die bosniakische Waffen-Gebirgs-Division-SS Handschar. 1943 meuterten über 800 der bosnischen SS-Leute und wurden daraufhin festgenommen.[6] SS-Führer Heinrich Himmler schwärmte von einer „weltanschaulichen Verbundenheit" zwischen Nationalsozialismus und Islam. Im Mai 1945 floh al-Husseini illegal in die Schweiz, wurde dort aufgegriffen und sofort in das befreite Frankreich abgeschoben. Er gelangte von da mit offizieller Hilfe nach Kairo und dann in den Libanon.[8] Die Einzelperson al-Husseini wird heute von Rechtsextremisten teils dazu genutzt, um zu propagieren, dass Islam und NS sich nahestanden und heutige, in der Regel muslimfeindliche, Rechtsextreme deswegen nichts mit der Naziideologie zu tun hätten. Insgesamt ist die Geschichte von Muslimen während der NS-Zeit wenig erforscht, nach den bisherigen Erkenntnissen gab es unter den Muslimen zu dieser Zeit sowohl Opfer als auch Kollaborateure des NS.[6]

Geschichte seit 1945[Bearbeiten]

Nach Kriegsende konnte die Ahmadiyya Muslim Jamaat wieder gefahrlos die abgezogenen Missonare nach Deutschland senden. Die ersten Ahmadiyya Missionare kamen mit den britischen Besatzern nach Deutschland und über die Schweiz. 1946 bis 1961 gründete Sheikh Nasir Ahmad ein Ahmadiya Missionar aus der Schweiz die ersten Missionsstellen in Deutschland.

August 1955 registrierten sich die Ahmadiyya Mitglieder in Hamburg als e.V erneut. [9]

1954 wird von die verbesserte Koranübersetzung ins Deutsche herausgebracht, die die Übersetzung von Berliner Imam Sadr_ud-Din komplett verdrängt. Die erste deutsche Koranausgabe der Ahmadiyya Muslim Jamaat wurde bei ihrer Veröffentlichung 1954 von der Al-Azhar Universität in Kairo gelobt und als herausragende deutsche Übersetzung bezeichnet.[10]

1956 wird die erste Nachkriegsmoschee von der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Hamburg erbaut (Fazle-Omar Moschee)

Die erste Nachkriegsmoschee in Hamburg (Ahmadiyya Bewegung)

Deutschlands älteste Moschee wurde 50, Hamburger Abendblatt vom 19. Juni 2007 (Anm. zur Schlagzeile: Die älteste Moschee Deutschlands ist die Wilmersdorfer Moschee in Berlin, so ist die Fazle-Omar-Moschee die älteste Moschee Hamburgs bzw. Westdeutschlands und älteste Nachkriegsmoschee.)

1957 wird die älteste Moschee Hessens in Frankfurt von der Ahmadiyya erbaut. Der Grundstein der beiden ersten Nachkriegsmoscheen wurde von dem ehemaligen Präsidenten der Generalversammlung der UNO- und Präsidenten des Internationalen Gerichtshofs Sir Muhammad Zafrullah Khan gelegt.[11][12][13].

Die Jahre bis zur Einwanderung von Gastarbeiterns aus muslimischen Ländern wurde der Islam bis weit in den 70er von den Ahmadiyya vertreten und repräsentiert, da sie als einziger Verband ununterbrochen seit den 20er in Deutschland aktiv ist.[14]

Mit der zunehmenden Organisation der Gastarbeiter und Zuwanderer aus anderen islamischen Ländern in den 70ern und 80ern kam es zur Bildung einer großen Zahl von eigenständigen Vereinen und islamischen Gruppierungen. Diese bilden mehrere neue islamische Dachverbände. Der zunehmende Organisationssgrad neuer Verbände und Vereine und deren starken Ablehnung gegen den Ahmadiyya Islam führten zur Verdrängung der Ahmadiyya Muslim Jamaat aus Politik und Medien. Eine große Zahl von Moscheen mit Minaretten und Kuppeln werden im Bundesgebiet von lokalen Mitgliedern einzelner Vereine gebaut. Eine große Anzahl von Hinterhofmoscheen entstehen.

Der Islam ist in der Moderne sehr zersplittert in unzählige Gruppierungen und selbstständige Lokalvereine. Jeder Verein beansprucht dabei, den Islam und alle Mitglieder einer Nation zu vertreten. Die Ditib Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V wird erst 1984 als eingetragener Verein angemeldet und beansprucht, den größten Teil der türkischen Muslime zu vertreten. Sie wird vom Türkei finanziert und gesteuert. Tatsächlich ist nur eine Minderheit der türkischen Muslime in Vereinen organisiert. Schätzungen belaufen sich auf 15-20 % der türkischen Muslime.[15]

Nach den Terroranschlägen rücken radikale islamische Ansichten ins Medieninteresse. So wie die Bevölkerung auf Moscheebauten mit Freude in den 50er reagierte, wird der Islam nun verstärkt als eine Gefahr betrachtet. Demonstrationen gegen Moscheebauten finden vermehrt statt. Insbesondere die erste Moschee in Ostdeutschland (Berlin Heinikendorf) führt zu Ängsten in der Bevölkerung.[16][17]

Einige kleinere Wahabitische Salafistische Vereine entstehen; diese werden vom Verfassungsschutz beobachtet und die ersten Vereine ab 1993 vom Bundesinnenmisterium verboten.[18]

2010 Als erster Bundespräsident in Deutschland stellt Wulff bei einer Grundsatzrede zur 20 Jährigen Einheit der Bundesrepublik fest, dass der Islam zu Deutschland gehört: Wortlauf" Der Islam gehört zu Deutschland" [19] 2015 bekräftigt Bundeskanzlerin Merkel diese Aussage mit den Worten: "Islam gehört unzweifelhaft zu Deutschland". [20]

2013 wird die Ahmadiyya Muslim Jamaat als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt und als erster und bisher einziger muslimischer Verband den christlichen Kirchen rechtlich und politisch gleichgestellt.[21]

2013 wird der erste Religionsunterricht in Islam an hessischen Schulen eingeführt.[22]

2015 Rund 35000 Muslime nehmen am Islamischen Kirchentag in der Karlsruhe Messe teil. (40. Jalsa Salana) der Ahmadiyya . [23]

Literatur[Bearbeiten]

  • Muhammad Salim Abdullah: Geschichte des Islams in Deutschland. Verlag Styria, Graz-Wien-Köln 1981, ISBN 3-222-11352-1
  • David Motadel: Islam and Nazi Germany's war. Cambridge, Mass. : Harvard University Press, 2014 (Dissertation University of Cambridge, 2011)

Siehe auch[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Peter Carstens: Viel mehr Muslime als gedacht FAZ.net vom 24. Juni 2009.
  2. Petra Kappert, Ruth Haerkötter, Ingeborg Böer : Türken in Berlin 1871 - 1945, de Gruyter Verlag Berlin 2002, ISBN 3-11-017465-0
  3. Jürgen Ahrens: Wie deutsch ist das denn?: Die populärsten Irrtümer über Deutschland und die Deutschen. Heyne Verlag, 9. September 2013, ISBN 9783641084011.
  4. Gerhard Höpp: Muslime unterm Hakenkreuz (Memento vom 14. August 2007 im Internet Archive) Website mit Infos zu den Jahren 1927 bis 1945
  5. Das Islam-Archiv in Solingen führt Bestände über die verschiedenen Gruppen, die sich nach 1945 in Deutschland "Weltkongress" nannten, nach folgendem Schema: "4. Gemeindegründung (ab 1963). 4.1. Islamischer Weltkongress / Deutsche Sektion (Wiedergründung) ab 1993. 4.2. Islamischer Weltkongress Deutschland (apT) e.V. (apT= altpreuss. Trad.)
  6. a b c Für eine differenzierte Sicht, Deutsche Welle, 2005
  7. Gerhard Höpp: Muslime unterm Hakenkreuz siehe vorherige Anmerkung dazu.
  8. Gerhard Höpp: Muslime unterm Hakenkreuz
  9. Thomas Lemmen: Muslime in Deutschland. eine Herausforderung für Kirche und Gesellschaft. In: Schriften des Zentrum für Europäische Integrationsforschung. Band 46, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden Baden 2001, S. 30.
  10. http://www.koran-auf-deutsch.de/
  11. Präsidenten der UNO
  12. n-tv: Moschee wird 50
  13. Stadt Frankfurt am Main: Muhammed Ali kam zum Freitagsgebet
  14.  Thomas Lemmen, Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.): Islamische Organisationen in Deutschland. Bonn 2000, ISBN 3-86077-880-3, Kapitel 5.7 "Organisationen der Ahmadis", S. 71/72 (online, abgerufen am 20. Juli 2015).
  15.  Thomas Lemmen, Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.): Islamische Organisationen in Deutschland. Bonn 2000, ISBN 3-86077-880-3, Kapitel 5 "Die islamischen Organisationen im einzelnen", S. 34-72 (online, abgerufen am 20. Juli 2015).
  16. http://www.neues-deutschland.de/artikel/959615.moschee-ist-akzeptiert-aber-nicht-geliebt.html
  17. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/religion-proteste-gegen-moschee-im-osten-berlins-a-457455.html
  18. http://www.neues-deutschland.de/artikel/959615.moschee-ist-akzeptiert-aber-nicht-geliebt.html[1] BMI Vereinsverbote
  19. BP Wulff Rede Der Islam gehört nun offiziell zu Deutschland
  20. Bundeskanzlerin Merkel zu Islam in Deutschland
  21. welt.de: Der Islam gehört nun offiziell zu Deutschland
  22. hr-online am 10. Januar 2010: Zwei mögliche Partner: Islam-Unterricht rückt näher. Archiviert vom Original am 12. Januar 2011, abgerufen am 3. Februar 2011.
  23. http://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article142019830/35-000-Muslime-feiern-Jahrestreffen-der-Ahmadiyya-Gemeinde.html

Weblinks[Bearbeiten]