Inge Borkh

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Inge Borkh, bürgerlich Ingeborg Simon (geboren 26. Mai 1921[1] in Mannheim; gestorben 26. August 2018 in Stuttgart[2]), war eine deutsche Opernsängerin (Sopran).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inge Borkh wurde unter dem Namen Ingeborg Simon geboren. Sie wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf. Ihre Mutter Grete Neumann, Tochter eines Wiener Opernsängerpaares, war von 1918 bis zu ihrer Heirat 1920 Koloratursoubrette am Mannheimer Nationaltheater. Ab 1931 besuchte Inge Borkh bis zu ihrer Emigration das Liselotte-Gymnasium in Mannheim. Wegen der jüdischen Abstammung ihres Vaters, Franz Simon, musste sie 1935 mit ihrer Familie nach Genf emigrieren, wo sie Rhythmik-, Improvisations- und Klavierunterricht bei Émile Jaques-Dalcroze erhielt. Neben ihrer Mutter wurde sie in ihrem nächsten Zufluchtsort Wien von der Burgschauspielerin Margit von Tolnai am Max-Reinhardt-Seminar, der Tänzerin Grete Wiesenthal und der Pianistin Gertrud Wiesenthal ausgebildet. 1936 bestand sie im Wiener Ronacher[3] die Prüfung für den Artistenpass und begann 1937 als Schauspielerin unter dem Namen Inge Simon am Landestheater Linz. Als 1938 die Familie wieder zurück nach Genf flüchten musste, fand die Tochter als Schauspielerin in Basel ihr erstes Engagement. Hier war es der Bassist Fritz Ollendorff,[3] der ihre Stimme entdeckte und ihr riet, sich in Mailand bei Vittorio Moratti ausbilden zu lassen. Nach dem kurzen Gesangsstudium startete sie 1940 unter dem Künstlernamen Inge Borkh ihre Sängerlaufbahn am Luzerner Theater,[4][5] wo sie als Czipra in Der Zigeunerbaron von Johann Strauss debütierte. Schon damals wuchs sie aus dem lyrischen ins dramatische Fach, sang nach der Pamina (Die Zauberflöte, Wolfgang Amadeus Mozart) und der Gräfin (Die Hochzeit des Figaro, W. A. Mozart) bald auch den Komponisten (Ariadne auf Naxos, Richard Strauss), die Marta (Tiefland, Eugène d'Albert), Senta (Der fliegende Holländer, Richard Wagner), Tosca (Giacomo Puccini) oder die beiden Leonoren (Troubadour und Die Macht des Schicksals, Giuseppe Verdi). Am Stadttheater Bern,[6] wo sie seit 1945 engagiert war, erarbeitete sie sich die wohl wichtigsten Partien ihrer Sängerkarriere: Salome (18. März 1947) und Elektra (12. Februar 1950) von Richard Strauss.[5] Der internationale Durchbruch gelang ihr als Magda Sorel in der ersten deutschsprachigen Aufführung von Gian Carlo Menottis Oper Der Konsul am Theater Basel am 3. Januar 1951, die sie noch in demselben Jahr bei der deutschen Erstaufführung an der Städtischen Oper Berlin sang, wo sie von nun an ständiger Gast war. Nach dem Berliner Debüt folgten bald Engagements an die führenden Opernhäuser weltweit, u. a. Wien[7], München, Berlin, London[8], Mailand[9], New York[10] und San Francisco[11].

1952 sang sie bei den Bayreuther Festspielen die Freia und die Sieglinde in Der Ring des Nibelungen.[12] 1957 übernahm sie bei den Salzburger Festspielen die Titelrolle in Elektra[13] von Richard Strauss.[14]

Inge Borkh verabschiedete sich relativ früh von der Opernbühne; im Jahre 1973 beendete sie in Italien ihre Opernkarriere nach sieben Vorstellungen in der Titelrolle der Oper Elektra von Richard Strauss. Danach kam sie noch kurze Zeit auf die Bühne als Schauspielerin für das Sprechtheater zurück. So spielte sie 1977 in Hamburg die Volumnia in Coriolanus von William Shakespeare als Partnerin von Boy Gobert.

Sie trat nach ihrem Abschied von der Opernbühne noch als Kabarett-Künstlerin mit Solo-Abenden auf. In dieser Zeit entstand auch eine Schallplatten-Aufnahme ihrer gesungenen Memoiren unter dem Titel: Inge Borkh singt ihre Memoiren.

Verheiratet war sie mit dem jugoslawischen Bass-Bariton Alexander Welitsch (1906–1991).

Repertoire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie sang vor allem in dramatischen Rollen: Aida und Lady Macbeth von Giuseppe Verdi, Tosca und Turandot von Giacomo Puccini, Leonore in Fidelio von Ludwig van Beethoven, Medea in der gleichnamigen Oper von Luigi Cherubini, Elsa, Sieglinde und Senta in den Musikdramen von Richard Wagner, Elektra, Salome, Ägyptische Helena, Kaiserin und Färbersfrau von Richard Strauss. Im Bereich der Moderne übernahm sie die Antigonae in der Oper von Carl Orff.

Das durch Rundfunkaufnahmen, Live-Mitschnitte und Schallplatten überlieferte musikalische Gesamtwerk von Inge Borkh einschließlich Antigonae, Turandot, Klytämnestra in Iphigenie in Aulis von Christoph Willibald Gluck, Elektra und Salome wurde in den letzten Jahren auch auf CD wiederveröffentlicht.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biografien:

  • Thomas Voigt: Nicht nur Salome und Elektra: Inge Borkh im Gespräch mit Thomas Voigt. Allitera, München 2006, ISBN 978-3-86520-198-0 und zuletzt 2011, ISBN 978-3-86906-170-2.
  • Inge Borkh: Ich komm vom Theater nicht los. Erinnerungen und Einsichten. Henschel Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-89487-291-8.
  • Peter Dusek: Kulissengespräche. Hundert Weltstars der Oper erzählen Anekdoten. Mit CD. Herausgegeben von den Freunden der Wiener Oper Jugend und Volk. Dachs-Verlag, Wien 1993, ISBN 3-224-16002-0.
  • Alex Natan: Primadonna. Lob der Stimme. Basilius Presse, Basel 1962, OCLC 902146110.

Lexikaartikel:

Interviews[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl J. Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Dritte, erweiterte Auflage. K. G. Saur, München 1999. Band 1: Aarden-Davis, S. 396; geben 1921 als Geburtsjahr an. Einige Musiklexika (Brockhaus/Riemann, Seeger) nennen dagegen 1917 als Geburtsjahr. Inge Borkh selbst gibt in ihren Erinnerungen „Ich komm' vom Theater nicht los“, S. 8, ebenfalls 1921 als Geburtsjahr an.
  2. Marianne Zelger-Vogt: Singen, um darzustellen: Zum Tod von Inge Borkh. In: Neue Zürcher Zeitung, 26. August 2018, abgerufen am 26. August 2018
  3. a b Peter Jungblut: Schicksalsrolle Salome: Sopranistin Inge Borkh gestorben. In: Bayerischer Rundfunk. 26. August 2018, abgerufen am 2. September 2018.
  4. Einhard Luther: Borkh, Inge. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 3 (Bjelinski – Calzabigi). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2000, ISBN 3-7618-1113-6 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)
  5. a b Inge Borkh: Ich komm‘ vom Theater nicht los. Erinnerungen und Einsichten. Henschel, Berlin 1997, ISBN 3-89487-291-8, S. 151 f.
  6. Thomas Blubacher: Inge Borkh. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 1, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 243 f.
  7. Aufführungen mit Inge Borkh an der Wiener Staatsoper
  8. Aufführungen mit Inge Borkh im Royal Opera House/Covent Garden in London
  9. Aufführungen mit Inge Borkh an der Mailänder Scala
  10. Aufführungen mit Inge Borkh an der Metropolitan Opera in New York
  11. Aufführungen mit Inge Borkh an der San Francisco Opera
  12. Archiv der Bayreuther Festspiele
  13. Programmdetail der Aufführung (Memento vom 2. Juli 2018 im Internet Archive) bei den Salzburger Festspielen
  14. Weitere Aufführungen mit Inge Borkh bei den Salzburger Festspielen