Deutsch-türkische Beziehungen

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deutsch-türkische Beziehungen
Lage von Deutschland und Türkei
DeutschlandDeutschland TurkeiTürkei
Deutschland Türkei

Die Entwicklung deutsch-türkischer Beziehungen begann im 11. Jahrhundert, als zwischen dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und dem türkischen Sultanat der Rum-Seldschuken erste Kontakte geknüpft wurden. Nach dem Ende der staufischen Dynastie (12./13. Jahrhundert) existierten auf dem Gebiet des heutigen Deutschland zahlreiche kleinere Territorien. Das Osmanische Reich wurde 1299 gegründet; bis ins 17. Jahrhundert dehnte es sich territorial aus.

Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 wurden die wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Beziehungen intensiver.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Beginn des Kalten Krieges trat die Türkei 1952 der NATO bei, die Bundesrepublik 1955. 1961 schlossen die Türkei und Deutschland auf Drängen der Türkei ein Gastarbeiter-Anwerbeabkommen. Zahlreiche Gastarbeiter kamen nach Westdeutschland; eine große türkischen Diaspora in Deutschland entstand.

Deutschland betreibt eine Botschaft in Ankara, Generalkonsulate in Istanbul und Izmir sowie ein Konsulat in Antalya. Honorarkonsuln sind in Adana, Bodrum, Bursa, Edirne, Erzurum, Gaziantep, Kayseri und Trabzon tätig.[1] Die Türkei unterhält eine Botschaft in Berlin und Generalkonsulate in Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Hürth, Karlsruhe, Mainz, München, Münster, Nürnberg und Stuttgart. Honorarkonsuln sind in Aachen, Bremen und Regensburg aktiv.[2]

Beide Staaten sind Mitglieder des Europarates, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der OECD und der NATO. Die Türkei ist ein Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Entwicklung vor Gründung der Bundesrepublik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

19. Jahrhundert und Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Unterzeichnung des deutsch-türkischen Freundschaftsvertrages und Nichtangriffspaktes am 18. Juni 1941 in Ankara durch den deutschen Botschafter Franz von Papen und den türkischen Außenminister Şükrü Saracoğlu


Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Türkei hielt nach dem Ersten Weltkrieg die Beziehungen zu Deutschland aufrecht, die diplomatischen Beziehungen kamen jedoch erst im Jahre 1924 mit der Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrages in Gang. Der erste Gesandte wurde im März des Jahres Rudolf Nadolny, der im März 1925 auch formell zum Botschafter ernannt wurde.[3] Die nach wie vor geringe Rolle der Türkei in der deutschen Außenpolitik zeigte sich daran, dass ab Februar 1932 der Posten des deutschen Botschafters für rund zwei Jahre unbesetzt blieb. Auf militärischer Ebene wurden hingegen auch zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus intensive Beziehungen gepflegt: Deutschland half bei der Ausbildung türkischer Soldaten und war die primäre Quelle der Türkei für Rüstungsgüter; deutsche Firmen unterstützten außerdem den Aufbau der heimischen Waffenindustrie.

Die deutsche Außenpolitik seit der Machtergreifung Hitlers 1933 inklusive der Verletzungen des Versailler Vertrags wurde in der Türkei, die sich seit dem Vertrag von Sèvres in einer ähnlichen Lage sah, mit Verständnis aufgenommen. Als jedoch das Deutsche Reich am 1. September 1939 den Überfall auf Polen einleitete und diesen durch den Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion – die vielen Türken als Erzfeind galt – absicherte, wendete sich die Stimmung. Die Türkei war ein Dreierabkommen mit Frankreich und Großbritannien eingegangen, das Vereinbarungen „über gegenseitige Militärhilfe und Zusammenarbeit“ vorsah – ohne die Neutralität ganz aufzugeben. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 konnte Deutschland jedoch erneut erhebliche Sympathien in der Türkei, bis hin zum Staatspräsidenten İnönü, gewinnen. Der seit April 1939 als deutscher Botschafter amtierende Franz von Papen sicherte der Türkei zu, ihre territoriale Integrität zu respektieren.[4]

Im Oktober 1941 wurde das „Claudius-Abkommen“ (benannt nach dem deutschen Unterhändler Dr. Karl Clodius) geschlossen, wonach die Türkei bis zu 45.000 Tonnen Chromit-Erz nach Deutschland lieferte, sowie 90.000 Tonnen des Minerals in den Jahren 1943 und 1944, abhängig von Deutschlands Lieferung von militärischer Ausrüstung in die Türkei. Die Deutschen lieferten 117 Lokomotiven und 1.250 Waggons, um das Erz zu transportieren. In einem Versuch, die Lieferung dieses strategisch wichtigen Minerals nach Deutschland zu verhindern, gingen die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich auf eine sogenannte Shoppingtour des so bezeichneten "Abschlussfrist-Kaufes" (engl. preclusive purchasing/buying): Sie kauften türkisches Chromit sogar dann, wenn sie nicht so viel davon für sich brauchten; als Teil dieses "Paketdeals" musste die anglo-amerikanische Allianz auch getrocknete Früchte und Tabak kaufen.[5]

Im August 1944, als die sowjetische Armee in Bulgarien einmarschierte und so den Landweg-Kontakt zwischen der Türkei und den Achsenmächten trennte, kappte die Türkei sowohl ihre diplomatischen als auch ihre Handelsbeziehungen mit Deutschland. Am 23. Februar 1945 erklärte die Türkei auf Seiten der Alliierten dem nationalsozialistischen Deutschland schließlich den Krieg.[5]

In der Zeit des Nationalsozialismus gingen mehrere hundert Verfolgte ins Exil in der Türkei.

Anwerbeabkommen von 1961[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Türkische und zyperntürkische Jugendliche treten als Osmanische Militärband in Uetersen auf.

Im Jahr 2012 hatten etwa 3,0 Millionen Einwohner in Deutschland einen türkischen Migrationshintergrund, davon die Hälfte mit eigener Migrationserfahrung.[6][7] Insgesamt hatten im Jahr 2012 16,3 Millionen Einwohner in Deutschland einen Migrationshintergrund.

Deutschland und der türkische EU−Beitritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1963 wurde ein Assoziierungsabkommen zwischen der Türkei und der (damaligen) EWG abgeschlossen, das auch eine Vollmitgliedschaft in Aussicht stellte; im April 1987 beantragte die Türkei die Aufnahme in die (damalige) EG.[8] Deutschland unterstützte die türkische Bitte der EU-Aufnahme keineswegs konsequent. Der Grad der Unterstützung variierte hat im Lauf der Zeit: Bundeskanzler Helmut Kohl lehnte den türkischen Wunsch ab, während Gerhard Schröder als ein überzeugter Unterstützer des türkischen EU-Beitritts galt. Am 11. Dezember 1999 (Kabinett Schröder IKabinett Ecevit V) erhielt die Türkei offiziell den Status als Beitrittskandidat zuerkannt und am 3. Oktober 2005 (spätes Kabinett Schröder IIKabinett Erdoğan I) wurden die Verhandlungen mit dem Ziel einer (Voll-)Mitgliedschaft begonnen, wobei sich Österreich (Bundesregierung Schüssel II) zwischenzeitlich auch für eine Alternative zur Vollmitgliedschaft ausgesprochen hatte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich für eine "vage definierte Partnerschaft"[9] aus und stellte sich gegen eine Vollmitgliedschaft der Türkei innerhalb der EU.[10][11] Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan antwortete darauf im Juli 2009, dass das türkische Volk niemals eine sogenannte privilegierte Partnerschaft akzeptieren werde. Seit jeher erstrebten die Türken eine Vollmitgliedschaft in der EU.[10]

Im Jahre 2006 warnte Bundeskanzlerin Merkel, dass die Türkei in „tiefen, tiefen“ Ärger geraten könne, wenn es zur Erfüllung der Hoffnungen der Türkei kommen würde. Sie kritisierte die türkische Politik bezüglich der Vertreibung der Zypern-Griechen aus Nordzypern.[12] Zudem fügte sie hinzu:

„Wir brauchen eine Umsetzung des Ankara-Protokolls über uneingeschränkten Handel auch mit und zu Zypern. Andernfalls wird die Situation sehr, sehr ernst, wenn es um die Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen der Türkei kommt. Ich appelliere an die Türkei, alles zu tun, um eine solche komplizierte Situation zu vermeiden und nicht die Europäische Union in eine solche Situation zu führen.“

Weiter könne sie sich nicht vorstellen, die Verhandlungen ohne Zugeständnisse seitens Ankaras zur Öffnung ihrer Häfen für zyprische Schiffe fortzuführen.[12] Die türkische Regierung antwortete damit, dass im Gegenzug die EU ihr Embargo über den von der Türkei kontrollierten Teil der Insel Zypern aufheben soll.[13]

Im März 2016 erklärten unter anderem Justizminister Heiko Maas und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gegenüber dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, dass sie einen EU-Beitritt für möglich hielten.[14]

Politische Beziehungen in der Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsch-türkischen Beziehungen haben sich aufgrund der Anerkennung und Kritik der Bundesrepublik am türkischen Völkermord an den Armeniern 2016, an den Massenverhaftungen nach dem Putschversuch im gleichen Jahr (inklusive der Festnahme von deutschen Journalisten wie Die Welt-Autor Deniz Yücel), sowie am Wandel der Türkei unter der AKP und Erdogan hin zu einer islamisch-konservativen, neoosmanischen Autokratie, signifikant verschlechtert.

Entwicklung seit 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Juni 2016 beschloss der Deutsche Bundestag mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung auf Antrag der Fraktionen von CDU/CSU, SPD und Grünen die Resolution „Erinnerung und Gedenken an den Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in den Jahren 1915 und 1916“.[15] Bundeskanzlerin Merkel, Vizekanzler Gabriel und der damalige Außenminister Steinmeier nahmen nicht an der Debatte teil.[16]

Präsident Erdoğan drohte, die Resolution werde „ernste“ Folgen für die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben.[17] (siehe auch Völkermord an den Armeniern#Deutschland)

Nach dem Putschversuch in der Türkei Mitte Juli 2016 ergriff Erdogan radikale Maßnahmen: Massenverhaftungen, Entlassung zehntausender Staatsbediensteter, z.B. Polizisten, Lehrer und Richter. Ende 2016 wurde ein Haftbefehl gegen den deutschen Journalisten Deniz Yücel ausgestellt.

Anfang März 2017 litten die deutsch-türkischen Beziehungen auf politischer Ebene, insbesondere durch Drohungen und Vorwürfe seitens der türkischen Regierung, die deutsche Regierung wende Nazi-Methoden an, übe Spionage in der Türkei und unterstütze den Terrorismus und Faschismus, sorgten für eine diplomatische Krise innerhalb der bilateralen Beziehung.[18][19][20]

Türkeis Justizminister Bekir Bozdag behauptete, die abgesagten Wahlkampauftritten von türkischen Politikern in Deutschland im Rahmen des Verfassungsreferendums der Türkei ein „faschistisches Vorgehen“ von deutschen Behörden[21] gewesen. Außenminister Cavusoglu äußerte bei einer Ansprache vor dem türkischen Generalkonsulat in Hamburg, türkische Staatsbürger würden in Deutschland „systematisch Unterdrückt“, sprach von „systematischer Propaganda gegen unsere Veranstaltungen“ und drohte mit „Erwiderung...aller Mittel“ bei „gleichbleibender Behandlung“.[22][23] In Verbindung mit dem Fall von Deniz Yücel und den Streit um Wahlkampfauftritte zwischen den Niederlanden und der Türkei warf Erdoğan Angela Merkel „Nazi-Praktiken“ und „Unterstützung des Terrorismus“ vor.[24][25][26]

Ende April 2017 wurde die deutsche Journalistin Meşale Tolu im Rahmen ihrer Pressetätigkeit festgenommen, ohne dass deutsche Behörden hierüber informiert wurden.

Im Juni 2017 wurde von der deutschen Regierung beschlossen, die auf der türkischen Air Base in Incirlik stationierten deutschen Soldaten abzuziehen, da die Erdogan-Regierung fast ein ganzes Jahr deutschen Bundestagsabgeordneten Besuche dort verweigert hatte. In den Monaten zuvor wurde ihnen auch der Zugang zur Basis des NATO Airborne Early Warning and Control Programme Management Organisation (NAPMO) in Konya verweigert.[27] Eine parlamentarische Kontrolle des Bundeswehreinsatzes war trotz mehrfacher und langer diplomatischer Bemühungen nicht möglich.[28][29]

Am 5. Juli 2017 wurde der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner auf einer internen Veranstaltung von Amnesty International festgenommen. Steudtner wurde rund eine Woche später in Untersuchungshaft genommen; ihm wird die 'Unterstützung einer bewaffneten terroristischen Vereinigung' vorgeworfen. Daraufhin bestellte die deutsche Regierung den türkischen Botschafter ein und reagierte wenig später verbunden mit der Verschärfung der Reise- und Sicherheitshinweise und einem dazugehörigen Pressestatement des Bundesaußenministers Sigmar Gabriel auf die veränderte Menschenrechtslage in der Türkei.[30]

Frank-Walter Steinmeier, seit 2017 Bundespräsident und von 2005 bis 2009 sowie von 2013 bis 2017 Bundesaußenminister, hat die neue Politik der Bundesregierung gegenüber der Türkei begrüßt und Erdoğan scharf kritisiert. Er halte es „auch eine Frage der Selbstachtung unseres Landes“, „hier deutliche Haltsignale zu senden.“[31]

Staatsbesuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Monogramm von Wilhelm II. und die Tughra von Abdülhamid II. an der Kuppel des Deutschen Brunnens in Istanbul, zum Gedenken an des Kaisers Besuch in der Türkei im Jahr 1898

Im Jahre 2006 besuchte Kanzlerin Angela Merkel den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, um über den Beitritt der Türkei in die Europäische Union zu diskutieren.[32]

Im Jahre 2008 besuchte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan Kanzlerin Merkel in Berlin und besuchte im Rahmen des Besuchs auch München. Er schlug während des Besuchs vor, dass die deutsche Regierung türkische Schulen und Medien etablieren sollte, und dass deutsche Hochschulen mehr Lehrer aus der Türkei einstellen sollten.[33]

Im Jahre 2011 machte der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan eine weitere Visite nach Deutschland. Auf seiner Rede in Düsseldorf drängte er die Türken in Deutschland, sich zu integrieren, sich aber keineswegs zu assimilieren – eine Erklärung, welche einen politischen Aufschrei in Deutschland verursachte.[34]

Beziehungen zwischen türkischen und deutschen Parteien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontakte von AKP und CDU

Am 16. Februar 2004, eine Woche vor dem Besuch des damaligen SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder,[35] trafen Angela Merkel, die Vorsitzende der damaligen Oppositionspartei CDU, und Wolfgang Schäuble, damals CDU-Fraktionsvize, mit Vertretern der türkischen Regierungspartei AKP zusammen. Das Presseecho war etwas perplex, so titelte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am frühen Morgen: „EU-Wahlkampf: Merkel auf Anti-Türkei-Reise“, sieben Stunden war der Titel: „CDU will mit islamischer AKP kooperieren“ und wieder fünf Stunden später lautete der Titel schließlich: „EU-Erweiterung: Erdogan lässt Merkel abblitzen“.[36][37][38]

Ende Juli 2016 warnte das CDU-Netzwerk Union der Vielfalt vor der Einflussnahme der AKP auf die Union und schickte einen Bericht an Abgeordnete und an die Parteiführung der CDU.[39][40][41]
Am 19. August 2016 veröffentlichte die Tageszeitung Die Welt ein Interview mit dem EU-Botschafter Selim Yenel, in dem dieser auf die Frage: „Was fordern Sie jetzt konkret von EU-Politikern?“, antwortete: „Die Türkei erwartet, dass Bundeskanzlerin Merkel, EU-Ratspräsident Tusk, der Präsident der Europäischen Kommission Juncker oder die slowakische EU-Ratspräsidentschaft unser Land jetzt besuchen. Sie würden damit die Demokratie in der Türkei unterstützen und zeigen, dass sie verstanden haben, dass die Demokratie bewahrt wurde. […]“.[42][43]
Zusammenarbeit der Jugendorganisationen von CHP und SPD

Die Jugendorganisation SPD, die Jusos, und die Jugendorganisation der CHP erklärten in einem Artikel aus dem Oktober 2014 ihre Zusammenarbeit: Wir als Jugendorganisationen der CHP und der SPD verkünden hiermit; Wir kämpfen für eine freie, solidarische und demokratischere Gesellschaft. Sowohl in der Türkei als auch in Deutschland finden wir immer wieder Zustände vor, die wir verändern wollen und müssen. […][44]

Wahlaufruf der Partei Bündnis 90/ Die Grünen für die Partei HDP

Im Mai 2015 rief die Partei Bündnis 90/Die Grünen in Deutschland lebende türkische Staatsbürger dazu auf, in der anstehenden Parlamentswahl in der Türkei Juni 2015 für die türkische Partei HDP zu stimmen.[45]

Wirtschaftliche Beziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland und die Türkei unterhalten enge wirtschaftliche Beziehungen, die bereits durch Handelsbeziehungen seit dem Mittelalter vorgezeichnet sind. Diese wurden im 19. Jahrhundert durch den Ausbau der osmanischen Infrastruktur mithilfe deutscher Firmen vertieft. Seit 1996 existiert eine Zollunion mit der EU. Ein besonders großer Teil der deutschen Exporte in die Türkei entfällt auf Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse und Kraftfahrzeuge sowie Zulieferteile für die Automobilindustrie. Textilien, Lederwaren und Lebensmittel sowie zunehmend Kraftfahrzeuge und Elektronikartikel zählen zu den wichtigsten deutschen Importen aus der Türkei.[46]

2007 war Deutschland mit 13 % der Importe und 14 % der Exporte größter Handelspartner der Türkei: Deutschland ist mit über 13 % (11,9 Mrd. US-$) der Importe und ca. 17 % (9,4 Mrd. US-$) der Exporte der größte Handelspartner der Türkei.[46]

Tourismus in die Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Auswärtige Amt der BRD gibt dazu im Frühjahr 2017 eine spezifische Reisewarnung heraus:

„...unbeachtlich des gesetzlichen Anspruchs deutscher Staatsangehöriger auf konsularischen Rat und Beistand, (kann) ein konsularischer Schutz gegenüber hoheitlichen Maßnahmen der türkischen Regierung und ihrer Behörden nicht in jedem Fall gewährt werden, wenn der oder die Betroffene auch die türkische Staatsangehörigkeit besitzt. ... Es wird dringend davon abgeraten, in der Öffentlichkeit politische Äußerungen gegen den türkischen Staat zu machen bzw. Sympathie mit terroristischen Organisationen zu bekunden. ... Reisende sollten besonders aufmerksam sein und Menschenansammlungen und Orte, an denen sich regelmäßig viele Ausländer aufhalten, möglichst meiden.“

Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland, seit 12. Mai 2017[47]

Deutsch-türkischer Jugendaustausch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kooperation im Deutsch-Türkischen Jugendaustausch wurde erstmals 1994 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Generaldirektorat für Jugend und Sport beim türkischen Ministerpräsidenten ins Leben gerufen.

Nach dem Putschversuch in der Türkei 2016 ist das Interesse an einem Austausch bei deutschen Jugendlichen gesunken. Demgegenüber ist das Interesse türkischer Jugendlicher an einen Austausch nach Deutschland gestiegen. Jedoch finden sich mittlerweile kaum deutsche Gastfamilien, die die türkischen Austauschschüler aufnehmen wollen.[48]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hatice Byraktar und Ramazan Çalik: One Step Forward and Two Steps Back: The Slow Process of Reestablishing Diplomatic Relations between Germany and Turkey after the First World War, in: Journal of Middle Eastern Studies, Jd. 47, Heft 2. Routledge, London 2011.
  • Sabine Mangold-Will: Begrenzte Freundschaft. Deutschland und die Türkei 1918–1933. Wallstein Verlag, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-1351-4.
  • Torben Gülstorff: Vom Orient zum Nahen Osten: Orient-Perzeptionen und -Interpretationen der westdeutschen Diplomatie, ein Jahr nach der Konferenz von Bandung. In: Barbara Haider-Wilson, Maximilian Graf (Hrsg.): Orient & Okzident. Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten. Wien 2016, ISBN 978-3-9503061-9-4, S. 719–750.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsch-türkische Beziehungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hoşgeldiniz! Herzlich willkommen bei der Deutschen Botschaft Ankara. Abgerufen am 6. Januar 2012 (deutsch).
  2. Türkische Botschaft Berlin, Bundesrepublik Deutschland. Abgerufen am 6. Januar 2012 (türkisch).
  3. Ungleiche Freunde. Türken und Deutsche nach dem ersten Weltkrieg, in: FAZ vom 17. August 2011, Seite N4.
  4. Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust, Internationale Kommunikationswerkstatt, Berlin 2008, ISBN 978-3-935936-49-1, S. 157–167
  5. a b Beziehungen und Verhandlungen der Achsenmächte mit der Türkei (PDF; 153 kB), Staatsdepartement, Seiten 6-8
  6. Migrationsbericht des BAMF 2012 (S. 138, Webseite des BAMF, abgerufen am 1. Mai 2016)
  7. alte Quelle für 1995: Mesassoc-Bulletin Türkei Deutschland (Memento vom 29. Mai 2007 im Internet Archive)
  8. EU-info: Türkei (www.eu-info.de, abgerufen am 17. August 2016)
  9. Taiwan-Nachrichten Türkei
  10. a b Zaman heute: Angela Merkels Position zum türkischen EU-Beitritt
  11. Hofierte Neuigkeiten: Türkischer EU-Beitritt und Deutschland
  12. a b The Magazine International: Turkish hopes and Cyprus
  13. Der Spiegel: Deutschland und die Türkei in Bezug auf den türkischen EU-Beitritt
  14. Bundesregierung: Maas und von der Leyen sehen EU-Beitrittsperspektive für Türkei (Webseite von Spiegel-online, 11. März 2016)
  15. bundestag.de: Volltext (pdf)
  16. FAZ.net, 2. Juni 2016: Bundestag: Völkermord-Resolution fast einstimmig verabschiedet, abgerufen am 2. Juni 2016.
  17. Türkischer Justizminister spricht Deutschland Recht auf Kritik ab. FAZ.net 2. Juni 2016.
  18. Türkei: Erdoğan wirft Deutschland "Nazi-Praktiken" vor. In: Die Zeit. 5. März 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. Juni 2017]).
  19. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Türkischer Außenminister in Hamburg: Problem? - SPIEGEL ONLINE - Politik. Abgerufen am 16. Juni 2017.
  20. Tiroler Tageszeitung Online: „Schande über Dich“: Erdogan nimmt Merkel ins Visier | Tiroler Tageszeitung Online - Nachrichten von jetzt! In: Tiroler Tageszeitung Online. (tt.com [abgerufen am 16. Juni 2017]).
  21. Erdogan wirft inhaftiertem Journalisten Yücel Spionage vor. (tagesspiegel.de [abgerufen am 16. Juni 2017]).
  22. n-tv Nachrichtenfernsehen: Türkischer Minister in Hamburg: Cavusoglu greift Deutschland scharf an. In: n-tv.de. (n-tv.de [abgerufen am 16. Juni 2017]).
  23. Erdogan wirft inhaftiertem Journalisten Yücel Spionage vor. (tagesspiegel.de [abgerufen am 16. Juni 2017]).
  24. tagesschau.de: Erdogan wirft Merkel persönlich "Nazi-Methoden" vor. Abgerufen am 16. Juni 2017.
  25. Deutsche Welle (www.dw.com): Nazi-Vorwürfe: Merkel droht der Türkei - türkische Regierung legt nach | Aktuell Europa | DW | 20.03.2017. Abgerufen am 16. Juni 2017 (deutsch).
  26. Türkei-Streit eskaliert: Erdogans Angriffe auf Merkel werden auf einmal persönlich - WELT. Abgerufen am 16. Juni 2017.
  27. Türkei: Deutsche Abgeordnete dürfen Stützpunkt in Konya besuchen. In: Die Zeit. 26. Mai 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. Juni 2017]).
  28. Ludwig Greven, © Jakob Börner, Ludwig Greven: Türkei: Erdoğan lässt der Bundesregierung keine Wahl. In: Die Zeit. 6. Juni 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. Juni 2017]).
  29. Incirlik: Von der Leyen will nach Armenien-Streit selbst in die Türkei reisen. In: Die Zeit. 26. Juni 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. Juni 2017]).
  30. auswaertiges-amt.de 20. Juli 2017: Außenminister Sigmar Gabriel zur Lage in der Türkei (Pressemitteilung)
  31. sueddeutsche.de 22. Juli 2017: Steinmeier fordert "deutliche Haltsignale" gegenüber der Türkei
  32. Der Spiegel: International Deutschland und die Türkei
  33. Spiegel: Ministerpräsident Erdogan und Kanzlerin Merkel
  34. Der Spielgel in Europa: Recep Tayyip Erdogan und Deutschland
  35. Schröder unterstützt Beitrittswunsch der Türkei (Artikel vom 23. Februar 2004, www.faz.net)
  36. EU-Wahlkampf: Merkel auf Anti-Türkei-Reise (Spiegel-online, 16. Februar 2004 – 06:33 Uhr)
  37. Merkels Türkeireise: CDU will mit islamischer AKP kooperieren (Spiegel-online, 16. Februar 2004 – 13:36 Uhr), veröffentlichtes Foto vom Zusammentreffen mit dem damaligen Innenminister
  38. EU-Erweiterung: Erdogan lässt Merkel abblitzen (Spiegel-online, 16. Februar 2004 – 18:33 Uhr)
  39. Migranten in CDU warnen: „Die Union wird von türkischen Nationalisten infiltriert“ (Artikel vom 31. Juli 2016 auf http://www.huffingtonpost.de)
  40. Migranten warnen CDU vor Infiltration durch AKP (Artikel vom 31. Juli 2016 auf www.welt.de)
  41. Deutschtürken streiten über Erdogan:Denunziationen und gezielte Einflussnahme (Artikel vom 4. August 2016 auf www.deutschlandfunk.de)
  42. EU-Botschafter: "Die Türkei will der EU vor 2023 beitreten" (Artikel vom 19. August 2016, www.welt.de)
  43. Staatsminister Roth reist in die Türkei (Pressemitteilung des Auswärtigen Amts vom 24. August 2016)
  44. Stärkere Zusammenarbeit CHP-Jugend und Jusos (Webseite der Jusos, 22. Oktober 2014)
  45. Aufruf von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN zur Wahl der HDP bei den türkischen Parlamentswahlen (Webseite von Bündnis 90/Die Grünen, 18. Mai 2015)
  46. a b Auswärtiges Amt: Deutschland in der Türkei
  47. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/TuerkeiSicherheit.htm Online
  48. Bildungsaustausch in der Krise – Deutsche wollen kaum noch in Türkei lernen. n-tv, 15. August 2017, abgerufen am 15. August 2017.