Hotel Fürstenhof (Leipzig)

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Hotel Fürstenhof, Leipzig

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Rechtsform GmbH
Gründung 1889
Sitz Leipzig
Leitung Vicus Group AG
Mitarbeiterzahl >60
Branche Hotellerie
Website www.hotelfuerstenhof-leipzig.com

Löhrs Haus, vor 1889
Hotel Fürstenhof, um 1900
Hotel Fürstenhof, 2008

Das Hotel Fürstenhof ist das älteste Luxushotel in Leipzig. Der Ursprungsbau Löhrs Haus am heutigen Tröndlinring 8 stammt aus dem Jahr 1771, seit 1890 wird es - verbunden mit mehreren Um- und Ausbauten - als Hotel betrieben.[1] Seit 2018 ist das Haus im Besitz der Vicus Group AG, zudem ist es Mitglied der Leipzig Hotel Alliance[2].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1770/1771 ließ sich der Leipziger Bankier Eberhard Heinrich Löhr nördlich der Altstadt und schräg dem Alten Theater gegenüberliegend durch Johann Carl Friedrich Dauthe ein klassizistisches Stadtpalais als Wohnhaus erbauen und auf dem dahinterliegenden Grundstück den großzügig nach englischem Vorbild angelegten Löhrs Garten errichten.[3] Bis 1886 waren das Haus und der zwischenzeitlich während der Völkerschlacht weitestgehend zerstörte Garten im Besitz der Familie Löhr und deren Nachkommen Keil.[4] Der letzte private Besitzer aus der Familie, Adolph Keil, ließ 1865 im ersten Obergeschoss einen Speisesaal errichten, der fast vollständig mit Zöblitzer Serpentin, dem sogenannten Sächsischen Marmor, ausgekleidet war. Für den Umbau war der Architekt Moritz Münch verantwortlich; weltweit dürfte der Raum der einzige dieser Art sein.[5]

Nachdem Adolph Keil bereits ab 1870 Teile des Gartens veräußerte, wurde 1886 das komplette Areal von der Leipziger Immobiliengesellschaft aufgekauft. Ein Großteil des bis zur Parthe reichenden Gartens wurde parzelliert und neubebaut.[6]

Geschichte 1890–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1889/1890 wurde das Stadtpalais unter dem Architekten Franz Hannemann zu einem Hotel umgebaut, der Grundriss mit Innenhof des Löhrschen Hauses blieb bis auf einen kleineren Anbau erhalten. Dem Haus wurde hier eine Renaissance-Fassade vorgesetzt, die bis 1912 bestehen blieb. Zwischen 1890 und 1911 wechselten mehrfach die Betreiber des Hotels, ab 1911 stieg das Haus unter dem Besitzer Armin Fischer-Brill zu einer der ersten Hotel-Adressen Leipzigs auf. 1912/1913 wurde das Gebäude durch den Tauchaer Architekten Hermann Günther umfassend im Jugendstil umgebaut und erweitert, zum einhundertsten Jahrestag der Völkerschlacht wurde es am 18. Oktober 1913 wiedereröffnet.[6][7] Das Haus wurde aufgestockt und durch einen neuen Trakt in Richtung Innenhof bis zur Löhrstraße verlängert, der Sepertin-Speisesaal wurde in das Erdgeschoss verbracht.[7] Damit erhielt das Gebäude seine heutige Grundfläche. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte es sich zu einem der führenden Hotels des Deutschen Reiches, das zahlreichen Prominenten und angesehenen Messegästen Quartier bot.[8] Auf der linken Seite des Erdgeschosses etablierte sich in jenen Jahren das Café Fürstenhof, auf der rechten Seite waren die Leipziger Weinhallen zu finden.[6][9]

Ab 1940 fanden jüdische Bürger Leipzigs im Hotel Unterschlupf vor Zugriffe der Nationalsozialisten.[6]

Geschichte 1945 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Besetzung Leipzigs durch die 3. US-Armee im April 1945 diente das Gebäude zunächst als lokales Hauptquartier der US-Streitkräfte. Mit dem Namen Hotel International wurde es kurze Zeit später wiedereröffnet, zunächst als Intourist-, danach als HO- und ab 1965 als Hotel der Interhotel-Gruppe. Bis zur vorübergehenden Schließung am 20. Dezember 1990 galt der Fürstenhof als eines der renommiertesten Hotel Leipzigs und der DDR. Im Februar 1991 erwarb Jürgen Schneider das Hotel und führte dieses bis zum 31. Juli 1992 weiter. 1993 überhahm die Müchnener Immobiliengesellschaft Plottos das Hotel, die das Gebäude zwischen 1993 und 1996 sanierte und erweiterte, denkmalgerecht unter anderem mit Aus- und Rückbauten.[10]

1996 wurde das Haus als 5-Sterne-Superior-Hotel wiedereröffnet und an die Hotelgruppe Kempinski übergeben. Das Haus war zu dem Zeitpunkt das kleinste Hotel in der Gruppe.[10] Bis 2000 hieß es Hotel Fürstenhof Kempinski Leipzig. Im Jahr 2000 übernahm Starwood, ein Tochterunternehmen von Marriott International, das Hotel und führte es seitdem unter der Marke The Luxury Collection mit seinem früheren Namen Hotel Fürstenhof, Leipzig. 2014 feierte das Hotel sein 125-jähriges Bestehen. Seit Oktober 2018 ist das Hotel im Besitz der in Leipzig ansässigen und auf Gewerbeimmobilien spezialisierten Vicus Group AG.[11]

Die bisherigen Umbauten stehen in der Tradition des Hotels, Suiten und Säle des Hauses richten sich nach historischen Vorbildern und nach lokalen Ereignissen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eva-Maria Hoyer: Der Serpentinsaal im Hotel "International". In: Leipziger Blätter 9(1986), ISSN 0232-7244, S. 71–73.
  • Regina Hoffmann, Heinz Liebing: Ein Jahrhundert Gastlichkeit. 100 Jahre Hotel International Leipzig, Hrsg.: Interhotel DDR, Leipzig 1988, DNB 944539408.
  • Ulla Heise: Hotel Fürstenhof. Zur Geschichte von Löhrs Haus. In: Leipziger Blätter 28(1996), ISSN 0232-7244, S. 57–60.
  • 110 Jahre Hotel Fürstenhof zu Leipzig, Hrsg.: Kempinski Hotel Fürstenhof Leipzig. Leipzig 1999, DNB 958486840.
  • Wolfgang Hocquél: Leipzig. Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart. Passage-Verlag, Leipzig 2001, ISBN 3-932900-54-5, S. 131.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hotel Fürstenhof Leipzig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 20′ 40,8″ N, 12° 22′ 22,1″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulla Heise 1996, S. 58–59.
  2. Hotel Fürstenhof Leipzig. In: Leipzig Hotel Alliance. Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  3. Albrecht Kurzwelly: Dauthe, Johann Carl Friedrich. In: Ulrich Thieme (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 8: Coutan–Delattre. E. A. Seemann, Leipzig 1912, S. 442.
  4. Ulla Heise 1996, S. 58.
  5. Eva-Maria Hoyer 1986, S. 71.
  6. a b c d Ulla Heise 1996, S. 59.
  7. a b Regina Hoffmann, Heinz Liebing 1988, S. 9.
  8. Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. Pro Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8. Stichwort: Hotel Fürstenhof.
  9. Regina Hoffmann, Heinz Liebing 1988, S. 6.
  10. a b Ulla Heise 1996, S. 60.
  11. Leipziger Hotel Fürstenhof hat neuen Besitzer. In: Leipziger Volkszeitung. 16. Oktober 2016, abgerufen am 17. Oktober 2016 (gedruckt auch unter dem Titel Der Fürstenhof hat einen neuen Besitzer. Vicus Group AG erwirbt Fünf-Sterne-Hotel in der Leipziger Volkszeitung Nr. 242 vom 17. Oktober 2016, S. 15).