John Erpenbeck

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John Erpenbeck während eines Vortrags zum Thema Reliabilität und Validität am 20. Oktober 2007 in Nürnberg

John Erpenbeck (* 29. April 1942 in Ufa, Baschkirische ASSR, RSFSR, Sowjetunion; heute Republik Baschkortostan, Russland) ist ein deutscher Wissenschaftler und Buchautor.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Erpenbeck ist Sohn des Schriftstellerehepaars Fritz Erpenbeck und Hedda Zinner. Nach dem Abitur studierte er Physik mit Spezialisierung auf Biophysik. 1965 erhielt er das Diplom.

1968 erfolgte die Promotion zum Dr. rer. nat. mit einer Arbeit zum Thema Gegenstromdiffusion in flüssiger Phase mit anschließender Zirkulationsvervielfachung. Anschließend war er als Experimentalphysiker am Institut für Biophysik der Akademie der Wissenschaften (AdW) zu Berlin tätig. Von 1971 bis 1973 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Kernforschung/Kosmosforschung des Ministeriums für Wissenschaft und Technik der DDR. Anschließend folgte (bis 1990) eine wissenschaftliche Tätigkeit am Zentralinstitut für Philosophie der AdW, Bereich Philosophische Fragen der Wissenschaftsentwicklung (Leiter: Herbert Hörz), wo er sich mit philosophischen, historischen und wissenschaftstheoretischen Problemen der Psychologie kognitiver, emotional-motivationaler und volitiver Prozesse beschäftigte.

Mit der Arbeit Erkenntnistheorie und Psychophysik kognitiver Prozesse habilitierte er 1978. 1984 wurde er zum Professor der AdW ernannt. Im selben Jahr erhielt er den Honorary Fellow in Writing der Universität von Iowa (USA) und 1982 den Heinrich Heine Preis. 1993/94 erhielt er einen Fellow des Center for Philosophy of Science, Pittsburgh. Von 1991 bis 1995 forschte er mit Schwerpunkt Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie der Förderungsgesellschaft wissenschaftliche Neuvorhaben mbH (Max-Planck-Gesellschaft).

In der Zeit von 1993 bis 1994 war er als Research Professor am Center for Philosophy of Science, Pittsburgh tätig. Von 1995 bis 1998 war er Professor an der Universität Potsdam, Arbeitsgruppe Wissenschaftskommunikation, ab 1998 Senior Consultant, ab 2000 Bereichsleiter im Projekt Lernkultur Kompetenzentwicklung (ABWF/QUEM). Seit Mai 2007 ist er Professor an der School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) in Herrenberg. Er begleitet das MBA Projekt-Kompetenzstudium durch Kompetenzmessung und -zertifizierung sowie Forschungsarbeiten zur Kompetenzentwicklung und Kompetenzmanagement.

Erpenbeck ist Mitglied des Verbandes der Schriftsteller der Bundesrepublik Deutschland, der Arbeitsgemeinschaft berufliche Weiterbildungsforschung und der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin sowie im Forschungsinstitut berufliche Weiterbildung.

John Erpenbeck war mit der Arabisch-Übersetzerin Doris Erpenbeck verheiratet und hat mit ihr eine Tochter, die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck. Er ist als Wissenschaftler in den Bereichen Kompetenzbilanzierung, -diagnostik, -entwicklung tätig und wirkt hierzu auch an der privaten Steinbeis-Hochschule Berlin. Er lebt in Berlin.

Kompetenzbilanzierung, Kompetenzdiagnostik, Kompetenzentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den neunziger Jahren entwickelt John Erpenbeck zusammen mit Volker Heyse und Horst Max die Kompetenzmessinstrumente KODE und KODEX sowie mit Bernward Brenninkmeyer den Kompetenz-Wertetest WERDE. Seit 2003 entwickelt er zusammen mit Steffen Buhr und Stefan Ortmann die digitale Variante der Verfahren im Projekt namens Competenzia.

Alle drei Verfahren sind ihrem Anspruch nach wissenschaftlich fundiert. Es handelt sich um Verfahrenssysteme mit verschiedenen Kompetenzermittlungs- und Entwicklungstools. Sie wurden mit dem Anspruch entwickelt, als Basis einer modernen Personalentwicklung praktisch einsetzbar zu sein.

KODE[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Angaben der Autoren ist KODE weltweit das erste Verfahren, welches die Kompetenzen direkt misst. Durch KODE sei die Kompetenzentwicklung nicht mehr nur auf Kompetenzfeststellung ausgerichtet. KODE ist die Abkürzung für Kompetenz-Diagnostik und Entwicklung und wird unter anderem im Rahmen der Personal- und Teamentwicklung eingesetzt.

Ausgewertet werden in einer differenzierten Betrachtung der vier menschlichen Grundkompetenzen:

  • Personale Kompetenz (P): Fähigkeit, sich selbst gegenüber klug und kritisch zu sein, produktive Einstellungen, Werthaltungen und Ideale zu entwickeln
  • Aktivitäts- und Handlungskompetenz (A): Fähigkeit, alles Wissen und Können, alle Ergebnisse sozialer Kommunikation, alle persönlichen Werte und Ideale auch wirklich willensstark und aktiv umsetzen zu können
  • Fachlich-Methodische Kompetenz (F): Fähigkeit, mit fachlichem und methodischem Wissen gut ausgerüstet, schier unlösbare Probleme schöpferisch zu bewältigen
  • Sozial-Kommunikative Kompetenz (S): Fähigkeit, sich aus eigenem Antrieb mit anderen zusammen- und auseinanderzusetzen. Kreativ zu kooperieren und zu kommunizieren

Die vier Grundkompetenzen (P, A, F, S) werden sowohl unter günstigen als auch ungünstigen (Alltags- bzw. Berufs-)Situationen betrachtet. Die differenzierte Betrachtung der Dimensionen Absicht, Verhalten, Wirkung und Ideal(vorstellung) ermöglichen eine weitergehende Analyse.

Anfang 2008 wurde ein weiteres Verfahren namens KODES publiziert, welches speziell auf die Erkennung und Entwicklung von Kompetenzen von Schülern und Auszubildenden ausgerichtet ist.

KODEX[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KODEX, der Kompetenzexplorer, dient der Erkundung von unternehmensstrategischen Kompetenzanforderungsprofilen, von anforderungs- bzw. aufgabenspezifischen Kompetenz-Sollprofilen sowie von Kompetenzpotenzialen der Mitarbeiter und Führungskräfte.

Das KODEX-Verfahren basiert auf einem parametrisierten, jedoch standardisierten Vorgehensmodell:

  1. Strategie- und Kompetenzanforderungen festlegen
  2. Identifikationsmerkmale definieren
  3. Job- und Funktionsgruppen ermitteln
  4. Potenzialeinschätzung durchführen
  5. Analyse und Ableiten differenzierter Personalentwicklungsmaßnahmen

Basis des Verfahrens bildet ein Pool von 64 (überfachlichen) Teilkompetenzen (z. B. Akquisitionsstärke, Teamfähigkeit, ...), die in einem von vier Quadranten einer zweidimensionalen Matrix bezüglich der vier Grundkompetenzen (P, A, F, S) angeordnet sind.

Zurzeit erfolgt eine Optimierung in Richtung Talenterkennung und -management.

WERDE[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WERDE steht für WERte Diagnostik und Entwicklung. Es analysiert sogenannte Unternehmer-Werte, also das Werte-Gerüst eines Unternehmers bzw. einer Unternehmerfamilie und ermöglicht quantitative und qualitative Aussagen über die vier Dimensionen Genuss-, Nutzen, ethische und politische Werte.

Beispiele für Ausprägungen sind Ausgeglichenheit, Freude, Motivation (Dimension Genuss-Werte); (materielle) Sicherheit, Ansehen (Dimension Nutzen-Werte); Ehrlichkeit, Sinn, Würde, Verständnis (Dimension Ethische-Werte), sowie Ehre, Einfluss, Macht (Dimension Politische Werte).

Die Frage, welche Werte hinter dem Denken und Handeln von Unternehmern/Menschen steckt, findet unter anderem Anwendung bei der Auswahl geeigneter Unternehmensnachfolger.

Literarische Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Traum ist Schaum, Libretto (1959)
  • Formel Phantasie, Gedichte (1972)
  • Alleingang, Roman (1973)
  • Analyse einer Schuld, Roman (1977)
  • Arten der Liebe, Gedichte (1978)
  • Der blaue Turm, Roman (1980)
  • Heillose Flucht, Erzählung (1984)
  • Gruppentherapie, Roman (1989)
  • Aufschwung, Roman (1996), Taschenbuch (2000)
  • Hermann Glöckner. Ein Patriarch der Moderne, (1983)
  • Windvogelviereck. Schriftsteller über Wissenschaftler und Wissenschaften (1987)

Wissenschaftliche Buchpublikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Trennverfahren nach Fritz Lange (1974)
  • Philosophie contra Naturwissenschaft? (zus. mit Herbert Hörz, 1977)
  • Was kann Kunst. Gedanken zu einem Sündenfall, Essay (1979)
  • Psychologie und Erkenntnistheorie (1980)
  • Motivation - ihre Psychologie und Philosophie (1984)
  • Das Ganze denken. Zur Dialektik menschlicher Bewußtseinsstrukturen und -prozesse (1986)
  • Entgrenztes Denken. Überlegungen zum Verhältnis von Wissenschaft und Literatur (1990)
  • Wollen und Werden. Ein psychologisch-philosophischer Essay über Willensfreiheit, Freiheitswillen und Selbstorganisation (1993)
  • Menschenbild und Menschenbildung (zus. mit J.Weinberg, 1993)
  • Management und Wertewandel im Übergang. Voraussetzungen, Chancen und Grenzen betrieblicher Weiterbildung im Transformationsprozeß (zus. mit Volker Heyse 1994)
  • Berufliche Weiterbildung und berufliche Kompetenzentwicklung (zus. mit Volker Heyse 1996)
  • Der Sprung über die Kompetenzbarriere (zus. mit Volker Heyse 1997)
  • Die Kompetenzbiographie. Strategien der Kompetenzentwicklung durch selbstorganisiertes Lernen und multimediale Kommunikation (zus. mit Volker Heyse 1999, 2. Auflage 2007)
  • Kompetenzbiographie-Kompetenzmileu-Kompetenztransfer (zus. mit Volker Heyse 2000)
  • Kompetenzprofiling (zus. mit Volker Heyse und Lutz Michel, 2001)
  • Handbuch Kompetenzmessung (zus. mit Lutz von Rosenstiel 2003, 2. Auflage 2007)
  • Kompetenztraining (mit Volker Heyse, 2004)
  • Kompetenzen erkennen, bilanzieren und entwickeln (Hrsg. zus. mit Volker Heyse, Horst Max, 2004)
  • Kompetenzkapital. Verbindungen zwischen Kompetenzbilanzen und Humankapital (Hrsg. zus. mit J. Hasebrook, Olaf Zawacki-Richter, 2004)
  • Kompetenzkapital heute. Wege zum Integrierten Kompetenzmanagement. (Hrsg. zus. mit Erich Barthel, J. Hasebrook, Olaf Zawacki-Richter, 2007)
  • KompetenzManagement. Methoden, Vorgehen, KODE®, KODE®X im Praxistest. (Hrsg. zus. mit Volker Heyse, Horst Max, 2007)
  • Kompetenzentwicklung im Netz. New Blended Learning mit Web 2.0 (zus. mit Werner Sauter, 2007)
  • Kompetenztraining - 64 Modulare Informations- und Trainingsprogramme (zus. mit Volker Heyse, 2009)
  • Grundstrukturen menschlicher Kompetenzen (Hrsg. zus. mit Volker Heyse und Stefan Ortmann, 2010)
  • Der Königsweg zur Kompetenz. Grundlagen qualitativ-quantitativer Kompetenzerfassung. (Hrsg., 2011)
  • Kompetenzmodelle von Unternehmen: Mit praktischen Hinweisen für ein erfolgreiches Management von Kompetenzen. (Hrsg. zus. mit Lutz von Rosenstiel und Sven Grothe, 2013)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]