Johann Friedrich Karcher

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Johann Friedrich Karcher (auch: Kargor) (* 8. September 1650 in Dresden; † 9. Februar 1726 ebenda) war ein deutscher Gartengestalter und Baumeister. Karcher war einer der ersten, die den klassischen französischen Gartenstil von Le Nôtre nach Deutschland brachten.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Über seine Tätigkeit vor seiner ersten Erwähnung in Dresden ist wenig bekannt.

Ursprünglich hatte Karcher den Beruf des Gärtners erlernt. Später bildete sich Karcher beim sächsischen Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel auch in der Architektur fort.

Als Obergärtner des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen ab 1683 lieferte Karcher noch im gleichen Jahr zunächst ein (in Kopie erhaltenes) Gutachten über den Zustand des 1676 von Hofgärtner Martin Göttler zunächst noch mit einem sternförmigen Wegesystem angelegten Jagdgartens in Dresden. Ab 1678 erbaute Landbaumeister Johann Georg Starcke, unter Koordination mit Karchers Gartenplanungen, das „Palais im Großen Garten“ (auch: „Palais Prinz Georg“). Um dieses Zentrum herum gestaltete Karcher den Garten ab 1684, unter Johann Georg III., im Stil des französischen Barock, mit rechtwinkligem Wegenetz, Alleen, zum Großen Garten um. Zwischen 1684-1694 führte Landbaumeister Starcke das Palais und acht um das Palais stehende Pavillons („Kavalierhäuser“) nach den Entwürfen Karchers aus.

Die Gestaltungskonzeption änderte sich mehrfach, bedingt durch den Wechsel der Regenten (Johann Georg II. † 1680; Johann Georg III. † 1691, Johann Georg IV. † 1694, nach einer Stagnationsphase wurden die Arbeiten 1695 fortgesetzt unter dessen Bruder August dem Starken). Im Wesentlichen folgte die schließlich bis um 1718 ausgeführte Anlage dann dem bereits 1683 von Karcher vorgelegten Gutachten.

Karcher entwarf zusammen mit Matthäus Daniel Pöppelmann auch die ersten, noch hölzernen Bauten des Dresdner Zwingers. Im Jahre 1682 legte man nach seinen Plänen außerdem den Kleinen Lustgarten an, aus dem der heutige Blüherpark hervorging.

Auf einer Bildungsreise nach Italien im Jahr 1693 lernte er die dortige Architektur kennen. Im Jahr 1698 unternahm er eine erste Studienreise nach Paris. Im gleichen Jahr begann Karcher mit der Erarbeitung von Entwürfen zur Neugestaltung und Erweiterung (Królewski-Trakt) des Königlichen Schlosses in Warschau. Sie wurden jedoch nicht ausgeführt.

1699 wurde er von August dem Starken zum Zweiten kursächsisch-polnischen Oberlandbaumeister ernannt. Nach dem Ausscheiden des Ersten Oberlandbaumeisters Christoph Beyer übernahm Karcher 1706 dessen Position und blieb bis 1718 alleiniger Oberlandbaumeister in Dresden. 1702 nennt er sich selbstbewusst „Johann Friedrich Karcher alias Vitruvius“.

1709 entwarf Karcher ein südöstlich vor dem gelegenes großes Bassin nach dem Vorbild von Marly.

Der 1706-1711 von Matthäus Daniel Pöppelmann errichtete Mittelbau des Taschenbergpalais in Dresden (Wohnsitz der Gräfin Cosel) entstand, auch aus stilistischen Eigenheiten zu schließen, ebenfalls unter maßgeblicher Beteiligung Karchers, der damals Vorgesetzter und Lehrer Pöppelmanns war (1945 kriegszerstört, 1993-95 Wiederaufbau als Hotel).

Unter Kurfürst Johann Georg III. legte Karcher außerdem einen „Kleinen Lustgarten“ (auch „Langer Garten“ genannt) für die Feste des Hofes mit einem 280 Meter langen Gondelbecken (nach mehreren Umgestaltungen befindet sich dort heute der Blüherpark).

1710 entwarf Oberlandbaumeister Karcher eine neue Bauordnung für Dresden (eine weitere 1720). Diese regelten die städtebauliche Umwandlung der einstigen Renaissance-Stadt Dresden in eine Barockstadt, forderten die ausschließliche Steinbauweise und schrieben die Anzahl und Höhe der Stockwerke sowie eine Vereinheitlichung der Verputzfarbe vor. Sie kam vor allem beim barocken Wiederaufbau der Neuen Königsstadt zur Anwendung, aber auch im Bereich des Neumarktes entstanden neue Straßenzüge mit einheitlichem Erscheinungsbild.

Auf einer weiteren Studienreise 1714 besuchte Karcher das Schloss und den Garten von Versailles. Ab 1715 entstand dann im Großen Garten unter dem Einfluss des Gesehenen das Bassin und die seitlichen Bosketts sowie das Grabenparterre um das Palais. Bis 1719 wurden dazu noch ein Labyrinth, ein Naturtheater, ein Fasanengehege und ein Venustempel angelegt.

Als weitere Werk schuf er 1718 die terrassenförmige Gartenanlage des Holländischen Palais (später „Japanisches Palais“ genannt) am Elbufer.

Karcher-Epitaph in der Kirche Leubnitz-Neuostra

Nach Entwürfen von Karcher und Pöppelmann wurde für den Kammerherrn Augusts des Starken, Joachim Sigismund von Ziegler und Klipphausen, bei Radmeritz (heute Radomierzyce bei Zgorzelec; Oberlausitz) an Stelle eines alten Wasserschlosses eine barocke Schloss- und Parkanlage errichtet (Fertigstellung 1728; siehe Stift Joachimstein).

Von 1721 bis 1723 entstand unter Herzog Friedrich Ludwig von Württemberg-Winnental (1690-1734) das Barockschloss, vier zugehörige Pavillons und der Schlosspark in Neschwitz nach Plänen von Karcher.

Nicht ausgeführt wurden Karchers Entwürfe für Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel und Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels (Sachsen-Anhalt).

Nach Karchers Tod wurde sein Schüler Matthäus Daniel Pöppelmann auch sein Nachfolger als Oberlandbaumeister.

Grab und Epitaph von Karcher und seiner Familie befinden sich in der evangelischen Kirche Leubnitz-Neuostra (Ortsamtsbezirk Prohlis), die er selbst 1720 erweitert hatte.

Zu Ehren von Johann Friedrich Karcher wurde die Straße zwischen Strehlen und Gruna Karcherallee benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Blanke: Der große Garten zu Dresden. Geschichte und Gestaltung im Zeitalter August des Starken 1676 - 1733. Dissertation, TU Dresden, 2000.
  • Dieter Hennebo: Karcher, Johann Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 148 f. (Digitalisat).
  • Aleksander Król: Zamek Królewski w Warszawie. Od końca XIII wieku do roku 1944. Państwowy Instytut Wydawniczy, Warszawa 1971
  • Stephan Reinert: Johann Friedrich Karcher und das kursächsische Oberbauamt zwischen Starcke und Pöppelmann. Dissertation, TU Dresden