Jerobeam I.

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Jerobeam I. († 907 v. Chr.) war von 926 v. Chr. bis zu seinem Tod 907 v. Chr. der erste König des Nordreichs Israel.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der hebräische Personenname יָרָבְעָם jāråv‘ām „Jerobeam“ ist ein Verbalsatzname, bestehend aus Subjekt und Prädikat. Subjekt ist das theophore Element עָם ‘ām, deutsch ‚Vaterbruder‘, für das Prädikat kommen zwei verschiedene Ableitungen in Frage, nämlich entweder von der Verbwurzel רבב rbb, deutsch ‚groß sein‘ oder von der Verbwurzel רוב rûb, deutsch ‚Recht verschaffen‘ (eine Nebenwurzel zu ריב rîb mit identischer Bedeutung). Es handelt sich jeweils um eine Form 3. Person Singular maskulin im Imperfekt. Übersetzt heißt der Name demnach entweder „Vaterbruder ist groß“ oder „Vaterbruder hat Recht verschafft“.[1] Die Septuaginta gibt den Namen als Ιεροβοαμ Ieroboam wider, die Vulgata als Hieroboam.

Biblische Erzählung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1 Kön 11,26 EU stammte Jerobeam aus dem Stamm Juda und war der Sohn von Nebat und Zerua. Er war bei Salomos Bauarbeiten in Jerusalem Aufseher über die Fronarbeiter aus dem Haus Josef (1 Kön 11,28 EU), also die Stämme Ephraim und Manasse. Mit diesen erhob er sich gegen Salomo – angeblich erst, nachdem er von dem Propheten Ahija von Schilo zum König gesalbt worden war. Er floh nach Ägypten unter den Schutz Pharao Scheschonq I. (hebr. Schischak – 1 Kön 11,40 EU). Nach Salomos Tod kehrte er zurück (1 Kön 12,2 EU) und wurde von allen Stämmen Israels außer Juda und Benjamin im Süden des Reiches Salomos zum König gewählt, während das Südreich um Jerusalem von Rehabeam, dem Sohn Salomos, regiert wurde (1 Kön 12,20 EU). Er regierte von 926 v. Chr. bis zu seinem Tod 907 v. Chr.

Das Davidisch-salomonische Großreich zerfiel nach dem Tod Salomos 926 v. Chr. in, das von Jerobeam I. regierte Nordreich Israel mit der Hauptstadt Samaria (blau) und das von Rehabeam regierte Königreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem (ocker).

Jerobeam baute Sichem zur Hauptstadt aus, dann Pnuel und Tirza (1 Kön 12,25 EU; 14,17 EU) und erbaute die Heiligtümer von Bet-El und Dan und ließ dort goldene Kälber aufstellen (1 Kön 12,29 EU). als Priester setzte er auch Leute, ein, die keine Leviten waren (1 Kön 12,31 EU). Diese kultischen Maßnahmen, die von Jerobeam als Gegenmaßnahme zu Salomos Kultzentralisierung in Jerusalem und damit als Sicherung seiner eigenen Herrschaft im Nordreich gedacht waren, galten späteren Verfassern der biblischen Schriften – besonders des Deuteronomistischen Geschichtswerks – als Abfall von JHWH. Mit dieser Sünde Jerobeams wurde der Untergang Israels begründet (1 Kön 13,34 EU).

Nachfolger Jerobeams wurde sein Sohn Nadab.

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis heute gibt es keine außerbiblischen Belege für Jerobeams Existenz, lediglich Indizien, die als Nachweis der zu ihm passenden zeitgeschichtlichen Rahmenhandlung interpretiert werden.

Nach dem Siegesrelief des Pharao Scheschonq I. in Karnak wurden die Siedlungen des alten israelitischen Stammesgebietes zerstört, was archäologisch bestätigt werden kann. Die Zerstörung erfolgte im 10. Jahrhundert, die meisten Siedlungen wurden nicht wieder aufgebaut. Es ist daher möglich, dass Scheschonq einige Jahrzehnte vor Jerobeam das Gebiet eroberte und dieser wurde als ägyptischer Vasall indirekter Erbe des alten Stammeskönigtum Sauls. Jerusalem hingegen war zu unbedeutend und möglicherweise bereits ein Vasall der Philister und Ägypten unterworfen, denn es wird dort nicht erwähnt.

Der Feldzug Scheschonqs wird zudem in einem privaten Dokument erwähnt. So vermerkte der thebanische Amunpriester Hori auf seinem Kartonagensarkophag, dass er den „König auf seinen Zügen in den Ländern Rtwn“ begleitet habe.[2] „Rtwn“ ist die Bezeichnung für Syrien/Palästina.[3] Die Mumienkartonage befindet sich heute im Fitzwilliam Museum Cambridge unter der Inventarnummer: E 8.1896.[4] Die Kultstätte in Dan (Tell Dan) wurde ausgegraben. Die Ausgrabung ergab zahlreiche Erweiterungen der Anlage.[5] Sie „verfügte über einen Anstieg, mehrere Seitenaltäre und einen großen Hauptaltar mit vier Hörnern“[6] und wurde noch bis in „die römische Zeit“[7], „natürlich bei wechselnden Gegenständen der Verehrung“[8] benutzt. Unter dem Kultplatz, der zur Zeit Jerobeam I. bereits eine Ausdehnung von 45 × 60 Meter hatte, vermuten Ausgräber ein früheres Heiligtum, von dem sich jedoch archäologisch keine Spuren finden ließen.[9] „Die Anlage schließt eine 18 Meter lange Plattform aus großen, aneinandergereihten Steinblöcken und eine Reihe von Kultgegenständen wie Öllampen mit sieben Dochten, Pithoi (mit einem Schlangenmuster verzierte große Behälter), Standflächen für Weihrauchgefäße, ein Behältnis gefüllt mit Tierknochen, Ton- und Fayencefiguren und ein eingesenktes, mit schrägen Basaltplatten ausgekleidetes Becken ein.“[10]

„In Tell Dan fand kürzlich der Nachfolger von Avram Biran, David Ilan, tatsächlich eine Platte, die wohl zum Kultort gehörte. Die Bronzeplakette aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. stellt eine stehende assyrische Gottheit auf einem Stier dar und könnte ursprünglich eine Art Pektoral oder Standarte gewesen sein. Die Bronze stammt nicht aus der Zeit Jerobeams, sondern aus dem Jahrhundert nach ihm. Sie zeigt aber deutlich, dass es sogar noch lange nach Jerobeam in Dan einen Kult gab, in welchem der Stier (Kalb) eine Rolle spielte.“[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Juha Pakkala: Jerobeam I.. In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff.
  • Avram Biran: Biblical Dan, Jerusalem 1994.
  • A. Späth: Eine biblisch-archäologische Umrundung der Predigt zu 1. Könige 12,33 – 13,33. Jerobeam – ein kurzes Lebensbild mit archäologischen Schlaglichtern, in: S. Grosse; R. Mayer; W. Schlichting; H. Seubert: „Einst opferte Jerobeam…“ Häresie – Aufstand des Zeitgeistes gegen Gottes Ordnung, Ansbach 2013, S. 83–97. ISBN 978-3-9814303-6-3
  • A. Späth: Jerobeam I. von Israel – ein kurzes Lebensbild mit archäologischen Schlaglichtern Teil I, in: DIAKRISIS, Nr. 2/2015, 36. Jahrgang, S. 122–128.
  • A. Späth: Jerobeam I. von Israel – ein kurzes Lebensbild mit archäologischen Schlaglichtern Teil II, in: DIAKRISIS, Nr. 4/2015, 36. Jahrgang, S. 240–250.
  • Klaus Dorn: Jerobeam I.. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 55–60.
  • Georg Hentschel: 1 Könige. Echter, Würzburg 1984. ISBN 3-429-00904-9
  • P. van der Veen: Jerobeam, in: Calwer Bibellexikon, Calw 2003, Sp. 642b.
  • Ernst Würthwein: Die Bücher der Könige. Das erste Buch der Könige, Kapitel 1–16 (ATD 11,1). Göttingen 21985. ISBN 3-525-51151-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jerobeam I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Rechenmacher: Althebräische Personennamen, Münster 2012, S. 83.127.
  2. Vgl. B. U. Schipper, Israel und Ägypten in der Königszeit. Die kulturellen Kontakte von Salomo bis zum Fall Jerusalems, in: Orbis biblicus et orientalis Band 170, Freiburg (Schweiz) – Göttingen 1999, S. 193.
  3. Schipper 1999, S. 129f.
  4. A. Späth: Jerobeam I. von Israel – ein kurzes Lebensbild mit archäologischen Schlaglichtern Teil I, in: DIAKRISIS, Nr. 2/2015, 36. Jahrgang, S. 128.
  5. Vgl. A. Späth (2013), S. 93.
  6. Späth 2013, S. 92.
  7. A. Biran: Biblical Dan, Jerusalem 1984, S. 228, zitiert nach A. Späth (2013), S. 93.
  8. A. Späth (2013), S. 93.
  9. Späth 2013.
  10. U. Zerbst, Ein Altar für das goldene Kalb, in: Studium Integrale Journal, 6. Jhg., Heft 1 1999, S. 47; zitiert nach A. Späth (2013), S. 92.
  11. A. Späth: Jerobeam I. von Israel – ein kurzes Lebensbild mit archäologischen Schlaglichtern Teil II, in: DIAKRISIS, Nr. 4/2015, 36. Jahrgang, S. 246f.
VorgängerAmtNachfolger
SalomoKönig von Israel
926–907 v. Chr.
Nadab