Johann Daniel Achelis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Johann Daniel Achelis (* 7. Juni 1898 in Göttingen; † 21. September 1963 auf der Überfahrt in die Vereinigten Staaten) war ein deutscher Physiologe und Medizinhistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Achelis, Sohn des Kirchenhistorikers Hans Achelis, nahm von 1915 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil. Nach Kriegsende absolvierte er ein Studium der Medizin an den Universitäten Halle, Bonn und Leipzig. Im Januar 1922 legte er in Leipzig sein medizinisches Staatsexamen ab und wurde am 16. Juni 1922 zum Dr. med. promoviert. Am 2. Dezember 1922 erhielt er die Approbation als Arzt. Von 1922 bis 1933 war er als Assistent am Physiologischen Institut der Universität Leipzig tätig; am 20. Dezember 1926 erfolgte seine Habilitation für Physiologie, daneben war er auch Mitarbeiter am Medizinhistorischen Institut bei Henry E. Sigerist.

Zum 1. Mai 1933 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 3.078.794)[1][2] und arbeitete als überzeugter Nationalsozialist vom 1. Mai 1933 bis 20. September 1934 im Range eines Ministerialrats als Personalreferent für die Universitäten im preußischen Kultusministerium. In dieser Position war er leitend an der Durchführung der Massenentlassungen beteiligt, die nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums an den Universitäten stattfanden.[3] Seit dem 10. Oktober 1934 war er Professor und Direktor des Physiologischen Instituts der Universität Heidelberg. Von 1937 bis 1945 hatte er daneben einen Lehrauftrag für Geschichte der Medizin inne, scheiterte jedoch mit der Einrichtung eines eigenständigen Instituts für Geschichte der Medizin.

Während des Zweiten Weltkrieges leistete Achelis von September 1939 bis zum März 1945 Kriegsdienst bei der Luftwaffe und unternahm Untersuchungen zur Reizphysiologie der Wärmeregulation. Bei dem Bevollmächtigten für das Gesundheitswesen Karl Brandt war Achelis ab 1944 noch Angehöriger des wissenschaftlichen Beirates.[4]

Nach Kriegsende wurde Achelis im Oktober 1945 von der amerikanischen Militärregierung entlassen. Seit 1950 war er Leiter der Forschungsabteilung bei C.F. Boehringer & Söhne Mannheim, von 1953 bis 1963 dort Mitglied der Geschäftsführung für Medizinische Forschung.[5]

Achelis war Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Er gilt als einer der Wegbereiter der psychosomatischen Medizin. Auf dem Gebiet der Medizingeschichte widmete er sich vor allem dem Werk des Paracelsus.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933–1986. Springer, Berlin/Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-88835-2.
  • Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik. Synchron, Heidelberg 2004, ISBN 3-935025-68-8, S. 13.
  • Hans-Christian Jasch: Das preußische Kultusministerium und die „Ausschaltung“ von „nichtarischen“ und politisch mißliebigen Professoren an der Berliner Universität in den Jahren 1933 bis 1934 aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933. 2005 (online).
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.
  • Michael Kißener: Boehringer Ingelheim im Nationalsozialismus. Stuttgart 2015.
  • Alexander Neumann: Physiologie. In: Wolfgang U. Eckart, Volker Sellin, Eike Wolgast (Hrsg.): Die Universität Heidelberg im Nationalsozialismus. Springer, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-21442-9, S. 671–695.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/50611
  2. Wolfgang Uwe Eckart, Volker Sellin, Eike Wolgast: Die Universität Heidelberg im Nationalsozialismus, Springer, Berlin 2006, S. 676, Vorschau in der Google-Buchsuche
  3. Vgl. Sven Kinas: Akademischer Exodus. Die Vertreibung von Hochschullehrern aus den Universitäten Berlin, Frankfurt am Main, Greifswald und Halle 1933-1945, Heidelberg 2018, S. 56 f.
  4. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2007, S. 10.
  5. Michael Kißener: Boehringer Ingelheim im Nationalsozialismus. Stuttgart 2015, S. 255.