Hans Schmidt (General)

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Hans Schmidt (* 28. April 1877 in Ulm; † 5. Juni 1948 in Stuttgart) war ein deutscher Offizier, zuletzt General der Infanterie im Zweiten Weltkrieg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmidt war der Sohn eines General- und Korpsarztes sowie Abteilungschefs im Württembergischen Kriegsministerium.

Er trat am 11. Juli 1895 in die Württembergische Armee ein. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Major und Bataillonskommandeur beim Infanterie-Regiment „Alt-Württemberg“ (3. Württembergisches) Nr. 121 aus Ludwigsburg eingesetzt. Nach Kriegsende folgte seine Übernahme in die Reichswehr. Dort diente er u. a. vom 1. Februar 1930 bis 31. Januar 1931 als Infanterieführer VI in Hannover und schied anschließend unter Verleihung des Charakters als Generalleutnant aus dem aktiven Dienst.

Bei der Mobilmachung 1939 wurde er reaktiviert und erster Kommandeur der 260. Infanterie-Division. Unter seinem Kommando erreichte die Division am 1. September 1941 als erster Großverband die Desna. Obwohl die Flanken bedroht waren, entschloss sich Schmidt, das Infanterieregiment 470 über den Fluss zu werfen und so einen Brückenkopf am Südufer bei Kisselewka zu bilden. Am 2. September 1941 wurde der Ort Wibli genommen und der Übergang über die Desna war gelungen. Damit war die Verbindung zur Heeresgruppe Süd hergestellt. Am 6. September 1941 wurde ihm dafür das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 24. September 1941 erließ er folgenden Tagesbefehl:

„Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat mir das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Diese Auszeichnung ist eine Anerkennung der Leistung der Division, die sich in wochenlangen schweren Kämpfen den Weg nach Süden gebahnt, als erste den Desna-Übergang erzwungen und so entscheidenden Anteil an den Erfolgen gegen die russische Heeresgruppe Süd gehabt hat. Ich bin stolz auf die Division und danke allen Angehörigen.“

Am 1. Januar 1942 wurde er zum Kommandierenden General des IX. Armeekorps ernannt, mit dem er bis 1943 im Bereich der Heeresgruppe Mitte eingesetzt wurde. Am 31. Oktober 1943 wurde er als einer der ältesten Generale der Wehrmacht in den Ruhestand versetzt.

Allerdings wurde er 1944 wieder in den Dienst berufen und als Befehlshaber des stellvertretenden Generalkommandos im Wehrkreis V (Stuttgart) eingesetzt. Von November 1944 bis zum Kriegsende 1945 war er Oberbefehlshaber der hieraus gebildeten 24. Armee. Dieser Rahmenverband wurde an der linken Flanke der Westfront zwischen dem Dreiländereck Schweiz-Frankreich-Deutschland und Ostrand des Schwarzwaldes bei Lörrach gegen eine vermeintliche alliierte Offensive über die Schweiz aufgestellt. Schmidt unterstanden aber praktisch keine Kampftruppen, da sämtliche verfügbaren Ersatztruppenteile des Wehrkreises im Winter 1944/45 zum Einsatz an der Oberrheinfront abgegeben werden mussten, sondern lediglich einige Baukompanien und vier Erkundungsstäbe. Mit diesen sollte er Abwehrstellungen und Sperr-Riegel erkunden und ausbauen. Im Februar 1945 wurden Schmidt und seine „Armee“ dem AOK 19 unterstellt. Erst im April 1945 kamen die Garnisonen der Standorte Radolfzell, Konstanz und Friedrichshafen dazu, ferner fünf Zollgrenzschutz-Bataillone (Zollgrenzschutz-Bataillon Oberrhein VIII, IX, X, XII, XIV)[1] und eine Panzerspähkompanie. Insgesamt standen zehn Bataillone zu je 300 Mann zur Verfügung, von denen aber nur zwei ausgebildet waren. Schmidt soll sich gleichwohl in der Frage der Verteidigung von Konstanz als unnachgiebiger Fanatiker verhalten haben.[2]

Am 26. April 1945 wurde die im Raum Bad Wurzach stehende Division Nr. 405 unter Generalleutnant Karl Faulenbach als Ersatz- und Ausbildungsdivision mit sechs Bataillonen von der 19. Armee überstellt. Am gleichen Tag erhielt der Verband den Verteidigungsauftrag für Vorarlberg, das damit aus dem Befehlsbereich des Generals der Gebirgstruppe Valentin Feurstein ausschied. Seit 27. und 28. April 1945 schützte das AOK 24 somit den Westeingang der letztlich nicht existenten Alpenfestung.

Man bildete drei Verteidigungszonen: Immenstadt mit einer ad hoc am 27. April 1945 gebildeten Ersatz- und Ausbildungstruppe unter Generalleutnant (Erich?) Hofmann mit 1½ Marschbataillonen; Staufen mit Kampfgruppe OT Jurkschat (2 Marsch Marschbataillone aus Isny und Leutkirch); schließlich Weiler-Bregenz unter Generalleutnant Faulenbach mit acht Ersatzbataillonen der 405. Ersatz- und Ausbildungs-Division, dem einzig wirklichen Verband. Das waren insgesamt 8.000 bis 9.000 Mann, einschließlich versprengter Waffen-SS, Standschützen, Ordnungstruppen etc. Dazu kam eine Batterie leichte Gebirgs-Flak (12 × 2 cm).

Am 4. und 5. Mai 1945 erfolgte der Rückzug durch den Arlberg-Tunnel nach Strengen. Parlamentäre dieser kleinen Streitmacht (noch vier schwache Bataillone) waren am 4. Mai 1945 vor den Linien der 1. Französischen Armee.

Kurz vorher wurde der französische Befehlshaber General Jean de Lattre de Tassigny vom vorgesetzten OB der 6. alliierten Heeresgruppe, General Jacob L. Devers, aufgefordert, seinerseits einen Parlamentär zu den Verhandlungen mit dem deutschen AOK 19 zu entsenden.

Fälschlicherweise folgerte der Franzose nun, dass er wohl zur Übergabe des AOK 19 geladen würde, gleichzeitig aber selber berechtigt sei, die Übergabe des AOK 24 ausschließlich an die eigene Armee anzunehmen. Schmidts Emissäre kehrten mit diesem Bescheid zurück.

Mittlerweile war aber der deutsche General von der Kapitulation seiner vorgesetzten Heeresgruppe G (am 5. Mai 1945 in Haar bei München durch General der Infanterie Hermann Foertsch im Auftrag von Generalfeldmarschall Albert Kesselring) unterrichtet worden. So musste Schmidt den französischen General de Lattre mitteilen, dass sich eine alleinige Kapitulation seines AOK 24 damit erübrigt habe. Sein Stab hatte sich bereits am 5. Mai 1945 bei der 44. US-Division in Gefangenschaft begeben.

De Lattre, nachdem er von Devers' Übereinstimmung mit Schmidts Auffassung erfahren hatte, widersprach mit dem Hinweis, dass in den Kapitulationsdokumenten vom AOK 24 gar nicht die Rede sei. Auf Wunsch von Devers sandte er nun einen Kurier zu General Erich Brandenberger (OB AOK 19), damit dieser das AOK 24 auffordere, vor den Franzosen zu kapitulieren. Bis dahin werde weiter gekämpft.

Beim AOK 24 bzw. bei dessen einzigem Verband, der Ersatz- und Ausbildungsdivision 405, nahm man Waffenruhe ab 5. Mai 1945 um 18:00 Uhr an und war vom französischen Angriff nach diesem Termin überrascht. In der Nacht zum 6. Mai 1945 wurde die Truppe im Raum Innsbruck in die amerikanische Zone abgedrängt, die Demarkationslinie war den Deutschen nicht bekannt.

Nur ganz wenige Soldaten gerieten in französische Gefangenschaft, das Gros kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolf Keilig : Das deutsche Heer 1939-1945. Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. 3 Bände (Loseblattwerk). Podzun-Verlag. Bad Nauheim 1956 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.zollgrenzschutz.de/index.php?option=com_content&view=article&id=80&Itemid=88
  2. Helmut Maurer (Hrsg.): Grenzstand Konstanz 1945, Südkurier, Konstanz 1988 [ISBN 3-87799-074-6], S. 112
  3. Manfried Rauchensteiner: Krieg in Österreich 1945, Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst, Wien 1970 (= Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums Wien, 5) [ISBN 3-215-73301-3], S. 246
  4. a b c d e f g h i j Reichswehrministerium (Hrsg.): Rangliste des Deutschen Reichsheeres. E.S. Mittler & Sohn. Berlin 1930. S. 108.
  5. a b Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 669