Żmigród

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Żmigród
Wappen von Żmigród
Żmigród (Polen)
Żmigród
Żmigród
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Trzebnica
Fläche: 9,49 km²
Geographische Lage: 51° 28′ N, 16° 54′ OKoordinaten: 51° 28′ 8″ N, 16° 54′ 23″ O
Einwohner: 6498
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 55-140
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DTR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E261 BreslauPosen
Schienenweg: Breslau–Posen
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 292,14 km²
Einwohner: 14.837
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0220063
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Zdzisław Średniawski
Adresse: pl. Wojska Polskiego 2–3
55-140 Żmigród
Webpräsenz: www.zmigrod.pl



Żmigród ['ʐmigrut] (deutsch Trachenberg) ist eine Stadt im Powiat Trzebnicki (Trebnitzer Distrikt) in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Bis 1945 war Trachenberg eine Stadt im Landkreis Militsch im preußischen Regierungsbezirk Breslau.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trachenberg westlich von Militsch auf einer Landkarte von 1905.
Südlicher Stadtrand aus der Ferne.

Die Stadt liegt in Niederschlesien an der Bartsch an der Europastraße 261, die von Breslau nach Posen führt. Jenseits der Bartsch liegt das ältere Żmigródek (Schmiegrode).

Zeittafel zur Stadtgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtkirche, erbaut 1599 und 1723.
Evangelische Kirche, erbaut 1854–1861.
Überrest der alten Burg.
Bahnhof.

Das Dorf der Breslauer Bischöfe Sunigrod an der Bartsch wurde 1155zum ersten Mal erwähnt. (1228: Smigrod oder Schmiegrode). Das Dorf liegt auf dem anderen Ufer der Bartsch gegenüber der heutigen Stadt und existiert bis heute (bis 1945: Schmiegrode, heute: Zmigródek). Um ein Bollwerk in den ständigen Grenzfehden zwischen den Herzogtümern Schlesien und Großpolen zu schaffen, ließ Herzog Heinrich III. von Schlesien durch Tydricus dictus Deysenberc die Stadt am 15. Mai 1253 nach deutschem Stadtrecht gründen. Der Ort wird als Längsplatzanlage angelegt. Der Ort hatte 1287 etwa 1200 Einwohner und erscheint urkundlich unter dem Namen Trachinburg, der deutschen Namensform von Smigrod. Als Folge der Teilung im Jahre 1290 des Herzogtums Breslau kam Trachenberg zum Herzogtum Glogau. Die Stadt und ihr Umland wurde 1312 Teil des Herzogtum Oels. Trachenberg wurde 1492 zu einer Freien Standesherrschaft derer von Kurzbach erhoben.

1555 kam es zur Reformation in Trachenberg. Die Stadt wird zu 100 % evangelisch. Zu dieser Zeit wird auch die Stadtpfarrkirche zur Heiligen Dreieinigkeit erbaut. Das alte Schloss Trachenberg brannte 1579 völlig ab. 1500 Söldner und Freibeuter fielen 1587 in das Trachenberger Land ein und verwüsten die ganze Gegend. Die Stadt mit ihrem Gebiet ging 1592 an die bekannte schlesische Familie von Schaffgotsch (1593 kaiserlich bestätigt). Um diese Zeit sind auch die ersten Juden in der Stadt nachweisbar, die vom benachbarten polnischen Rawitsch einwandern. Der letzte Schaffgotsch auf Trachenberg, Hans Ulrich von Schaffgotsch wurde 1635 als Anhänger Wallensteins hingerichtet. Sämtliche Güter der Familie werden vom Kaiser eingezogen, erst um 1680 bekommt sie die Güter im Vorland des Riesengebirges zurück. Trachenberg wird indessen nicht zurückgegeben. Der kaiserliche Feldmarschall Melchior Graf von Hatzfeldt bekam 1641 Trachenberg als Lehen des Kaisers und bauten das Schloss aus. Die Hatzfeldt bleiben hier bis 1945. Die Schweden unter Feldmarschall Lennart Torstenson eroberten 1642 das Schloss und hielten es acht Jahre lang besetzt. Der Kaiser ließ 1654 die Stadt mit Gewalt rekatholisieren. Das Schloss wurde von 1683 bis 1765 zu einer großen barocken Residenz umgebaut. Die Stadtpfarrkirche wurde von 1706 bis 1723 im Geiste des Barock umgestaltet, unter anderem vom Architekten der Universität Breslau, Christoph Hackner. Um diese Zeit hat die Stadt 1600 Einwohner. Schlesien mit Trachenberg kamen 1741 zu Preußen, Friedrich der Große erhebt die Hatzfeldt zu Fürsten, 1748, wurden sie vom Kaiser Franz I. zu Reichsfürsten erhöht. (Umfang des Gutes 1937: 15 941 ha). Die Stadt hatte damals 1774 Einwohner, zwei Drittel sind evangelisch.

Am 12. Juli 1813 kam es zu einem Treffen der Napoleon-Gegner Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Alexander I. von Russland und des späteren Königs von Schweden Karl XIV. Johann Bernadotte auf dem Schloss Trachenberg, der Trachenberg-Plan gegen Napoléon Bonaparte wird ausgearbeitet. Von 1815 bis 1918 blühte die Stadt. Sie bekam Eisenbahnanschluss von drei Linien, eine große Zuckerfabrik, Mittel- und Landwirtschaftsschulen, eine neue evangelische Kirche wird um 1854 erbaut, auch die Juden bauen 1861 eine Synagoge. 1905 hat Trachenberg 3361 Einwohner.

König Wilhelm II. erhob die Herrschaft Trachenberg am 1. Januar 1900 zu einem preußischen Herzogtum in Primogenitur.

Im Jahr 1945 gehörte Trachenberg zum Landkreis Militsch im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen ´Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Trachenberg am 23. Januar 1945 vom 10. Panzer-Gardekorps der Roten Armee erobert. Nach Kriegsende wurde Trachenberg im Sommer 1945 zusammen mit fast ganz Schlesien von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. Die Polen führten für Trachenberg den Ortsnamen Żmigród ein. Der Fürst von Hatzfeldt, Herzog von Trachenberg, wurde enteignet. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit größtenteils von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Trachenberg vertrieben.

Das Hatzfeldt-Schloss brannte 1946 nieder. Eine Gedenktafel über das Trachenberger Monarchentreffen von 1813 wurde 1998 auf der Schlossmauer in Anwesenheit des Herzogs zu Trachenberg enthüllt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1875 3.073 [2]
1880 3.192 [2]
1890 3.374 davon 1.990 Evangelische, 1.295 Katholiken und 79 Juden[2]
1905 3.361 davon 1.382 Katholiken, und 60 Juden[3]
1933 4.263 [2]
1939 4.573 [2]

Freie Standesherren von Trachenberg (ab 1492)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freiherren von Kurzbach

  • Sigismund III., bis 1513
  • Heinrich I., bis 1533, Sohn des Vorigen
  • Wilhelm I., bis 1567, Sohn des Vorigen
  • Heinrich III., bis 1592, Sohn des Vorigen

Freie Standesherren von Trachenberg (ab 1592)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freiherren von Schaffgotsch

1635 bis 1641 war die Herrschaft kaiserliche Domäne.

Freie Standesherren von Trachenberg (seit 1641)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichsgrafen von Hatzfeldt (Linie Hatzfeldt-Wildenburg-Crottorf).

  • Melchior, bis 1658, starb unvermählt
  • Hermann, bis 1676, Bruder des Vorigen
  • Heinrich, bis 1683, Sohn des Vorigen
  • Franz, bis 1738, Sohn des Vorigen.

Fürsten und Reichsfürsten von Hatzfeldt (ab 1741 bzw. 1748)

  • Franz Philipp Adrian, bis 1779, Sohn des Vorigen,
  • Franz Friedrich Cajetan, bis 1794, Sohn des Vorigen, letzter Spross der Linie Hatzfeldt-Wildenburg-Crottorf.

Fürsten von Hatzfeldt zu Trachenberg (seit 1803, Linie Hatzfeldt-Werther-Schönstein)

  • Franz Ludwig, 1794–1827
  • Hermann Anton, bis 1874, Sohn des Vorigen
  • Hermann, seit 1900 Herzog zu Trachenberg, bis 1933, Sohn des vorigen
  • Hermann Ludwig, bis 1945, Sohn des vorigen

Stadtwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtwappen von Żmigród zeigt in rotem Feld einen grauen Wehrturm, der mit einem goldenen Kreuz bekränzt ist. Um den Turm windet sich ein grüner Drache.

Der Name der Stadt ist abgeleitet vom altpolnischen Wort „żmij“ (Drache) und „gród“ (Burg).

Alte Formen:

1155 – Zunigrod
1228 – Smigrod,
1245 – Zmigrod
1287 – Trachinburg

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt

  • Wohnturm Maria Trauburg, 13. Jahrhundert, um das Jahr 1560 von den Kurzbach umgebaut [4]
  • Ruine des Hatzfeldtschlosses von Christoph Hackner und Carl Gotthard Langhans mit einigen interessanten barocken Details, 17.–18. Jahrhundert
  • Schlosspark, 18.–19. Jahrhundert
  • Orangerie im Schlosspark, Klassizismus, Langhans-Bau
  • Stadtpfarrkirche zur Heiligen Dreieinigkeit, 16.–18. Jahrhundert, Chor 1868–1870 von Alexis Langer

Umgebung

Barkowo (deutsch: Groß Bargen):

  • Barocke Pfarrkirche zum Heiligen Martin, 1787;
  • Ehemalige evangelische Kirche, heute Pfarrkirche zum Heiligen Antonius, Klassizismus, 1829.

Korzeńsko (deutsch: Korsenz):

  • Barocke Pfarrkirche zur Erhöhung des Heiligen Kreuzes, 1722;
  • Reste einer frühmittelalterlichen Burg.

Niezgoda (deutsch: Nesigode):

Radziądz (deutsch: Radungen):

  • „Militscher Teiche“ (Stawy Milickie), Naturreservat mit vielen seltenen Wasservögeln.

Zmigródek (deutsch: Schmiegrode)

  • Reste einer mittelalterlichen Burg.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Żmigród gehören folgende Ortsteile (deutsche Namen amtlich bis 1945)[5] mit einem Schulzenamt:

  • Barkowo (Bargen)
  • Borek (Heidchen)
  • Borzęcin (Borzenzine, 1939–1945 Bornfelde)
  • Bychowo (Beichau)
  • Chodlewo (Kodlewe, 1937–1945 Langhausen)
  • Dębno (Deutsch Damno, 1935–1945 Deutscheich)
  • Dobrosławice (Dobrtowitz, 1936–1945 Gutfelde)
  • Garbce (Karbitz, 1937–1945 Eindorf)
  • Gatka (Goitke)
  • Grądzik (Herrmenau)
  • Kanclerzowice (Kanterwitz)
  • Karnice
  • Kaszyce Milickie (Herrnkaschütz, 1937–1945 Herrnhofen)
  • Kędzie (Kendzie, 1939–1945 Grüntal)
  • Kliszkowice (Groß Glieschwitz, 1937–1945 Freyersdorf)
  • Korzeńsko (Korsenz)
  • Książęca Wieś (Fürstenau)
  • Laskowa (Lauskowe, 1936–1945 Waldhöh)
  • Łapczyce (Zerra, 1937–1945 Labschütz)
  • Morzęcino
  • Niezgoda (Nesigode, 1936–1945 Jagdhausen)
  • Osiek
  • Powidzko (Powitzko, 1936–1945 Urdorf)
  • Przedkowice (Przittkowitz, 1936–1945 Gutweide)
  • Przywsie (Grenzvorwerk)
  • Radziądz (Radziunz, 1935–1945 Radungen)
  • Ruda Żmigrodzka (Hammer-Trachenberg)
  • Sanie (Sayne, 1936–1945 Seidorf)
  • Węglewo (Wanglewe, 1937–1945 Meilershof)
  • Żmigródek (Schmiegrode)

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

  • Barkówko
  • Biedaszkowo
  • Borek-Leśniczówka
  • Bukołowo
  • Bukołowo-Osada
  • Czarny Las
  • Gola
  • Góreczki
  • Hucisko
  • Jamnik
  • Kliszkowice Małe
  • Łabuzki
  • Nowe Domy
  • Nowik
  • Osiek Mały
  • Rogożowa
  • Sieczków
  • Stróże
  • Szarlotka
  • Szarzyna
  • Szydłów
  • Wierzbina
  • Żmigród-Osada

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fernverkehrsbahnhof Żmigród liegt an der Bahnstrecke Wrocław–Poznań und war einst Beginn der Bahnstrecke Żmigród–Wąsosz. Auch die Trachenberg-Militscher Kreisbahn begann in der Stadt.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaft und Schulwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahnversuchsring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenige Kilometer westlich des Ortes befindet sich das Eisenbahn-Testgelände vom Instytut Kolejnictwa. Es wurde früher von der Polnischen Staatsbahn (polnisch: Polskie Koleje Państwowe, PKP) betrieben und beinhaltet neben den Gleisanlagen eine Forschungsstelle und eine Zweigstelle des Forschungsinstituts für Landstraßen und Brücken aus Warschau. Auf dem Testgelände, das u.a. einen Eisenbahnring beinhaltet, wurden beispielsweise von 1997 bis 2001 Versuche des Projekts Safetrain durchgeführt.

Schulen und Kindergarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Żmigród hat folgende Schulen:

  • eine Landwirtschaftsfachschule auf Gymnasialniveau
  • ein Gymnasium (polnisches Gymnasium: 7. bis 9. Klasse)
  • eine Grundschule
  • eine Spezialgrundschule für Behinderte
  • einen Kindergarten

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein großer Teil der Bevölkerung lebt von der Land- und der Forstwirtschaft (große Jagdgebiete in den umliegenden Wäldern). Der größte Arbeitgeber in der Stadt ist das Stahlkonstruktionsunternehmen "Energomontaż". In der Stadt sind außerdem 800 private Unternehmen, viele von ihnen Ein-Mann-Firmen, registriert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Personen wurden in Żmigród (dt. Trachenberg) geboren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Schlesien. Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 541f. (Kröners Taschenausgabe 316).
  • Almanach de Gotha. Annuaire Genealogique Diplomatique et Statistique. Justus Perthes, Gotha 1931.
  • Izabella Gawin, Dieter Schulze, Reinhold Vetter: Schlesien. Deutsche und polnische Kulturtraditionen in einer europäischen Grenzregion. DuMont, Köln 1999, ISBN 3-7701-4418-X, S. 117 (DuMont Kunst-Reiseführer).
  • Władysław Jan Grabski: 200 miast wróciło do Polski. Wydawnictwo Zachodnie, Poznań 1949.
  • Traud Gravenhorst: Schlesien. Erlebnisse eines Landes. Korn, Breslau 1938.
  • Max Wilberg: Regenten-Tabellen. P. Beholtz, Frankfurt/Oder 1906.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Żmigród – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/militsch.html#ew39militrache
  3. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19, Leipzig/Wien 1909, S. 653.
  4. Joachim Lukas: Landeskundliche Notizen aus Schlesien – Wohntürme in Schlesien [1] (abgerufen am 16. November 2016)
  5. Genealogische Orts-Verzeichnis