Vorhalle (Hagen)

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Vorhalle ist der Name eines Ortsteils der kreisfreien Großstadt Hagen im östlichen Ruhrgebiet, der am 1. August 1929 eingemeindet worden ist.[1] 2013 hatte Vorhalle 10.017 Einwohner.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rangierbahnhof in Vorhalle

Die Gemeinde Vorhalle entwickelte sich aus der gleichnamigen Bauerschaft im Kirchspiel Hagen. Die ältesten Erwähnungen stammen aus dem 15. Jahrhundert.

  • 1446 wurden während der Soester Fehde zwölf Hofstellen in der „Vorhelder Burschop“ von Truppen der Reichsstadt Dortmund abgebrannt.
  • Bis 1753 gehörte die Bauerschaft Vorhalle zum Amt Wetter, danach wurde es Teil des Landkreises Wetter, dessen Verwaltungssitz sich in Hagen befand. In der französischen Herrschaft war Vorhalle der Mairie Enneperstraße unterstellt, nach der preußischen Gebietsreform gelangte es als Teil des Amts Enneperstraße in den Landkreis Hagen.
  • Zwischen 1858 und 1910 stieg die Bevölkerung der Gemeinde Vorhalle von 849 auf 3653 Einwohner an. Seit 1884 gehörte Vorhalle dem Amtsbezirk Boele-Hagen an und wurde drei Jahre später in das Amt Boele eingegliedert. 1920 erreichte Vorhalle den Status einer amtsfreien Gemeinde. Bereits neun Jahre später wurde die Gemeinde in die Stadt Hagen eingegliedert.

Auf einer Ruhrhalbinsel befindet sich das Wasserschloss Werdringen, dessen Geschichte sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt und seit November 2004 das bekannte Hagener Museum für Ur- und Frühgeschichte beherbergt. Hier ist eine überregional bedeutende Sammlung und Ausstellung zur Paläontologie und Archäologie zu finden. Zu den wichtigsten Exponaten zählen die etwa 319 Millionen Jahre alten Tonschieferablagerungen aus der Ziegeleigrube Vorhalle sowie die die ältesten Libellen (Insecta: Odonatoptera) aus dem flözleeren Oberkarbon (Namur B). Im Museum werden auch die bisher ältesten Skelettreste von modernen Menschen in Westfalen und im Ruhrgebiet präsentiert. Sie wurden 2004 in einer Felshöhle in Hagen-Holthausen entdeckt.

Auf dem Kaisberg wurde 1869 der Freiherr-vom-Stein-Turm errichtet. Es war einer der ersten Gedenktürme, die in Preußen errichtet wurden.

Bahnhofsgebäude Vorhalle

In Vorhalle befindet sich seit 1910 außerdem der heute für das Ruhrgebiet wichtigste Rangierbahnhof (Rbf) Hagen-Vorhalle, einer der größten in Deutschland. Die erste Tagesklinik für Drogen- und Suchterkrankungen NRW gründete sich ebenfalls in Vorhalle im Jahr 1989. Sie schloss im Mai 2013. Seitdem gibt es in der neu gegründeten Klinik am Kaisberg eine Abteilung für ganztägig ambulante Therapie.

In den 1970er Jahren befand sich in unmittelbarer Nähe zum Rangierbahnhof die Versuchsstrecke für das Projekt Cabinentaxi. Hier sollten voneinander unabhängig operierende Kabinen Fahrgäste vollautomatisch und ohne Zwischenhalt an ihr Ziel befördern.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 eröffnete die Ewald Dörken AG einen Produktionsstandort für Grundmauerschutzfolien in Vorhalle. Im September 2013 wurde der Spatenstich zum Start der Bauarbeiten für eine neue Spinnvliesfertigung in Vorhalle gefeiert. Mit 35 Millionen Euro ist es eine der größten Investition, die je in der Stadt Hagen getätigt wurden (Stand September 2013).[3] Die Eröffnung der neuen Spinnvliesproduktion fand im Mai 2015 statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luise Meier (1885–1979), in Vorhalle geborene Hausfrau, die etwa 30 Juden in der Zeit des Nationalsozialismus zur Flucht in die Schweiz verhalf
  • Karl Adam (1912–1976), Rudertrainer

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vorhalle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 291.
  2. Bevölkerung in den Hagener Bezirken 2013. (Memento vom 6. Juni 2014 im Internet Archive) Stadt Hagen, abgerufen am 3. Januar 2015 (PDF; 17 kB).
  3. Hubertus Heuel: Dörken AG investiert 35 Millionen Euro in Vorhalle. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 20. September 2013, abgerufen am 17. April 2016.

Koordinaten: 51° 23′ N, 7° 26′ O