Guy de Chauliac

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Porträt des Guy de Chauliac in einem Werk des 16. Jh.

Guy de Chauliac (* um 1298 in Chaulhac, Département Lozère; † 1368), genannt auch Guido (de Chauliac) war Chirurg und einer der bedeutendsten Ärzte seiner Zeit.[1][2]

Um seine Kindheit ranken sich Legenden. Das Medizinstudium führte ihn zu den wichtigsten Universitäten seiner Zeit, unter anderem nach Montpellier, Paris und Bologna. Er war Schüler von Henri de Mondeville und erwarb 1325 den medizinischen Magistergrad. Nach dem Abschluss seiner Lehrjahre war er als Wanderarzt in ganz Europa unterwegs, wodurch er über die Zeit zu einer Berühmtheit insbesondere für Augenleiden wurde.

Chauliac überlieferte zahlreiche Operationstechniken, unter anderem über die Therapie des grauen Stars. Nachdem er bereits gegen 1330/50 eine Chirurgia Parva publiziert hatte, die auch später ins Deutsche[3] übertragen wurde, veröffentlichte er 1363 sein Lehrbuch, die Chirurgia Magna, das umfassendste Kompendium des gesamten medizinischen Wissens seiner Zeit. Nachdem er die große Pest von 1347 und Nachfolgende überlebt hatte, verfasste er auch darüber Schriften. 1363 beschrieb er den Gebrauch des Opiums und der Mandragora zur Schmerzlinderung bei chirurgischen Maßnahmen. Französische und deutsche Adlige suchten bei ihm Rat, angeblich auch Johann von Luxemburg, der später der Blinde genannt wurde und der wegen seiner Augenerkrankung 1336 nach Avignon reiste.[4]

Guy de Chauliac war Leibarzt dreier Päpste: Clemens VI., Innozenz VI. und Urban V. Somit hatte er Zugang zu den bedeutendsten Bibliotheken Europas.

Guy de Chauliac starb im Jahr 1368.

Quellen und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Guy de Chauliac (Autor), Laurent Joubert (Hrsg.): Chirurgia magna Guidonis de Gauliaco, cum interpretatione dictionum de Guidonis de Cauliaco per Isaacum Joubertum. Lyon 1585; Neudruck, herausgegeben von Gundolf Keil, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1976, ISBN 3-534-04873-3.
  • Gundolf Keil: Guy de Chauliac. In: Lexikon des Mittelalters IV, Sp. 1806 f.
  • Gundolf Keil: Guy de Chauliac. In: Verfasserlexikon III, 347–353.
  • Edouard Nicaise (Hrsg.): La grande chirurgie de Guy de Chauliac, chirurgien, maître en médicine de l'université de Montpellier, composée en l'an 1363 („Chirurgia magna“). Éditions Alcan, Paris 1890.
  • Björn Wallner: The Middle English translation of Guy de Chauliac's treatise on wounds. Lund 1976 und 1979 (= Acta Universitatis Lundensis, sectio I: Theologica Juridica Humaniora, 23 und 28).
  • Björn Wallner The Middle Englisch translation of Guy de Chauliac's treatise on ulcers. I: Text, II: Notes, glossary, marginalia, Stockholm 1982 und 1984 (= Acta Universitatis Lundensis, sectio I: Theologica Juridica Humaniora, 39 und 44).
  • Volker Zimmermann: Die mittelalterliche Frakturbehandlung im Werk von Lanfrank und Guy de Chauliac. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 6, 1988, S. 21–34, ISSN 0177-5227.
  • Michael McVaugh (Herausgeber) Guy de Chauliac: Inventarium sive Chirurgia magna, Leiden: Brill 1997

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Guy de Chauliac auf der Seite der Universitätsklinik Montpellier
  2. Walter von Brunn: Die Stellung des Guy de Chauliac in der Chirurgie des Mittelalters. In: Sudhoffs Archiv Band 12, 1920, S. 85–100, und Band 13, 1921, S. 65–106.
  3. Gisela Weber: Eine altdeutsche Fassung der ‚Kleinen Chirurgie‘ Guys de Chauliac in der Abschrift Konrad Schrecks von Aschaffenburg (1472). Medizinische Dissertatation Würzburg 1982 (in Kommission bei Königshausen und Neumann, Würzburg).
  4. Sabine Tittel: Die »Anathomie« in der »Grande Chirurgie« des Gui de Chauliac: Wort- und sachgeschichtliche Untersuchungen und Edition.. Walter de Gruyter, 1 January 2004, ISBN 978-3-11-094434-1, S. 4–.