John Thune

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John Thune

John Randolph Thune (* 7. Januar 1961 in Pierre, South Dakota) ist ein amerikanischer Politiker (Republikanische Partei). Seit 2005 ist er US-Senator für den Bundesstaat South Dakota. Von 1997 bis 2003 hatte er dem US-Repräsentantenhaus für seinen Bundesstaat angehört und war bereits 2002 erfolglos für den US-Senat angetreten. Er ist Teil der Parteiführung im Senat der Vereinigten Staaten und ist immer wieder als möglicher Kandidat für die US-Präsidentschaft gehandelt worden.

Familie und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thunes Vater Harold stammt von norwegischen Einwanderern ab, seine Mutter Yvonne Bodline wuchs in Kanada auf. Die Eltern betrieben im kleinen Ort Murdo im spärlich besiedelten Jones County (South Dakota) für einige Zeit das bestehende Familienunternehmen, den Einzelhandel Thune Hardware, und arbeiteten danach als Lehrer bzw. Bibliothekarin. Sie hatten fünf Kinder; John Thune wuchs in Murdo auf.[1] Nach seinem High-School-Abschluss 1979 studierte er an der christlichen Biola University, die er 1983 als Bachelor of Arts in Wirtschaft verließ. 1984 erhielt er an der University of South Dakota einen Master of Business Administration. Er gilt seit seiner Schulzeit als herausragender Sportler und wurde von der Zeitschrift Runner’s World 2012 als „schnellster Läufer“ des US-Kongresses bezeichnet.[2]

Thune ist seit 1984 verheiratet mit Kimberley Weems; sie leben in Sioux Falls und haben zwei Töchter.

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher Förderer: Senator James Abdnor

Thunes politische Laufbahn begann, als der damalige Kongressabgeordnete James Abdnor bei einem High-School-Sportereignis auf Thune aufmerksam wurde und ihn fortan förderte.[3] Von 1985 bis 1987 arbeitete Thune dann, als Abdnor US-Senator für South Dakota geworden war, als sein Mitarbeiter. Unter Präsident Ronald Reagan war Thune für die Small Business Administration tätig. 1989 kehrte er mit seiner Familie aus Washington nach South Dakota zurück und arbeitete zunächst als Geschäftsführer der bundesstaatlichen republikanischen Partei, von 1991 bis 1993 als Eisenbahn-Direktor von South Dakota und anschließend als Geschäftsführer der South Dakota Municipal League, einer unabhängigen Einrichtung zur Förderung der lokalen Verwaltung.[4] Er galt bereits damals als bestens vernetzt innerhalb der politischen Elite South Dakotas.[5]

1996 trat Thune als Außenseiter in der republikanischen Vorwahl für den einzigen Sitz des Bundesstaates im US-Repräsentantenhaus an. Als Favoritin der Parteiführung galt die damalige Vize-Gouverneurin Carole Hillard, die im Mai 1996 in einer Umfrage mit 69 zu 15 Prozent der Stimmen führte. Mit Unterstützung Abdnors und des religiös-konservativen Parteiflügels gelang es Thune jedoch, die Vorwahl mit 59 zu 41 Prozentpunkten zu gewinnen. In der allgemeinen Wahl im November traf Thune, der sich gegen jegliche Steuererhöhungen einsetzte und medienwirksam auf mehr als drei Amtszeiten sowie Pensionsansprüche verzichtete, auf den als links und gewerkschaftsnah geltenden Demokraten Rick Weiland. Thune gewann den Sitz, der seit seiner Einrichtung 1982 immer von Demokraten bekleidet gewesen war, klar mit 58 zu 37 Prozentpunkten; Weiland gewann nur sechs Countys.[5] 1998 und 2000 gewann er die Wiederwahl jeweils mit über 70 Prozent der Stimmen.

Thune erfüllte sein Versprechen, nicht mehr als drei Amtszeiten (je zwei Jahre) als Abgeordneter tätig zu sein, und bewarb sich 2002 nicht mehr für ein weiteres Mandat im Repräsentantenhaus. Stattdessen ließ er sich bei der Wahl zum Senat der Vereinigten Staaten 2002 als republikanischer Gegenkandidat des amtierenden demokratischen Senators Tim Johnson aufstellen. In einem äußerst knappen Rennen verlor er die Senatswahl mit nur 524 Stimmen Rückstand. Thune verzichtete auf eine Nachzählung.

Zwei Jahre später kandidierte er erneut bei der Senatswahl im November 2004, diesmal gegen den demokratischen Senator Tom Daschle. In einem erneut knappen Rennen gewann er diesmal jedoch die Wahl. Dieses Ergebnis war für die Demokratische Partei eine schwere Niederlage, denn Daschle war demokratischer Fraktionsvorsitzender im Senat. Die Abwahl eines solchen Amtsträgers hatte es zuletzt 52 Jahre zuvor gegeben.[3] 2010 stellten die Demokraten gegen den populären Mandatsinhaber bei generell guten Rahmenbedingungen für die Republikaner gar keinen Gegenkandidaten auf, sodass Thune bei der Wahl im November 2010 mit 100 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde.[6]

Thune wurde nach seinem Sieg 2004 schnell für Führungsaufgaben innerhalb seiner Partei gehandelt. 2006 wurde er zum stellvertretenden Whip (Fraktionsgeschäftsführer) ernannt und rückte damit in den erweiterten Führungskreis der Republikaner im Senat auf,[7] wurde 2009 Vorsitzender des Senate Republican Policy Committee und ist seit 2012 Republican Conference Chairman, die viert- und dritthöchsten Ämter innerhalb der republikanischen Senatsführung. Als klassischer Konservativer ist Thune immer wieder als möglicher Präsidentschaftskandidat der Republikaner gehandelt worden, der möglicherweise der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung den Wind aus den Segeln nehmen könne.[8] Nachdem er – öffentlich unterstützt vom Fraktionsvorsitzenden Mitch McConnell – längere Zeit mit einer Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2012 geliebäugelt hatte, sagte er im Februar 2011 ab,[9] offenbar weil er nicht mit den finanziellen Netzwerken der Ostküsteneliten mithalten zu können glaubte. Auch für die Präsidentschaftswahl 2016 war Thune wiederum im Gespräch, erklärte aber im Januar 2015, nicht anzutreten, da er keine günstige Gelegenheit („Opening“) für sich gesehen habe; er fügte hinzu, dass er seine beste Chance möglicherweise 2012 verpasst habe und er fürchte, mit den Establishment-Kandidaten in der Wahrnehmung vermengt zu werden.[10] Bereits zuvor hatte Thune darauf Wert gelegt, keine „Kreatur Washingtons“ zu sein.[11]

Seit Januar 2015 ist Thune Vorsitzender des Senatsausschusses für Handel, Wirtschaft und Verkehr. Thune hatte 2015 mit fast zehn Millionen US-Dollar Reserven eine gute Ausgangsposition für die Kampagne zur Wiederwahl im November 2016. Die Demokraten verfügten über keinen offensichtlich geeigneten Gegenkandidaten; im Gespräch waren der Sohn des früheren US-Senators Tim Johnson, Brendan, und die frühere Kongressabgeordnete Stephanie Herseth Sandlin.[12] Im Februar 2016 wurde der Vorsitzende der Demokraten im Yankton County, Jay Williams, als Gegenkandidat vorgestellt,[13] der als fast chancenloser „ultimativer Außenseiter“ gilt.[14] Bei der Wahl im November verteidigte Thune seinen Sitz im Senat gegen Jay Williams mit 71,8 % der Wählerstimmen. Seine neue Amtszeit läuft bis zum 3. Januar 2023.

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Medien des rechten politischen Spektrums wie dem Weekly Standard wird Thune als mögliche Führungsfigur der Konservativen innerhalb der republikanischen Partei gehandelt. Er wird als pragmatischer, geerdeter Kleinstädter gelobt, der ebenso telegen und begabt im Ansprechen der Interessen unterschiedlicher Wählergruppen („retail politics“) sei wie glaubwürdig als tiefreligiöser Christ. Als Nachteile werden seine zeitweilige Arbeit als Lobbyist (nach seiner erfolglosen Senatskandidatur 2002) und sein Einsatz für Subventionen bezeichnet, was an der republikanischen Basis – insbesondere seit dem Siegeszug der Tea-Party-Bewegung 2010 – als schwer vermittelbar gilt.[8]

Thune gilt als Generalist mit kontinuierlich konservativen Ansichten etwa bei der Ablehnung stärkerer Waffenkontrollen. So unterstützte er auch einen Verfassungszusatz, der gleichgeschlechtliche Ehen verbieten würde, eine Position, die durch ein entgegenstehendes Urteil des Supreme Court nicht mehr haltbar ist (siehe Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in den Vereinigten Staaten). Er stimmte 2003 für die Invasion der USA im Irak (Irakkrieg). In der Energiepolitik hat Thune an der Verabschiedung mehrerer Gesetze mitgewirkt und setzt sich – entsprechend den Ressourcen seines Heimatstaates – für einen schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien ein.[15]

Im Mai 2016 erhielt Thune internationale Aufmerksamkeit in den Medien, als er die Praxis der Nachrichtenauswahl für „Trending Topics“ bei Facebook Inc. als politisch unausgewogen kritisierte. Als Vorsitzender des Senatsausschusses für Handel forderte er brieflich eine Untersuchung von Manipulationsvorwürfen, woraufhin Facebook den zugrundeliegenden Algorithmus veränderte.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe Pat Thune (May 13, 1921 – March 7, 2012). In: Isburg Funeral Chapels, März 2012 (Nachruf auf die Mutter, englisch); Kevin Woster: Thune Helps Parents, Murdo Church Celebrate Anniversaries. In: Rapid City Journal, 28. Juni 2008 (englisch); John Thune Ancestry. In: Rootsweb, abgerufen am 5. November 2015 (englisch).
  2. Matt McCue: Runners’ Stories: 2012 Election Year Special. In: Runner’s World, 15. Oktober 2012 (englisch).
  3. a b Biography. In: Thune.Senate.gov, abgerufen am 5. November 2015 (englisch).
  4. About the League. In: SDMunicipalLeague.org, zuletzt aktualisiert am 14. Oktober 2015 (englisch).
  5. a b South Dakota: Representative-At-Large. Rep. John Thune (R). (Memento vom 11. Oktober 2012 im Internet Archive) In: The Almanac of American Politics 1998, 1. Juni 1997, in: National Journal, (englisch).
  6. S.D. Dems Skip Senate Race Against GOP’s Thune. In: Yankton Daily Press, 2. April 2010 (englisch); Kelly Bartnick: Thune Weighs In On Election Impact In D.C. In: Keloland.com, 7. November 2010 (englisch).
  7. Tom Scheck: Lott picks Coleman as Deputy Minority Whip. In: MPRNews.com, 6. Dezember 2006 (englisch).
  8. a b Stephen F. Hayes: Dakota Dreaming. The Presidential Hopes of John Thune. In: The Weekly Standard, 4. Oktober 2010 (englisch).
  9. Jason Linkins: John Thune: I Won’t Run For President In 2012. In: Huffington Post, 22. Februar 2011, zuletzt aktualisiert am 25. Mai 2011 (englisch).
  10. Burgess Everett: Thune: No ‘Opening’ for a White House Run. In: Politico, 14. Januar 2015 (englisch).
  11. Stephen F. Hayes: Dakota Dreaming. The Presidential Hopes of John Thune. In: The Weekly Standard, 4. Oktober 2010 (Seite 3, englisch).
  12. Siehe Alexis Levinson: Brendan Johnson Discusses His Future in South Dakota (Updated). In: Roll Call, 18. Februar 2015 (englisch).
  13. Mark Roper: Democrat Jay Williams announces U.S. Senate run. In: KSFY.com, 19. Februar 2016 (englisch).
  14. Stu Whitney: Whitney: South Dakota's Ultimate Cnderdog. In: Argus Leader, USA Today, 29. April 2016 (englisch).
  15. Energy. In: Thune.Senate.gov, abgerufen am 5. November 2015 (englisch).
  16. Nick Corasaniti, Mike Isaac: Senator Demands Answers From Facebook on Claims of ‘Trending’ List Bias. In: The New York Times, 10. Mai 2016 (englisch); Elle Hunt: Facebook to Change Trending Topics after Investigation into Bias Claims. In: The Guardian, 24. Mai 2016 (englisch).