Hedwig Heyl

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Hedwig Heyl (geborene Crüsemann; * 3. Mai 1850 in Bremen; † 23. Januar 1934 in Berlin) war eine deutsche Frauenrechtlerin, Unternehmerin, Sozialpolitikerin und Gründerin sozialer Einrichtungen.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heyl war die Tochter des Großkaufmanns Eduard Crüsemann, Mitbegründer des Norddeutschen Lloyds. Die 18-jährige Hedwig wurde im Januar 1869 die Gattin des Charlottenburger Farbenfabrikanten Georg Heyl (1840–1889), mit dem sie fünf Kinder hatte. Die erste von ihr ins Leben gerufene soziale Einrichtung war ein Kindergarten für die Mitarbeiterkinder in der eigenen Fabrik. 1884 gründete sie schließlich die erste Koch- und Haushaltungsschule für Frauen, 1890 die erste Gartenbauschule für Frauen in Berlin-Marienfelde. Sie organisierte 1904 außerdem den Internationalen Frauenkongress in Berlin und 1908 die Internationale Volkskunstausstellung. Des Weiteren gehörte sie 1905 zu den Gründungsmitgliedern des Lyceum-Club Berlins, des ersten internationalen Frauenclubs in Deutschland mit einem Partnerclub in London. 1915 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Hausfrauen-Bundes.

Der Höhepunkt in Heyls Leben war 1912 die Organisation der Ausstellung Die Frau in Haus und Beruf auf dem Ausstellungsgelände am Zoologischen Garten, bei dem alle Bereiche der weiblichen Berufsarbeit präsentiert wurden. 1920 wurde sie mit dem Doktor honoris causa für ihre Verdienste um die Ernährungswissenschaft geehrt. Noch im Alter von 69 Jahren war sie als Abgeordnete der Deutschen Volkspartei in der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung tätig.

Politische Position[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heyl lässt sich der gemäßigten bürgerlichen Frauenbewegung zuordnen. Politisch stand sie dem linken Flügel der Nationalliberalen nahe.[1] Zwischen 1910 und 1920 war sie Vorsitzende des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft (ein Zweig der Deutschen Kolonialgesellschaft), der unter ihrer Leitung die „Verkafferung“ der deutschen Kolonialelite zu verhindern suchte und sogenannte Mischehen zwischen Deutschen und Einheimischen in den Kolonien bekämpfte.[2] Hedwig Heyl, die klar rassistische Positionen vertrat, betrachtete es als ihre wichtigste Aufgabe „Frauen für die Kolonisten auszusuchen, Siedlungen durch Ehen zu befestigen und überhaupt geeignetes Mädchenmaterial zu verschicken.“

1933 zeigte sie sich wie die Mehrheit der Deutschen begeistert von Adolf Hitler.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Gedenktafel am Haus Ulmenallee 30, in Berlin-Westend
  • 1920 wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Universität Berlin verliehen.
  • Seit 1995 erinnerte eine inzwischen abgenommene Gedenktafel an ihrem ehemaligen Wohnhaus im Berliner Ortsteil Westend an sie.
  • Eine weitere Gedenktafel befindet sich im Ortsteil Schöneberg.
  • Mehrere Hedwig-Heyl-Straßen wie in Berlin-Schöneberg und in Bremen-Schwachhausen
  • Bis 1999 trugen die Berufsbildenden Schulen Berta Jourdan in Frankfurt am Main und die Alice-Salomon-Schule, Berufsbildende Schule für Gesundheit und Soziales in Hannover, ihren Namen.
  • In Oldenburg wird Hedwig Heyl als Namensgeberin einer Straße wieder gestrichen.[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das ABC der Küche, C. Habel, Berlin 1885.
  • Volks-Kochbuch für Schule, Fortbildungsschule und Haus, Neu-Babelsberg, 1905 – online verfügbar im Project Gutenberg.
  • Diverse Beiträge in Kolonie und Heimat. Vereinsblatt des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft.
  • Kleines Kriegskochbuch, C. Habel, Berlin 1914.
  • Bratbüchlein für Rost- und Pfannengerichte zum Braten auf der ges. gesch. Rostpfanne »OBU«, Verlag W. Aletter, Berlin-Steglitz, Januar 1917.
  • Aus meinem Leben, Schwetschke, Berlin 1925.
  • Hauswirtschaft – Dünnhaupts Studien- und Berufsführer; Band 18, C. Dünnhaupt, Dessau 1927.
  • Diätküche. C. Habel, Berlin 1929.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Heimpel: Heyl, Hedwig, geborene Crüsemann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 83 f. (Digitalisat).
  • Doris Kachulle: „Verschicke nur geeignetes Mädchenmaterial“. Die Bremerin Hedwig Heyl arbeitete im Deutsch-Kolonialen Frauenbund für die „Deutschwerdung“ Südwestafrikas, in: die tageszeitung, 21. März 1992, S. 35
  • Leopold Klotz: Ströme der Liebe – Ein Briefwechsel. Leopold Klotz Verlag, Gotha und Leipzig, 1936
  • Edith Laudowicz: Heyl, Hedwig Henriette, geb. Crüsemann. In: Frauen Geschichte(n), Bremer Frauenmuseum (Hg.). Edition Falkenberg, Bremen 2016, ISBN 978-3-95494-095-0.
  • Marie Lindemann in: Bremische Biographie 1912–1962, herausgegeben von der Historischen Gesellschaft zu Bremen und dem Staatsarchiv Bremen. Verlag H. M. Hauschild, Bremen 1969, S. 231 f.
  • Daniel Joseph Walther: Creating Germans Abroad: Cultural Policies & National Identity in Namibia: Cultural Policies and National Identity in Namibia. Ohio University Press 2002, ISBN 978-0-8214-1459-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kundrus, Birthe: Weiblicher Kulturimperialismus. Die imperialistischen Frauenverbände des Kaiserreichs, in: Sebastian Conrad u. Jürgen Osterhammel: Das Kaiserreich transnational. Deutschland in der Welt 1871–1914. Göttingen 22006, 213–235, hier S. 229.
  2. Katharina Walgenbach: Die weiße Frau als Trägerin deutscher Kultur. Campus 2006, ISBN 978-3593378701, S. 87 ff.
  3. Stundenlange Debatte um Straßennamen, abgerufen am 3. Juli 2015