Amöneburger Becken

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Das Amöneburger Becken ist eine Talsenke und zugleich eine naturräumliche Haupteinheit des Westhessischen Berglandes im Landkreis Marburg-Biedenkopf, zu kleinen Anteilen auch im Vogelsbergkreis, in Mittelhessen, östlich der Stadt Marburg. Es stellt eine der größten zusammenhängenden Ackerflächen Hessens dar und umfasst eine Fläche von etwa 130 Quadratkilometern (und Täler der Flüsse Ohm und Zwester Ohm), die – von der auf 363 m ü. NHN gelegenen Amöneburg abgesehen – fast waldfrei ist und überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird.

Blick von der Amöneburg auf das südöstliche Amöneburger Becken (Ohmtalsenke), den Vorderen (rechts) und den eigentlichen Vogelsberg. Vor dem Vogelsberg ist das Basaltwerk Nieder-Ofleiden am Hang des 359,4 m hohen Hochberges (Nördliches Vogelsberg-Vorland) zu erkennen, rechts davon Homberg (Ohm).
Blick von der Amöneburg in das nördliche Amöneburger Becken

Das Amöneburger Becken ist Teil der Mittelmeer-Mjösen-Zone, einer Abfolge von Talsenken, die sich vom Rhonetal über den Oberrheingraben, die Wetterau und das Gießener Becken, unterhalb des Vorderen Vogelsberges schließlich zum Amöneburger Becken, von dort über den Neustädter Sattel in die Westhessische Senke und weiter über den Leinegraben bis zum Oslograben zieht.[1]

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturräumlich gliedert sich das Amöneburger Becken (Haupteinheit 347) wie folgt
(umgebende Höhenzüge mit aufgeführt):[2][3]

Die Ohmsenke stellt eine ebene Grünlandaue dar, der Ebsdorfer Grund ein ackerbaulich genutztes, reliefarmes Hügelland.

Begrenzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amöneburger Becken wird von vier gemäßigten Höhenzügen umgeben, die durch vier Flusstäler getrennt werden. Zuflüsse sind die Ohm (im Südosten bei Homberg (Ohm)) und ihr unmittelbar am Beckenrand mündender Nebenfluss Wohra (im Nordosten bei Kirchhain). Abfluss ist neben der Ohm (im Nordwesten bei Cölbe-Bürgeln) die Zwester Ohm (im Südwesten bei Hachborn); auf diese beidem Flüsse verteilen sich sämtliche Fließgewässer der Talsenke.

Im Westen wird das Amöneburger Becken begrenzt durch die Lahnberge, im Norden – hinter dem Tal von Lahn und (unterer) Ohm – vom Burgwald. Im Osten folgt, östlich von Wohra und (mittlerer) Ohm, die Oberhessische Schwelle (Gilserberger Höhen, Neustädter Sattel und Nördliches Vogelsberg-Vorland), dem sich südwestlich der Ohm schließlich das zum sogenannten Vorderen Vogelsberg gerechnete Lumda-Plateau anschließt, welches im äußersten Südwesten des Amöneburger Beckens wiederum nur durch die Zwester Ohm von den nördlich gelegenen Lahnbergen getrennt wird.

Da alle der genannten Gebirgszüge die Amöneburg knapp an Höhe überragen und nur durch die engen Schneisen von Ohm-Lahn-Mündung, Wohra, (mittlerer) Ohm und Zwester Ohm voneinander getrennt sind, stellt das Amöneburger Becken in der Hauptsache einen Kessel mit immerhin bis zu 200 m (relativ zu den Flusstälern) hohen Rändern dar, der im Inneren die Amöneburg als einzige nennenswerte (etwa randhohe) Erhebung aufweist.

Die Begrenzung des Amöneburger Beckens (im Uhrzeigersinn) besteht somit aus – mit Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN):[5]

Blick vom Rand des Lumda-Plateaus oberhalb Gontershausens auf das östliche Amöneburger Becken (Ohmtalsenke). Links ist die Amöneburg (363 m) deutlich als Erhebung zu sehen. In der Bildmitte der Burgholz (379,1 m) und im Hintergrund der Kellerwald (675,3 m). Rechts das Nördliche Vogelsberg-Vorland mit dem Hochberg (359,4 m) und der Stadt Homberg (Ohm).

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur wenige basaltische Kuppen im nördlichen Osten des Beckens überragen das flachgründige Land nennenswert, von denen lediglich die Amöneburg annähernd die Höhe der Randbegrenzungen erreicht – mit Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN; wenn nicht anders angegeben laut [5]):

Ortschaften und Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtige Orte im Amöneburger Becken sind die Stadt Amöneburg und ihre Ortsteile (Mardorf, Roßdorf, Rüdigheim und Erfurtshausen) im Osten, die Stadt Homberg (Ohm) und einige ihrer Ortsteile (Nieder-Ofleiden, Ober-Ofleiden, Haarhausen und Gontershausen) im Südosten, die Gemeinde Ebsdorfergrund (ausgenommen Wermertshausen, Roßberg und Beltershausen-Frauenberg) im Süden, einige Marburger Außenstadtteile (Moischt, Schröck, Bauerbach und Ginseldorf) – wobei die höheren Teile von Moischt (bis knapp 280 m) und Bauerbach (bis knapp 300 m) bereits zu den Lahnbergen gerechnet werden können – im Westen, die Cölber Ortsteile Bürgeln und Schönstadt im Nordwesten sowie einige Kirchhainer Stadtteile – einschließlich der Kernstadt – im Norden. Hinzu kommen im äußersten Osten die zu Stadtallendorf gehörigen Dörfer Schweinsberg und Niederklein.

Da Amöneburg als das „Katholische Zentrum Mittelhessens“ angesehen werden kann, verwundert es nicht, dass viele der Ortschaften im Amöneburger Becken katholisch geprägt sind, während im sonstigen Mittelhessen katholische Orte eher die Ausnahme darstellen. Die katholischen Orte verteilen sich sternförmig um den Basaltkegel der Amöneburg; innerhalb des Amöneburger Beckens sind das alle Amöneburger Ortsteile, drei von vier Marburger Außenstadtteilen (Schröck, Bauerbach und Ginseldorf), die Kirchhainer Außenstadtteile Anzefahr, Stausebach und Sindersfeld sowie der Stadtallendorfer Ortsteil Niederklein.

Lediglich die Gemeinde Ebsdorfergrund und die Stadt Homberg sind überwiegend komplett evangelisch geprägt – wie auch Marburg-Moischt, die beiden Cölber Ortsteile Bürgeln und Schönstadt, die Kirchhainer Kernstadt nebst den Außenstadtteilen Betziesdorf, Niederwald, Schönbach, Großseelheim und Kleinseelheim, sowie Stadtallendorf-Schweinsberg (welches stark lutherisch ist).

Während der Gebietsreform 1974 wurde darauf geachtet, dass Dörfer entweder einer Großgemeinde gleicher Konfession oder aber einer der drei größeren Städte (Marburg, Kirchhain oder Stadtallendorf) zugeschlagen wurden. Deshalb umfasst z. B. die Gemeinde Ebsdorfergrund – bis auf Moischt – den protestantischen Teil des (naturräumlichen) Ebsdorfer Grundes, während das sich unmittelbar anschließende, katholische Roßdorf zu Amöneburg kam.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Geologische Übersichtskarte von Hessen“. Geschichtlicher Atlas von Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Gerhard Sandner: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 125 Marburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1960. → Online-Karte (PDF; 4,9 MB)
  3. Karte und Beschreibung im Umweltatlas Hessen
  4. Der Umweltatlas Hessen nummeriert anders und führt "Ohmsenke (mit Amöneburg)" unter 347.0 und "Ebsdorfer Grund" unter 347.1.
  5. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  6. Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
  7. a b Berghöhe laut unbekannte / nicht recherchierte Quelle

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]