Isenthal

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Isenthal
Wappen von Isenthal
Staat: Schweiz
Kanton: Uri (UR)
Bezirk: (Der Kanton Uri kennt keine Bezirke.)
BFS-Nr.: 1211i1f3f4
Postleitzahl: 6461
Koordinaten: 685638 / 196137Koordinaten: 46° 54′ 39″ N, 8° 33′ 46″ O; CH1903: 685638 / 196137
Höhe: 771 m ü. M.
Fläche: 60,79 km²
Einwohner: 503 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 8 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
1,2 % (31. Dezember 2014)[2]
Website: www.isenthal.ch
Dorfeingang von Isenthal

Dorfeingang von Isenthal

Karte
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Über dieses Bild
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Isenthal ist eine politische Gemeinde des Kantons Uri in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isenthal liegt an der Westseite des Urnersees in einem abgeschiedenen, waldreichen Seitental, das vom Isenthalerbach durchflossen wird, auf 780 m. Umgeben von hohen Bergen liegt das Dorf dort, wo sich das Isental (im Gegensatz zum Dorf ohne H geschrieben) in das Gross- und das Kleintal (Chlital) mit dem Chlitalerbach teilt. Der Isenthalerbach fliesst zuletzt durch den engen Tobel hinunter zum Urnersee.

Von der kleinen Siedlung Isleten, die zur Nachbargemeinde Bauen gehört, am Eingang des Isentals führt eine schmale, kurvenreiche Strasse hoch in das innere Tal zur Dorfsiedlung Isenthal. Die höchstgelegene Ortschaft der Gemeinde Isenthal liegt auf der Alp Gitschenen.

Bloss 35 ha oder 0,6 % der Gemeinde sind Siedlungsfläche. Davon sind 20 ha Gebäude- und 2 ha Industrieareal sowie 12 ha Verkehrsfläche. Umfangreicher ist die Landwirtschaftsfläche mit 1702 ha oder einem Anteil von 27,9 %. Darunter befinden sich grosse Alpgebiete. Diese bedecken eine Fläche von 1352 ha. Dagegen sind nur 350 ha Wies- und Ackerland. Ausserdem sind 1598 ha oder 26,2 % von Wald und Gehölz bedeckt. Unproduktives Gebiet umfasst fasst die Hälfte des Gemeindegebiets, genauer 2764 ha oder 45,3 %. Es handelt sich fast ausschliesslich um vegetationslose Flächen (Hochgebirge) oder Gebiete mit unproduktiver Vegetation (hochalpine Vegetation).

Isenthal grenzt im Westen an die Nidwaldner Gemeinde Wolfenschiessen, im Nordwesten ans nidwaldnerische Beckenried, im Norden an Emmetten (Kanton Nidwalden), Seelisberg und Bauen, im Osten an den Vierwaldstättersee und an Seedorf und im Süden an Attinghausen und die Obwaldner Gemeinde Engelberg.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1743 176
1799 360
1850 502
1860 437
1880 596
1900 595
1910 518
1920 520
1950 550
1970 570
1980 535
1990 505
2000 539
2005 538
2010 524
2015 512

In den etwas über hundert Jahren zwischen 1743 und 1850 wuchs die Einwohnerzahl kräftig an (1743–1850: +185,2 %). In den 1850er Jahren gab es dann eine erste Abwanderungswelle (1850–1860: −12,9 %). Doch wurde diese in den darauf folgenden zwei Jahrzehnten mehr als wettgemacht (1860–1880: +36,4 %). Bis 1900 blieb die Zahl der Bewohner stabil. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts folgte dann eine weitere Abwanderungswelle (1900–1910: −12,9 %). Nach zehn Jahren ohne Veränderungen setzte zwischen 1920 und 1970 ein neuer kleiner Wachstumsschub ein (1920–1970: +9,6 %). Eine dritte Abwanderungswelle zwischen 1970 und 1990 führte dazu, dass die Einwohnerzahl 1990 gleich hoch war wie 1850. In den 1990er-Jahren kam es zu einer leichten Zuwanderung, doch stagniert die Zahl der Bewohner seit dem Jahr 2000 wieder.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung spricht eine hochalemannische Mundart, die Nidwaldner Mundart, da das Tal von Nidwalden her besiedelt wurde. Der Zugang zum Urner Tal bestand damals noch nicht. Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht als tägliche Umgangssprache Deutsch. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 99,26 % Deutsch, zwei Personen (0,37 %) Polnisch und eine (0,19 %) Französisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen. 532 Personen waren katholisch (98,70 %). Daneben gab es jeweils 0,19 % evangelisch-reformierte Christen und Konfessionslose, also jeweils eine Person. Fünf Personen (0,93 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Ende 2005 538 Bewohnern waren 538 (100 %) Schweizer Staatsangehörige. Die wenigen Zugewanderten stammen aus Polen und Sri Lanka. Bei der Volkszählung 2000 waren 538 Personen (99,81 %) Schweizer Bürger, davon besass eine Person die doppelte Staatsbürgerschaft.

Altersstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an jüngeren Bewohnern. Der Anteil der Personen unter 20 Jahren von 34,32 % der Ortsbevölkerung liegt deutlich über dem Anteil der Personen im Seniorenalter (60 Jahre und älter; 19,48 %). Auffallend ist der geringe Anteil der jungen Erwachsenen (20–29 Jahre).

Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ergab sich folgende Altersstruktur:

Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und mehr
Anzahl 69 88 28 57 111 81 87 18
Anteil 12,80 % 16,33 % 5,19 % 10,58 % 20,59 % 15,03 % 16,14 % 3,34 %

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Legislative[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindeversammlung bildet die Legislative. Sie tritt meistens zweimal jährlich zusammen.

Exekutive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der siebenköpfige Gemeinderat bildet die Exekutive. Er ist nebenamtlich tätig. Derzeitige Gemeindepräsidentin ist Antoinette Kempf-Wyrsch Stand (2017).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 gab es 47 Landwirtschaftsbetriebe, die 116 Arbeitsstellen anboten. Industrie und Gewerbe beschäftigten in 6 Arbeitsstätten 22, der Dienstleistungsbereich in 17 Betrieben 71 Personen (Beschäftigung auf Vollzeitstellen umgerechnet). Die Volkszählung 2000 ergab 51 Landwirtschafts- und Forstbetriebe mit 117 Beschäftigten. Die Betriebszählung 2001 kam auf 6 Industrie- und Gewerbebetriebe mit 16 und 18 Dienstleistungsunternehmen mit 64 Beschäftigten. Von den im Jahr 2000 242 erwerbstätigen Personen Isenthals arbeiteten 123 (50,83 %) in der eigenen Gemeinde. Insgesamt bot der Ort 152 Menschen Arbeit an, von denen 123 (80,92 %) Einheimische waren.

Die 119 Wegpendler verrichten ihre Arbeit grösstenteils in anderen Gemeinden des Kantons Uri. Darunter 55 Personen in Altdorf, 18 in Schattdorf, je 9 in Erstfeld und Bürglen, 5 in Seedorf, 4 in Attinghausen und 3 in Flüelen. Einziger bedeutender Arbeitsort ausserhalb des Kantons war der Nidwaldner Hauptort Stans mit fünf Personen. Es gab nur 29 Zupendler. Diese kamen hauptsächlich aus Schattdorf (7 Personen), Bürglen (5), Seedorf (4), Altdorf (3), Flüelen (2) und Attinghausen (1).

1955 entstand das Kraftwerk Isenthal, mit dem das im Dorf Isenthal gefasste Wasser in einem Maschinenhaus am Urnersee bei der Ortschaft Bolzbach genutzt wird.[3]

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals erwähnt wird der Name des Tales im Jahre 1280 als Yseltal. Seit 1483 findet man die Ortsbezeichnung Isenthal. Der Name bedeutet Tal bei der Isleten.[4]

Ältere Deutungen erklärten die Bezeichnung als ein althochdeutsches, aus dem Romanischen stammendes Lehnwort Insela (Insel bzw. Halbinsel, das Tal hinter der Insel) oder als Ableitung nach dem früher gewonnenem Eisenerz, im Volksmund Isen genannt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1901 war Isenthal nur über den Landweg von Seedorf, Bauen und Isleten oder von Nidwalden her zu Fuss erreichbar. Dabei sollen die ersten Bewohner eine Leiter benutzt haben, um die steilen Felsklippen, die sich über dem Urnersee erheben, zu überwinden. Davon zeugt noch heute das Isenthaler Wappen: eine weisse, dreisprossige Leiter auf rotem Grund.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grosstal in der Nähe von St. Jakob
Berggasthof Biwaldalp am Bergwanderweg hinauf zum Uri-Rotstock

Flurnamen lassen darauf schliessen, dass Isenthal zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert besiedelt worden ist. Die ersten Bewohner waren vermutlich Jäger und Hirten, die auf steilen Pfaden in dieses wilde Hochtal aufgestiegen sind, oder aber von oben her, also von Nidwalden aus, das Tal bevölkert haben.

Wald war seit je her der grösste Bodenreichtum im Isental und bildete zusammen mit Alp- und Viehwirtschaft eine der Haupteinnahmequellen. Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Isenthal um die Wende des 16./17. Jahrhunderts, als Hans Jakob Madran im Kleintal mit der Eisenerzgewinnung begann. Zur Geschichte des Industriestandortes Isleten siehe dort.

1901 wurde die Strasse Isleten–Isenthal erstellt. Die Verbindung zum übrigen Kantonsteil erfolgte damals über den Seeweg von Isleten aus. Durch den Bau der Strasse Isleten–Seedorf 1951 konnte Isenthal erstmals auf dem Landweg mit Fahrzeugen erreicht werden.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isenthal war 1988 Schauplatz der Dreharbeiten zum Kinofilm Gekauftes Glück von Urs Odermatt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1820 wurde in Isenthal der letzte im Kanton Uri umherstreifende Bär geschossen. Zwei Bärenpranken hingen als Trophäen vor dem Haus des damaligen Schützen, heute sind sie gegenüber der Post ausgestellt. Touristen erfahren auf dem Isenthaler Bärenweg alles über die erfolgreiche Jagd.

Ausflüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isenthal ist Ausgangspunkt vieler Wanderungen und Bergbesteigungen. Eine der attraktivsten Bergtouren führt auf den markanten Uri Rotstock (2928 m ü. M.). Vom Gipfel aus hat man eine prächtige Rundsicht auf Alpen und Voralpen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmi Gasser: Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri, Band 2: Die Seegemeinden. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1986 (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 78). ISBN 3-7643-1811-2. S. 269–316.
  • Josef Schuler: "Isenthal - Dorferneuerung - Ein Generationenwerk",1999, Hrsg. von der Kulturkommission der Gemeinde Isenthal. Bezug: Gemeindekanzlei, 6461 Isenthal.
  • Michael Walker: "Isenthal im Wandel der Zeiten 1840-1990", 1991, Hrsg. Gemeinde Isenthal, Gasser Druck, Erstfeld. Bezug: Gemeindekanzlei, 6461 Isenthal.
  • Ernst Püntener u. a.: "Naturkundlicher Höhenweg Isenthal", 2001, Hrsg. Arbeitsgruppe Naturkundliche Höhenwege Uri, Altdorf. Bezug: Gemeindekanzlei, 6461 Isenthal.
  • Eva-Maria Müller: "Erlebnis Gitschenen - Führer zu einer Alp in den Urner Bergen", 2006, Hrsg. Beatrice Herger, Gasthaus Gitschenen. Bezug: Gemeindekanzlei, 6461 Isenthal.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Isenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. https://www.pxweb.bfs.admin.ch/Selection.aspx?px_language=de&px_db=px-x-0102020000_201&px_tableid=px-x-0102020000_201\px-x-0102020000_201.px&px_type=PX
  3. Kraftwerkanlagen des Elektrizitätswerks Altdorf
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