John Ensign

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John Ensign

John Eric Ensign (* 25. März 1958 in Roseville, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Er war vom 3. Januar 2001 bis zum 3. Mai 2011 Mitglied des US-Senats für den Bundesstaat Nevada.

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ensign ist der Sohn von Sharon Lee Cipriani (gestorben 2014) und eines kaum bekannten leiblichen Vaters. Während seiner Kindheit zog seine Familie von Kalifornien nach Nevada. Dort heiratete seine Mutter Michael S. Ensign (gestorben 2016), einen Manager der Glücksspielindustrie, der später Vorsitzender des Board of Directors des Hotels Mandalay Bay Resort wurde. Michael Ensign adoptierte neben seinen beiden Geschwistern auch den neunjährigen John Ensign.[1]

John Ensign studierte Tiermedizin an der University of Nevada, der Oregon State University und der Colorado State University. Er war Mitglied der Studentenverbindung Sigma Chi. 1985 schloss er sein Studium als Doktor der Veterinärmedizin ab und eröffnete ein 24-Stunden-Tierhospital in Las Vegas. Nach seinem Rückzug aus der Politik nahm er die Arbeit als Tierarzt wieder auf.[2]

John Ensign lebt mit seiner Frau Darlene in Las Vegas; sie haben drei Kinder. Als Mitglied der International Church of the Foursquare Gospel und war Ensign der einzige Angehörigen der Pfingstbewegung im US-Senat.

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Repräsentantenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 konnte Ensign sich bei der Vorwahl (Primary) der Republikanischen Partei für die Wahlen zum Repräsentantenhaus für den ersten Kongresswahlbezirk Nevadas durchsetzen. Im anschließenden Wahlkampf lag er über weite Strecken gegen den Amtsinhaber, den Demokraten James Bilbray, zurück. Als jedoch bekannt wurde, dass ein Wahlkampfhelfer Bilbrays große finanzielle Vorteile durch Gesetze erlangt hatte, für die Bilbray sich eingesetzt hatte,[3] konnte Ensign aufholen. Er gewann die Wahl zum Repräsentantenhaus mit einem Vorsprung von 1400 Stimmen.[4] Bei seiner Wiederwahl 1996 erreichte er einen Vorsprung von sieben Prozentpunkten.[5] Da er sich 1998 nicht zur Wiederwahl stellte, endete sein Mandat im Repräsentantenhaus am 3. Januar 1999.

Im Senat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 trat Ensign bei den Wahl zum US-Senat an, verlor jedoch gegen den demokratischen Mandatsinhaber Harry Reid, der bei insgesamt 416.000 abgegebenen Stimmen – mit Nachzählung – 428 mehr erhalten hatte.[6] Ensign trat bei der Senatswahl 2000 erneut an und konnte sich diesmal gegen den Demokraten Ed Bernstein durchsetzen; auf Ensign entfielen 55 Prozent der Stimmen, auf Bernstein 40.[7] Ensign nahm damit den Sitz des ausscheidenden Senators Richard Bryan (Demokraten) ein. Bei der Senatswahl 2006 trat Ensign gegen den Demokraten Jack Carter, Sohn des früheren US-Präsidenten Jimmy Carter, an. Ensign konnte die Wahl mit 55 Prozent der Stimmen für sich entscheiden, auf Carter entfielen 41 Prozent.[8] Ensign und der zweite Senator für Nevada, Reid, entwickelten trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit eine recht gute Beziehung zueinander und setzten sich regelmäßig gemeinschaftlich für die Belange Nevadas ein.

John Ensign war von 2007 bis 2009 Vorsitzender des National Republican Senatorial Committee (NRSC) und als solcher für die Kandidatensuche, Koordinierung, Spendensammlung und -verteilung bei der Wahl zum Senat 2008 zuständig. Das Ziel, die Mehrheit im Senat zurückzugewinnen, verfehlte er jedoch. Als er im Mai 2009 Iowa – den Bundesstaat, in dem die Präsidentschaftsvorwahlen traditionell beginnen – besuchte, wurde darüber berichtet, dass Ensign möglicherweise bei der Wahl 2012 kandidieren könnte.[9]

Affäre und Rücktritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2009 wurde bekannt, dass Ensign 2007/08 eine mehrmonatige Affäre mit einer langjährigen Mitarbeiterin unterhalten hatte.[10] Ensign trat von seinem Amt als NRSC-Vorsitzender zurück.[11] Daraufhin ließ der Senat Ensigns Verhalten durch eine Ethikkommission untersuchen, unter anderem, weil der Verdacht bestand, dass Ensign seine Position ausgenutzt hatte, um den Skandal nicht öffentlich werden zu lassen: Er hatte dem Ehemann seiner Geliebten eine gutbezahlte Lobbyistenstelle verschafft und sich für Projekte eingesetzt, von denen dessen Klienten profitierten. Im Mai 2011 kam die Ethikuntersuchung zum Ergebnis, es lägen „substanzielle und glaubwürdige Beweise“ vor, dass Ensign dabei Bundesgesetze gebrochen habe, und verwies die Angelegenheit an das US-Justizministerium. Dort wurden die Ermittlungen vom FBI weitergeführt und 2012 eingestellt.[12] Die Federal Election Commission erlegte Ensign und seinen Eltern Strafzahlungen in Höhe von 54.000 Dollar für Zahlungen an Ensigns frühere Geliebte und deren Mann auf.[13]

Im März 2011 gab Ensign bekannt, bei der Wahl zum Senat 2012 nicht erneut anzutreten[14] und erklärte am 22. April, bereits am 3. Mai 2011 sein Mandat im Senat niederzulegen. Damit erhielt Nevadas republikanischer Gouverneur Brian Sandoval die Möglichkeit, einen Nachfolger zu ernennen, der das Mandat bis zur − zeitgleich mit dem regulären Wahltag im November stattfindenden − außerordentlichen Nachwahl kommissarisch ausübte. Die Wahl fiel auf den Kongressabgeordneten Dean Heller. Melanie Sloan, Geschäftsführerin der Citizens for Responsibility and Ethics in Washington, kommentierte die Vorgänge mit den Worten, es sei Druck auf Ensign ausgeübt worden, früher zurückzutreten, um einem ernannten Nachfolger für die folgende Wahl einen Vorsprung zu verschaffen.[15]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ensign setzte sich gegen Schwangerschaftsabbruch ein (Pro-Life).[16] Zusammen mit den demokratischen Senatoren Maria Cantwell (Washington), Arlen Specter (Pennsylvania) und Dianne Feinstein (Kalifornien) setzte er sich maßgeblich für den Animal Fighting Prohibition Enforcement Act ein. Dieses Gesetz verbietet es, Tiere zur Kampfzwecken von einem Bundesstaat in einen anderen zu transportieren.[17] Ensign unterstützte den Einsatz der USA im Irakkrieg.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: John Ensign – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • John Ensign im Biographical Directory of the United States Congress (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Colton Lochhead: Gaming pioneer Mike Ensign, father of a former Nevada senator, dies at 79. In: Las Vegas Review-Journal, 8. Dezember 2016 (mit falscher Altersangabe für die Adoption), siehe Carol Elder Bruce: Report of the Preliminary Inquiry into the Matter of Senator John E. Ensign. 10. Mai 2011, S. 7 (PDF).
  2. Dr. John Ensign. In: Boca Park Animal Hospital.
  3. David Wasserman, Larry J. Sabato: October Surprise! (And a Leadership Demise?). Bombshell Leaves Republicans with Unwanted Fall „Foley-Age“. In: Sabato’s Crystal Ball, University of Virginia Center for Politics, 5. Oktober 2006.
  4. Statistics of the congressional election of November 8, 1994. Office of the Clerk, US House of Representatives.
  5. Statistics of the congressional election of November 5, 1996. Office of the Clerk, US House of Representatives.
  6. Statistics of the congressional election of November 3, 1998. Office of the Clerk, US House of Representatives; Dennis Myers: Harry Reid. In: Online Nevada Encyclopedia, 14. Oktober 2010.
  7. Statistics of the congressional election of November 7, 2000. Office of the Clerk, US House of Representatives.
  8. Statistics of the congressional election of November 7, 2006. Office of the Clerk, US House of Representatives.
  9. Carol Elder Bruce: Report of the Preliminary Inquiry into the Matter of Senator John E. Ensign. 10. Mai 2011, S. 8 (PDF).
  10. Thomas Spang: Sex-Skandal im US-Senat. In: DerWesten, 19. Juni 2009.
  11. Jim Rutenberg, Steve Friess: After Affair, Senator Resigns Leadership Job. In: The New York Times, 17. Juni 2009.
  12. Paul Kane, Carol D. Leonnig: Senate ethics committee: Ensign violated federal laws. In: The Washington Post, 12. Mai 2011; Eric Lichtblau: Documents Reveal Details of F.B.I. Inquiry Into Nevada Senator. In: The New York Times, 29. Dezember 2014.
  13. John Bresnahan: FEC fines Ensign family $54,000. In: Politico, 17. Mai 2013.
  14. Ensign Will Not Seek Re-election in 2012. In: RealClearPolitics.
  15. Gail Russell Chaddock: John Ensign resignation puts focus on Nevada elections. Will GOP have an edge? In: The Christian Science Monitor, 22. April 2011.
  16. Ensign bei ProChoiceAmerica.org.
  17. H.R.137 - Animal Fighting Prohibition Enforcement Act of 2007: 110th Congress (2007-2008). In: Congress.gov.