Ján Botto

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Ján Botto

Ján Botto (* 27. Januar 1829 in Felsőszkálnok (slow. Vyšný Skálnik), Komitat Gemer-Kleinhont, Königreich Ungarn (heute Slowakei); † 28. April 1881 in Neusohl, Österreich-Ungarn) war ein slowakischer romantischer Dichter, Schriftsteller der Štúr-Generation und Mitgründer des ersten slowakischen Gymnasiums in Großrauschenbach (slow. Revúca).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Botto stammt aus einer Bauernfamilie. Er war der zweite Sohn des Landwirtes Juraj Botto[1] und dessen Ehefrau Katarina Gajdáčová-Cabanová. Er besuchte eine Lateinschule in Osgyán (slow. Ožďany) und seit 1843 studierte er am evangelischen Lyzeum zu Leutschau, wo er sich zum ersten Mal an der slowakischen Nationalbewegung beteiligte und seine ersten Werke schrieb. Ab 1847 studierte er Geodäsie am Polytechnikum in Pest. Dort ereilten ihm die Revolutionsereignisse des Jahres 1848. Nach Niederschlagung der Revolution setzte er seine Studien fort, die er im Jahre 1851 erfolgreich abschloss. Nach dem Abschluß seiner Studien arbeitete er als Landvermesser in verschiedenen, damals oberungarischen, heute slowakischen Städten wie Martin, Schemnitz und Neusohl sowie in ländlichen Regionen der heutigen Mittelslowakei. Ab 1. August 1856 arbeitete er als selbständiger Vermessungsingenieur in Theißholz und im Komitat Turz. In den 1860er Jahren ließ er sich in Schemnitz nieder. Ab 1870 lebte er in Neusohl.

Am 6. und 7. Juni 1861 war er Teilnehmer der Nationalversammlung in St. Martin an der Turz, in welcher das Memorandum der slowakischen Nation deklariert wurde.

Durch seine selbständige Tätigkeit als Ingenieur für Vermessungswesen erarbeitete er sich einen gewissen Wohlstand der ihm finanziell unabhängig machte. Deshalb konnte er die slowakische Kultur und deren Einrichtungen auch finanziell tatkräftig unterstützen. Er subventionierte das slowakische Kulturinstitut Matica slovenská und gehörte zu den Begründern des ersten slowakischen Gymnasiums in Großrauschenbach[2].

Mit Literatur begann sich Botto bereits in seiner Gymnasialzeit in Leutschau zu beschäftigen. Dort lernte er Pavol Dobšinský, den bekannten Sammler slowakischer Folklore und Herausgeber slowakischer Volksmärchen kennen, der ihm literarisch stark beeinflusste. Seine ersten literarischen Arbeiten erschienen in (teilweise handgeschriebenen) Studentenzeitschriften der damaligen Zeit.

Ján Botto auf einer Briefmarke der Tschechoslowakei aus dem Jahre 1989 (Michel-Nr.: CS 2993)

Mit seiner Ballade Smrť Jánošíková (dt. "Jánošíks Tod") die im Almanach Lipa ("Die Linde") im Jahr 1862 veröffentlicht wurde gelang ihm der literarische Durchbruch[3]. In dieser Ballade die aus neun Gesängen besteht beschreibt Botto in der Retrospektive die Person des berühmten Räuberhauptmanns und slowakischen Volkshelden Juro Jánošík. Darin beschreibt er den Kampf entgegengesetzter Kräfte: das Gute und das Böse; er beschreibt Jánošík in entgegengesetzten Bildern, den 'Held als Gefangenen' und den 'Held als Kämpfer für die Freiheit'. Bis in die Gegenwart hinein gehört diese Ballade nicht nur zu den bedeutendsten Werken des Dichters, sondern auch der gesamten slowakischen romantischen Literatur. Bottos Ballade Smrť Jánošíková wurde auch in einige Fremdsprachen übersetzt (u. a. englisch, ungarisch).

Grab von Jan Botto am Evangelischen Friedhof von Neusohl

Seine literarische Tätigkeit erreichte ihrem Höhenpunkt mit der Herausgabe der Sammlung Spevy Jána Botta die im Jahre 1880 in Prag in Druck erschienen sind. Ján Botto war nie verheiratet und hinterließ auch keine Nachkommen. Er starb am 28. April 1881 in Neusohl und wurde am 1. Mai 1881 im evangelischen Friedhof daselbst bestattet.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Werk lässt sich in der Periode von Romantismus einordnen. Seine ersten Gedichte wurden in Leutschauer Zeitschriften, dann weitere Werke in verschiedenen slowakischen Literaturzeitschriften wie Sokol ("Der Falke") und Orol ("Der Adler") veröffentlicht. Das Hauptmotiv seiner Arbeiten war die slowakische Volkskultur mit patriotischen Elementen. Daneben schrieb Botto auch über aktuelle Themen seiner Zeit.

Seine Übersetzungen stammen überwiegend aus der slawischen (A. Mickiewicz, A. S. Chomjakow) und der ungarischen Literatur (S. Petőfi).

Allegorische Kompositionen
  • 1846 – Svetský víťaz (Weltlicher Sieger)
  • 1846 – Povesti slovenské (Slowakische Sagen)
  • 1846 – Báj na Dunaji (Sage an der Donau)
  • 1847 – K mladosti (Zur Jugend)
  • Poklad Tatier (Der Schatz der Tatra)
  • Obraz Slovenska (Das Bild der Slowakei)
Balladen
  • Dva hroby (Zwei Gräber)
  • Z vysokých javorov lístočky padajú (Die Blätter fallen von hohen Ahornbäumen)
  • Tajný šuhaj (Geheimnisvoller Bursche)
  • Práčka na Rimave (Die Wäscherin von Rimava)
  • Rimavín
  • Žltá ľalia (Gelbe Lilie)
  • Ctibor
  • Margita a Besná
  • Lucijný stolček (Das Tischlein der Luzia)
Gelegentliche Gedichte
  • Vojenské piesne (Militärlieder)
  • Duma nad Dunajom (Gedicht über der Donau)
  • K holubici (Zur Taube)
  • Ohlas na „Hlas z Martina“, 6. lipeň (Wiederhall auf die „Stimme aus Martin“, 6. Juni)
  • Ku dňu 6. jún (Zum 6. Juni [1861], Begrüßung des Memorandums von Martin)
  • 4. august 1863 (4. August 1863, Lobgedicht zur Entstehung der Matica slovenská)
  • Nad mohylou J. Kollára (Über dem Grabhügel von Jan Kollár)
  • Dumka na blahú pamäť Sládkovičovu (Gedicht zur Erinnerung an Sládkovič)
  • Nad hrobom Sládkovičovým pri sadení lipy (Über dem Grab von Sládkovič bei der Pflanzung einer Linde)
  • K hodom Slávy
  • 12. január 1870
  • Vrahom (Den Mördern)
Kompositionen
  • 1846 – Pieseň Jánošíkova (Jánošíks Lied)
  • 1858 – Krížne cesty (Kreuzwege)
  • 1862 – Smrť Jánošíkova (Jánošíks Tod)
  • O Alžbete Báthoryčke (Über Elisabeth Báthory, Manuskript)

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1979 wurde sein Konterfei auf die 100 Kronenmünze gesetzt.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Encyklopédia slovenských spisovateľov, Bratislava 1984, Bd. 1, S. 65ff (slowakisch)

Ján Botto: Básnické dielo, Kalligram, Ústav slovenskej literatúry SAV, Bratislava 2006, ISBN 80-7149-915-3 (slowakisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Ahnen von Jan Botto sollen aus Italien stammen. Der Stammbaum geht auf einem Ahnherr Namens "Rubald" zurück und soll bis ins Jahr 1153 zurückgehen. Diese Feststellung wurde vom Dichter Ivan Kasko gemacht.
  2. Das achtjährige evangelische Gymnasium in Großrauschenbach war das erste Gymnasium mit Slowakisch als Unterrichtssprache im gesamten Königreich Ungarn. Es wurde am 18. September 1862 eröffnet und wurde aus Spenden der Evangelischen Kirche A.B. sowie von wohlhabenden Privatpersonen finanziert. Auch Ján Botto unterstützte als Mäzen das Gymnasium. Das Gymnasium wurde am 20. August 1874 von den ungarischen Behörden - wegen Verbreitung "panslawischer" Ideen geschloßen.
  3. An dieser Ballade arbeitete Botto bereits seit 1848.
  4. Tschechoslowakei - Czechoslovakia CSSR 1960-1990 - Jan Botto 100 Kronen 1979 prägefrisch, abgerufen am 15. Mai 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ján Botto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien