Hans Adolf Bühler

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Hans Adolf Bühler (* 4. Juni 1877 in Steinen; † 19. Oktober 1951 auf Burg Sponeck bei Jechtingen) war ein deutscher Maler und nationalsozialistischer Kulturpolitiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Lehre als Maler und Anstreicher setzte Bühler seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule und später als Meisterschüler von Hans Thoma an der Karlsruher Akademie fort. Dort übernahm er 1914 eine Professur für Malerei.

Der Maler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühler praktizierte eine gegenständliche Malweise[1] und befasste sich nebst der Porträtmalerei mit Themen aus der germanischen Sagenwelt.

1909 bis 1911 schuf er das „Prometheusfresko“ vor der Aula im Kollegiengebäude der Universität Freiburg, 1935 bis 1939 als letzten öffentlichen Auftrag das Wandbild „Der getreue Eckart“ ebenfalls im Kollegiengebäude der Universität Freiburg, das jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

1917 erwarb er die Burg Sponeck auf den westlichsten Ausläufern des Kaiserstuhls, wo viele seiner Bilder mit der Aussicht auf den Rhein und das nahe Elsass entstanden. Sein Bild das Deutsche Stromland (1935) wurde als deutscher Beitrag auf der Weltausstellung 1937 in Paris ausgestellt und erhielt einen Grand Prix.[2] Das Porträt seines Lehrers Hans Thoma im Greisenalter fand in Baden weite Verbreitung. Zu seinen Schülern gehörte Julius Bissier.

Der Kulturpolitiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühler gehörte dem völkisch gesinnten, antisemitischen Kampfbund für deutsche Kultur an und wurde 1930 Vorsitzender der Ortsgruppe Karlsruhe.[3] 1932 wurde er Direktor der Karlsruher Badischen Landeskunstschule und hatte ein Jahr später zusätzlich die Leitung der Badischen Kunsthalle inne. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten nahm er die von der NSDAP verfügte Neuordnung der Kunstschule vor und entließ die Professoren Babberger, Dillinger, Gehri, Hubbuch, Schnarrenberger, Scholz, Speck und van Taak sowie die Fachlehrer Gilles, Schick und Winkler aus ihren Ämtern. Er wurde stellvertretender Direktor der Deutschen Kunstgesellschaft Karlsruhe und in dieser Funktion auch zum "Hauptschriftleiter" der Monatszeitschrift Das Bild, in der alle wichtigen Ausstellungen während der NS-Zeit rezensiert wurden. Im selben Jahr organisierte er in Karlsruhe eine der ersten beiden „Schreckenskammerausstellungen“ unter dem Titel Regierungskunst von 1918 bis 1933,[3] auf der bereits dem vorgegriffen wurde, was sich 1937 in München nochmals abspielen sollte, nämlich die Diffamierung moderner Kunst im Rahmen der NS-Ausstellung „Entartete Kunst“. Gemälde deutscher Impressionisten, „beurlaubter“ Akademieprofessoren, von Mitgliedern der ehemaligen Künstlergruppe „Rih“ sowie Werke Marées, Munchs, Karl Hofers, Emil Bizers, Adolf Erbslöhs, Franz Xaver Fuhrs, Rudolf Großmanns und Alexander Kanoldts, sowie Lovis Corinth, Max Slevogt und Max Liebermann[4] wurden dort gebrandmarkt.

Burg Sponeck - seit 1917 im Besitz von Hans Adolf Bühler

Zwischen Bühler und den Mitgliedern der Badischen Secession bestand eine starke Gegnerschaft. Diese war hauptsächlich künstlerischer Natur, und es ist Gegnern der Moderne wie Bühler anzukreiden, dass diese Künstlergruppe 1936 zwangsweise von der Reichskammer der bildenden Künste aufgelöst wurde. Ähnliches gilt auch für den Deutschen Künstlerbund, aus dem er schon vor 1936 ausgeschieden war.[5]

1937 schließlich diffamierte er den 1935 verstorbenen Max Liebermann erneut in seinem Aufsatz Die bildende Kunst im Dritten Reich: „Liebermann, der größte Feind des deutschen Wesens, hat es ... bewußt verstanden, eine Vergiftung des deutschen Kunstlebens in solchem Maß durchzuführen, daß es ohne die nationalsozialistische Erneuerung mit Deutscher Eigenart und Deutschem Wesen schnell zu Ende gegangen wäre“.[6]

Bühler wurde 1937 Ehrenbürger von Steinen. 2011 wurden die beantragte Aberkennung der Ehrenbürgerschaft und die Umbenennung einer nach ihm benannten Straße im Gemeinderat abgelehnt.[7]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das innere Gesetz der Farbe. Eine künstlerische Farbenlehre. Horen-Verlag, Berlin 1930.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph August Beringer: Bühler, Hans Adolf. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 5, E. A. Seemann, Leipzig 1911, S. 190.
  • Deutscher Wirtschaftsverlag AG (Hrsg.): Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft, Band 1, Berlin 1931, S. #.
  • Hermann Eris Busse: Hans Adolf Bühler, C. F. Müller, Karlsruhe 1931.
  • Ernst Friedrich Bühler: Hans Adolf Bühler. Eine Schau über sein Leben und seine Kunst. In: Markgräfler Jahrbuch 1954, S. 127–133 (Digitalisat).
  • Fritz Wilkendorf: Leben und Werk von Hans Adolf Bühler. In: Ekkhart 1961, S. 91–100.
  • Franz Nadler: Markgräfler am Kaiserstuhl. Erinnerungen an Prof. Hans Adolf Bühler. In: Die Markgrafschaft, Heft 2/1968, S. 4–6.
  • Rüdiger Hoffmann: Hans Adolf Bühler - der Kulturpolitiker, der Maler. In: Das Markgräflerland Heft 2/1988, S. 142–156.
  • Christina Soltani: Leben und Werk des Malers Hans Adolf Bühler (1877–1951). Zwischen symbolistischer Kunst und völkischer Gesinnung. VDG, Weimar 2016, ISBN 978-3-89739-876-4 (mit Werkverzeichnis).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rüdiger Hoffmann: Hans Adolf Bühler - der Kulturpolitiker, der Maler. In: Das Markgräflerland Heft 2/1988, S. 146.
  2. Rüdiger Hoffmann: Hans Adolf Bühler - der Kulturpolitiker, der Maler. In: Das Markgräflerland Heft 2/1988, S. 150.
  3. a b Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 78.
  4. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 78 nennt zusätzlich Corinth, Slevogt und Liebermann.
  5. s. Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes, 1936, in: 1936 verbotene Bilder, Ausstellungskatalog zur 34. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbunds in Bonn. Deutscher Künstlerbund, Berlin 1986, S. 98–99.
  6. Zitat bei Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 78.
  7. Robert Bergmann: Eine schwierige Frage der Ehrung. In: Badische Zeitung vom 21. April 2011.