Ilan Pappe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ilan Pappe

Ilan Pappe (hebräisch אילן פפה‎, gelegentlich Ilan Pappé oder Ilan Papeh, * 1954 in Haifa) ist ein israelischer Historiker, Autor und Professor an der Universität Exeter.

Er ist ein prominenter Befürworter der Einstaatenlösung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pappes Eltern stammen aus Deutschland und flohen in den 1930ern vor dem Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich. Er diente in der israelischen Armee während des Yom Kippur Krieges 1973 auf den Golanhöhen. 1978 schloss er sein Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem ab. Seine Doktorarbeit beendete er 1984 an der University of Oxford unter Albert Hourani und Roger Owen. Ab 1984 war er Professor für politische Wissenschaften an der Universität Haifa. Er gründete 1992 das Akademische Friedensinstitut in Givat Haviva, das er bis 2000 leitete. Von 2000 bis 2006 war er Vorsitzender des Emil-Tuma-Instituts für Palästina-Studien in Haifa.[1] Politisch engagierte sich Pappe in der kommunistisch geprägten Chadasch-Partei, für die er 1999 bei den Wahlen zur 15. Knesset kandidierte. 2005 wurde ihm von der Universität ein Rücktritt nahegelegt, da er sich aktiv für einen internationalen Warenboykott gegen Israel einsetzte.[2] Er wechselte daher an die Universität Exeter in England, wo er seit 2007 lehrt. Er leitet dort das 2009 am Institut für Arabische und Islamische Forschung eingerichtete European Centre for Palestine Studies (CPS),[3] das europaweit erste Forschungszentrum, das sich Palästina als multidisziplinärem Forschungsschwerpunkt widmet.[4] Pappe wird zur Gruppe der Neuen israelischen Historiker gezählt.

Buch Die ethnische Säuberung Palästinas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Buch Die ethnische Säuberung Palästinas (englisch 2006, deutsch 2007) stellt Pappe, gestützt auf erst seit kurzem zugängliche Armeedokumente, die These auf, die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina habe die „planmäßige Vertreibung“[5] der einheimischen Bevölkerung mit eingeschlossen und dass die zionistischen Führer, allen voran David Ben Gurion, dieses Ziel nach dem Teilungsbeschluss der UNO 1947 mit politischen und militärischen Mitteln weiter verfolgten.

Der Journalist John Pilger bezeichnete Ilan Pappe als den mutigsten, unbestechlichsten und am schärfsten urteilenden Historiker Israels.[6] Kritiker – darunter der israelische Historiker-Kollege Benny Morris – werfen Pappes Werk Einseitigkeit und methodische Mängel vor, weil er teilweise einen schwarz-weißen Erzählstil pflege und die Quellenangaben unvollständig seien, anders als in seinen früheren Werken.[7][8]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Professor Ilan Pappé. Lebenslauf auf der Webseite der Universität Exeter; abgerufen am 17. August 2014 (englisch)
  2. Tamara Traubman: University president calls on dissident academic to resign. In: Haaretz, 26. April 2005, abgerufen am 7. Oktober 2014 (englisch)
  3. The European Centre for Palestine Studies. Webseite der Universität Exeter, abgerufen am 17. August 2014 (englisch)
  4. Europe’s first Centre for Palestine Studies. Meldung der Universität Exeter, 1. Dezember 2009; abgerufen am 17. August 2014 (englisch)
  5. Die ethnische Säuberung Palästinas, 3. Aufl. 2007, S. 14
  6. Die ethnische Säuberung Palästinas. 1. Aufl. 2007, Rückdeckel
  7. Benny Morris: The Liar as Hero. In: The New Republic. 17. März 2011, abgerufen am 6. Juni 2011 (englisch).
  8. Benny Morris’ Kritik an Ilan Pappe: Politics by Other Means. (PDF; 172 kB) The New Republic online, 22. März 2004 (Keine Informationen zu Die ethnische Säuberung Palästinas, sondern zu einem anderen Buch)