Joaquín Guzmán

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Drogenhändler. Zum Politiker siehe Joaquín Eufrasio Guzmán.
Joaquín Guzmán Loera

Joaquín Guzmán Loera (auch El Chapo; * 25. Dezember 1954 oder 4. April 1957[1] in La Tuna, Bezirk Badiraguato, Sinaloa) war der oberste Chef des Sinaloa-Kartells, eines mexikanischen Drogenkartells. Er gehört zu den meistgesuchten Drogenbossen in Mexiko und in den Vereinigten Staaten.[2][3]

Leben[Bearbeiten]

Guzmán wurde auf einer Ranch geboren und hat sechs Geschwister. Sein Vater war Viehzüchter.[1] Guzmán verließ die Schule nach der dritten Klasse und wurde in den 1970er Jahren Gefolgsmann von Amado Carrillo Fuentes und Miguel Ángel Félix Gallardo. Seine Aufgabe war es, Kokainflüge aus Kolumbien zu koordinieren.[4]

Anfang der 1980er etablierte er sich als Logistikchef im Sinaloa-Kartell. Seit spätestens Ende der 1990er führt er das Kartell gemeinsam mit Ismael Zambada García.[1] Am 24. Mai 1993 verübten Auftragsmörder eines gegnerischen Kartells einen Anschlag auf Guzmán, dem sieben Menschen, darunter Erzbischof Juan Jesús Kardinal Posadas Ocampo, zum Opfer fielen.[5]

Er wurde am 9. Juni 1993 in Guatemala verhaftet, an Mexiko ausgeliefert und zu 20 Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Am 19. Januar 2001 gelang ihm eine Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis des Bundesstaates Jalisco. Ein Wärter öffnete seine Zellentür und Guzmán verließ das Gelände in einem Wäschetransporter.[6][1]

Andere Quellen behaupten hingegen, Guzmán habe einen Deal mit dem damaligen mexikanischen Präsidenten Vicente Fox geschlossen. Vicente Fox, der sich zum damaligen Zeitpunkt in einem finanziellen Engpass befunden habe, soll 20 Mio. US-$ von Guzmán für dessen Freiheit erhalten haben.[7] Gemäß Don Winslow, der Guzmán 2015 als Boss in seinem Roman Das Kartell porträtierte, gebe es Zeugen, dass er einfach aus dem Gefängnis spaziert sei.[8]

Guzmán, der den Spitznamen „El Chapo“ (mexikanischer Ausdruck für „der Kleine“, wegen seiner geringen Körpergröße von – je nach Quelle – 1,55[9] oder 1,68 Metern[1]) trägt, war 2009 laut dem Forbes Magazine auf Platz 41 der Forbes-Liste The World’s Most Powerful People,[10] im Jahr 2012 war er auf dem 63. Platz. Guzmán verfügte 2012 über ein Vermögen von etwa einer Milliarde Dollar.[1] Auf Informationen, die zu seiner Verhaftung führen, war eine Belohnung von sieben Millionen US-Dollar ausgesetzt (Stand: 2011).[6]

Am 22. Februar 2014 wurde Guzmán in der mexikanischen Küstenstadt Mazatlán in einer gemeinsamen Operation von mexikanischen Marineinfanteristen und der US-amerikanischen Antidrogenbehörde DEA festgenommen.[3][11] Wenige Tage danach demonstrierten mehrere Tausend Menschen in Sinaloa für seine Freilassung.[12]

Am Abend des 11. Juli 2015 entkam er erneut aus einem mexikanischen Gefängnis durch einen 1,5 Kilometer langen, 1,7 Meter hohen und 80 Zentimeter breiten Tunnel, der seinen Anfang im Duschbereich von Guzmans Zelle nahm. Dieser Teil der Zelle war nur unzureichend von Überwachungskameras erfasst, so dass Guzmán die Möglichkeit hatte, ungesehen in einem 50×50 Zentimeter großen Loch am Boden zu verschwinden. Am 15. Juli 2015 wurde durch das Überwachungsvideo seiner Zelle bekannt, dass er kurz vor seinem Ausbruch seine Schuhe wechselte.[13] Seitdem ist er flüchtig. Daher wurde er in den USA erneut zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt.[14][15][16][9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sandro Benini: Drogen, Krieg, Mexiko. Der gefährlichste Ort der Welt. Echtzeit, Basel 2013, ISBN 978-3-905800-68-5.
  • Malcolm Beith: El Chapo: Die Jagd auf Mexikos mächtigsten Drogenbaron. (Originaltitel: The Last Narco übersetzt von Simone Salitter und Gunter Blank), Heyne, München 2011, ISBN 978-3-453-26731-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f T. Keppeler, C. Romero: Mexikos Kartellboss Joaquín Guzmán: Kühl, gewieft und wendig. In: die tageszeitung. 29. August 2012, abgerufen am 22. Februar 2014.
  2. U.S.Departement of State: Narcotics Rewards Program: Joaquin Guzman-Loera. Archiviert vom Original am 27. Juni 2011, abgerufen am 21. Dezember 2009 (englisch).
  3. a b Sandra Weis: Meistgesuchter Drogenboss Mexikos und der USA festgenommen. In: derstandard.at. 13. Juli 2015, abgerufen am 22. Februar 2014.
  4. Patrick Radden Keefe: Die Jagd nach „El Chapo“ Guzman. In: GEO 9/2014. Gruner & Jahr, Hamburg, ISSN 0342-8311, S. 123–124.
  5. Patrick Radden Keefe: Die Jagd nach „El Chapo“ Guzman. In: GEO 9/2014, S. 124.
  6. a b Mexiko: Armee nimmt Führungsmitglied von Drogenkartell fest. In: Spiegel Online. 26. Dezember 2011, abgerufen am 22. Februar 2014.
  7. Anabel Hernández, Roberto Saviano: Narcoland: The Mexican Drug Lords And Their Godfathers. Übersetzt von Iain Bruce. Verso, London / New York, 2013, ISBN 978-1781680735 (englisch).
  8. Lars Reichardt: Don Winslow über Gewalt. Interview in: Süddeutsche Zeitung, 30. Mai 2015, S. 38.
  9. a b Sebastian Schoepp: Mexiko – Ab durch die Klappe. In: sueddeutsche.de. 13. Juli 2015, abgerufen am 13. Juli 2015.
  10. Krimineller auf Forbes-Liste: Große Macht den Drogen. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010, abgerufen am 13. Juli 2015.
  11. Ray Sanchez, Evan Perez,Elise Labott: After years on run, Sinaloa cartel chief ‘El Chapo’ Guzman arrested. In: CNN. 23. Februar 2014, abgerufen am 2. März 2014 (englisch).
  12. Klaus Ehringfeld: Unterstützung für „Chapo“ Guzmán: Warum ein Massenmörder als Wohltäter verehrt wird. In: Spiegel Online. 2. März 2014, abgerufen am 2. März 2014.
  13. http://www.n-tv.de/panorama/El-Chapo-wechselte-noch-die-Schuhe-article15523226.html
  14. http://www.bild.de/news/ausland/elchapo/drogenboss-erhaelt-zweifelhaften-titel-zurueck-41791382.bild.html
  15. Mexican drug lord Joaquin ‘El Chapo’ Guzman escapes jail. BBC, abgerufen am 12. Juli 2015 (englisch).
  16. Drogenboss erneut aus Haft geflohen. In: orf.at. 12. Juli 2015, abgerufen am 13. Juli 2015.