Haiku (Betriebssystem)

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Haiku
Haiku-Logo
Haiku 1 Alpha 4 Deutsch
Haiku mit Deskbar, Dateibrowser, Terminal und Systeminformationsdialog
Basisdaten
Entwickler Haiku, Inc.
Sprache(n) Englisch
Aktuelle Version R1/Alpha 4.1
(14. November 2012)
Abstammung BeOS
↳ Haiku
Kernel Hybridkernel
Architekturen x86
Lizenz MIT-Lizenz
Sonstiges weitgehend originalgetreuer Nachbau von BeOS 5.0 mit einigen funktionellen Erweiterungen
Website haiku-os.org

Haiku (ehemals OpenBeOS) ist ein Betriebssystem-Projekt, das in Anlehnung an BeOS ein dazu binär­kompatibles Open-Source-System nach­program­miert und weiter­entwickelt. Das Haiku-Projekt wird von der gemeinnützigen Haiku, Inc. mit Sitz in Rochester im US-Bundesstaat New York getragen.

Weite Teile von BeOS sind bereits implementiert und lauffähig; Haiku baut jedoch nicht auf BeOS-Quellcode auf, der Kernel beispielsweise basiert auf jenem von NewOS,[1] einer Neuentwicklung eines ehemaligen BeOS-Kernel-Entwicklers.

Die Haiku-Entwickler geben keinen Termin für eine mögliche Veröffentlichung der ersten Version an. Vorabversionen zum Testen des Betriebs­systems stehen in Form von inoffiziellen Festplatten-Images zur Verfügung, die auf eine Partition kopierbar oder mit Emulatoren bzw. Virtualisierungs­lösungen wie QEMU oder VMware lauffähig sind. Inzwischen sind auch vier offizielle Alpha-Versionen erschienen. Des Weiteren steht seit 2013 ein Paketverwaltungssystem zur Verfügung.

Ziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Projekts ist es zunächst, die letzte veröffentlichte Version von BeOS vollständig nachzubauen und sie dann nach und nach zu verbessern. Dabei wird besonders auf Binär- und Quelltextkompatibilität zu BeOS geachtet, damit sowohl alte BeOS-Programme unverändert ausgeführt als auch neue Programme in gleicher Weise wie unter BeOS erstellt werden können.

Technologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haiku ist in C++ geschrieben und stellt eine objektorientierte Programmierschnittstelle (API) bereit.

Das modulare Design[2] des BeOS macht es möglich, dass Systemkomponenten für Haiku in beinahe von einander unabhängigen Teams entwickelt werden können. Der Nachbau der BeOS-Komponenten als freie Software hat Vorrang vor der Neuentwicklung anderer Teile des Systems. Die ursprünglichen BeOS-Teams, die entsprechende Komponenten einschließlich Servern und Schnittstellen entwickelten (zusammen in Haiku als „Kits“ bezeichnet), umfassten:

  • App/Interface – entwickelt Interface Kit, Application Kit sowie das Support Kit.
  • BFS – entwickelt das Be File System, das mit OpenBFS nahezu vollständig implementiert ist.
  • Game – entwickelt das Game Kit.
  • Input Server – entwickelt den Server, der Eingabegeräte (Tastatur, Maus etc.) und deren Kommunikation mit anderen Systembereichen handhabt.
  • Kernel – entwickelt den Kernel, das Herz des Betriebssystems.
  • Media – entwickelt den Audioserver und entsprechende APIs.
  • MIDI – implementiert das MIDI-Protokoll.
  • Network – schreibt Treiber für Netzwerkadapter und Netzwerk-relevante APIs.
  • OpenGL – entwickelt die OpenGL-Unterstützung.
  • Preferences – setzt die Möglichkeiten, Einstellungen am System vorzunehmen neu um.
  • Printing – arbeitet am Drucksystem sowie Druckertreibern.
  • Screen Saver – setzt die Bildschirmschonerfunktion um.
  • Storage – entwickelt das Storage Kit und Treiber für benötigte Dateisysteme.
  • Translation – entwickelt Module zum Lesen/Schreiben/Konvertieren unterschiedlicher Dateiformate.

Einige Kits werden als vollständig implementiert (feature complete) angesehen, die übrigen sind in unterschiedlichen Entwicklungsphasen.

Der Haiku-Kernel ist ein modularer Hybridkernel und ein Fork von NewOS,[3] ein vom früheren Be-Entwickler Travis Geiselbrecht geschriebener modularer Kernel. Viele Fähigkeiten wurden bereits implementiert, einschließlich eines virtuellen Dateisystems (VFS-Layer) und rudimentärer Unterstützung symmetrischer Multiprozessor­systeme (SMP).

Paketverwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit September 2013 hat Haiku ein Paketverwaltungssystem, Haiku Depot, durch das es möglich wurde, Software in komprimierte, Abhängigkeiten auflösende Pakete (packages) zu kompilieren.[4] Zum Aktivieren von Paketen können selbige mittels pkgman aus Online-Paketquellen (repositories) installiert oder manuell in ein spezielles packages-Verzeichnis kopiert werden. Die Paketverwaltung von Haiku bindet aktivierte Pakete über eines schreibgeschütztes Systemverzeichnis ein. Das Paketverwaltungssystem löst Abhängigkeiten mittels libsolv vom openSUSE-Projekt.[5]

Geschichte und Entwicklungsstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haiku befindet sich derzeit in der Alpha-Phase.

OpenBeOS app_server Proto5
  • 18. August 2001: Nach der Übernahme von Be Incorporated durch Palm wird das OpenBeOS-Projekt gegründet.[6][7]
  • 31. Januar 2002: Erste Version von OpenBFS veröffentlicht.[8]
  • 15. Februar 2002: Erste formelle Veröffentlichung von OpenBeOS als Patch für BeOS: Einige Komponenten einer bestehenden BeOS-5.0.3-Installation werden durch Open-Source-Varianten ersetzt.[9]
  • 17. April 2002: Erster binärkompatibler Netzwerk-Stack als Kernel-Treiber für BeOS veröffentlicht.[10][11]
  • 29. April 2002: Der OpenBeOS app_server kann mit Prototyp 5 erstmals Fenster darstellen.[12][13]
  • 2. Juni 2002: Vom NewOS-Kernel wird ein Fork erstellt und in die Versionsverwaltung von OpenBeOS überführt.[14]
  • 21. April 2004: OpenBeOS startet ohne Hilfe von BeOS-Code.[15]
  • 19. Juni 2004: OpenBeOS wird in Haiku umbenannt.[16]
  • 27. Oktober 2004: Haiku bootet direkt in eine grafische Umgebung und Bash kann eingesetzt werden.[17]
  • 6. Juli 2005: Haiku kann die BeOS-Oberfläche Tracker ausführen.[18]
  • 7. Dezember 2006: Haiku bietet einen komplett neuen Netzwerk-Stack.[19]
  • 9. Mai 2007: Netzwerkkarten-Treiber von FreeBSD lassen sich für Haiku kompilieren.[20]
  • 27. Juni 2007: Haiku stellt mit einer Portierung des Open Sound Systems die Unterstützung für viele weitere Soundkarten in Aussicht.[21]
  • 31. August 2007: Sieben von acht Studenten schließen den Summer of Code 2007 erfolgreich ab. Ergebnis ist u. a. ein Firewire-Stack.[22][23]
  • 12. Februar 2008: Der Haiku-Quelltext kann unter Haiku kompiliert werden.[24]
  • 1. April 2008: Letzte Probleme mit der Kompilierung unter Haiku wurden ausgeräumt. Haiku wurde dadurch „self-hosting“.[25]
  • 31. Januar 2009: GCC 4 wurde auf Haiku portiert. Modernere Anwendungen wie Firefox 3 können dadurch kompiliert werden.[26]
  • 14. September 2009: Veröffentlichung von Haiku R1/Alpha 1.[27]
  • 10. Mai 2010: Veröffentlichung von Haiku R1/Alpha 2.[28]
  • 18. Juni 2011: Veröffentlichung von Haiku R1/Alpha 3.[29]
  • 12. November 2012: Veröffentlichung von Haiku R1/Alpha 4.[30]
  • September 2013: Haiku erhält ein Paketverwaltungssystem, Haiku Depot, durch das Haiku auf den neuesten Stand gebracht und zusätzliche Software installiert werden kann.

Systemvoraussetzungen (R1/Alpha 4)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein 32-Bit-Prozessor mit x86-Architektur (läuft ab z. B. einem Pentium II mit 400 MHz)[31]
  • Arbeitsspeicher:[31] mindestens 128 MB; 1 GB werden empfohlen, wenn Haiku in selbigem kompiliert werden soll
  • Festspeicher:[31] 700 MB

Geschichte des Namens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt nach der Bekanntgabe des Kaufs von Be durch Palm am 18. August 2001 wurde das OpenBeOS-Projekt gegründet, indem eine Mailingliste mit diesem Namen eingerichtet wurde. Dies blieb zunächst auch der Name, als das Projekt konkretere Züge annahm, obwohl die Benutzung des eingetragenen Markenzeichens „BeOS“ als Teil des Projektnamens für rechtliche Unsicherheit sorgte.

Am 6. Mai 2002 wurde ein Namensfindungsprozess initiiert, bei dem um Einsendungen für Namensvorschläge gebeten wurde.[32] Am 25. Oktober 2002 lief dann der Abstimmungsprozess zum neuen Namen an.[33]

Am 5. November 2002 inszenierte Bruno G. Albuquerque, einer der damaligen Leiter des OpenBeOS-Projekts, als Scherz den Namenswechsel. Der neue Name sollte demnach „Walter“ lauten.[34] Der Name leitete sich von einer Szene bei Garfield ab und erlangte im Laufe der Zeit eine gewisse Popularität innerhalb der OpenBeOS-Community, was dazu führte, dass Walter zum Codenamen für die Entwicklungslinie hin zu Haiku 1.0 wurde.[35] WalterCon wurde zum Namen für die amerikanische Haiku-Entwickler-Konferenz (analog zu den „BeGeistert“-Treffen in Düsseldorf, Deutschland).

Am 19. Juni 2004 wurde auf der ersten WalterCon der neue, eigenständige Name Haiku eingeführt, nicht zuletzt um etwaigen Rechtsstreitigkeiten mit dem nunmehrigen BeOS-Rechteinhaber Access (ehemals PalmSource) aus dem Weg zu gehen. Der Name geht auf die Fehlermeldungen des BeOS-eigenen Browsers NetPositive zurück, der Fehler beim Abrufen von Webseiten in der Form von Haikus – einer alten japanischen Versform – darstellt.

Schwesterprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Niedergang von Be Incorporated entstanden unabhängig voneinander mehrere Projekte mit dem Ziel, BeOS in quelloffener Form nachzubauen. Neben Haiku waren dies unter anderem BlueEyedOS und Cosmoe. Als Sammelbegriff dieser Projekte wurde die Bezeichnung Open Standards BeOS-compatible Operating Systems (OSBOS) eingeführt. Die verschiedenen Entwicklerteams schlossen sich in der Organisation beunited.org[36] zusammen und verabredeten eine Zusammenarbeit. Allerdings war Haiku zuletzt das einzige verbliebene aktive Projekt dieser Gruppe. beunited.org hat ihre Auflösung am 4. Januar 2007 bekanntgegeben. Das Haiku-Projekt an sich ist davon jedoch nicht betroffen und wird aktiv weiterentwickelt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haiku – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NewOS Operating System
  2. Haiku: BeOS for the 21st Century. Abgerufen am 29. September 2015.
  3. Haiku Kernel & Drivers Team. Archiviert vom Original am 9. Juni 2008. Abgerufen am 17. Juli 2008.
  4. Package Management now live. Abgerufen am 4. November 2013.
  5. The libsolv Open Source Project on Open Hub. Abgerufen am 29. September 2015.
  6. BeGroovy: Palm buys Be Inc’s assets. Be to close by year end. (Siehe auch den 9. Kommentar)
  7. Marcus Overhagen: Ok, let's start
  8. BeGroovy: OBOS baby steps
  9. BeGroovy: OpenBeOS First Release
  10. Slashdot: OpenBeOS Gets Binary-Compatible Network Stack
  11. David Reid: Network Update
  12. OSNews: OpenBeOS Proto5 app_server Replacement Released
  13. DarkWyrm: Haiku blog – Miscellaneous Downloads (Memento vom 3. Mai 2008 im Internet Archive)
  14. OSNews: OpenBeOS-NewOS Fork Complete
  15. Axel Dörfler: x86 boot loader milestone
  16. OSNews: OpenBeOS Becomes Haiku
  17. OSNews: Haiku Kernel Hits Some Milestones
  18. OSNews: Haiku's App_Server Can Run Tracker
  19. Haiku-OS.org: Haiku Network Stack Takes First Baby Steps
  20. Haiku-OS.org: Haiku Getting a FreeBSD Network Driver Compatibility Layer
  21. François Revol: Announcing OpenSound System port to BeOS/Haiku
  22. DarkWyrm: 2007 Google Summer of Code Summary
  23. Zeitplan für den Summer of Code 2007
  24. Michael Lotz: Two very small changes that help compiling Haiku under Haiku
  25. Bruno Albuquerque: Haiku self-hosting.. 1. April 2008. Abgerufen am 25. Juni 2008.
  26. Urias McCullough: Haiku Finally Gets a Native GCC4 – full story inside!. 1. Februar 2009. Abgerufen am 2. Januar 2011.
  27. http://www.haiku-os.org/news/2009-09-13_haiku_project_announces_availability_haiku_r1alpha_1
  28. http://www.haiku-os.org/news/2010-05-10_haiku_project_announces_availability_haiku_r1alpha_2
  29. http://haiku-os.org/news/2011-06-18_haiku_release_1_alpha_3
  30. https://www.haiku-os.org/news/2011-06-20_haiku_release_1_alpha_4
  31. a b c Release Notes (HAIKU R1 Alpha 4.1)
  32. BeGrooy: OpenBeOS Seeks New Name
  33. BeGrooy: OpenBeOS Name Voting Begins
  34. BeGrooy: Walter unleashed!
  35. Vgl. auch die Versionsbezeichnung in Haiku Screenshot.png (Dateiversion vom 23. Februar 2006)
  36. http://www.beunited.org/