Hans Scheibner

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Dieser Artikel behandelt den Satiriker Hans Scheibner; für den gleichnamigen Radsportler siehe Hans Scheibner (Radsportler).
Hans Scheibner

Hans Scheibner (* 27. August 1936 in Hamburg) ist ein deutscher Satiriker, Liedermacher und Kabarettist.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Mittleren Reife 1953 lernte er Verlagskaufmann beim Hamburger Fremdenblatt. Nach der Lehre arbeitete er zunächst als Redakteur bei dieser Zeitung, ab 1959 dann als kaufmännischer Korrespondent in einer Lackfabrik. Bereits 1954 während seiner Volontärzeit schloss er sich dem Theater-Team von Markus Scholz' theater 53 an, spielte dort zusammen mit Uwe Friedrichsen einen vielbeachteten „Wolfgang-Borchert-Abend“, bei dem auch Ida Ehre zu Gast war. Mit Markus Scholz zusammen schrieb er auch seine erste Komödie „Die Laufmaschen“.

1968 trat er zum ersten Mal mit satirisch-lyrischen Texten und Gedichten auf, die er in Anlehnung an die Lästerlieder des mit ihm befreundeten Liedtexters Fritz Graßhoff Lästerlyrik nannte. Mit diesen Werken wurde er zunehmend in der Hamburger Kleinkunst- und Kneipenszene bekannt und textete eine Reihe von Liedern für Meyers Dampfkapelle. Zusammen mit dieser Band gehörte er zu der damals florierenden Hamburger Szene im Umfeld der Musikkneipe Onkel Pö. 1972 erschien sein erster Lästerlyrik-Gedichtband Herr ES, stark auf sein Innen achtend, für den Werner Finck eine begeisterte Empfehlung schrieb. 1973 folgte Wenn die Nachtigall zuschlägt, 1974 Spott zum Gruße.

1974 schrieb Scheibner für Gottfried & Lonzo – zwei andere Protagonisten der Rentnerband – den Text zu dem erfolgreichen Lied "Hamburg '75", worin die beiden als zukünftige Altersheimbewohner wehmütig auf ihre große Zeit zurückblicken. Erfolg hatte Scheibner auch mit seinem Lied "Ich mag so gern am Fließband stehn", das er mit Meyers Dampfkapelle herausbrachte. Als Werbetexter ersann er außerdem den bekannten Energie-Werbeslogan "Ich bin zwei Öltanks". Aus Scheibners Feder stammt auch der deutsche Text zum Song Schmidtchen Schleicher, mit dem Nico Haak 1976 einen Top-10-Hit in Deutschland landete. 1977 legte Scheibner die Sammlung satirischer Alltagsgeschichten Im Tal, wo die Tretmühlen stehn vor, sowie einen weiteren Lästerlyrik-Band, Spott ist allmächtig.

Ab 1975 trat er zusammen mit dem holländischen Pianisten und Komponisten Berry Sarluis auf. Großes Aufsehen erregte seine LP „Heiliger Marx“, mit der er völlig gegen den westdeutschen Mainstream die Propheten des sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates verspottete, u. a. „Hannes Wacker, der Sänger mit den Arbeiterliedern“. Er verscherzte sich Sympathie und Anerkennung der linken Szene und damit den Kleinkunstpreis. Mit über hundert satirischen Liedern und Chansons (LPs bei phonogram, polydor, RCA) gehörte er zu den bekanntesten deutschen Liedermachern. Aber auch in dieser Szene verlor er viele Sympathien u. a. mit seinem satirischen Artikel im Spiegel über deutschsprachige Liedermacher „Das wiegt nur einen Vogelschiß“.[1][2]

1977 erschien Scheibners LP Achterndiek mit dem gleichnamigen Titellied, ein an das Grimmsche Märchen Vom Fischer und seiner Frau angelehnter Anti-Atomkraft-Song. 1979 folgte die LP Das macht doch nichts, das merkt doch keiner! deren gleichnamiger satirischer Titelsong sein populärstes Lied wurde, auch deshalb, weil Scheibner es im Lauf der Jahre immer wieder mit neuen, auf aktuelle Ereignisse eingehende Strophen erweiterte.

In den 1980er Jahren wurde Scheibner mit der satirischen Fernsehsendung …scheibnerweise des NDR Fernsehens bundesweit bekannt, geriet damit aber auch immer mehr in das Visier derjenigen, die sich von seinen Satiren angegriffen fühlten. Zu einem großen Teil wurden auch Umweltthemen aufgegriffen, beispielsweise der Nationalpark Wattenmeer, Autoabgase in Hamburg und Greenpeace (im Lied David Grünfried).

Am 1. November 1985 kam es zum Eklat, als Scheibner in der NDR-Talkshow zum dreißigjährigen Bestehen der Bundeswehr in Abwandlung des Tucholsky-Zitats sang: Die Frauen (von heute) sind ja selbst nicht zu retten. Ihre Söhne schicken sie noch immer in den Krieg/und mit Mördern teilen sie die Betten! Seine Sendung … scheibnerweise wurde abgesetzt und das Hamburger Abendblatt trennte sich von ihm als Kolumnisten.

In der Folge tourte Scheibner als Kabarettist durch Deutschland und wurde Kolumnist der Zeitung Hamburger Morgenpost. 1991, als sich die Aufregung um das "Soldaten-sind-Mörder-Zitat" wieder gelegt hatte, konnte Scheibner im NDR-Regionalprogramm jeweils vor der NDR-Talkshow mit seinem fünf Minuten langen Satirebeitrag Fünf vor Talk auftreten. Nach 6 Jahren einer täglichen Kolumne, insgesamt 2000, für die Hamburger Morgenpost kam es auch hier wieder zu Schwierigkeiten – wegen einer Satire über die auffälligen Sympathien Hamburger Polizisten für die Neo-Nazis-Szene. Scheibner weigerte sich, den Text auszutauschen; und ihm wurde gekündigt. Verlagsleiter damals: Gerd Schulte Hillen.

1986 erschien als dtv-Taschenbuch „Der Weihnachtsmann in Nöten“, das 2012 in der 27. Auflage erschien. Es enthält bereits die erste Geschichte mit dem Titel „Wer nimmt Oma“. So heißt auch das Weihnachtsprogramm mit Liedern, Sketchen und Szenen, die Scheibner einen ganz großen Bühnenerfolg brachte. Seit 1992 bis heute bringt er (meist mit seiner Frau Petra-Verena Milchert sowie mit seiner Tochter Raffaela) „Wer nimmt Oma?“ an allen namhaften Kabaretts und auf Theaterbühnen von Kiel bis Stuttgart. Unter dem Titel „Wer nimmt Oma?“ und „Wohin mit Oma?“ erschienen zwei Bestseller (Ellert & Richter und Ullstein) und vier Hörbücher im Hörbuch Verlag Hamburg.

1992 und 1993 präsentierte er insgesamt 25-mal einen satirischen Nachschlag nach den Tagesthemen in der ARD. Auch hier kam es wieder zu einem Eklat. Es ging um den Abtreibungsparagraphen 218. Der damalige sächsische Innenminister Vath verlangte den Rücktritt des NDR-Intendanten Plog und lebenslanges Fernsehverbot für Scheibner. 1996 und 1998 produzierte er wieder die Sendung … scheibnerweise für das NDR-Fernsehen. 2001–2006 kommt Scheibner wieder zu einem großen Publikumserfolg. Der NDR bringt in seinem Vorabendprogramm DAS insgesamt 266-mal die Politik-Satire "Walther und Willy". Scheibner diskutiert mit seinem Hund die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Ereignisse. Die Miko-Edition gibt 2004 einen Bildband heraus: "Die spinnen, diese Menschen". Die Sendung wird trotz hoher Einschaltquoten April 2006 aus unbekannten Gründen abgesetzt.

2005 wurden zahlreiche seiner alten Lästerlyrik-Gedichte unter dem Titel Ich werde nie erwachsen, nie! bei dtv wiederveröffentlicht. Seit 2007 schreibt Scheibner wieder mit großem Erfolg eine Kolumne: wöchentlich für alle Zeitungen des shz (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag). Scheibner schreibt und spielt vier neue Kabarett-Programme, zwei Solo-Theaterstücke: 2006 "Der Golfspieler" (Altonaer Theater und Schweiz), 2008 "Herzklopfen", (Kiel: Theater Die Komödianten) Regie führt die 18-jährige Julie Maillot. 2009 spielt er zusammen mit Hannelore Dröge seine Zwei-Personen-Komödie „Die Versöhnung“ bis 2011 am Altonaer Theater und auf Tournee. Regie Axel Schneider. Das Buch „Kurz und giftig“, Neue Satiren, erscheint bei Ellert und Richter.

2010 erhielt Hans Scheibner die Biermann-Ratjen-Medaille[3] verliehen vom Hamburgischen Senat.

2012 schrieb er unter dem Eindruck der Banken-Skandale und der Finanzkrise die satirische Komödie „Die Geiselnahme“, die am 30. Juni 2013 in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt wurde. Unter der Regie von Hanns Christian Müller spielten Alexandra Kamp und Tim Grobe die Hauptrollen. DER FREITAG: Man muss dem Intendanten der Kammerspiele gratulieren, dass er den Mut zu diesem zeitgenössischen Wagnistheater aufgebracht hat. Das zweite Buch mit Kurzsatiren, Titel: Alles so schön beknackt hier, erscheint ebenfalls bei Ellert & Richter

2013 „Die Kuh, die kräht“ Satiren über schräge Zeitgenossen erscheint bei Ellert & Richter 2015 Bei Ullstein erscheint das zweite Buch mit Weihnachtssatiren unter dem Titel „Alle Jahre Oma“, dazu die sechste Hörbuch-CD im Verlag Hörbuch Hamburg „Oma gibt nicht auf!“

2016 erscheint bei Ullstein Scheibners Autobiografie „In den Himmel will ich nicht!“ Der Titel bezieht sich auf seine jahrelange Fehde mit der katholischen Kirche.

Weihnachten 2016 feiert auch das Scheibner-Familienensemble (mit Petra Milchert und Tochter Raffaela) sein fünfundzwanzigstes Bühnenjubiläum mit dem Programm „Wer nimmt Oma?“!

Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg, gibt anlässlich des 80. Geburtstags von Hans Scheibner ein Senatsfrühstück für ihn und seine Freunde im Gästehaus des Senats.

Scheibner lebt mit seiner zweiten Frau Petra Verena Milchert in Hamburg-Ohlstedt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wer zuletzt lacht…. 2 CD, Documents (Membran) 2008.
  • Die Lieder. Schuber mit 4 CD, Membran 2005.
  • Meyers Dampfkapelle – Herzlose Lieder. LP. metronome, o.J.
  • Was in Achterndiek in der Nacht geschieht (De Fischer un sin Fru). LP, 1976.
  • Das macht doch nichts, das merkt doch keiner / Manfred war immer der Größte Vinyl-Single, 1978
  • Wer nimmt Oma? CD, Conträr (Indigo) 2000.
  • Wohin mit Oma? Hörbuch-CD. Ungekürzte Autorenlesung. Hörbuch Hamburg 2010, ISBN 978-3-89903-228-4.
  • Wer nimmt Oma diesmal? Hörbuch-CD. Autorenlesung. Hörbuch Hamburg 2009, ISBN 978-3-89903-674-9.
  • Liebevoll beleidigend. Neue Wortanschläge. CD. Conträr 2001.
  • Für wen wir singen
  • Gesellschaftsabend (mit Hans Dieter Hüsch)
  • Ich glaube an den Weihnachtsmann
  • Bevor ich abkratz
  • Aber Hallo
  • kurz und bissig
  • Und plötzlich ist der Himmel wieder offen, 2016
  • Alle Jahre Oma. Ungekürzte Autorenlesung. Hörbuch Hamburg, 2015, ISBN 978-3-95713-021-1.
  • In den Himmel will ich nicht. Gekürzte Autorenlesung. Hörbuch Hamburg, 2016, ISBN 978-3-95713-048-8.

Fernsehen, Film und Hörfunk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1975 – Vereint mit Flachs und Versen. Nordschau-Magazin, mehrere Auftritte.
  • 1976 – In der Reihe „Das fiel uns auf“ Die Griechin. Reportage über die griechischen Fraun, in denen Scheibner die Göttinnen und Heldinnen aus der Antike entdeckte.
  • 1977 – Einmann-Kabarett in Kultur Aktuell, NDR, 30 min.
  • 1978 – Es geht unaufhaltsam voran. Solokabarett, NDR, 45 min.
  • 1978 – Spott zum Gruße. Solokabarett, NDR, 45 min.
  • 1978 – Was in Achterndiek in der Nacht geschieht. Solokabarett, NDR, 45 min.
  • 1979–85 scheibnerweise. 13 Folgen im ARD-Abendprogramm (je 45 min).
  • 1981 – Cafe in Takt. Auftritt mit Liedern, ARD.
  • 1982 – Drehbuch zu Das kleine Kino an der Ecke (mit Ralph Wolters), zwei Folgen, ARD.
  • 1982 – Der Weihnachtsmann in Nöten (mit Petra Verena Milchert), vier Folgen, ARD.
  • 1984 – Drehbuch zu Die fröhlichen Witwen. (mit Heidi Kabel).
  • 1984 – Fünf Extra-Beiträge für die NDR-Reihe Prisma. Wissenschaft und Technik.
  • 1988 – Klopfzeichen aus der Anstalt. Solokabarett, NDR, 60 min.
  • 1989 – Wahnwitz vom Feinsten. Solokabarett, NDR.
  • 1990 – Den Letzten beißen die Hunde. Solokabarett, NDR.
  • 1990/91 – Drehbücher und Mitwirkung in zwei Folgen der NDR-Serie Leeder, Lüd un Fresenland.
  • 1990 – Das Glücksgefühl vorm Aufprall. Solokabarett, NDR, 45 min.
  • 1990–92 – Fünfminütige Solo-Sketche in der NDR-Reihe 5vor Talk, 33 Folgen.
  • 1991 – Darf der das? Solokabarett, NDR, 45 min.
  • 1992–2000 – Ultimo. Jahresrückblick Je 60 min, NDR.
  • 1992 – Darf der das? Zweite Folge. Solokabarett, NDR, 45 min.
  • 1992/93 – Nachschlag. Fünfminütiger Sketch nach den ARD-Tagesthemen, 25 Folgen.
  • 1993/94 – Satirische Presseschau. 27 Folgen, NDR.
  • 1994 – Darf der das? Dritte Folge. Solokabarett, NDR, 45 min.
  • 1994 – scheibnerweise. Wiederaufnahme. NDR.
  • 1995 – Ehrenwort, keine Politik. Solokabarett, NDR, 45 min.
  • 1995 – TAXI TOUR. 30 Min. Szenen. NDR.
  • 1995–97 – Bruno Brockmann, die Nervensäge. 66 Folgen, NDR.
  • 1996 – scheibnerweise. Regie Hanns-Christian Müller. Weitere Folgen.
  • 2001–06 – „Walther und Willy“. Polit-Satire. 266 Folgen, NDR

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das wiegt nur einen Vogelschiß. Liedertexter Hans Scheibner über deutschsprachige Liedermacher. In: Der Spiegel. Nr. 51/1976, 13. Dezember 1976, S. 169ff. Auf Spiegel Online. Abruf am 10. Juni 2013.
  2. Das wiegt nur einen Vogelschiß. Hans Scheibner. Kurzporträt. In: Der Spiegel. Nr. 51/1976, 13. Dezember 1976, S. 171. Auf Spiegel Online. Abruf am 10. Juni 2013.
  3. Hans Scheibner erhält Biermann-Ratjen-Medaille. In: Hamburger Abendblatt. 26. Mai 2010. Online auf www.abendblatt.de (loginpflichtig), Abruf am 10. Juni 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]