Andimba Toivo ya Toivo

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Andimba Herman Toivo ya Toivo[1] (* 22. August 1924 in Omangundu, Oshikoto, Südwestafrika, heute Namibia) ist ein namibischer Menschen- und Bürgerrechtler. Er war Mitbegründer und Parteivorsitzender der SWAPO. Durch seine unbeugsame Protesthaltung gegenüber der Apartheids-Politik Südafrikas wurde er zu einem Symbol der Freiheitskämpfer für ein unabhängiges Namibia.

Leben[Bearbeiten]

Andimba Toivo ya Toivos Vater arbeitete bei der evangelischen Kirche in seiner Heimatregion. Für drei Jahre besuchte er die Ongwediva Industrial School, damals eine Bildungsstätte für berufliche Ausbildungen.[2] Im Zweiten Weltkrieg diente Toivo ya Toivo 1942 bis 1943 im Native Military Corps der Union Defence Force. Danach erwarb er die Qualifikation eines Lehrers an der anglikanischen St. Mary’s Mission School in Odibo. Seit seiner Lehrbefähigung im Jahr 1950 war Toivo ya Toivo in der Region Nordnamibia als Lehrer tätig.[3]

1951 verließ er sein Land und wandte sich nach Kapstadt, wo er eine Beschäftigung bei der Eisenbahnpolizei fand. Während der 1950er Jahre lebte Toivo ya Toivo in Kapstadt und engagierte sich zunehmend gegen die Apartheid-Politik. In diesem Sinne übernahm er Aufgaben in der Modern Youth Society (MYS), eine politisch-kulturelle Gruppierung aus Hochschulstudenten und Gewerkschaftsmitgliedern, wo er Lesungen, Festivals, Diskussionsrunden und Abendschulkurse für Aktivisten organisierte. Später wurde er der Vizevorsitzende dieser Organisation, in der auch andere Antiapartheidsaktivisten, wie Denis Goldberg, Albie Sachs oder Esme Bodenstein, tätig waren. Diese Aktivitäten wurden dem südafrikanischen Apartheidsystem unbequem, weshalb er 1957 in seine Heimat zurückverwiesen wurde.[4][5][6]

Am 2. August 1957 gründete er in Kapstadt die erste namibische Oppositionspartei: der Ovamboland People’s Congress (OPC), aus welcher zunächst die Ovamboland People’s Organisation (OPO) und in der Folge am 19. April 1960 in Windhoek (zusammen mit seinem Parteifreund Sam Nujoma) die SWAPO entstand. Der OPC war eine Organisation südwestafrikanischer Studenten und Gastarbeiter in Südafrika, dessen Anliegen es war, sich für die Rechte von Arbeitsmigranten und gegen die Einverleibung Südwestafrikas in die Republik Südafrika einzusetzen. Die Gründungsversammlung fand in einem Friseursalon eines südwestafrikanischen Einwanderers im Kapstädter Stadtteil Green Point statt.[4][7]

Wegen der menschenunwürdigen Behandlung von schwarz-afrikanischen Minen-Arbeitern beteiligte sich Toivo ya Toivo 1958 an der Menschenrechts-Petition von Mburumba Kerina und Rev. Michael Scott vor den Vereinten Nationen.[4] Auf politischen Druck verließ Nujoma Südwestafrika und führte eine Exilregierung.

Andimba Toivo ya Toivo wurde 1968, gemeinsam mit anderen Aktivisten, in einem international beachteten und unter einflussreichen Beobachtern ablaufenden Prozess vor der Transvaal Provincial Division des Supreme Court of South Africa in Pretoria in Anwendung des südafrikanischen Terrorism Act No 83 of 1967 zu 20 Jahren Haft und Zwangsarbeit auf Robben Island verurteilt. Sein Verteidiger war Joel Carlson, der sich auch an der Mobilisierung der internationalen Öffentlichkeit betätigte. Zu den anwesenden Beobachtern gehörten neben führenden Zeitungen des Auslands Völkerrechtler, wie Richard Falk von Princeton und Arthur Larson von der Duke University, letzterer hier als Vertreter des Lutherischen Weltbundes. Die Haft verbrachte er in einer Einzelzelle von Sektion B, wo auch Nelson Mandela und Walter Sisulu lebten[8][4][9] Im März 1984 erfolgte seine Haftentlassung (nach Petition durch Dirk Mudge).

In seiner Verteidigungsrede warf er dem vorsitzenden Richter Bruno Ludorf fehlende Zuständigkeit vor[10][11]:

„... We find ourselves tried by a judge who is not our countryman and who has not shared our background. We are Namibians and not South Africans. ...“

„... Wir finden uns vor einem Richter, der nicht unser Landsmann ist und nicht unsere gemeinsame Vergangenheit teilt. Wir sind Namibier und nicht Südafrikaner. ...“


Die UN-Vollversammlung verurteilte diesen über mehrere Monate verlaufenden Gerichtsprozess gegen 37 Namibier (The state v. Tuhadeleni and 36 Others, deutsch: „Der Staat gegen Tuhadeleni und 36 Andere“) und bezeichnete ihn als eine „ungeheuerliche Verletzung ihrer Rechte“, da Südafrika unrechtmäßig sein Rechtssystem auf das UN-Mandatsterritorium South West Africa ausweitete. Der Beschluss wurde mit 110 Ja-Stimmen und 2 Nein-Stimmen (Südafrika, Portugal) sowie mit Enthaltung durch Malawi gefasst.[12][13][4]

Nach seiner Haftentlassung kehrte Toivo ya Toivo für eine kurze Zeit nach South West Africa/Namibia zurück und wurde noch 1984 Generalsekretär der SWAPO. Kurz darauf ging er ins Auslandsexil und übte diese Parteifunktion bis 1991 aus.[4]

Nach dem Wahlsieg der SWAPO und der Unabhängigkeit Namibias wurde Toivo ya Toivo 1990 Minister of Mines and Energy (Bergbau und Energie), seit 1999 Minister of Labour (Arbeit[3]) und schließlich bis 2006 Minister of Prisons and Correctional Services (Gefängnisse und Justizvollzug).[4]

2005 zog sich Toivo ya Toivo aus dem politischen Leben in Namibia zurück. Er ist seitdem in der Privatwirtschaft tätig.

Er ist mit Vicki Erenstein verheiratet und hat vier Kinder.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andimba Herman Toivo ya Toivo. Portrait of a Revolutionary Legend. Namibian Sun, Windhoek 2014
  2. Kagiso Pat Mautloa: Andimba Toivo ya Toivo. In: Mac Maharaj: Reflections in Prison. Cape Town 2001, S. 223 (englisch)
  3. a b Nelson Mandela Centre of Memory: Andimba Toiva Ya Toivo. auf www.nelsonmandela.org (englisch)
  4. a b c d e f g South African History Online: Andimba Herman Toivo Ya Toivo. auf www.sahistory.org.za (englisch)
  5. South African History Online: Esme Bodenstein. auf www.sahistory.org.za (englisch)
  6. Denis Goldberg. ANC, ex-underground, former political prisoner. Work for the Minister of Water Affairs and Forestry. (Interview von Denis Goldberg durch Madi Gray). auf www.liberationafrica.se (englisch)
  7. South African History Online: South West African People's Organisation (SWAPO) is founded to oppose South African rule. auf www.sahistory.org.za (englisch)
  8. Joel Carlson: No Neutral Ground. New York 1973, S. 211–216
  9. André du Pisani: SWA/Namibia: The Politics of Continuity and Change. Johannesburg 1986, S. 183
  10. Joel Carlson: No Neutral Ground. New York 1973, S. 213
  11. SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1968. Johannesburg 1969, S. 60
  12. Joel Carlson: No Neutral Ground. New York 1973, S. 207
  13. SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1968. Johannesburg 1969, S. 303