Jagdsignal

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Jagdhornbläser mit Fürst-Pless-Horn

Jagdsignale sind in der Jagdpraxis Tonfolgen, die auf dem Jagdhorn geblasen werden und die Aufgabe haben, eine bestimmte Information zum Ablauf einer Jagd zu vermitteln.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit der Parforcejagden erklangen auf den Jagden die Parforcehörner mit den Fanfaren der „chasse à courre“ aus Frankreich. Diese Hörner waren das einzige Mittel zur unmittelbaren Verständigung über lange Distanzen während der Jagd. In Deutschland verbreiteten sich nach der napolionischen Besatzungszeit neben den Reitjagden auch die Schleppjagden. Für sie gab es ebenfalls Jagdsignale und Fanfaren für B-Jagd- und Es-Parforcehörner. Nachforschungen ergaben, dass dieses ehemalige reiterliche Notenmaterial, das auf Reit- und Schleppjagden im 19. Jahrhundert geblasen wurde, durch die Turbulenzen in den Weltkriegsjahren des 20. Jahrhunderts größtenteils verloren gegangen ist. Deshalb standen den reiterlichen Jagdhornbläsern in Deutschland ab den 50er Jahren, als nach dem 2. Weltkrieg wieder Schleppjagden hinter Hundemeuten auf künstlichen Fährten geritten wurden, für diesen Jagdablauf keine passenden Jagdsignale und Fanfaren zur Verfügung. Einzig in der Heeres-Druckschrift 32 vom 1. September 1936 befinden sich einige alte Jagdsignale für Es-Parforcehörner. Erst heute werden wieder Jagdsignale und Fanfaren für B- und Es- Jagdhörner für Reit- und Schlepjagden angeboten. Damit kann dieses Jagdgeschehen wie vor 150 Jahren wieder mit passenden Jagdsignalen bläserisch begleitet werden. Die Jagdsignale für die Reit- und Schlepjagden sind: Abritt zur Jagd, Abschied von der Jagd, Ankunft am Treff, Aufbruch zur Jagd, Beginn des Tages, Begrüßung der Jagdgesellschaft, Begrüßung des Jagdherrn, Curée, Dank an den Huntsman, Dank den Jagdherrn, Die Jagd läuft gut, Fanfare der Equipage , Jagd vorbei – Halali, Gute Jagd , Halali, Heimkehr nach guter Jagd, Hörnerklang zur Jagd , Horrido, Huldigung der Jagd, Neuer Aufbruch, Reiterruf, Rückkehr von der Jagd, Weidmannsdank, Willkommen auf der Jagd, Zu den Brüchen, Zum Stelldichein

Das änderte nichts an den Jagdsignalen der Jäger. Ein großer Teil der heutigen Jagdsignale der Jäger für in B gestimmte Jagdhörner stammt aus der preußischen Militärzeit des 19. Jahrhunderts. Diese Militärsignale von damals prägen die heute bekannten Jagdsignale, den Blasstil und das Klangbild. Dies ist bis heute beibehalten worden. Ein Teil der Jagdleitsignale lässt sich direkt oder mit kleinen Änderungen von den Militärsignalen ableiten. Beim Militär hatten die Signale größtenteils aber eine andere Bedeutung. Heute sind die Jagdsignale noch Ausbildungs- und Prüfungsbestandteil und werden weiterhin auch praktisch verwendet. Der Schwerpunkt bei der Verwendung der Jagdsignale liegt in der Pflege und Förderung des jagdlichen Brauchtums.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jagdsignale[1], die heute auf dem Fürst Pleßschen Jagdhorn in B geblasen werden, sind somit ursprünglich keine „Musikstücke“, dienen weder der Erbauung noch verfolgen sie einen künstlerischen Anspruch.

Jagdleitsignale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von besonderer praktischer Bedeutung als Steuerungs- und Sicherheitselement bei Gesellschaftsjagden ist die Untergruppe der Jagdleitsignale. Die Jagdsignale dienen hier hauptsächlich der Abstimmung der Jäger untereinander und der Jäger mit den Treibern. Die Verständigung über Jagdhornsignale ist auch in Zeiten moderner Fernmeldetechnik mit Mobilfunktelefonen diesen überlegen, wichtige Anordnungen werden unmittelbar von allen Teilnehmern vernommen. Insofern ist der Einsatz der Signale, die mit dem Fürst-Pless-Horn geblasen werden, weiterhin von hohem praktischem Wert. Die Signale umfassen dabei die Begrüßung zu Beginn und am Ende der Jagd (letzteres, bei Gesellschaftsjagden im Anschluss daran gemeinsam geblasenes Signal wird in der Jägersprache Halali genannt), Warnsignale und Hilferufe bei Gefahren und Unfällen sowie die Anweisungen, wie sich die Treiber und Jäger zu verhalten haben. Man spricht hier von Jagdleitsignalen.

Totsignale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Totsignale werden nach der Jagd beim Totverblasen an der Jagdstrecke mit dem Jagdhorn gespielt und gelten dem Wild als letzte Ehrerweisung durch die Jäger. Totsignale werden dabei nach Hoch- und Niederwild geordnet. Beim Totverblasen werden Fürst-Pless-Hörner auch zusammen mit in B gestimmten Parforcehörnern geblasen.

Wettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Durchführen von Wettbewerben im Jagdhornblasen existiert eine Richtlinie des Deutschen Jagdverbandes (DJV). Gruppengröße, Kleidung und die Verwendung des Fürst-Pless-Hornes, in der „Gemischten Gruppe“ auch die des Parforcehorns in B, sind verbindlich geregelt. Die Signale sind oft zweistimmig, mitunter einstimmig (vor allem Jagdleitsignale) oder selten vierstimmig, in der „Gemischten Gruppe“ mitunter auch sechsstimmig.

Offizielle Jagdsignale des DJV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Signale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das hohe Wecken Begrüßung
Zum Essen Blattschlagen
Jagd vorbei

Jagdleitsignale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hegeruf Antwort
Notruf Das Ganze
Aufbruch zur Jagd Anblasen des Treibens
Laut treiben Stumm treiben
Aufmunterung zum Treiben Halt
Treiber in den Kessel Treiber zurück
Hahn in Ruh Sammeln der Jäger
Hunderuf Wagenruf

Das Jagdleitsignal „Hahn in Ruh“ ist die inoffizielle Bezeichnung für „Aufhören zu schießen“.

In Deutschland sind insbesondere zwei Jagdleitsignale von entscheidender Bedeutung:

  • „Das Ganze - Anblasen des Treibens“: Die Jäger dürfen ihre Waffen laden und freigegebenes Wild beschießen. Die Treiber, sofern eingesetzt, beginnen mit ihrer Arbeit.
  • „Hahn in Ruh“: Es darf nicht mehr geschossen werden. Die Waffen müssen sofort entladen werden.

Seltener benutzte Jagdleitsignale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Treiberwehren Ecke vor
Mitte Richtung
Rechter Flügel Sammeln der Schützen
Linker Flügel Sammeln der Treiber
Zusammenziehen der Flügel Wild ablegen

Hochwildsignale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wisent tot Damhirsch tot
Bär tot Muffel tot
Elch tot Gams tot
Hirsch tot Sau tot

Niederwildsignale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reh tot Kaninchen tot
Fuchs tot Flugwild tot
Hase tot Raubwild tot

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haseder S. 435