Heinrich Ehmsen

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Grab von Heinrich Ehmsen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin

Heinrich Ehmsen (* 9. August 1886 in Kiel; † 6. Mai 1964 in Ost-Berlin) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Delegation deutscher Kulturschaffender auf dem Isaak-Platz in Leningrad 1948, von links: Ellen Kellermann, Günther Weisenborn, unbekannt, Bernhard Kellermann, Wolfgang Harich, Anna Seghers, Stephan Hermlin, Wolfgang Langhoff, Michael Tschesno-Hell, Eduard Claudius, M.J. Apletun (SU) und Heinrich Ehmsen

Lehre, Kunstgewerbeschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Ehmsen − Sohn eines Korbmachermeisters und dessen Frau − ging nach der Volksschulzeit 1901 in eine vierjährige Lehre als Stubenmaler. Parallel besuchte er in Kiel die Städtische Gewerbeschule, wo er − zeitweise gemeinsam mit Friedrich Peter Drömmer, Werner Lange und Karl Peter Röhl − eine kunsthandwerkliche Ausbildung bei Gerd Zimmermann hatte.[1]

Mithilfe eines Stipendiums konnte sich Heinrich Ehmsen von 1906 bis 1909 an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf bei Peter Behrens, Fritz Helmuth Ehmcke und J.L.M. Lauweriks zum Dekorationsmaler ausbilden lassen. 1909 gestaltete Ehmsen zusammen mit Lauweriks einen Raum für die Düsseldorfer Ausstellung Christliche Kunst.

Paris, Académie Colarossi und Café du Dôme,[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem Aufenthalt in Paris von 1910 bis 1911 studierte Ehmsen an der Académie Colarossi, und er hatte im Café du Dôme Kontakte zu Ernesto de Fiori, Jules Pascin und Alfred Flechtheim.[1]

München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1911 siedelte Ehmsen nach München über, wo er von den Malern der Neuen Künstlervereinigung München und des Blauen Reiter beeinflusst wurde. Insbesondere mit Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky pflegte er Kontakt. Letzteren charakterisierte Jawlensky einmal: „Ja, Jawlensky ist schon ein Mensch! – Er könnte heiliggesprochen werden.“[2]

Im Ersten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1914 bis 1918 war Ehmsen als Soldat im Ersten Weltkrieg in Frankreich, Rumänien und Flandern stationiert. Seine Eindrücke aus den Jahren 1918 bis 1919 bei den Auseinandersetzungen und dem Zerfall der Münchner Räterepublik spiegeln sich in vielen seiner Werke wider.

Die 1920er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919 schloss er sich der Novembergruppe an. 1920 beantragte Ehmsen im Fremdenamt bei der Polizeidirektion München eine Aufenthaltsgenehmigung[3] für Werefkin, Jawlensky, Helene Nesnakomoff und Andreas Jawlensky[4] die ihnen die Möglichkeit gab, ihre Münchener Wohnung aufzulösen. Am 24. März 1921 trug sich Ehmsen als Maler mit Wohnsitz in München, in Wiesbaden ins Gästebuch von Heinrich Kirchhoff ein. Im Sommer 1921 mietete Jawlensky die Wohnung von Ehmsen in München und besuchte von dort aus sicherlich Paul Klee, der damals in Possenhofen am Starnberger See wohnte.[5] Nach einer ausgedehnten Reise 1928 nach Martigues in Südfrankreich[6], siedelte Ehmsen 1929 nach Berlin über.

Die 1930er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1930 wurde er Mitglied im Kampfkomitee der Künstler und Geistesarbeiter zur Unterstützung der KPD bei den Reichstagswahlen. Von 1932 bis 1933 hielt er sich in der UdSSR auf, wo er eine Ausstellung in Moskau hatte und seine Werke von Museen angekauft wurden.

Bis zur Verhaftung durch die Gestapo am 18. Oktober 1933 war Ehmsen künstlerischer Mitarbeiter bei den Junkers-Werken. Die Tätigkeit hatte ihm Friedrich Peter Drömmers vermittelt. Während seiner Haft im Columbiahaus in Berlin wurden seine Werke aus allen deutschen Museen entfernt. Obwohl acht Werke 1937 in der Ausstellung Entartete Kunst gezeigt wurden[7], kam es 1939 zur Aufnahme in die Reichskulturkammer.[8]

Die 1940er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1940 bis 1944 war er Soldat der Wehrmacht. Er war in der Propagandaabteilung des Militärbefehlshaber Frankreich (MBF) eingesetzt, die ihre Weisungen vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und vom MBF gemeinsam erhielt. Leutnant Ehmsen, zuständig für Bildende Kunst, war „Kamerad“ des in der Abteilung Schrifttum für die Verlagszensur zuständigen Leutnants Gerhard Heller[9] und organisierte mit ihm die Reise französischer Schriftsteller zum Weimarer Dichtertreffen 1941. Er organisierte 1941 eine Reise französischer Maler und Bildhauer nach Deutschland, unter diesen André Derain und Maurice de Vlaminck. Die Breker-Ausstellung in Paris wurde allerdings nicht von Ehmsen, sondern von Karl Epting und dem Deutschen Institut durchgeführt[10].

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 gehörte Ehmsen − gemeinsam mit Karl Hofer − zu den Mitbegründern der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Charlottenburg, deren stellvertretender Direktor sowie Leiter der Abteilung Freie Kunst er war. Wegen einer Solidaritätserklärung für den Pariser Congrès mondial des partisans pour la paix (Weltfriedensbewegung) wurde er 1949 entlassen. 1950 wurde Ehmsen Ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin und übernahm die Meisterklasse für Malerei.

Heinrich Ehmsen war verheiratet mit Liz Bertram.

Nachlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Nachlass wird heute bei der Akademie der Künste Berlin verwahrt, darunter befinden sich sieben Gemälde.[11]

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Erschießung“, 1919
  • „Meine Kinder“, 1922
  • Radierungen zu Gerhart Hauptmanns Roman „Der Narr in Christo Emanuel Quint“, 1927
  • „Der Angler von Cassis“, 1930
  • „Erschießung des Matrosen Engelhofer“, 1932-33
  • „Harlekine des Krieges“, 1945

Werke in Öffentlichen Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1913: Galerie Der Sturm, Berlin, Ersten Deutschen Herbstsalon, Gruppenausstellung
  • 1913: Städtisches Museum Essen, Einzelausstellung unter dem Namen Heinz Ehmke[8]
  • 1914: Wiener und Münchner Galerien, Holzschnitte
  • 1920: Galerie Goltz, München, Einzelausstellung
  • 1926: Kunstverein Wiesbaden, Graphische Arbeiten gemeinsam mit Emil Nolde und Frans Masereel
  • 1926: Kunsthalle Kiel, Holsteinische Künstler, Gruppenausstellung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heinrich Ehmsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Knut Nievers (Hrsg.): Kunstwende. Der Kieler Impuls des Expressionismus 1915 – 1922. Wachholtz, Neumünster 1992, S. 203.
  2. Clemens Weiler, Alexej Jawlensky, Köln 1959, S. 139
  3. Katja Förster/Stefan Frey, „In inniger Freundschaft“, Alexej Jawlensky, Paul und Lily Klee, Marianne Werefkin, Zürich 2013, S. 260
  4. Bernd Fäthke, Alexej Jawlensky, Zeichnung-Graphik-Dokumente, Ausst. Kat.: Museum Wiesbaden 1983, Kat: Nr. 92, S. 54
  5. Katja Förster/Stefan Frey, „In inniger Freundschaft“, Alexej Jawlensky, Paul und Lily Klee, Marianne Werefkin, Zürich 2013, S. 264
  6. Reinhold Heller, Heinrich Ehmsen, in Ausst. Kat.: Vom Expressionismus zum Widerstand Kunst in Deutschland 1909-1936, Die Sammlung Marvin und Janet Fischmann, Schirn Kunsthalle Frankfurt 1991, S. 170
  7. Armin Zweite, Fritz Hofmann und die Städtische Galerie 1937, Eine nationalsozialistische Museumskarriere, ihre Vorgeschichte und Konsequenzen, in Ausst. Kat.: Die >Kunststadt< München, Nationalsozialismus und >Entartete Kunst<, Staatsgalerie moderner Kunst, München 1987, S. 262 und 278
  8. a b Knut Nievers (Hrsg.): Kunstwende. Der Kieler Impuls des Expressionismus 1915 – 1922. Wachholtz, Neumünster 1992, S. 204.
  9. Katrin Engel: Deutsche Kulturpolitik im besetzten Paris 1940-1944: Film und Theater. Oldenbourg, München 2003, S. 131.
  10. Katrin Engel: Deutsche Kulturpolitik im besetzten Paris 1940-1944: Film und Theater. Oldenbourg, München 2003, S. 257.
  11. Kunstsammlung: Heinrich Ehmsen, bei Akademie der Künste