Zum Inhalt springen

Kremsmünster

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Marktgemeinde
Kremsmünster
Wappen Österreichkarte
Wappen von Kremsmünster
Kremsmünster (Österreich)
Kremsmünster (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Oberösterreich Oberösterreich
Politischer Bezirk: Kirchdorf
Kfz-Kennzeichen: KI
Fläche: 42,13 km²
Koordinaten: 48° 3′ N, 14° 8′ OKoordinaten: 48° 3′ 18″ N, 14° 7′ 51″ O
Höhe: 384 m ü. A.
Einwohner: 7.041 (1. Jän. 2025)
Bevölkerungsdichte: 167 Einw. pro km²
Postleitzahl: 4550
Vorwahl: 07583
Gemeindekennziffer: 4 09 07
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Rathausplatz 1
4550 Kremsmünster
Website: www.kremsmuenster.at
Politik
Bürgermeisterin: Dagmar Fetz-Lugmayr (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2021)
(31 Mitglieder)
14
7
4
4
2
14 
Insgesamt 31 Sitze
Lage von Kremsmünster im Bezirk Kirchdorf
Lage der Gemeinde Kremsmünster im Bezirk Kirchdorf (anklickbare Karte)EdlbachGrünburgHinterstoderInzersdorf im KremstalKirchdorf an der KremsKlaus an der PyhrnbahnKremsmünsterMicheldorf in OberösterreichMollnNußbachOberschlierbachPettenbachRied im TraunkreisRosenau am HengstpaßRoßleithenSt. PankrazSchlierbachSpital am PyhrnSteinbach am ZiehbergSteinbach an der SteyrVorderstoderWartberg an der KremsWindischgarstenOberösterreich
Lage der Gemeinde Kremsmünster im Bezirk Kirchdorf (anklickbare Karte)
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Südostansicht von Kremsmünster mit dem ortsbildbeherrschenden Stift
Südostansicht von Kremsmünster
mit dem ortsbildbeherrschenden Stift
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Kremsmünster ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Kirchdorf im Traunviertel mit 7041 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025). Der zuständige Gerichtsbezirk ist Kirchdorf an der Krems.

Der Name geht auf das Benediktinerstift Kremsmünster zurück. Es wurde im Jahre 777 gegründet und ist das kulturelle Zentrum der Region. Seine berühmte Sternwarte heißt Mathematischer Turm.

Kremsmünster liegt auf 384 m Höhe im Traunviertel, an einer markanten Flussterrasse der Krems. Das Gemeindegebiet misst von Nord nach Süd 8,9 km und von West nach Ost 9,5 km. Die Gesamtfläche beträgt 42 km². 16,2 % der Fläche sind bewaldet und 71,9 % werden landwirtschaftlich genutzt.

Die höchste Erhebung ist mit 488 m der Gusterberg 2 km südlich. Auf seiner Kuppe („Baum mitten in der Welt“) befindet sich der frühere Fundamentalpunkt der Landesvermessung (1823–1830). Ende des 19. Jahrhunderts gab der Ort dem Meridianbogen Kremsmünster seinen Namen, der in der Stiftssternwarte seinen Zentralpunkt hatte.

Gemeindegliederung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet besteht aus den zehn Katastralgemeinden

  • Au
  • Dirnberg
  • Kirchberg
  • Kremsegg
  • Kremsmünster
  • Krift
  • Mairdorf
  • Sattledt II
  • Unterburgfried
  • Wolfgangstein

und umfasst folgende Ortsteile:

  • Au
  • Dehenwang
  • Dirnberg
  • Egendorf
  • Grub
  • Guntendorf
  • Haid (teilweise)
  • Heiligenkreuz
  • Helmberg
  • Irndorf
  • Kirchberg
  • Kremsegg
  • Kremsmünster
  • Krift
  • Krühub
  • Mairdorf
  • Oberburgfried
  • Oberrohr (teilweise)
  • Pochendorf
  • Regau
  • Schürzendorf
  • Unterburgfried
  • Wolfgangstein

Nachbargemeinden

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei der acht Nachbargemeinden liegen im Bezirk Wels-Land (WL), eine im Bezirk Linz-Land (LL), drei im Bezirk Steyr-Land (SE).

Sattledt (WL) Sipbachzell (WL) Kematen an der Krems (LL)
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Rohr im Kremstal (SE)
Ried im Traunkreis Wartberg an der Krems Bad Hall (SE)

Pfarrkirchen bei Bad Hall (SE)
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Kremsmünster
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) −1,2 0,1 4,3 9,2 14,4 17,3 19,3 18,7 14,1 9,2 3,7 −0,1 9,1
Mittl. Tagesmax. (°C) 1,7 3,6 8,7 14,3 19,5 22,1 24,4 23,9 19,0 13,4 6,6 2,4 13,3
Mittl. Tagesmin. (°C) −3,4 −2,6 1,0 4,8 9,6 12,6 14,4 14,2 10,6 6,2 1,6 −2,2 5,6
Niederschlag (mm) 64 54 83 65 90 114 126 112 89 65 67 73 Σ 1002
Luftfeuchtigkeit (%) 79,3 72,5 64,1 55,7 53,9 57,1 55,7 57,8 64,5 71,6 81,3 83,7 66,4
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1,7
−3,4
3,6
−2,6
8,7
1,0
14,3
4,8
19,5
9,6
22,1
12,6
24,4
14,4
23,9
14,2
19,0
10,6
13,4
6,2
6,6
1,6
2,4
−2,2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Kremsmünster ca. 1630 aus „Merian“ bzw. auch bei Rolleder (1894 S. 229) – vgl. dazu bei AKON[1] die Orts-Ansicht von 1907

Das Benediktinerstift Kremsmünster wurde im Jahr 777 vom Baiernherzog Tassilo III. gegründet.[2] Im Jahr 1299 wird das Dorf Kremsmünster erstmals urkundlich erwähnt. 1489 erhob Kaiser Friedrich III. das Dorf zum Markt. Das Stiftsgymnasium erhielt 1549 das Öffentlichkeitsrecht und zählt zu den traditionsreichsten Lehranstalten Österreichs. Die Sternwarte des Stiftes Kremsmünster wurde 1748 bis 1759 errichtet. Das Gebäude – der Mathematische Turm – gilt als das erste Hochhaus Europas.

Der zwei Kilometer südlich des Stifts gelegene Gusterberg (488 m) wurde 1817 zum Fundamentalpunkt (Koordinatenursprung) der oberösterreichischen und böhmischen Landesvermessung gewählt. Daneben stand der Baum mitten in der Welt (neu gepflanzt 1916), von dem man in alle Richtungen fast 100 km Fernsicht hat. In der Nähe wurde um 2005 eine Aussichtswarte errichtet.

Auf dem Gebiet der heutigen Marktgemeinde Kremsmünster wurden 1850 fünf selbständige Ortsgemeinden gegründet, die 1879 in die zwei Gemeinden Kremsmünster-Land und Kremsmünster-Markt überführt wurden.

1910 wurde in Kremsmünster das erste Elektrizitätswerk gebaut.

1938 erfolgte der Zusammenschluss der zwei Ortsgemeinden Kremsmünster-Markt und Kremsmünster-Land zur Marktgemeinde Kremsmünster.

Einwohnerentwicklung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Kremsmünster: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
  
3.882
1880
  
4.034
1890
  
3.906
1900
  
4.024
1910
  
4.353
1923
  
4.347
1934
  
4.505
1939
  
4.317
1951
  
5.557
1961
  
5.457
1971
  
5.703
1981
  
5.811
1991
  
5.970
2001
  
6.443
2011
  
6.461
2021
  
6.725
2025
  
7.041
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1. Jänner 2021

1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 5.970 Einwohner; 2001 dann 6.443 Einwohner, davon 811 Ausländer (12,6 %). Die Zunahme entspricht einem Plus von 7,9 % gegenüber 1991 bei etwa 200 Nebenwohnsitzen. Bis 2011 gab es nur ein leichtes Wachstum auf 6.461 Personen, da die negative Geburtenbilanz die positive Wanderungsbilanz fast aufhob. Bis zum Jahr 2025 wuchs die Gemeinde wieder stärker auf 7.041 Bewohner.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Stift Kremsmünster: Das Benediktinerstift wurde im Jahre 777 durch den Baiernherzog Tassilo III. aus dem Geschlecht der Agilolfinger gegründet und besteht ununterbrochen seit über 1200 Jahren (abgesehen von der Aufhebung durch das NS-Regime 1940 bis 1945). Das Stift besitzt kostbare Sammlungen, wie die Gemäldegalerie, wie die Kunst- und Wunderkammer mit dem berühmten Tassilokelch. Das Stift führt das Stiftsgymnasium Kremsmünster, das bereits seit 1549 besteht.
  • Gunthergrab in der Stiftskirche: Das Gunthergrab, ein Kenotaph aus weißer Nagelfluh, wird von einer Deckplatte mit der Figur des toten Gunther gekrönt und befindet sich im Läuthaus der Stiftskirche. Die Deckplatte stammt aus der Zeit vor 1304 und stellt Gunther, den sagenhaften Sohn des Bayernherzogs Tassilo III. dar, der der Gründungslegende des Kremsmünsterer Stifts zufolge in den Wäldern an der Krems bei der Jagd von einem wilden Eber tödlich verwundet wurde. Zu Füßen des auf einem Kissen ruhenden und in romanisches Röhrengewand gehüllten Gunther ruhen der Eber, mit einer Lanze im Leib, und der Jagdhund Gunthers, der ihn aufgespürt haben soll. Besonders bemerkenswert ist vor allem die kräftige Farbfassung, die gut erhalten ist.
  • Stiftsbibliothek Kremsmünster: Die Bibliothek gehört mit einer Länge von 65 m und ca. 160.000 Bänden, davon zahlreiche Handschriften und Inkunabeln, zu den größten Bibliotheken Österreichs.
  • Sternwarte Kremsmünster: errichtet von 1749 bis 1758; die Sternwarte, auch der 'Mathematische Turm' genannt, ist das erste Hochhaus Europas.[4] Sie beherbergt die älteste feste Wetterstation Europas. Es wirkte hier u. a. der Astronom Placidus Fixlmillner.
  • Fischkalter: fünf prunkvolle Wasserbecken mit Fischzucht – umgeben von Säulengängen, erbaut von Carlo Antonio Carlone (1692) und Jakob Prandtauer (1717), bilden eigene Höfe im Stift.

Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Greiner Holding: Die Holding hat ihren Sitz und ihre Produktionsstätten (v. a. Kunststoff) in Kremsmünster. Sie hat weltweit über 10000 Mitarbeiter und verzeichnet einen Jahresumsatz von über 1.500 Millionen Euro.
  • Eurofoam
  • Vetropack: 1993 übernimmt der internationale Verpackungsglashersteller Vetropack die Glashütte Lutzky Glas. Drei Schmelzwannen unterschiedlicher Glasfarbe ermöglichen eine Tagesproduktion von 670 Tonnen.[5] Am 13. August 2016 übernahm nach einem Stromausfall die Feuerwehr die Notkühlung der 1400 °C heißen Schmelzbäder.[6]
  • Bahn: Kremsmünster liegt an der Pyhrnbahn von Linz nach Selzthal (mit Anschluss Richtung Graz). In Kremsmünster halten Regionalzüge und Regionalexpress-Züge. Die Fahrt nach Linz dauert üblicherweise zwischen 30 und 40 Minuten, nach Selzthal zwischen 1:10 und 1:30 Stunden. Kremsmünster dient auch als Umsteigepunkt von ÖV-Bus oder Auto (20 km) ab Wels zur Pyhrnbahn in Richtung Süden, also Selzthal und weiter nach Graz.
Neues Rathaus Kremsmünster

Der Gemeinderat hat 31 Mitglieder.

Seit der Gemeindezusammenlegung 1938 gab es folgende Bürgermeister:[12]

  • 1938–1943: Josef Loizenbauer
  • 1943–1945: Heinrich Herwerthner
  • 1945–1967: Josef Lederhilger
  • 1967–1979: Rupert Rendl
  • 1979–1994: Johann Weinzierl
  • 1994–2009: Franz Fellinger (ÖVP)
  • 2009–2025: Gerhard Obernberger (ÖVP)
  • seit 2025: Dagmar Fetz-Lugmayr (ÖVP)

Blasonierung:

„In Grün ein schwarzer, rot bewehrter, aufspringender Eber mit silbernen Hauern und Fangzähnen, durchbohrt von einem goldenen, geknickten Jagdspieß in roter, blutender Wunde.“

Das Motiv bezieht sich auf die Gründungssage des Stiftes, die berichtet, dass Herzog Tassilo III. von Baiern das Kloster an der Krems als Gedenkstätte an jener Stelle erbauen ließ, an der sein Sohn Gunther, der unter den Hauern eines mit dem Jagdspieß verwundeten, wütenden Keilers verblutete, tot aufgefunden wurde.[12][13]

Persönlichkeiten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Marktgemeinde Kremsmünster (Hrsg.): Markt Kremsmünster 1489–1989. Festschrift zum 500-Jahr-Jubiläum der Marktgemeinde. Kremsmünster 1989.
  • Siegfried Kristöfl, Karl Öllinger, Bernhard Kautny: Kremsmünster 1929–1945. Ein Stück Heimatforschung. 2019.
  • Anton Rolleder: Heimatkunde von Steyr – historisch-topographische Schilderung der politischen Bezirke Steyr Stadt und Land. Unter Mitwirkung der Lehrerschaft der beiden Bezirke. Commissionsverlag von Karl Lintls Buchhandlung, Steyr 1894, S. 220–234.
  • Dagmar Fetz-Lugmayr: Sagenreiches Kremsmünster. Ein alter Kulturort erzählt. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2019, ISBN 978-3-7025-0949-1.
Commons: Kremsmünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Kremsmünster – Reiseführer

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Ansichtskarte Kremsmünster (1907) auf AKON (Ansichtskartenportal der Österreichischen Nationalbibliothek)
  2. Kremsmünster – kurze Geschichte, auf Webseite der Gemeinde Kremsmünster
  3. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Kremsmünster, Bevölkerungsentwicklung. Abgerufen am 23. März 2019.
  4. Volker Witt: „250 Jahre Sternwarte Kremsmünster.“ In: Sterne und Weltraum 6/2008, S. 80–85
  5. Vetropack Gruppe > Geschichte der Vetropack – 1911 … heute (Memento des Originals vom 14. August 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vetropack.at Website Vetropack Holding AG, © 2007, abgerufen am 14. August 2016.
  6. Feuerwehrgroßeinsatz wegen flüssigem Glas orf.at, 14. August 2016, abgerufen am 14. August 2016.
  7. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2003 in Kremsmünster. (PDF) Land Oberösterreich, 28. September 2003, abgerufen am 17. Januar 2022.
  8. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2009 in Kremsmünster. (PDF) Land Oberösterreich, 27. September 2009, abgerufen am 17. Januar 2022.
  9. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Kremsmünster. (PDF) Land Oberösterreich, 27. September 2015, abgerufen am 17. Januar 2022.
  10. Wahlen Oberösterreich 2021. In: orf.at. Abgerufen am 15. März 2024.
  11. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2021 in Kremsmünster. (PDF) Land Oberösterreich, 26. September 2021, abgerufen am 13. April 2025.
  12. a b Geschichte der Gemeinde Kremsmünster. Wappen, Bürgermeister und Vereine. Land Oberösterreich, abgerufen am 17. Januar 2022.
  13. Dagmar Fetz-Lugmayr: Sagenreiches Kremsmünster. Verlag Anton Pustet, 2019, ISBN 978-3-7025-0949-1.
  14. Johann Ev. Lamprecht: Historisch-topographische und statistische Beschreibung der k. k. landesfürstl. Gränzstadt Schärding am Inn und ihrer Umgebungen. Selbstverlag der Gemeinde Schärding, Schärding 1886–1888, Theil 2 [=B. Besondere historische Notizen über Schärding], Heft 1, S. 116 ff.
  15. Kremsmünster Gemeindenachrichten – Franz Hönig Jubiläum, online (Aufgerufen am 17. Dezember 2022.)