Hans Kippenberger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fahndungsplakat der Berliner Polizei vom September 1933 (Kippenberger oben, zweiter von links).

Hans Kippenberger (* 15. Januar 1898 in Leipzig; † 3. Oktober 1937 in Moskau), Decknamen A. Neuberg, Leo und Ernst Wolf war ein deutscher Politiker und Reichstagsabgeordneter (KPD). Dem Reichstag gehörte er zwischen 1928 (4. Wahlperiode) und 1933 (8. Wahlperiode) an. 1937 wurde er im Rahmen des Großen Terrors in der Sowjetunion ermordet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kippenberger wurde als Sohn eines Laienpredigers in Leipzig geboren und besuchte dort die Volks- und Realschule. Nach einer Banklehre und der Absolvierung des Militärdienstes war er anschließend als Korrespondent für englische, französische, italienische und spanische Zeitungen tätig. Er nahm als Leutnant der Reserve an der Westfront am Ersten Weltkrieg teil und wurde mehrmals verwundet.[1]

Nach dem Krieg trat er 1918 der USPD bei. Er gehörte zum linken Flügel, der sich Ende 1920 mit der KPD zusammenschloss. Beruflich war er in dieser Zeit als Bankangestellter und Fremdsprachenkorrespondent tätig und begann ein Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. Ab 1922 war er hauptamtlich für die KPD tätig und zunächst in der Leitung von KPD-Studentengruppen aktiv. Danach spielte er beim Aufbau „Roter Hundertschaften“ im Stadtteil Hamburg-Barmbek, bei der Infiltration von Polizei und Reichswehr durch KPD-Mitglieder und bei der Organisierung des Hamburger Aufstandes 1923 eine leitende Rolle. Im Stadtteil Barmbek hatte er die Führung der kämpfenden Arbeiter inne.[2] Dem militärisch erfahrenen Kippenberger gelang es, nach der Niederlage einen einigermaßen geordneten Rückzug der KPD-Kampfgruppen zu bewerkstelligen.

Nach dem Hamburger Aufstand wurde er durch den Oberreichsanwalt steckbrieflich gesucht. Obwohl seit 1924 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, musste er weiter in der Illegalität leben und floh in die Sowjetunion, wo er von 1924 bis 1927 die Militärschule der Komintern sowie die Kommunistische Universität der nationalen Minderheiten des Westens (KUNMS) besuchte.

Ab 1927 reorganisierte er den Militärapparat („AM-Apparat“) der Partei und wurde 1928 während des Reichstagswahlkampfes verhaftet. Er musste aber nach seiner Wahl auf Grund seiner Immunität als Abgeordneter wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Er gehörte dem Reichstag bis 1933 an und war weiterhin Leiter des „M-Apparates“ sowie seit 1929 Kandidat des Zentralkomitees der KPD. Im Reichstag beschäftigte er sich überwiegend mit wehrpolitischen Fragen und gehörte der Militärkommission des Parlaments an. Neben dem M-Apparat baute Kippenberger auch ab 1932 ein davon unabhängiges, ca. 300 Angehörige zählendes Netz zur Betriebsberichterstattung, dem sogenannten BB-Ressort, auf, das Wirtschaftsspionage für die Sowjetunion betrieb und über rüstungstechnisch relevante Entwicklungen im Deutschen Reich Bericht erstattete. Das Netz zählte für die Nationalsozialisten als der „gefährlichste Apparat der KPD“.

Im August 1931 war er neben Heinz Neumann maßgeblicher Auftraggeber der Polizistenmorde auf dem Berliner Bülowplatz, ab September 1933 wurde er deswegen steckbrieflich gesucht.

Nach der Machtergreifung der NSDAP im Januar 1933 nahm Kippenberger am 7. Februar 1933 an der illegalen Tagung des Zentralkomitees der KPD im Sporthaus Ziegenhals bei Berlin teil.[3]

Er ging in den Untergrund und spielte eine wichtige Rolle bei der Reorganisierung der durch die Repression des NS-Staates zerstörten Parteistrukturen. 1935 verlor Kippenberger seine Parteifunktionen, weil er Hermann Schubert und Fritz Schulte im Kampf um die KPD-Führung gegen Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck unterstützte. Der von ihm geleitete M-Apparat wurde aufgelöst. Er emigrierte zunächst nach Paris und wurde von dort nach Moskau beordert. Hier wurde er im Rahmen der Stalinschen Säuberungen im November 1936 verhaftet und nach einem Geheimprozess als angeblicher „Reichswehragent“ zum Tode verurteilt und am 3. Oktober 1937 erschossen. Seine 1930 von ihm geschiedene Frau Thea wurde im Frühjahr 1938 ebenfalls verhaftet und kam 1939 in der Haft um. 1957 rehabilitierte die KPdSU Hans und Thea Kippenberger. Die nach Sibirien deportierten Töchter der Kippenbergers konnten erst 1958 in die DDR ausreisen.

Nach der Rehabilitierung in der Sowjetunion durfte sein Name auch in der DDR wieder erwähnt werden, doch die Umstände seines Todes waren zu verschweigen.[4] Sie sind z. B. im 1970 erschienenen Biographischen Lexikon des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED nur in verschleierter Form angegeben.[5]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • zusammen mit Adolf Franck: Monistische Jugendbewegung „Sonne“. Verlag Paul Hartung, Hamburg 1922
  • A. Neuberg: Der bewaffnete Aufstand. Versuch einer theoretischen Darstellung. angeblich „Otto Meyer, Zürich“ 1928. Nachdruck mit einer Einleitung von Erich Wollenberg, EVA, Frankfurt am Main 1971. Autoren: O. Piatnitzki, Michael N. Tuchatschewski, Ho Chi Minh und andere. A. Neuberg ist ein Tarnname. Von Hans Kippenberger ist das vierte Kapitel, Der Aufstand in Hamburg, S. 66–94.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Weber: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik. Band 2. Frankfurt/Main 1969, S. 181–182.
  • Frank Müller: Mitglieder der Bürgerschaft. Opfer totalitärer Verfolgung. 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Herausgegeben von der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. Hamburg 1995, DNB 944894100, S. 51–53.
  • Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Dietz, Berlin 2004, ISBN 3-320-02044-7, S. 370–371 (Online [abgerufen am 28. Dezember 2012]).
  • Kurzbiographie Kippenberger, Hans (Ernst Wolf) In: Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung (Hrsg.): In den Fängen des NKWD: Deutsche Opfer des stalinistischen Terrors in der UdSSR. Dietz Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-320-01632-6, S. 113
  • Hermann Weber: Kippenberger, Hans. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 633 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hans Kippenberger – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Preußischen Verlustlisten weisen eine Verwundung ("l.v." = leicht verwundet) für 1918 nach, Verlustliste Preußen 1181, Ausgabe 1991, Seite 24847 vom 7. Mai 1918.
  2. Thomas Eipeldauer: Auf den Barrikaden Vor 90 Jahren: Der bewaffnete Aufstand in Hamburg in Junge Welt online (abgerufen am 19. Oktober 2013)
  3. Liste der Teilnehmer
  4. Vgl. hierzu Brief des Leiters der Kaderabteilung des ZK der SED, Fritz Müller, vom 20. Oktober 1970 an das Institut für Marxismus-Leninismus, zitiert bei Hermann Weber: Die Gründung der KPD, Protokoll und Materialien des Gründungsparteitages der KPD 1918/1919. Einführung Seite 9, Dietz Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-320-01818-3
  5. K. Haferkorn: Kippenberger, Karl Hans. In: Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Biographisches Lexikon. Dietz Verlag, Berlin 1970. Zitat: „gest. 1937 in der UdSSR […] 1937 wurde K. unter falschen Anschuldigungen verhaftet.“