Jeßnitz (Anhalt)

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Koordinaten: 51° 41′ 0″ N, 12° 18′ 0″ O

Jeßnitz (Anhalt)
Wappen von Jeßnitz (Anhalt)
Höhe: 71 m
Fläche: 14,25 km²
Einwohner: 3249 (30. Jun. 2017)
Bevölkerungsdichte: 228 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 06800
Vorwahl: 03494
Rathaus
Rathaus

Jeßnitz (Anhalt) ist ein Ortsteil der Stadt Raguhn-Jeßnitz und liegt nordöstlich von Bitterfeld-Wolfen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muldewehr

Jeßnitz liegt in einer Auenlandschaft am unteren Abschnitt der Mulde und ihrem hier mündenden Nebenfluss Fuhne. Östlich der Stadt beginnt die Dübener Heide. Nächstgelegene größere Städte sind das direkt benachbarte Wolfen im Süden, Dessau etwa 20 km nördlich, Halle (Saale) etwa 30 km südöstlich und Leipzig etwa 35 km südlich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Marienkirche
Pulverhäuschen und Informationstafel zur Fuhne

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Magdeburger Urkunde vom 17. Oktober 1259 wird der Name Jeßnitz erstmals zuverlässig erwähnt. Laut Überlieferung soll der Ort aber bereits im Jahre 1156 urkundlich aufgeführt worden sein. Der historische Stadtkern westlich der Mulde ging wahrscheinlich aus einer Fischersiedlung hervor. Im Jahr 1401 wird Jeßnitz als Stadt erwähnt. Der Name der Stadt lautete im Jahr 1265 Jezzant, 1285 de Jezaniz, 1297 Jessenitz und 1408 Geßnitz. Der Name ist zum althochdeutschen Wort jesän und dem mittelhochdeutschen jesen (= gären, aufbrodeln, schäumen) zu stellen, basierend auf dem indogermanischen Verbalstamm *ıës- (= wallen, schäumen). Damit wird vermutlich das Wesen der Mulde beschrieben. Später erfolgte eine Angleichung an die „-itz“-Namen der Umgebung.[1] [2] Eine andere Namenserklärung stellt Jeßnitz zum Wort jesion (slaw.) für Esche,[3] da sich die Siedlung inmitten slawischen Siedlungsgebietes befand.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1408 erhält Fürst Albrecht VI. von Anhalt-Dessau die Stadt als Meißnisches Lehen. 1534 führt der Reformator Fürst Georg III. von Anhalt-Dessau die lutherische Reformation ein. 1567 vernichtete ein Großfeuer viele Häuser der Stadt, darunter das Rathaus. 1583, 1610-13 und 1632 wurde die Stadt von der Pest heimgesucht, der ein großer Teil der Bevölkerung zum Opfer fiel.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehem. katholische Kirche

Zu einer Namensänderung kam es am 16. April 2002, als sich die Stadt von Jeßnitz in Jeßnitz (Anhalt) umbenannte.[4]

Im August 2002 wurde die Stadt in weiten Teilen durch das Elbhochwasser 2002, welches auch die Mulde betraf, überflutet. Infolgedessen wurde überlegt, auch die 1954 erbaute katholische St.-Norbert-Kirche abzureißen.[5] Stattdessen wurde die Kirche jedoch zu einem Veranstaltungsort umgebaut.[6]

Am 1. Januar 2010 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Städte Jeßnitz (Anhalt) und Raguhn sowie die Gemeinden Altjeßnitz, Marke, Retzau, Schierau, Thurland und Tornau vor der Heide zur Stadt Raguhn-Jeßnitz zusammen. Gleichzeitig wurde die Verwaltungsgemeinschaft Raguhn, zu der Jeßnitz (Anhalt) seit dem 1. Januar 2005 gehörte, aufgelöst.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1936: Roßdorf

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1787 1.531
1871 3.616
1927 6.313
1947 12.098
Jahr Einwohner
1970 6.952
1990 4.239
2000 3.876
2005 ¹ 3.745

¹ 30. Juni

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 31. Mai 1994 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt[7] und im Landeshauptarchiv Magdeburg unter der Wappenrollennummer 25/1994 registriert.

Blasonierung: „In Silber aus blauem Wellenschildfuß wachsend zwei gefugte rote Türme mit Kuppeldächern, darauf je eine Kugel mit beknauftem Kegel, zwischen den Türmen schwebend eine rote Spindel und ein rotes Garnknäuel pfahlweise.“

Die Stadtfarben zeigen Rot-Weiß.

Das Wappenbild entstammt einem alten Stadtsiegel aus dem 17.Jh. Die beiden Türme im Wappen symbolisieren nicht das Stadttor, sondern leiten sich aus der Kirche mit zwei Türmen (1596 eingestürzt) ab.[8] Spindel und Garnknäuel symbolisieren die Tuchmacherei als früheren Hauptbeschäftigungszweig der Stadt.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge wurde am 22. Juni 2000 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt.

Die Flagge ist Rot - Weiß gestreift. Das Stadtwappen ist mittig auf die Flagge aufgelegt.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klosterruine Salegast

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forsthaus
Wasserturm
  • Klosterruine Salegast im südlich des Ortes angrenzenden Naturschutzgebiet Salegaster Forst (450 ha großer Auwald)
  • Evangelische St. Marienkirche
  • Pulverhäuschen aus dem 18. Jahrhundert, vermutlich zur Lagerung von Schießpulver, um durch Sprengung von Eis die Muldebrücken zu schützen
  • Forsthaus Salegast
  • Umgebauter Wasserturm

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am westlichen Rand von Jeßnitz führt die Bahnstrecke Trebnitz–Leipzig vorbei. Jeßnitz besitzt an dieser einen Haltepunkt.

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mahnmal von 1952 auf dem Alten Friedhof, seit 1956 in die August-Bebel-Straße (heute Leopoldstraße) versetzt, zur Erinnerung an die Kämpfer gegen den Faschismus

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Conradi (* 1862; † 1890), Schriftsteller des Frühnaturalismus
  • Otto Körting (* 1884; † 1959), sozialdemokratischer Politiker
  • Otto Ernst Hesse (* 1891; † 1946), Dramatiker und Publizist
  • Hans Linde (1913–1994), Soziologe
  • Barry Graves (* 1942; † 1994), eigentlich Jürgen Deutschmann, Journalist und Hörfunkmoderator u. a. bei RIAS Berlin
  • Paul Kersten (* 1949), Fußballspieler
  • Christian Gille (* 1976), Kanurennsportler, Olympiasieger in Athen 2004, verbrachte seine Kindheit in Jeßnitz und begann im örtlichen Kanu-Club seine sportliche Karriere

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jeßnitz (Anhalt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günther Schönfelder: Bitterfeld und das untere Muldetal. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Bitterfeld, Wolfen, Jessnitz (Anhalt), Raguhn, Gräfenhainichen und Brehna., Band 66 von Landschaften in Deutschland. Werte der deutschen Heimat. Verlag Böhlau, 2004, ISBN 3412038032, Seite 145 (Auszug)
  2. Inge Bily: Ortsnamenbuch Des Mittelelbegebietes Akademie Verlag, 1996, ISBN 9783050025056, Seite 93 (Auszug)
  3. Zeittafel zur Geschichte der Stadt Jeßnitz. Offizielle Website der ehemaligen Stadt Jeßnitz (Anhalt). Abgerufen am 9. März 2014.
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  5. http://www.bistum-magdeburg.de/front_content.php?idcat=1472&idart=3490&lang=5
  6. "Unternehmer machte aus Jeßnitzer Kirche eine Disko"
  7. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Dessau 8/94
  8. Heimatverein Jeßnitz (Anhalt) e.V.