Hassenroth (Höchst im Odenwald)

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Hassenroth
Koordinaten: 49° 47′ 20″ N, 8° 56′ 5″ O
Höhe: 329 m ü. NHN
Fläche: 3,19 km²[1]
Einwohner: 1035 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 324 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64739
Vorwahl: 06163

Hassenroth ist als staatlich anerkannter Erholungsort ein Ortsteil der Gemeinde Höchst im Odenwald im südhessischen Odenwaldkreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hassenroth liegt im nördlichen Odenwald. Geologisch liegt es im Granit-Odenwald, während in Höchst schon Sandstein zu finden ist.

Hassenroth grenzt im Norden an Hering (Gemeinde Otzberg, Landkreis Darmstadt-Dieburg), im Osten an den Ortsteil Annelsbach (Höchst im Odenwald) und im Westen an Ober-Klingen (Gemeinde Otzberg, Landkreis Darmstadt-Dieburg). Im Süden grenzt Hassenroth an den Höchster Ortsteil Hummetroth.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hassenroth wurde erstmals im Jahre 1408 urkundlich erwähnt. Bis 1521 gehörte Hassenroth zur Zent Umstadt. 1521 wurde es infolge des Landshuter Erbfolgekriegs dem kurpfälzischen Oberamt Otzberg zugesprochen. Das Oberamt Otzberg fiel 1803 infolge des Reichsdeputationshauptschlusses an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Mit dem Tauschvertrag zwischen der Hessen-Darmstadt und dem Herren von Löwenstein-Wertheim vom 5. Februar 1805[3] kam es zum Amt Habitzheim, das 1806 durch die Rheinbundakte an das Großherzogtums Hessen fiel. Die Niedere Gerichtsbarkeit blieb bis 1822 bei den Herren Löwenstein-Wertheim.

Hessische Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 wurde die Gemeinde Hassenroth im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Höchst im Odenwald eingemeindet.[4] Für Hassenroth sowie für die übrigen im Zuge der Gebietsreform eingegliederten Gemeinden von Höchst i. Odw. wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[5]

Regional- und Verwaltungsgeschichte im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Regionen, in denen Hassenroth lag, sowie die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[6][7][8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1633: 47 Einwohner[6]
  • 1961: 428 evangelische (= 91,26 %), 41 katholische (= 8,74 %) Einwohner[6]
Hassenroth: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
251
1840
  
281
1846
  
292
1852
  
299
1858
  
269
1864
  
276
1871
  
291
1875
  
297
1885
  
298
1895
  
328
1905
  
345
1910
  
344
1925
  
336
1939
  
358
1946
  
475
1950
  
456
1956
  
455
1961
  
469
1967
  
558
1970
  
567
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2005
  
1.059
2010
  
1.066
2011
  
1.050
2015
  
1.035
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [6]; Gemeinde Höchst im Owd.: 2005–2015[2]; Zensus 2011[10]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsvorsteher ist Gerald Heid (SPD), Stellvertretender Ortsvorsteher ist Patrick Eich (KAH) und Schriftführer ist Lars Maruhn (CDU) – Stand März 2021. Bei der Ortsbeiratswahl im März 2021 lag die Wahlbeteiligung in Hassenroth, bei 55,78 %. (CDU 32,98 % – SPD 31,92 % – KAH 25,69 % – Grüne 9,41 %) Wahlberechtigte 882 – Wähler 492

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung in Hassenroth war seit jeher überwiegend evangelisch. Kirchlich betreut wurde und wird sie von Hering aus. Noch heute bilden Hering und Hassenroth eine gemeinsame Kirchengemeinde im Kirchspiel Otzberg[11].

Die Katholiken in Hassenroth werden von Höchst aus betreut.

Jahrhundertelang mussten die evangelischen Hassenröther zum Gottesdienstbesuch und zum Konfirmandenunterricht durch den Wald nach Hering laufen. Das fand erst mit dem Bau eines eigenen Gotteshauses ein Ende. Am 15. Januar 1967 wurde die evangelische Kirche in Hassenroth eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben.[12]

Kirche

Ein 1960 gegründeter Kirchbauverein half mit, dieses ehrgeizige Projekt zu verwirklichen. Treibende Kraft war der damalige Bürgermeister Phillip Dörr. Der Baugrund wurde von der politischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Der Offenbacher Architekt Paul Friedrich Posenenske schuf die Pläne für die avantgardistische und damals ungewöhnliche Struktur. Zwei versetzte Pyramiden schieben sich ineinander und geben dem Kirchenbau die Form eines Zeltes.

Das moderne Gebäude besteht aus Sichtbeton, Stahlkonstruktion, Holzverschalung und Industrieglas. Der Innenraum ist der reformierten Tradition der Gemeinde entsprechend schlicht und nüchtern gehalten. Außer den einfarbigen Paramenten gibt es nichts buntes. Die Kirche bietet 140 Besuchern Platz. Sie kann durch weitere Bestuhlung bis zu 200 Menschen aufnehmen. Bei Tageslicht wird der Altarraum indirekt optimal erhellt. Der Besucher sitzt im dunkleren Teil des Raumes und schaut ins Helle, jedoch ohne geblendet zu werden. Bei Dunkelheit ist die elektrische Beleuchtung dagegen unzureichend.

197x hatte die Evangelische Kirchengemeinde das unterhalb der Kirche gelegene, ehemalige Lehrerwohnhaus erworben und als Gemeindehaus mit Wohnung im Dachgeschoss genutzt. Es wurde zur Finanzierung eines Neubaus verkauft und dient heute wieder als Wohnhaus.

Das neue Gemeindehaus wurde zwischen der Friedhofskapelle und der Kirche errichtet und im Advent 2006 eingeweiht. Die Fassade ist wie das Kirchendach mit dunklem Naturschiefer belegt. Die drei Gebäude bilden zusammen ein architektonisch stimmiges Ensemble.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemischter Chor: Die Sängervereinigung Gemischter Chor Hassenroth e.V. wurde am 17. März 1956 als reiner Männerchor unter der damaligen Bezeichnung Männerchor Hassenroth gegründet. Der Chor wurde 1965 erweitert. Seitdem handelt es sich um einen gemischten Chor.
  • Freiwillige Feuerwehr Hassenroth e.V.
  • Sportverein: SC Hassenroth 1973 e.V.
  • Elterninitiative Hassenroth e.V.
  • Reit- und Fahrverein Hassenröther Höhe e.V.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zufahrtsstraßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hassenroth ist über die Kreisstraße 116 von Ober-Klingen (Gemeinde Otzberg) sowie die Landesstraße 3318 von Hummetroth und von Hering (Gemeinde Otzberg) aus zu erreichen.

Die Verbindung nach Hering wurde erst in den 1960er Jahren erstellt. Vorher mussten Kraftfahrzeuge über Ober- und Nieder-Klingen und Lengfeld nach Hering fahren, es sei denn, der Fahrer hatte eine forstamtliche Sondergenehmigung für den Waldweg zwischen Hering und Hassenroth. Dieser diente über Jahrhunderte hinweg als Fußweg, zum Beispiel zum Gottesdienstbesuch in Hering.

Die Straßen nach Ober-Klingen und Hering führen durch dichten Wald. Bei Sturm kommt es hin und wieder zu umstürzenden Bäumen. Bei Orkan sind diese Straßen regelmäßig blockiert, zuletzt im Jahr 2007 bei „Kyrill“. Hassenroth ist dann nur noch über Hummetroth zu erreichen.

Personennahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hassenroth gehört zum Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Drei Bushaltestellen liegen im Bereich von Hassenroth: Darmstädter Straße, Spielplatz/Teich und – außerhalb an der Landstraße nach Hummetroth gelegen – Lenzwiese. Der Busverkehr ist vor allem auf den Hauptort Höchst im Odenwald der gleichnamigen Gemeinde ausgerichtet, da diese Verbindung auch für den Schülerverkehr die größte Bedeutung hat. Insbesondere außerhalb der Schulzeiten und außerhalb des Berufsverkehrs sowie an Wochenenden und hessischen Feiertagen verkehren die Busse meist nur nach rechtzeitiger Anforderung durch den Fahrgast (Rufbus). An Wochenenden und hessischen Feiertagen stellt der Bus auch eine Verbindung zu drei touristischen Zielen in der näheren Umgebung her: zur Veste Otzberg, zur römischen Villa Haselburg und zur Burg Breuberg.[13]

Bahnanschluss besteht über die vier etwa gleich weit (ca. 7 … 8 km) entfernten Bahnhöfe Höchst (Odenwald), Höchst Mümling-Grumbach, Groß Umstadt-Wiebelsbach und Otzberg-Lengfeld, die alle von der Odenwaldbahn bedient werden. Die Odenwaldbahn stellt direkte Verbindungen u. a. nach Darmstadt – dem zugehörigen Oberzentrum – (ab Höchst (Odenwald) ca. 40 Min.; ab Otzberg-Lengfeld ca. 30 Min.), nach Frankfurt am Main (ab Höchst (Odenwald) ca. 1 Std.; ab Otzberg-Lengfeld ca. 50 Min.) und nach Erbach und Michelstadt – den zugehörigen Mittelzentren – (ab Höchst (Odenwald) ca. 15 Min.) her. Zwischen Hassenroth und dem Bahnhof Höchst (Odenwald) und an Wochenenden und hessischen Feiertagen auch zwischen Hassenroth und dem Bahnhof Otzberg-Lengfeld gibt es Busverbindungen.[13]

Kindergarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hassenroth befindet sich der von der Gemeinde Höchst im Odenwald betriebene Kindergarten Zu den Birken.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die für Hassenroth zuständige Grundschule Schule an der Mümling befindet sich im Hauptort Höchst im Odenwald der gleichnamigen Gemeinde. Auch alle weiterführenden allgemeinbildenden Schulformen: Hauptschule, Realschule, Gymnasium (einschließlich gymnasialer Oberstufe), werden in Höchst im Odenwald angeboten und zwar in der kooperativen Gesamtschule Ernst-Göbel-Schule.[14]

In Hassenroth selbst bestand bis 1970 eine Dorfschule mit einem Klassenraum. Das ehemalige Schulhaus in der Darmstädter Straße 31, dessen erster Bauabschnitt 1848 errichtet wurde, befindet sich heute in Privatbesitz und wird zu Wohnzwecken genutzt.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen

  1. Trennung zwischen Justiz (Landgericht Höchst) und Verwaltung.
  2. Im Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst.

Einzelnachweise

  1. Daten – Zahlen – Fakten. (Nicht mehr online verfügbar.) Gemeinde Höchst im Odenwald, archiviert vom Original am 3. Juli 2020; abgerufen im Juli 2020.
  2. a b Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept. (Nicht mehr online verfügbar.) Gemeinde Höchst im Odenwald, S. 13, archiviert vom Original am 3. Juli 2020; abgerufen im Juli 2020.
  3. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogtums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 47 §§ 14–15 (online bei Google Books).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 358.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 1,8 MB) § 5. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webauftritt. Gemeinde Höchst i. Odw., archiviert vom Original am 11. Dezember 2021; abgerufen im Oktober 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hoechst-i-odw.de
  6. a b c d Hassenroth, Odenwaldkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  9. Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 11,2 MB]).
  10. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,9 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Original am 11. Juli 2021;.
  11. Kirchspiel Otzberg im Evangelischen Dekanat Vorder Odenwald (Memento vom 21. April 2009 im Internet Archive)
  12. 25 Jahre Kirche in Hassenroth – Jubiläumsschrift – Herausgeber: Ev. Kirchengemeinde Hering-Hassenroth – zusammengestellt von Ehrenkirchenvorsteher und Ehrenbürgermeister Philipp Dörr
  13. a b Rhein-Main-Verkehrsverbund
  14. Kreisausschuss des Odenwaldkreises – Schulverwaltung (Hrsg.): Schulentwicklungsplan (SEP) des Odenwaldkreises. Selbstverlag, Erbach 2007. (PDF-Datei; 0,6 MB)
  15. Dörr, Philipp: Hassenroth und seine Geschichte, eingebettet in die Schicksale der Deutschen. Band I. Selbstverlag, Hassenroth 1995.