Ilan Pappe

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Ilan Pappe bei der Palästina-Konferenz vom 10. Juni 2017 in Frankfurt am Main

Ilan Pappe (hebräisch אילן פפה, gelegentlich Ilan Pappé oder Ilan Papeh, * 1954 in Haifa) ist ein israelischer Historiker, Autor und Professor an der Universität Exeter.

Pappe wird zur Gruppe der Neuen israelischen Historiker gezählt und gilt als Befürworter einer Einstaatenlösung für den Nahostkonflikt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pappes Eltern stammen aus Deutschland und flohen in den 1930ern vor dem Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich. Er diente in der israelischen Armee während des Yom Kippur Krieges 1973 auf den Golanhöhen. 1978 schloss er sein Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem ab. Seine Doktorarbeit beendete er 1984 an der University of Oxford unter Albert Hourani und Roger Owen. Ab 1984 war er Professor für politische Wissenschaften an der Universität Haifa. Er gründete 1992 das Akademische Friedensinstitut in Givat Haviva, das er bis 2000 leitete. Von 2000 bis 2006 war er Vorsitzender des Emil-Tuma-Instituts für Palästina-Studien in Haifa.[1] Politisch engagierte sich Pappe in der kommunistisch geprägten Chadasch-Partei, für die er 1999 bei den Wahlen zur 15. Knesset kandidierte. 2005 wurde ihm von der Universität ein Rücktritt nahegelegt, da er sich aktiv für einen internationalen Warenboykott gegen Israel einsetzte.[2][3][4] Er wechselte daher an die Universität Exeter in England, wo er seit 2007 lehrt. Er leitet dort das 2009 am Institut für Arabische und Islamische Forschung eingerichtete European Centre for Palestine Studies (CPS),[5] das europaweit erste Forschungszentrum, das sich Palästina als multidisziplinärem Forschungsschwerpunkt widmet.[6] Pappe wird zur Gruppe der Neuen israelischen Historiker gezählt.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Buch Die ethnische Säuberung Palästinas (englisch 2006, deutsch 2007) stellte Pappe, gestützt auf neu zugängliche Armeedokumente, die These auf, die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina habe die „planmäßige Vertreibung“[7] der einheimischen palästinensischen Bevölkerung mit eingeschlossen und die zionistischen Führer, allen voran David Ben Gurion, hätten dieses Ziel nach dem Teilungsbeschluss der UNO 1947 mit politischen und militärischen Mitteln weiter verfolgt. Der Journalist John Pilger bezeichnete Ilan Pappe als den mutigsten, unbestechlichsten und am schärfsten urteilenden Historiker Israels.[8] Kritiker – darunter der gleichfalls den Neuen israelischen Historiker zugerechnete Benny Morris – werfen Pappes Werk Einseitigkeit und methodische Mängel vor, weil er teilweise einen schwarz-weißen Erzählstil pflege und die Quellenangaben unvollständig seien, anders als in seinen früheren Werken.[9][10] Kleinere und größere Verzerrungen, so Morris, fänden sich auf nahezu jeder Seite.[11]

Pappes Buch A History of Modern Palestine: One Land, Two Peoples, das sich ebenfalls mit der Zeit vor Israels Staatsgründung beschäftigt, wurde von Ephraim Karsh mit ähnlich scharfen Worten kritisiert. Er warf ihm „zahllose Fehler und Ungenauigkeiten“ vor; darunter auch, dass Pappe Deir Yasin nach Haifa verortet habe, obwohl es in der Nähe von Jerusalem liege.[12]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Britain and the Arab-Israeli Conflict, 1948–1951. 1988
  • The Making of the Arab-Israeli Conflict, 1947–1951. 1992
  • Middle Eastern Politics and Ideas: A History from Within, 1998
  • The Israel/Palestine Question. Rewriting Histories. 1999
  • Die israelische Haltung im Friedensprozess. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 49/2000
  • A History of Modern Palestine. One Land, Two Peoples. 2003
  • The Modern Middle East. 2005
  • The Ethnic Cleansing of Palestine. Oneworld Publications, Oxford 2006, ISBN 978-1-85168-467-0
    • deutsch: Die ethnische Säuberung Palästinas. Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-86150-791-8
    • deutsch: Die ethnische Säuberung Palästinas. Haffmans & Tolkemitt, Berlin 2014, ISBN 978-3-942989-86-2 (Neuauflage der Ausgabe des Verlages Zweitausendeins)
  • Out of the Frame: The Struggle for Academic Freedom in Israel. 2010
    • Wissenschaft als Herrschaftsdienst. Der Kampf um die akademische Freiheit in Israel. 2011, ISBN 978-3-942281-96-6
  • Across the Wall: Narratives of Israeli-Palestinian History. 2010
    • Zu beiden Seiten der Mauer: auf der Suche nach einem gemeinsamen Bild der israelisch-palästinensischen Geschichte. Laika-Verlag, 2013, ISBN 978-3-942281-38-6 (mit Jamil Hilal)
  • Israel and South Africa. The Many Faces of Apartheid. 2015, ISBN 978-1-78360-589-7
  • Die Idee Israel: Mythen des Zionismus. 2015, Laika-Verlag, ISBN 978-3-944233-40-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Professor Ilan Pappé. Lebenslauf auf der Webseite der Universität Exeter; abgerufen am 17. August 2014 (englisch)
  2. Tamara Traubman: University president calls on dissident academic to resign. In: Haaretz, 26. April 2005, abgerufen am 7. Oktober 2014 (englisch)
  3. http://imeu.org/article/on-boycott-divestment-and-sanctions-bds
  4. https://electronicintifada.net/content/we-dont-have-luxury-wait-israel-change-its-own-says-ilan-pappe/12971
  5. The European Centre for Palestine Studies. Webseite der Universität Exeter, abgerufen am 17. August 2014 (englisch)
  6. Europe’s first Centre for Palestine Studies. Meldung der Universität Exeter, 1. Dezember 2009; abgerufen am 17. August 2014 (englisch)
  7. Die ethnische Säuberung Palästinas. 3. Auflage. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2007, S. 14.
  8. Die ethnische Säuberung Palästinas. 1. Auflage. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2007, Rückdeckel.
  9. Benny Morris: The Liar as Hero. In: The New Republic. 17. März 2011, abgerufen am 6. Juni 2011 (englisch).
  10. Benny Morris: Politics by Other Means. In: The New Republic online. 22. März 2004, abgerufen am 14. Mai 2018 (PDF, 172 kB; Kritik an Ilan Pappe in einer Besprechung seines Buches A History of Modern Palestine: One Land, Two Peoples).
  11. The Liar as Hero, Benny Morris in The New Republic vom 17. März 2011
  12. A History of Modern Palestine: One Land, Two Peoples, reviewed by Ephraim Karsh, Middle East Quarterly 2006