Jagenberg (Unternehmen)

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Jagenberg AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1878
Sitz Krefeld, Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 1.400 (31. Dezember 2017)
Umsatz 239 Mio. EUR (2015)
Branche Maschinenbau, Technische Textilien, Immobilien
Website www.jagenberg.com

Aktie der Jagenberg-Werke-Aktiengesellschaft von 1917

Jagenberg AG mit Sitz in Krefeld ist eine Holding für Beteiligungen in den Bereichen Maschinenbau und Technische Textilien, die heute zu der Kleinewefers-Gruppe des Unternehmers Jan Kleinewefers gehört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde das Unternehmen 1878 als Papiergroßhandel von Ferdinand Emil Jagenberg (1817–1905) in Düsseldorf. Zwölf Jahre später begann Jagenberg mit dem Bau von Rollenschneidemaschinen für Papierrollen. 1895 zog die Firma auf das Gelände der ehemaligen Kraut-Mühle in Unterbilk um, gleichzeitig ging die Geschäftsführung an Ferdinand Emils Söhne Emil (1866–1931) und Max Jagenberg (1867–1931) über. 1906 wurde in der Himmelgeister Straße in Düsseldorf-Bilk ein neues Fertigungsgelände errichtet, die Jagenberg-Fabrik, dessen Hauptgebäude der denkmalgeschützte Salzmannbau ist.[1]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1917 ging die Firma an die Börse. 60 Jahre nachdem Jagenberg ihr erstes Verkaufsbüro in den USA eröffnet haben, gründeten sie dort 1960 die Tochtergesellschaft Jagenberg Inc., Enfield, Connecticut. 1971 begann die Maschinenproduktion im neu erbauten Werk in Neuss-Grimlinghausen in einer modernen Fertigungsstätte des europäischen Maschinenbaus. 1980 nahm die Jagenberg Inc. in ihrem Werk in Enfield, USA, die Produktion von Papierausrüstungsmaschinen für den nordamerikanischen Markt auf.

Die Rheinmetall-Gruppe übernahm 1981 die Aktienmehrheit an Jagenberg und erwarb ebenfalls Gasti-Verpackungsmaschinen, die in die Jagenberg-Gruppe integriert wurde.[2] 1983 endete die Produktion in der Himmelgeister Straße in Düsseldorf, 1984/1985 zog die Verwaltung zum Kennedydamm in Düsseldorf-Derendorf um.[3] 1988 übernahm Jagenberg die Kampf-Gruppe (Kampf GmbH & Co. KG), einen Spezialisten im Maschinenbau im Bereich Folientechnik.[2] Mit dem Erwerb der Lemo Maschinenbau und einer Beteiligung an der auf dem Sektor Streich- und Beschichtungsanlagen tätigen schweizerischen Bachofen + Meier AG im Jahre 1990, die 1992 vollständig übernommen wurde, wurde das Produktprogramm ergänzt.[4] 1991 wurde mit dem Kauf der französischen Erca-Gruppe[5] sowie ein Jahr später durch die Übernahme der Autoprod Inc., USA, der Geschäftsbereich Verpackungstechnik internationalisiert und weiter ausgebaut.[6]

Hauptsitz der Jagenberg AG in Krefeld, 2017

Nach dem Bezug des neuen Verwaltungsgebäudes 1995 wurde der Sitz der Gesellschaft von Düsseldorf nach Neuss verlegt. Im Jahr 1998 wurde bei der Jagenberg Slovensko die neu erbaute Fertigungshalle in der Slowakei eingeweiht. Anfang 1999 wurden Basagoitia S.A., Spanien sowie Woschnik und Partner Maschinenbau GmbH (Faltschachtelverarbeitung), Mönchengladbach übernommen.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Entscheidung des Großaktionärs Rheinmetall sich von der Maschinenbausparte Jagenberg zu trennen, wurde in einem ersten Schritt 1999/2000 der Geschäftsbereich Verpackungstechnik an die IWKA veräußert. Der Geschäftsbereich Papiertechnik wurde zum Jahreswechsel 2001/2002 an den Voith-Konzern abgegeben.[7] Im Jahr 2002 folgte der Verkauf des Querschneiderbereichs an die bielomatik Leuze GmbH & Co., die 2015 nach Insolvenz an das US-amerikanische Unternehmen BW Papersystems weiterverkauft wurde,[8][9] sowie der Converting-Anlagen (Bachofen + Meier AG) an die Maschinenfabrik Max Kroenert GmbH & Co.[10] Gleichzeitig erfolgte die Schließung zahlreicher Vertriebsniederlassungen.

2003 wurde der Bereich der Faltschachtelverarbeitungsmaschinen, die Jagenberg Diana GmbH, an Heidelberger Druckmaschinen verkauft.[11] Ebenfalls im Jahr 2003 wurde der Bereich Folienschweißmaschinen (Lemo Maschinenbau GmbH) an einen Private Equity Investor verkauft.[12]

Zum 31. Juli 2003 übernahm die Kleinewefers GmbH die Aktienmehrheit an der Jagenberg und der letzten operierenden Tochterfirma Kampf.[13] Noch im selben Jahr wurde der Kunststoffanlagenbau von Kleinewefers (KKA) in die Kampf GmbH & Co. Maschinenfabrik integriert.[14][15] Nach der Sitzverlegung von Neuss nach Krefeld im Jahr 2005, erwarb Kleinewefers 2009 im Rahmen eines Squeeze-out die restlichen Anteile von Jagenberg und hielt fortan 100 %.

Akquisitionen und Desinvestment von Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Linienkompetenz im Bereich der Folienverarbeitung auszuweiten, erwarb Jagenberg im Jahr 2004 eine Beteiligung an der Pagendarm BTT GmbH, Hamburg. Pagendarm war auf den Bau von Beschichtungsanlagen für Hersteller und Verarbeiter von Papieren und Filmen spezialisiert und ist auf diesem Gebiet ein führender Anbieter.[16] Zur Untermauerung des Anspruches als führender Hersteller von Maschinen für die Folienverarbeitung wurde 2004 die Mehrheit an der WT Wickeltechnik GmbH, einem Spezialisten für Schneid- und Wickelmaschinen, erworben.[17] Im August 2005 übernahm Jagenberg die Geschäftsanteile der Familie Küsters an der Eduard Küsters Maschinenfabrik GmbH & Co. KG, einschließlich sämtlicher Tochtergesellschaften. Küsters nahm auf dem Markt für Maschinen und Anlagen zur Veredelung bahnförmiger Materialien in den Bereichen Textil-, Vliesstoff- und Papierindustrie eine führende Position ein. Bereits im November 2005 wurde ein Joint Venture zum gemeinsamen Betrieb von Küsters mit einer Beteiligung von 60 % mit dem Technologiekonzern Andritz vereinbart, in das die ehemaligen Küsters-Bereiche Paper und Nonwoven eingebracht wurden.[18] Ende Juni 2006 übernahm Andritz die übrigen 40 % der Andritz Küsters.[19]

Jagenberg übernimmt 2009 die beiden Gesellschaften Verseidag-Indutex und Verseidag Ballistic Protection – einschließlich deren Tochtergesellschaften in Finnland, England und den USA. Die beiden Verseidag Gesellschaften gehen auf die VerSeidAG (Vereinigten Seidenwebereien, AG) zurück, ein historischer Textilkonzern ebenfalls mit Wurzeln in Krefeld, der sich nach dem Niedergang der deutschen Textilwirtschaft und im Laufe von mannigfaltigen Restrukturierungen auf technische Textilien und Kunstofffolien spezialisiert hat. Der Bereich Verseidag Ballistic Protection wurde 2011 an Rheinmetall veräußert.

2013 wurde Jagenberg Paper Systems gegründet, das sich auf das Reparatur und Modernisierung von Altanlagen konzentrierte und seit 2017 wieder neue Papiermaschinen baut.[20][21]

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historischen Wurzeln von Jagenberg liegen im Maschinenbau. Dieses Geschäftsfeld dominiert auch heute noch die Aktivitäten der Gruppe. Das Produktprogramm umfasst u. a. Folien-Schneid- und Wickeltechnik, Antriebs- und Automatisierungstechnik oder auch die Wartung und Modernisierung von Wicklern, Rollern und Rollenschneidmaschinen in der papierverarbeitenden Industrie.

Zweites Standbein der Jagenberg-Gruppe ist die Entwicklung und Herstellung textiler Bodenbeläge sowie hochwertiger beschichteter Gewebe (Technische Textilien), organisiert in der ebenfalls in Krefeld ansässigen Untergruppe Verseidag-Indutex. Dieses Geschäftsfeld umfasst neben dem Bereich Färben und Veredlung von textilen Bodenbelägen beispielsweise Produkte im Bereich textiler Architektur, Großzelte, großformatiger Digitaldruck und Biogas.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. salzmannbau.com: Der Salzmannbau: Ein Industriedenkmal der Architekten Salzmann und Ganzlin aus dem Jahre 1906
  2. a b salzmannbau.com: Die 100-jährige Geschichte des Salzmannbaus – Jagenberg von 1878 bis 2006
  3. Geschichtswerkstatt Düsseldorf e.V.: Salzmannbau und Jagenberg (Memento des Originals vom 25. April 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
  4. the alacra Store.com: Jagenberg AG acquires Bachofen und Meier AG@1@2Vorlage:Toter Link/www.alacrastore.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. the alacra Store.com: Jagenberg AG acquires Erca Group@1@2Vorlage:Toter Link/www.alacrastore.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. the alacra Store.com: Jagenberg AG acquires Autoprod(Alcoa) from Alcoa Inc@1@2Vorlage:Toter Link/www.alacrastore.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 1. Dezember 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rp-online.de
  8. [1]
  9. [2]
  10. Kroenert erwirbt Bachofen + Meier AG von Jagenberg, verpackungsrundschau.de, 22. Januar 2003
  11. Handelsblatt : Lücke im Portfolio geschlossen: Heidelberger Druck übernimmt Teile von Jagenberg, 30. Januar 2003
  12. neue verpackung.de: Jagenberg: Tequity übernimmt Lemo Maschinenbau (Memento des Originals vom 30. Mai 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.neue-verpackung.de
  13. Handelsblatt: Rheinmetall AG – DGAP-Ad-hoc-Mitteilung: Rheinmetall schließt Jagenberg-Desinvestition ab – Verkauf an Kleinewefers Verwaltungs-GmbH@1@2Vorlage:Toter Link/www.handelsblatt.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 31. Juli 2003
  14. PFFC-online: Kampf GmbH to Take Over KKA Kleinewefers Anlagen GmbH, 2. Oktober 2003 (englisch)
  15. Konstruktion & Engineering: Kampf – Aufgestockt@1@2Vorlage:Toter Link/www.konstruktion.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 28. November 2003
  16. Wirtschaftswoche: Jagenberg AG DGAP-Ad-hoc-Mitteilung: Jagenberg AG erwirbt Mehrheit an der Pagendarm BTT GmbH, 29. April 2004
  17. fazfinance.net: Aktie von Jagenberg verbucht einen Kurssprung@1@2Vorlage:Toter Link/www.fazfinance.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 21. März 2005
  18. Handelsblatt: Jagenberg AG – DGAP-Ad-hoc-Meldung: Der Technologiekonzern Andritz beabsichtigt gemeinsam mit der in Deutschland börsennotierten Jagenberg AG die Gründung eines Joint Venture-Unternehmens@1@2Vorlage:Toter Link/www.handelsblatt.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 18. November 2005
  19. Handelsblatt: Jagenberg AG – DGAP-Ad-hoc-Mitteilung: Die Jagenberg AG hat ihre Anteile am Joint Venture Andritz Küsters GmbH & Co. KG (40 %) an den Technologiekonzern Andritz verkauft@1@2Vorlage:Toter Link/www.handelsblatt.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 27. Juni 2006
  20. [3]
  21. [4]