Hans Wölfel

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Hans Wölfel um 1935

Johann Wilhelm Wölfel (* 30. März 1902 in Bad Hall; † 3. Juli 1944 in Brandenburg-Görden) war ein Jurist. Er wird dem katholisch motivierten Widerstand gegen den Nationalsozialismus zugeordnet.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vater von Hans Wölfel war ein aus Untermerzbach in Unterfranken stammender Kunst- und Handelsgärtner, der sich in Bad Hall niedergelassen hatte, die Mutter stammte aus der Steiermark. Ab 1913 besuchte Wölfel zunächst zwei Jahre das Gymnasium der Benediktiner in Kremsmünster, anschließend nahm ihn sein Onkel Johann Wölfel, der im Dorf Ebing nahe Bamberg Pfarrer war, bei sich auf. Im April 1919 meldete er sich zum Freikorps Berthold und kam im Mai 1019 nach München, nahm aber nicht mehr an Kampfhandlungen gegen die Räterepublik teil[2]. Nach dem 1. Weltkrieg und den Revolutionswirren besuchte Wölfel in Bamberg weiter das Gymnasium dort machte 1922 dort das Abitur.

Danach studierte Wölfel Jura, zunächst ein Semester in München und dann ab dem Wintersemester 1922/23 in Würzburg. In München wurde er Mitglied des K.St.V. Ottonia München, in Würzburg des K.St.V. Rheno-Frankonia, beide im KV, dem er sich bis zu seinem Tode eng verbunden fühlte. In Würzburg nahm Wölfel als Student erheblichen Einfluss auf die damaligen hochschulpolitischen Auseinandersetzungen. Viele – auch katholische – Studentenverbindungen hatten sich im Hochschulring Deutscher Art zusammengeschlossen, der sich mehr und mehr in die nationalsozialistische Richtung bewegte. Als Gegenpol gründete Wölfel mit Gleichgesinnten den Katholischen Akademikerbund Würzburg und wurde dessen zweiter Vorsitzender. Anfang 1924 ging man mit einer großen Kundgebung an die Öffentlichkeit, Ziel dieses Bundes war die Unterstützung der katholischen Weltanschauung und die Pflege einer vaterländischen Gesinnung ohne chauvinistische Tendenzen. Für diese Ziele kämpfte Wölfel, der im Wintersemester 1924/25 auch Senior der Rheno-Frankonia war, auf zahlreichen studentischen Versammlungen.

Im Februar 1925 bestand Wölfel das am Oberlandesgericht Bamberg das Referendarexamen und im April 1929 die Assessorprüfung. Er war zunächst Anwalt für den Oberfränkischen Bauernverein und ließ sich dann in Bamberg in der Luitpoldstr. 16 als Rechtsanwalt nieder. Im selben Jahr heiratete er Elisabeth Rauh. Seine Anwaltspraxis wurde eine führende und angesehene Kanzlei in Zivil- und Strafsachen. 1932 wurde Wölfel Vorsitzender des Ortskartells der katholischen Vereine Bambergs. 1931 wurde er Vorsitzender des Ortskartells der katholischen Vereine Bambergs. In den Wahlen des Jahres 1932 trat er entschlossen für die Bayerische Volkspartei, die Weimarer Republik und die katholische Kirche ein und kämpfte gegen den Nationalsozialismus. Nach der „Machtergreifung“ musste er schweigen, war jedoch Mitglied der NS-Volkswohlfahrt. In seiner Arbeit zeigte sich jedoch seine unveränderte Gesinnung: Er verteidigte Bamberger Bürger, die vor dem Sondergericht Bamberg wegen angeblich staatsgefährdender Vergehen angeklagt waren. Vielen vom Nationalsozialismus bedrängten Menschen half er, soweit ihm dies möglich war.

Denunziation und Hinrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen Diabetes war Wölfel kriegsuntauglich und übernahm juristische Fälle für Kollegen. Im Juli 1943 äußerte sich Wölfel anlässlich einer Urlaubsreise im Kreis von Bekannten über die politische Lage. Er sagte, der Krieg könne nicht mehr gewonnen werden und Hitler sei der größte Wortverdreher aller Zeiten. Liselotte Gerster aus Biberach, eine junge Frau und NSDAP-Mitglied, denunzierte ihn. Er wurde am 12. Oktober 1943 verhaftet, im November nach Berlin gebracht und am 24. Februar 1944 durch den Volksgerichtshof zum Tod verurteilt. In den Verhören durch die Gestapo erklärte Wölfel, dass er bestimmten Lehren des Nationalsozialismus auch jetzt noch nicht zustimmen könne, da sie seiner christlichen Überzeugung widersprächen. Wölfel wurde in Berlin inhaftiert, vor den Volksgerichtshof gestellt und wegen Wehrkraftzersetzung am 10. Mai 1944 zum Tode verurteilt. Am 3. Juli 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden durch Enthauptung hingerichtet.

Religiöse Überzeugung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht alle, die vor dem Volksgerichtshof standen und wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt waren, wurden zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung Wölfels muss daher als die bewusste Beseitigung eines Mannes gedeutet werden, der die Ideologie und den Machtanspruch des Nationalsozialismus ablehnte. Die Kraft zu dieser Haltung kam aus seiner religiösen Überzeugung. Schon als junger Mann hatte Hans Wölfel gedichtet: Herrgott, nimm meine Seele in Deine Vaterhand, form Sie nach Deinem Willen und frei von allem Tand. Nimm sie und schlage wacker drein, und haue sie zu Fels und Stein, auf den Dein Glaube ist gestellt, an dem der Lüge Meer zerschellt – Herrgott, schlag drein! Die jugendliche Begeisterung dieses Gedichts wandelte sich im Laufe des Lebens zu unermüdlicher Berufsarbeit, zur selbstverständlichen Hilfsbereitschaft für alle, die Hilfe brauchten, zu einer Frömmigkeit, die sich im regelmäßigen Besuch des Gottesdienstes in seiner Heimatpfarrei St. Gangolf zeigte. Eine Trennung von Privatleben, Berufsangelegenheiten und politischen Zielsetzungen war ihm fremd. Er suchte die Einheit seines Lebens im christlichen Glauben und formte es nach christlichen Grundsätzen. Das befähigte ihn zum entschiedenen Widerstand gegen eine ungerechte und widerchristliche Staatsgewalt.

Posthume Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Urteil des Volksgerichtshofes gegen Hans Wölfel und Urteilsbegründung. In: Günter Buchstab, Brigitte Kaff, Hans O. Kleinmann: Verfolgung und Widerstand. Christliche Demokraten gegen Hitler. Droste, Düsseldorf 1986, ISBN 3-7700-0705-0, S. 177ff.
  • Lothar Braun in Siegfried Koß, Wolfgang Löhr (Hrsg.): Biographisches Lexikon des KV. 1. Teil (= Revocatio historiae. Band 2). SH-Verlag, Schernfeld 1991, ISBN 3-923621-55-8, S. 106 f.
  • Antonie Leugers: Widerstand im Alleingang? Beispiele aus Bambergs Kirchengeschichte während des Dritten Reiches. Vortrag vor dem Historischen Verein Bamberg zusammen mit dem Studienförderverein Mainfranken Bamberg am 16. Dezember 1994. In: Bericht des Historischen Vereins Bamberg. 131 (1995), S. 439–451.
  • Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz): Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Paderborn u. a. 1999. 7. überarbeitete und aktualisierte Auflage 2019. ISBN 978-3-506-78012-6. Bd. I. S. 112–115.
  • Lothar Braun: Hans Wölfel und sein politischer Prozeß. In: Bericht des Historischen Vereins Bamberg. 139 (2003), S. 399–410.
  • Mechthildis Bocksch (Hrsg.): Hans Wölfel. Ein Bamberger im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Leben und Erinnerung. Urlaub, Bamberg 2004, ISBN 3-933949-16-5.
  • Andreas Stenglein: Hans Wölfel. In: eine kurze Lebensgeschichte. (online auf: andreas-stenglein.de)
  • Ulrich Dieter OppitzHans Wölfel. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 38, Bautz, Nordhausen 2017, ISBN 978-3-95948-259-2, Sp. 1532–1538.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. erzbistum-bamberg.de@1@2Vorlage:Toter Link/www.erzbistum-bamberg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. Alwin Reindl, Hans Wölfel: Ein Mann im Widerstand gegen die NS-Diktatur. Frankenland. Zeitschrift für fränkische Geschichte, Kunst und Kultur. 72. Jahrgang, 2020, Heft 3 September, Seite 160–173