Harthof (München)

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Der Harthof ist ein Stadtviertel im Norden der bayerischen Landeshauptstadt München. Es liegt in den Stadtbezirken 11 Milbertshofen-Am Hart[1] und 24 Feldmoching-Hasenbergl[2]. Der Harthof besteht aus eher mittelständisch geprägten Siedlungen (vor allem westlich der Schleißheimer Straße sowie östlich um die Goldmarkstraße) sowie einem Komplex von Sozialwohnungen älteren Baujahrs (östlich der Schleißheimer Straße). In ihr liegt die Grünanlage Harthofanger.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemarkungen des heutigen Stadtteils gehörten zu Feldmoching und wurden vorwiegend als Weideland genützt. An der Schleißheimer Straße siedelten sich im 19. Jahrhundert einige Kolonisten an. Dort bestand auch schon seit 1838 das als Pulverturm bekannte Munitionsdepot der Bayerischen Armee.

Das für den Stadtteil namensgebende Gut Harthof erbaute 1890 der Münchner Löwenbräu-Direktor Wolf[3]. Der Bau wurde 1957 abgerissen[4], der Nachfolgebau befindet sich noch heute in der Max-Liebermann-Straße. Der Name stammt vom Feldmochinger Flurnamen Hart, was etwa Wald- oder Weideland bedeutet. Der Harthof galt als eine der relativ weit vom Dorfkern entfernten Feldmochinger Kolonien, wie zum Beispiel auch die Fasanerie-Nord oder die Lerchenau. Ab 1900 vergrößerte sich die Kolonie vor allem im Bereich an der Schleißheimer Straße und im westlichen Teil des späteren Stadtteils. Daher stellte am 2. Mai 1922 die Freie Interessenvereinigung Harthof, der Zusammenschluss der Kolonisten, an den Feldmochinger Gemeinderat den Antrag, die Siedlung Feldmoching-Harthof zu nennen. Dieser Antrag wurde aber vom Gemeinderat am 8. August 1922 und auch vom Bezirksamt München am 6. September 1922 abgelehnt. Die Stadt München erwarb das Gut Harthof im Jahr 1927 als Landreserve und verpachtete es 1929 an die noch heute ansässige Familie Menrad weiter.[5] Mit der Eingemeindung von Feldmoching kam die Kolonie Harthof am 1. April 1938 zu München.[6] Bereits vorher begann der Bau einiger sogenannter Reichssiedlungen – zum einen Wohnblöcke einfachen Standards mit kleinen Hofgärten vorwiegend für die in den Milbertshofener Rüstungsbetrieben Beschäftigten, zum anderen als Reichskleinsiedlung Reihen- und Einzelhäuser zur Behebung der Wohnungsnot in München. In den Jahren zwischen 1934 und 1939 wurde das Gebiet durch den Bau verschiedener Kasernen stark geprägt (Ernst-von-Bergmann-Kaserne, die benachbarten Fürst-Wrede- und Bayern-Kasernen in Neu-Freimann sowie die nicht mehr bestehende Kronprinz-Ruprecht- und Virginia-Kaserne). Das Gut wurde 1944 stark durch Kriegsereignisse in Mitleidenschaft gezogen, die Landwirtschaft aber erst um 1960 aufgegeben.

Neubaugebiet Nordhaide im Südwesten der Panzerwiese

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden umfangreiche Baumaßnahmen. Die Zahl der Bevölkerung erhöhte sich in kurzer Zeit auf 14.000 Personen.[7] Bis etwa 1957 setzte die GWG Gemeinnützige Wohnstätten- und Siedlungsgesellschaft namens der Stadtverwaltung vor allem im Bereich östlich der Schleißheimer Straße den Bau von Wohnblöcken als sozialer Wohnungsbau fort, vor allem, um dort Flüchtlinge, durch Kriegsereignisse wohnungslos gewordene Münchner und Zuzügler unterbringen zu können. Zwischen 1952 und 1954 wurde im westlichen Harthof die Siedlung Harthof aufgebaut. Das Stadtteilzentrum entstand um 1955 im Bereich der Weyprechtstraße. Am 14. Juli 1965 fasste der Stadtrat das Gebiet zwischen Dülfer-, Eberwurz- und Rathenaustraße als Stadtteil Harthof zusammen, der später durch Bezirksreform den Stadtbezirken 11 (Bezirksteil Am Hart) und 24 (Bezirksteil Hasenbergl–Lerchenau Ost) zugeschlagen wurde. Nachdem bereits seit 1979 durch Gutachten bekannt war, dass ein Großteil des Blockbestands der GWG (insgesamt rund 2000 Wohneinheiten im Stadtteil) nicht mehr sanierbar sei, beschloss der Stadtrat 2004 einen Bebauungsplan, welcher den Abriss und Neubau des Sozialwohnungsbestands im östlichen Harthof vorsieht.[8][9] Der Bau der ersten Stufe im Bereich Röblingweg/Lieberweg ist bereits abgeschlossen. Auf der Panzerwiese entlang der Neuherbergstraße wurde ab 1999 die Siedlung Nordhaide aufgebaut, welche über ein Subzentrum verfügt.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Harthof liegt nördlich der Innenstadt. Folgende Stadtteile und Außenbezirke grenzen an:

Institutionen und Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Gertrud im Harthof
  • Freiwillige Feuerwehr München, Abteilung Harthof. Am 21. Dezember 1921 gründete sich in der Kolonie Harthof ein Feuerwehrverein, die Feuerwehr entstand im Jahr darauf. Ab 23. Januar 1948 war dieser Hilfszug der Freiwilligen Feuerwehr München, ab 1951 eine eigenständige Löschgruppe. Das Feuerwehrhaus an der Heimperthstraße wurde am 8 September 1979 eingeweiht.[10]
  • Bereitschaft Nord 3 – Harthof/Hasenbergl des Bayerischen Roten Kreuzes[11]
  • Katholische Pfarrgemeinde St. Gertrud mit Kindergarten und Bücherei[12]
  • Evangelische Versöhnungsgemeinde mit Kindergarten. Durch die verstärkte Ansiedlung von Evangelischen wurde der Bau der Versöhnungskirche (eingeweiht am 30. Juni 1957) notwendig. Die Mutterpfarrei war die Dankeskirchen-Gemeinde in Milbertshofen, die Versöhnungsgemeinde entstand zum 8. März 1960.[13]
  • Seit 1956 gibt es eine neuapostolische Gemeinde.[14]
  • Sportvereine FSV Harthof e. V.[15] und SF Harteck e. V.[16]

Soziale Schichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1945 bestand die dortige Bevölkerung aus 80 % Christen.[17] Durch den hohen Bestand an Sozialwohnungen gab es am Harthof schon seit deren Bau einen überdurchschnittlichen Anteil von sozial schwachen Gruppen, wofür der Stadtteil auch bekannt ist.[18] Im Zuge des Neubaus der Blockstrukturen strebt die GWG eine stärkere Durchmischung an.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

U-Bahnhof Harthof

Der Harthof ist über die Autobahnausfahrt München-Neuherberg an der A99 zu erreichen.

Im öffentlichen Personennahverkehr besteht die Haltestelle Harthof an der 1993 eröffneten Linie U2 der U-Bahn München. Diese ersetzte die Straßenbahnlinien 12 und 13 zu den Endstationen Harthof und Hasenbergl, die zur gleichen Zeit auf dem Streckenabschnitt nördlich des Scheidplatzes (12) bzw. ganz (13) eingestellt wurden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmuth Stahleder: Von Allach bis Zamilapark. Namen und historische Grunddaten zur Geschichte Münchens und seiner eingemeindeten Vororte. Stadtarchiv München, ed. München: Buchendorfer Verlag 2001. ISBN 3-934036-46-5.
  • Beate Freytag, Alexander Franc Storz: Milbertshofen – Die Geschichte des Stadtteils von der Schwaige zur Vorstadt Münchens. Buchendorfer Verlag München, München 2004, ISBN 3-934036-80-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtbezirk 11 – Milbertshofen-Am Hart@1@2Vorlage:Toter Link/www.munchen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Stadtbezirk-Infos auf der Website des Bezirksausschusses 11.
  2. Der 24. Stadtbezirk, Kapitel Harthof (Memento vom 7. März 2009 im Internet Archive). Stadtbezirk-Infos auf der Website des Bezirksausschusses 24.
  3. http://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktorium/Stadtarchiv/Publikationen/Von-Allach-bis-Zamilapark/Einleitung-Geschichte/Bezirk11.html
  4. Archivlink (Memento des Originals vom 28. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.erzbistum-muenchen.de
  5. Beate Freytag, Die schwarzen Männer aus dem Harthof – Familie Menrad betreibt in dritter Generation eine der letzten Kohlehandlungen Münchens. Pressebericht (Memento des Originals vom 11. April 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.franz-menrad.de der Firma Franz Menrad Brennstoffe.
  6. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 601.
  7. Archivlink (Memento des Originals vom 28. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.erzbistum-muenchen.de
  8. Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung,@1@2Vorlage:Toter Link/www.muenchen.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Bebauungsplan mit Grünordnung Nr. 1898a vom 26. Oktober 2005. PDF-Datei, 76 kB.)
  9. Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung,@1@2Vorlage:Toter Link/www.muenchen.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Bebauungsplan Nr. 1898b GWG-Siedlung Harthof (Nordteil) vom Februar 2009. PDF-Datei, 230 kB.)
  10. Die Geschichte der Feuerwehr im Allgemeinen und die der Feuerwehr Harthof im Besonderen. Veröffentlichung der Abteilung Harthof der Freiwilligen Feuerwehr München (Memento vom 17. August 2013 im Webarchiv archive.is)
  11. Website der Bereitschaft Nord 3 – Harthof/Hasenbergl.
  12. St. Gertrud@1@2Vorlage:Toter Link/www.erzbistum-muenchen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf der Website des Erzbistums München und Freising.
  13. Geschichte der Versöhnungskirche auf der Website der Versöhnungskirche München (Memento vom 15. September 2012 im Webarchiv archive.is)
  14. Website der Neuapostolischen Kirche München-Harthof.
  15. Website des FSV Harthof e. V. (Memento vom 30. April 2009 im Internet Archive)
  16. Sportfreunde Harteck e.V. und SC Schwarz/Gelb München e.V.
  17. Archivlink (Memento des Originals vom 28. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.erzbistum-muenchen.de
  18. Die Frauen vom Harthof Archiv Zeitschrift Stern 2007

Koordinaten: 48° 12′ 20″ N, 11° 34′ 18″ O