Hans Eberhard Mayer

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Hans Eberhard Mayer (* 2. Februar 1932 in Nürnberg) ist ein deutscher Historiker und Diplomatiker.

Der 1932 in Nürnberg geborene Hans Eberhard Mayer verbrachte den Großteil seiner Kindheit in Berlin. Er studierte Geschichte, Englisch und Latein an der Universität Heidelberg und der Universität Innsbruck. Für ein Jahr ging er an die Wesleyan University. An der Universität Innsbruck wurde er 1955 bei Karl Pivec mit einer Arbeit über das Itinerarium Regis Ricardi promoviert. Von 1956 bis 1967 wurde er Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Historica und hatte den Schwerpunkt auf der Geschichte des nachkarolingischen Burgunds. Seit 1964 lehrte er als Privatdozent in Innsbruck. Von 1967 bis zu seiner Emeritierung lehrte er als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Kiel. Mayer war mehrfach Gastprofessor in den Vereinigten Staaten. 1979 wurde er ausländisches Mitglied der American Philosophical Society. Sein Nachfolger in Kiel wurde 1997 Heinrich Dormeier. Zu Mayers bedeutendsten akademischen Schülern und Mitarbeitern gehörten u.a. Rudolf Hiestand, Gerhard Rösch, Thomas Vogtherr.

Mayer gilt als international führender Experte für die Kreuzzüge. Die mit Ausnahme der Beiträge von Carl Erdmann seit Ende des Ersten Weltkrieges brachliegende deutsche Kreuzzugsforschung hat Mayer seit den 1960er Jahren durch seine Beiträge auf hohes internationales Niveau geführt. Ausgehend von seiner Dissertation beschäftigte Mayer sich jahrzehntelang mit den Kreuzzügen. Seine erstmals 1960 veröffentlichte Bibliographie der Kreuzzüge beinhaltet 5362 Titel und gilt als wichtiges Hilfsmittel.[1] Die Bibliographie wurde 1969 mit 296 Titeln ergänzt. Sein Werk Geschichte der Kreuzzüge legte er 1965 erstmals vor. Die Darstellung gilt mittlerweile als klassisches Werk und erfuhr in Deutschland bislang zehn Auflagen. Die englische Übersetzung erschien 1972. Im Jahr 1993 veröffentlichte Mayer zwölf Einzelstudien zur Geschichte des insgesamt nur 170 Jahre (1098–1268) bestehenden Kreuzfahrerfürstentums Antiochia. Mayer hat 1996 zwei Bände von über 1900 Seiten über die Kanzlei der lateinischen Könige von Jerusalem veröffentlicht. 2010 legte er mit seinem vierbändigen und über 1800 Seiten umfassenden Werk über die Königsurkunden von Jerusalem in der Kreuzzugszeit sein Opus magnum vor. Das Corpus umfasst in drei Editionsbänden insgesamt 836 Urkunden und Regesten der Könige, Königinnen und Regenten von Jerusalem von fast 200 Jahren (1099–1291). Der vierte Band beinhaltet die Namen-, Wort-, und Sachregister. Mit Claudia Sode veröffentlichte er 2014 einen 155-seitigen Katalog der insgesamt 109 Siegel der lateinischen Könige von Jerusalem zwischen 1099 und 1291 aufführt. Neben der Kreuzzugsforschung hat Mayer 1977 zusammen mit Theodor Schieffer die Urkunden der burgundischen Rudolfinger ediert und gilt seitdem als einer der führenden Diplomatiker.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Schriftenverzeichnis bis zum Jahr 1997 erschien in: Jonathan Riley-Smith, Rudolf Hiestand, Benjamin Z. Kedar (Hrsg.): Montjoie. Studies in Crusade History in Honour of Hans Eberhard Mayer. Variorum, Aldershot u.a. 1997, S. XIII.–XX., ISBN 0-86078-646-3.

Monografien

  • Das Itinerarium peregrinorum. Eine zeitgenössische englische Chronik zum dritten Kreuzzug in ursprünglicher Gestalt (= Monumenta Germaniae historica. Schriften. Bd. 18, ISSN 0080-6951). Hiersemann, Stuttgart 1962 (Teilweise zugleich: Innsbruck, Universität, Dissertation, 1955).
  • Geschichte der Kreuzzüge (= Urban-Bücher. Bd. 86, ZDB-ID 995319-x). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1965.
  • Bistümer, Klöster und Stifte im Königreich Jerusalem (= Monumenta Germaniae historica. Schriften. Bd. 26). Hiersemann, Stuttgart 1977, ISBN 3-7772-7719-3.
  • mit Claudia Sode: Die Siegel der lateinischen Könige von Jerusalem (= Monumenta Germaniae historica. Schriften. Bd. 66). Harrassowitz, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-447-10156-1.
  • Von der Cour des Bourgeois zum öffentlichen Notariat. Die freiwillige Gerichtsbarkeit in den Kreuzfahrerstaaten (= Monumenta Germaniae Historica, Schriften. Bd. 70). Harrassowitz, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-447-10433-3.

Edition

  • Die Kreuzfahrerstaaten als multikulturelle Gesellschaft. Einwanderer und Minderheiten im 12. und 13. Jahrhundert (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien. Bd. 37). Oldenbourg, München 1997, ISBN 3-486-56257-6.
  • Die Urkunden der lateinischen Könige von Jerusalem. (Diplomata regum Latinorum Hierosolymitanorum). Altfranzösische Texte erstellt von Jean Richard. 4 Bände. Hahn, Hannover 2010, ISBN 978-3-7752-2100-9 (Rezension).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mittelalterforschung. Berlin 1981, ISBN 3-7678-0521-9, S. 161 (Autoreneintrag)
  • Jonathan Riley-Smith, Rudolf Hiestand, Benjamin Z. Kedar (Hrsg.): Montjoie. Studies in Crusade History in Honour of Hans Eberhard Mayer. Variorum, Aldershot u.a. 1997, ISBN 0-86078-646-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Eberhard Mayer: Bibliographie zur Geschichte der Kreuzzüge. Hannover 1960.