Gottfried Kinkel (Schriftsteller)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gottfried Kinkel

Johann Gottfried Kinkel (* 11. August 1815 in Oberkassel; † 13. November 1882 in Zürich) war ein deutscher evangelischer Theologe, Professor für Kunst-, Literatur- und Kulturgeschichte, Schriftsteller, Kirchenlieddichter und demokratisch gesinnter Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal im Geburtsort Oberkassel von Gustav Rutz (1906)
Johann Gottfried Kinkel

Gottfried Kinkel war der Sohn des Pastors Johann Gottfried Kinkel und dessen Ehefrau Sibylla Marie Beckmann. Nach dem Abitur immatrikulierte sich Kinkel 1831 an der Universität Bonn für das Fach Theologie. Hier wurde er auch Mitglied der Burschenschaft.[1] 1834 wechselte er nach Berlin, um dort bis 1835 ebenfalls evangelische Theologie zu studieren. In den Jahren 1836 bis 1838 legte Kinkel mit Erfolg die erforderlichen Prüfungen am Koblenzer Konsistorium der altpreußischen Kirchenprovinz Rheinland und der theologischen Fakultät in Bonn ab. Als Dozent für Kirchengeschichte gehörte Kinkel seit 1837 bereits letzterer an.

Im Frühjahr 1839 lernte er Johanna, die Tochter seines früheren Lehrers Peter Mockel, kennen. Diese Beziehung wurde sofort Stadtgespräch in ganz Bonn, da Johanna katholisch war und noch dazu in Scheidung lebte. Aber erst im September desselben Jahres wurden sie ein Paar. Bei einem Ausflug an und auf dem Rhein kenterte ihr Ruderboot und Kinkel rettete die Nichtschwimmerin.

Der Skandal weitete sich aus, als die Katholikin, der eine Wiederverheiratung verboten war, kurzerhand zum evangelischen Glauben konvertierte. Da der in dieser Zeit für das Rheinland zuständige Code Napoléon eine 36-monatige Karenzzeit zwischen Scheidung und Wiederverheiratung vorsah und der Ehemann von Johanna erst 1840 in die Scheidung einwilligte, konnten die beiden erst 1843 heiraten. Emanuel Geibel, ein Freund der beiden, war Trauzeuge.

Im Juni 1840 gründeten Gottfried Kinkel und seine spätere Ehefrau Johanna Kinkel zusammen mit Freunden in Bonn den Maikäferbund.

Nach dieser Heirat war Kinkel für die theologische Fakultät der Universität nicht mehr tragbar. Daher wurde er am 28. November 1845 umhabilitiert und der philosophischen Fakultät zugeordnet.[2] Ab 1846 wirkte Kinkel als außerordentlicher Professor für Kunst-, Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Bonn.

Zwei Jahre später, 1848, wurde er Redakteur der Bonner Zeitung. Am 31. Mai 1848 gründete er den demokratischen Verein in Bonn.[3] Am 5. Februar 1849 wurde er als demokratischer Kandidat für den Wahlkreis Bonn-Sieg in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt.[4] Schon bald wurde er – getragen von der allgemeinen politischen Unzufriedenheit – die Symbolfigur derer, welche eine Republik gründen wollten.

Kinkel wurde wegen seiner Beteiligung am Siegburger Zeughaussturm im Mai 1849 am 19. Januar 1850 angeklagt, aber am 2. Mai 1850 vom Geschworenengericht in Köln freigesprochen.[5] 1849 nahm Kinkel auch am badisch-pfälzischen Aufstand teil und wurde von den Preußen nach der Einnahme der Festung Rastatt verhaftet. Er wurde erst in den Kasematten von Rastatt und dann im Rathausturm von Karlsruhe eingesperrt.[6] Am 4. August wurde er vom preußischen Kriegsgericht in Rastatt nicht zum Tode, sondern nur zu lebenslanger Festungshaft verurteilt.[7] Sein Freund Carl Schurz entging der Verhaftung in Rastatt durch eine Flucht über einen aus der Festung führenden Abwasserkanal. Auf Intervention des Königs wurde entschieden, dass Kinkel seine Strafe in einem gewöhnlichen Zuchthaus verbüßen sollte, weshalb er erst in das Gefängnis in Bruchsal und dann in das preußische Zuchthaus Naugard in Pommern gebracht wurde. Nach dem Prozess in Köln wegen des Siegburger Zeughaussturms wurde er im Mai 1850 in das Zuchthaus Spandau bei Berlin überführt.[8] Praktisch über Nacht avancierte Kinkel zum Märtyrer der Revolution. Es bildeten sich in vielen Städten Kinkel-Komitees, welche Geld sammelten, um seine Familie zu unterstützen.

Heimlich erfuhr hier auch Carl Schurz Unterstützung. In der Nacht vom 6. auf den 7. November 1850 konnte er in einer gewagten Aktion mit Unterstützung eines Gefängniswärters seinen Freund Kinkel aus dem Zuchthaus in Spandau befreien. Die beiden flohen durch Mecklenburg über Rostock und Warnemünde in das Vereinigte Königreich. Nachdem sie Warnemünde am 17. November 1850 mit einem Schiff des Rostocker Reeders Ernst Brockelmann verlassen hatten, gelangten sie am 1. Dezember 1850 in die schottische Hauptstadt Edinburgh, von wo sie per Bahn nach London weiterreisten. Noch im Dezember 1850 fuhren sie nach Paris weiter. Kinkel kehrte jedoch kurz danach nach London zurück, während Schurz vorerst in Frankreich blieb, bis er nach seiner Ausweisung ebenfalls nach London ging.[9]

Im Januar 1851 folgte Johanna Kinkel mit den vier Kindern ihrem Mann nach London. Im September desselben Jahres ging Kinkel in die USA, auch um Spenden für eine Befreiungsarmee zu sammeln. Er reiste vom 14. September 1851 bis zum 25. Februar 1852 durch die Vereinigten Staaten, um Gelder für eine neue Revolution in Deutschland zu sammeln[10][11] In der Zwischenzeit blieb die Familie in London. Im März 1852 kehrte Kinkel nach London zurück. Dort wurde er Professor für Literaturgeschichte am Hyde-Park-College, später am Bedford-College.

Am 15. November 1858 starb seine Ehefrau Johanna. Kurz darauf gründete Gottfried Kinkel in London die deutschsprachige Zeitung Hermann, deren erster Chefredakteur er wurde. Zwar legte Kinkel die Herausgeberschaft bereits im Sommer 1859 wieder nieder. Die Zeitung konnte sich auch unter seinem Nachfolger Ernst Juch erfolgreich behaupten und ging später in der Londoner Zeitung auf, die bis 1914 erschien. Im Jahre 1860 heiratete Kinkel die in London lebende Minna Werner aus Königsberg. 1861 beauftragte ihn die britische Regierung mit Vorträgen zur älteren und neueren Kunstgeschichte im South-Kensington-Museum. Damit wurde der Grundstein für das Unterrichtsfach Kunstgeschichte in Großbritannien gelegt. Im Jahre 1863 wurde er als Examinator an die Universität London berufen. Im Jahre 1869 gründete er dort mit deutschen Künstlern und Literaten den Verein für Wissenschaft und Kunst.

Im Jahre 1866 nahm er eine Professur für Kunstgeschichte am Eidgenössisches Polytechnikum Zürich an, der heutigen Eidgenössischen Technischen Hochschule. Dort gründete Kinkel kurze Zeit später das Zürcher Kupferstichkabinett. Am 13. November 1882 starb Gottfried Kinkel nach längerer Krankheit in Zürich, ohne dass ihm eine Amnestie des preußischen Staates zuteilgeworden wäre. Er wurde auf dem Zürcher Friedhof Sihlfeld begraben. Die Offene Ganztagsschule in Bonn-Oberkassel[12] und die Gottfried-Kinkel-Realschule in Bonn-Kessenich[13] sind ebenso nach ihm benannt wie die Kinkelstrasse im Kreis 6 und im Kölner Stadtbezirk Lindenthal[14].

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Ahr (1846) (Ausgabe 1858 als Digitalisat)
  • Gedichte. Cotta, Stuttgart 1852.
  • Doktor Ypocras (1877)
  • Der Grobschmied von Antwerpen (1842)
  • König Lothar von Lotharingien oder gekränktes Recht (1842)
  • König und Dichter (1851)
  • Mosaik zur Kunstgeschichte (1876)
  • Otto der Schütz. Eine rheinische Geschichte in zwölf Abenteuern (Cotta'sche Handbibliothek; Bd. 171). Cotta, Stuttgart/Tübingen 1846
  • Predigten über auserwählte Gleichnisse und Bildreden Christi, nebst Anhang einige Festpredigten (1842)
  • Tanagra. Idyll aus Griechenland. Wertermann, Braunschweig 1883.
  • Vom Rhein (1847)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arthur F. Busenius: Gottfried Kinkel. Verlag der modernen Klassiker, Leipzig 1859.
  • Arthur Friedrich Bussenius: Gottfried Kinkel. 2. Aufl., Ernst Balde, Cassel 1852. (Digitalisat)
  • Otto Maußer: Kinkel, Gottfried und Johanna Kinkel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 55, Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 515–528.
  • Carl Enders: Gottfried Kinkel im Kreise seiner Jugendfreunde. Marcus & Weber, Bonn 1913.
  • Edith Ennen: Gottfried Kinkel. In: Rheinische Lebensbilder. Bd. 1, Köln 1961, S. 168–188.
  • Edith Ennen: Kinkel, Gottfried. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 623 f. (Digitalisat).
  • Joseph Joesten: Gottfried Kinkel. Sein Leben, Streben und Dichten für das deutsche Volk. Mit einer Auswahl Kinkel'scher Dichtungen. Kölner Verlags- & Druckanstalt, Köln 1904. (Digitalisat)
  • „Liebe treue Johanna!“ „Liebster Gottit!“ Der Briefwechsel zwischen Gottfried und Johanna Kinkel 1840–1858. Bearb. von Monica Klaus, Bd 1–3. Stadt Bonn 2008.
  • Josef Niesen: Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bouvier Verlag, Bonn 2011.
  • Andreas Röpcke: "Ein Ring bin ich in großer Kette" - Erinnerung an Gottfried Kinkel. In: Reinhard Bockhofer [Hrsg.]: Verachtet, verfolgt, verdrängt. Deutsche Demokraten 1760–1986. Bremen 2007, S. 106–115.
  • Carl Schurz: Carl Schurz und Gottfried Kinkel in der deutschen Revolution 1848-1849. Schaffstein, Köln 1949.
  • Carl Schurz: Lebenserinnerungen bis zum Jahre 1852. Georg Reimer, Berlin 1911.
  • Moritz Wiggers; Peter Starsy: Durch Mecklenburg in die Freiheit … Gottfried Kinkels Befreiung. In: Neubrandenburger Mosaik, Neubrandenburg 24 (2000), S. 85–159 (Erstveröffentlichung in der Gartenlaube 1863)
  • Hermann Rösch: Gottfried Kinkel, Dichter und Demokrat. Edition Lempertz, Königswinter 2006. ISBN 3-933070-85-6.
  • Adolf Strodtmann: Gottfried Kinkel. Wahrheit ohne Dichtung. Biographisches Skizzenbuch. Hoffmann und Campe, Hamburg 1850. (Digitalisat)
  • Adolf Strodtmann: Gottfried Kinkel. Saur, München 1991. (24 Mikrofiches, Nachdruck der Ausgabe Hamburg 1850/51).
  • Klaus Schmidt: Gerechtigkeit, das Brot des Volkes - Johanna und Gottfried Kinkel. Eine Biographie. Radius-Verlag, Stuttgart 1996. ISBN 3-87173-096-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gottfried Kinkel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Gottfried Kinkel – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwig Meyer (1827–1900): Forscher, Lehrer und Begründer des „no restraint“
  2. Fritz Milkau, Verzeichniß der Bonner Universitäts-Schriften 1818–1885, Bonn 1897, S. 408.
  3. Walter Keßler, Carl Schurz: Kampf, Exil und Karriere. Greven Verlag, Köln 2006, Seite 20
  4. Rösch, Seite 100
  5. Walter Keßler, Carl Schurz: Kampf, Exil und Karriere. Greven Verlag, Köln 2006, Seite 28
  6. Walter Keßler, Carl Schurz: Kampf, Exil und Karriere. Greven Verlag, Köln 2006, Seite 40
  7. Walter Keßler, Carl Schurz: Kampf, Exil und Karriere. Greven Verlag, Köln 2006, Seite 41
  8. Walter Keßler, Carl Schurz: Kampf, Exil und Karriere. Greven Verlag, Köln 2006, Seite 42
  9. Walter Keßler, Carl Schurz: Kampf, Exil und Karriere. Greven Verlag, Köln 2006, Seiten 50–53
  10. „Glühende Toaste auf die Freiheit aller Welt ...“ Gottfried Kinkels Agitationsreise nach Amerika 1851/51 ... Nach den Quellen dargest., beschr. u. erl. von Monica Klaus, hg. von Ingrid Bodsch. Bonn 2015
  11. Walter Keßler, Carl Schurz: Kampf, Exil und Karriere. Greven Verlag, Köln 2006, Seite 54
  12. http://www.gottfried-kinkel-grundschule.de/
  13. https://web2.cylex.de/firma-home/gottfried-kinkel--realschule-607183.html
  14. Konrad Adenauer, Volker Gröbe: Straßen und Plätze in Lindenthal. J. P. Bachem, Köln 1992, ISBN 3-7616-1018-1, S. 89 f.