Grafit Verlag

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Grafit Verlag
Grafit Verlag logo.svg
Gründung   1989
Sitz   erst Dortmund, seit 2019 Köln
Verleger   bis 2010 Rutger Booß, bis 2018 Ulrike Rodi, seit 2019 Hejo Emons
Verlagsnummer   89442[1]
Gattung   Kriminalroman
Website   http://www.grafit.de/

Der Grafit Verlag wurde 1989 in Dortmund gegründet. Seit dem 1. Januar 2019 gehört er zum Emons Verlag in Köln.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagen des Grafit Verlages unweit des ehemaligen Verlagssitzes in Dortmund

Rutger Booß gründete 1989 in Dortmund einen konzernunabhängigen Privatverlag, in dem er Sachbücher und Kriminalromane veröffentlichte, deren Rechte er vom Weltkreis-Verlag übernommen hatte. Weltkreis war ein Verlag der politischen Linken, der 1987 vom DKP nahen Pahl-Rugenstein Verlag übernommen worden war.[3] Im Jahr 1989 ging der Pahl-Rugenstein Verlag insolvent, für den Booß als Lektor gearbeitet hatte. Der Verlagsname Grafit geht auf einen Vorschlag des Autors und Journalisten Werner Schmitz zurück, der „etwas Griffiges“ wollte.[4] Schon im Gründerjahr wurden neue Bücher veröffentlicht, wie der Kriminalroman „Das Ekel von Datteln“ von Reinhard Junge und Leo P. Ard (eigentlich Jürgen Pomorin). Anfang der 90er Jahre veröffentlichte die Lebenspartnerin von Pomorin, Birgit Grosz, Reiseführer über Ostdeutschland („Übernachten in den neuen Bundesländern“), die bis in die Mitte der 90er Jahre die erfolgreichsten Buchtitel des Verlages waren. Trotzdem setzte man immer mehr auf deutsche Kriminalromane, die meist auch in der Nähe des Verlagsortes spielen, wie das Ruhrgebiet, Münsterland oder die Eifel. Mit Jacques Berndorf, Jürgen Kehrer sowie Horst Eckert publizierte der Verlag auch bald erfolgreiche Vertreter aus dem Bereich der sogenannten Regiokrimis. Berndorf und Kehrer sind auch in Jochen Schmidts „Typengeschichte des Kriminalromans“ (S. 984–993) im Kapitel „über den regionalen Krimi aus deutschen Landen“ die dargestellten Vertreter dieser Gattung. Mitte der 2000er galt Grafit als Marktführer des deutschsprachigen Krimis, mit rund zwei Millionen D-Mark Umsatz im Jahr und inzwischen sechs Angestellten.[5] Im Jahr 2010 erklärte Rutger Booß seinen Rückzug aus dem Verlagsgeschäft und gab die Verlagsleitung an Ulrike Rodi ab, die seit 1992 im Verlag als Lektorin tätig gewesen war. Im selben Jahr wurde Booß mit dem Glauser-Ehrenpreis für besondere Verdienste um den Kriminalroman ausgezeichnet. Angesichts insgesamt sinkender Verkaufsmöglichkeiten für Kleinverlage versuchte der Verlag, sich durch die Veröffentlichung deutscher Kriminalliteratur zu profilieren.[6] Ende 2018 gab der Grafit-Verlag seine Eigenständigkeit auf und wurde vom Regionalkrimis publizierenden Kölner Emons Verlag übernommen.[7]

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichte der Verlag am Beginn seiner Tätigkeit noch Sachbücher und Kriminalromane, wurden ab 1999 nur noch deutsche Kriminalromane verlegt. Der Verlag publizierte pro Jahr etwa 20 neue Buchtitel. Mit Jaques Berndorf veröffentlichte Grafit einen Autor, dessen Werke es regelmäßig auf die Bestsellerliste schafften. Auch Jürgen Kehrers Bücher waren erfolgreich und außerdem verkaufte der Verlag durch ihn erstmals für seine Wilsberg-Reihe Filmrechte. Mit Büchern von Horst Eckert gewann der Verlag renommierte Literaturpreise, wie 1998 den Marlowe sowie den Friedrich-Glauser-Preis im Jahr 2001. Seit Grafit nur noch Kriminalromane veröffentlichte, wurden auch internationale Buchtitel aus diesem Genre publiziert, insbesondere Spannungsliteratur aus Finnland.[8] Mit Matti Rönkä schaffte es ein internationaler Grafit-Autor im Jahr 2007 unter die Top 10 der KrimiBestenliste. Seit 2005 veröffentlichte der Verlag auch historische Romane, insbesondere die Bestsellerautorin Beate Sauer. Hardcover-Ausgaben seiner Buchtitel erschienen bei Grafit ab 2006. Mit Lucie Flebbe (damals noch unter dem Namen Lucie Klassen) 2009 sowie Marc-Oliver Bischoff 2013 kamen zwei Autoren aus dem Grafit-Verlag, die mit dem Friedrich-Glauser-Preis für den besten Debütroman ausgezeichnet wurden.

Autoren bei Grafit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniela Völker: Das Buch für die Massen : Taschenbücher und ihre Verlage. Tectum Verlag, Marburg 2014, ISBN 978-3-8288-3353-1.
  • Jochen Schmidt: Gangster, Opfer, Detektive : eine Typengeschichte des Kriminalromans. KBV, Hillesheim 2009, ISBN 978-3-940077-69-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Grafit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adressbuch für den deutschsprachigen Buchhandel. Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels, abgerufen am 18. Januar 2016.
  2. Emons übernimmt Grafit Verlag, buchmarkt.de, erschienen und abgerufen am 8. Oktober 2018.
  3. Kleine Anfrage 7/4232 betr.: Deutsche Kommunistische Partei, Bundestagsdrucksache, 29. Oktober 1975, abgerufen am 13. Februar 2019.
  4. Dortmunder Grafit-Verlag feiert 25 Jahre Krimi-Karriere, Funke Mediengruppe, 13. Mai 2014, abgerufen am 13. Februar 2019.
  5. Mit Lokalkolorit kriminell erfolgreich, Stern, 1. August 2006, abgerufen am 13. Februar 2019.
  6. Wie läuft der Verlagskrimi, Frau Rodi?, Buchreport, 14. Oktober 2012, abgerufen am 13. Februar 2019.
  7. Dortmunder Grafit-Verlag geht an Kölner Konkurrenz, revierpassagen.de, 9. Oktober 2018, abgerufen am 13. Februar 2019.
  8. Der Grafit-Verlag machte Mord gesellschaftsfähig, Die Welt, 19. September 2014, abgerufen am 14. Februar 2019.

Koordinaten: 51° 30′ 26,9″ N, 7° 27′ 48,1″ O