Hochwasserrückhaltebecken Kirchhain/Ohm

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Hochwasserrückhaltebecken Kirchhain/Ohm
Blick von der Amöneburg in das Ohmbecken mit HRB Kirchhain/Ohm, einigen Dammabschnitten, dem Auslassbauwerk, den Ortschaften Schönbach, Niederwald, Anzefahr, Stausebach und Kirchhain (von links nach rechts) und den Baggerseen zwischen Niederwald und Kirchhain
Blick von der Amöneburg in das Ohmbecken mit HRB Kirchhain/Ohm,
einigen Dammabschnitten, dem Auslassbauwerk, den Ortschaften
Schönbach, Niederwald, Anzefahr, Stausebach und Kirchhain (von links nach rechts) und den Baggerseen zwischen Niederwald und Kirchhain
Lage: Landkreis Marburg-Biedenkopf, Mittelhessen
Zuflüsse: Ohm; zudem Klein und Würf
Abfluss: Ohm
Größere Orte am Ufer: Kirchhain, Kleinseelheim, Großseelheim, Niederwald
Hochwasserrückhaltebecken Kirchhain/Ohm (Hessen)
Hochwasserrückhaltebecken Kirchhain/Ohm
Koordinaten 50° 48′ 59″ N, 8° 53′ 25″ OKoordinaten: 50° 48′ 59″ N, 8° 53′ 25″ O
Daten zum Bauwerk
Sperrentyp: Erdschüttdamm
Bauzeit: 1951–1956[1]
Höhe des Absperrbauwerks: 6 m[1]
Kronenlänge: ca. 9 km[1]
Betreiber: Wasserverband Lahn-Ohm
Daten zum Stausee
Wasseroberfläche 9 km²[2]dep1
Gesamtstauraum: 17 Mio. m³[1]
Einzugsgebiet 887 km²[3]
Bemessungshochwasser: 490 m³/s[4]

Das Hochwasserrückhaltebecken Kirchhain/Ohm (früher auch HRB Kirchhain 3/2 genannt) des Wasserverbandes Lahn-Ohm ist ein Hochwasserrückhaltebecken (HRB) an der Ohm bei Kirchhain im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf und gehört zum Einzugsgebiet der Lahn.

Als „grünes Becken“, in dem sich normalerweise kein Wasser befindet, dient es dem Hochwasserschutz der am und unterhalb davon gelegenen Ortschaften (wie das etwas entfernte Marburg) und es schützt das Flussgebiet der Lahn vor Hochwasser.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hochwasserrückhaltebecken liegt im Amöneburger Becken an den Mündungen der Klein, Wohra und Würf in den Lahn-Zufluss Ohm. Es befindet sich unterhalb von Amöneburg im Südosten und reicht von dort vorbei an den Ortschaften Kirchhain, Kleinseelheim, Großseelheim und Niederwald bis kurz vor Schönbach im Nordwesten. Sein Hauptstaudamm steht rund 500 m südöstlich von Schönbach (Position Sperranlage ).

Innerhalb des Hochwasserrückhaltebeckens liegt zwischen den Ortschaften Kirchhain und Niederwald das Naturschutzgebiet Brießelserlen (NSG-Nr. 162563[5]), das 1995 gegründet wurde und 53 ha groß ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weil die Ohm öfters starkes Hochwasser führte, wie im 20. Jahrhundert am 9. und 10. Februar 1946[1], und dabei Großteile der am Fluss gelegenen Ortschaften überflutete, wurde am 22. März 1960[1] der Wasserverband Lahn-Ohm gegründet und an Lahn und Ohm teils bereits zuvor mehrere Hochwasserrückhaltebecken errichtet. So entstand an der Ohm das HRB Kirchhain/Ohm, das überschüssiges Ohmwasser aufnimmt: Die Vorarbeiten hierzu begannen 1951[1]. Die eigentlichen Bauarbeiten, inklusive Aufschüttung der Staudämme und Errichtung des Auslassbauwerks dauerten von 1952 bis 1956[1]. Die Inbetriebnahme geschah nach vollendetem drittem Probestau, der vom 12. Februar 1958 bis 2. März 1958[1] dauerte.

Am 7. und 8. Februar 1984[1] kam es zu einem Jahrhunderthochwasser, wobei sich die Dämme des Beckens bewährten, obgleich es Überschwemmungen auch im unterhalb des Beckens befindlichen Bereich von Ohm und Lahn gab.

Von 1993 bis 1995[6] wurde der Hauptdamm inklusive des Auslassbauwerks saniert; erst viel später, im Januar/Februar 2002[6], wurde ein Probestau durchgeführt.

Staudämme mit Auslassbauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staudämme sind insgesamt etwa 9 km[1] lang, der Damm des Hauptbeckens etwa 5,5 km. Sie bestehen aus Erdschüttungen (wie Auelehm). In den Hauptdamm wurde ein Auslassbauwerk () aus Stahlbeton mit einer Hochwasserentlastungsanlage integriert, die bis zu 490 m³/s[4] durchlassen kann; die Regelleistung am Grundablass liegt bei 75,00 m³/s[1]. Direkt oberhalb des Auslassbauwerks wurde ein Betriebsgebäude mit Kontroll- und Steuergeräten errichtet.

Hochwasserrückhaltebecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Staubecken hat 17 Mio. m³[1] Hochwasserschutzraum. Das bei Vollstau rund 9 km²[2] große Becken ist für ein rund 887 km²[3] großes Niederschlags- bzw. Einzugsgebiet ausgelegt, was rund 90,16 % des Gesamtniederschlagsgebietes der Ohm ausmacht. Die Stauhöhe über dem Beckengrund liegt zwischen 4,10 m[1] bei normalem Stauziel Höhe und etwa 6 m[4] bei höchstem Stauziel.

Das Staubecken teilt sich in drei Beckenbereiche auf (flussabwärts entlang der Ohm betrachtet): Der Südostteil liegt südlich der Bundesstraße 62 (bei Amöneburg), der Mittelteil jenseits bzw. nördlich der im Halbkreis um Kirchhain herum führenden B 62 (südlich von Kirchhain) und der größte Beckenteil im Nordwesten zwischen der B 62 und dem etwas weiter westlich nahe der Kreisstraße 31 befindlichen Auslassbauwerk (zwischen Niederwald, Groß- und Kleinseelheim). Der Höhenunterschied (gemessen am Beckengrund) zwischen südöstlichem (Mittel: 194 m ü. NHN)[5] und nordwestlichem (Mittel: 196,5 m ü. NHN)[5] Beckenteil ist gering.

Etwas oberhalb des nördlichen Beckenrands, wo sich zwischen den Ortschaften Niederwald und Kirchhain teils noch in Betrieb befindliche Baggerseen erstrecken, wurde 1959[1] an der im Beckenmittelteil in die Ohm mündenden Wohra zur Rückhaltung von Schwemmmaterial, wie Kies und Sand, der Wohrasandfang errichtet.

Arbeiten an Fließgewässer und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Bau des Hauptdamms wurde der im Dammbereich befindliche Gewässerabschnitt der Ohm als offen durch den Damm führender Kanal ausgebildet. Zudem wurden Zufahrtsstraßen zum Damm und über diesen Damm und die übrigen Dämme führende Spazier-, Wander- und Kontrollwege angelegt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die mittleren und östlichen Teile des Beckens führt, auf einem Straßendamm und auf Brücken angelegt, die Bundesstraße 62, von der im Osten die gleich angelegte Bundesstraße 454 abzweigt. Zudem wird die B 62 von der Landesstraße 3048 gekreuzt, von der im Becken die L 3073 abzweigt. In Nord-Süd-Richtung verläuft durch den Ostteil des Beckens die Ohmtalbahn, von der in Kirchhain die den Mittelteil des Beckens im Norden tangierende Main-Weser-Bahn abzweigt; beide verlaufen auch auf Dämmen und Brücken.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o Infoseite 50 Jahre • 1960 – 2010 (Memento des Originals vom 7. April 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zmw.de (PDF; 2,79 MB) des Wasserverbands Lahn-Ohm, u. a. mit HRB Kirchhain/Ohm (auf zmw.de)
  2. a b Wikipedia-Artikel Liste von Talsperren in Deutschland, darunter HRB Kirchhain (abgerufen am 23. April 2012)
  3. a b Infoseite zu 50 Jahre Gewässerunterhaltung und Hochwasserschutz im Verbandsgebiet des Wasserverbands Lahn-Ohm in Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz in Gießen, u. a. mit HRB Kirchhain/Ohm, auf gfg-fortbildung.de (PDF; 4,42 MB)
  4. a b c Info laut Buch Hydrologie und Wasserwirtschaft, u. a. mit HRB Kirchhain/Ohm (auf books.google.de.de)
  5. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  6. a b Infoseite Projektdokumentation Damm- und Deichbau, u. a. mit HRB Kirchhain/Ohm (auf ggu.de)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]