Julius Blum (Unternehmen)

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Julius Blum GmbH
Logo der Julius Blum GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1952
Sitz Höchst (Österreich)
Leitung Gerhard E. Blum (Geschäftsführung)
Mitarbeiter 6.608 (30. Juni 2015) [1]
Umsatz 1,56 Mrd. EUR (30. Juni 2015) [1]
Branche Metallverarbeitung
Website www.blum.com

Die Julius Blum GmbH ist ein international tätiges Unternehmen, das auf die Herstellung und den Vertrieb von Möbelbeschlägen spezialisiert ist. Die Hauptproduktgruppen sind Klappen-, Scharnier- und Auszugsysteme für Möbel, vorwiegend in Küchen. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Höchst, einer Gemeinde im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Blum ist bis heute ein familiengeführtes Unternehmen (Herbert Blum 26 %, Gerhard E. Blum 26 %, Blum Privatstiftung 48 %). Bei Blum arbeiten weltweit 6.608 Mitarbeiter – davon 5.012 in Vorarlberg. Zum Unternehmen zählen sieben Werke in Vorarlberg (Österreich), Produktionsstandorte in Polen, Brasilien und den USA sowie 27 Tochtergesellschaften bzw. Repräsentanzen weltweit. Die Lieferung erfolgt an Möbelhersteller und Beschlagfachhändler in über 120 Ländern.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firmen-Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julius Blum aus Höchst gründete am 1. März 1952 das Unternehmen und stellte als erstes Produkt Hufstollen, eine Art „Spikes“ für Pferde, her. Der gelernte Hufschmied befestigte diesen Gleitschutz an den Hufeisen der Pferde und machte ihre Fortbewegung so sicherer. Der Einzug von Traktoren in die Landwirtschaft zwang Julius Blum in den folgenden Jahren, neue Geschäftsfelder zu suchen. In der Schweiz fand er einen Hersteller von Fenster-, Tür- und Schrankbeschlägen, für deren Produktion er die richtigen Maschinen hatte. Julius Blum erhielt 1964 die Lizenz für die ANUBA-Band-Fertigung. Dies war auch gleichzeitig der Einstieg in die Möbelbeschlagbranche. Die ersten Exporte wurden 1965 getätigt. Bald darauf folgte die Gründung der ersten Auslandsvertretungen. Heute beliefert der österreichische Beschlägehersteller mehr als 120 Länder.

Produkt-Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blum produzierte mit dem ANUBA-Band den ersten Möbelbeschlag und vertrieb diesen in Österreich. Im Jahr 1964 wurde mit der Produktion des ersten Blum-Scharniers der Beginn der Fertigung von verdeckten Möbelscharnieren im Unternehmen eingeleitet, ein Jahr darauf nahm das Unternehmen die ersten Exportgeschäfte außerhalb Österreichs auf. 1966 führte Blum Rollschubführungen für Schubladen als weitere Produktsparte in das Produktionsprogramm ein. Seit dem Jahr 1970 gibt es bei Blum eine eigene Lehrlingsausbildung. 1977 kam das erste verdeckte Führungssystem für Schubladen aus Holz auf den Markt. 1985 entwickelte Blum das erste Scharnier, das werkzeuglos montiert werden konnte. 2001 wurde ein Dämpfungssystem für das Schließen von Möbeln präsentiert. Für den Oberschrankbereich gibt es seit 2005 verschiedene Klappenbeschläge. Im selben Jahr brachte Blum eine mechanische Lösung für das Öffnen von grifflosen Fronten auf den Markt. Im Jahr 2006 wurde das Blum-Programm durch eine elektrische Variante ergänzt. Die neueste Scharniergeneration mit integrierter Dämpfung ist seit 2009 erhältlich und seit 2011 steht ein Boxsystem mit geraden Seitenwänden zur Verfügung.[4][5]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Produktionsstandorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Julius Blum GmbH produziert hauptsächlich im österreichischen Bundesland Vorarlberg, wo das Unternehmen in der Rheindeltagemeinde Höchst auch seinen Verwaltungshauptsitz hat. In Vorarlberg stehen derzeit sieben Werke, wovon sich die Werke 1 bis 3 in Höchst befinden. Werk 4 ist in Bregenz, Werk 5 in Fußach, Werk 6 in Gaißau und Werk 7 in Dornbirn situiert. Baubeginn für das neue Werk 8 (Stahlwerk in Dornbirn) war im Sommer 2015. In den Werken werden Scharnier-, Klappen- und Auszugsysteme für den weltweiten Markt entwickelt und produziert.

Außerhalb Österreichs wird zudem in den Vereinigten Staaten, Polen und in Brasilien produziert. Der Standort in den USA befindet sich in Lowesville im Bundesstaat North Carolina. In Brasilien ist Blum in Embu im Bundesstaat São Paulo mit einem Werk vertreten. Seit 2006 hat der Beschlägehersteller aus Höchst auch in Jasin/Swarzędz in Polen einen Standort.[6]

Vertriebsstandorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blum unterhält heute weltweit 27 Tochtergesellschaften bzw. Repräsentanzen.
Gelistet nach ihrem Gründungsjahr:

  • 1977: Blum Schweden, Blum USA
  • 1978: Blum Kanada
  • 1981: Blum Deutschland
  • 1987: Blum UK
  • 1989: Blum Norwegen
  • 1991: Blum Frankreich
  • 1992: Blum Polen
  • 1993: Blum Tschechien
  • 1994: Blum Ungarn
  • 1995: Blum Rumänien
  • 1996: Blum Türkei
  • 1997: Blum Australien, Blum Russland
  • 1998: Blum Brasilien
  • 2001: Blum Süd-Ost-Asien
  • 2002: Blum China
  • 2005: Blum Ukraine
  • 2006: Blum Hongkong[5]
  • 2007: Blum Mexiko[5]
  • 2008: Blum Kasachstan[7], Blum Vietnam
  • 2009: Blum Indien
  • 2010: Blum Neuseeland
  • 2011: Blum Nordafrika, Blum Portugal
  • 2012: Blum Griechenland[8]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blum produziert Klappen-, Scharnier- und Auszugsysteme für Möbel, vorwiegend in Küchen aber auch für andere Wohnbereiche. Neben den reinen Beschlaglösungen bietet das Unternehmen elektrische und mechanische Bewegungstechnologien für das Öffnen und Schließen von Möbeln an. Blum hat für seine Produkte auch entsprechend abgestimmte Verarbeitungshilfen im Programm.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit hält Blum rund 1200 Schutzrechte, 2014 wurden dem Unternehmen durch das Österreichische Patentamt 52 Patente[9] und Gebrauchsmuster erteilt. Im Erfinder-Ranking liegt das Unternehmen österreichweit an zweiter Stelle. Rund vier Prozent des Jahresumsatzes von Blum fließen in Forschung und Entwicklung. Dort sind rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Der Beschlägehersteller erhielt 2013 den European Inventor Award des Europäischen Patentamtes (EPA).[10][11] Unter anderem wurden viele Produkte mit dem Red Dot Design Award, dem German Design Award und dem iF Product Design Award ausgezeichnet.

Lehrlingsausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehrberuf Maschinenbautechniker

Blum führte im Jahr 1970 eine eigene Lehrlingsausbildung nach dem System der dualen Ausbildung ein. Das bedeutet, dass die Lehrlinge parallel in Betrieb und Berufsschule ausgebildet werden.
Die Ausbildung der Lehrlinge erfolgt je nach Berufszweig in einem der Vorarlberger Werke. Bei Blum USA wurde eine eigene Lehrlingsausbildung nach österreichischem Vorbild eingerichtet. Regelmäßig nehmen Lehrlinge von Blum an internationalen Wettbewerben, wie zum Beispiel an den „WorldSkills“ (Berufs-Weltmeisterschaften), teil.[12][13][14] Es werden aktuell im Unternehmen Lehrlinge in acht verschiedenen technischen Lehrberufen ausgebildet und die Ausbildung dauert je nach Lehrberuf 3,5 bis 4 Jahre.[15]

Im September 2015 begannen 82 neue Lehrlinge ihre Ausbildung, womit fortan derzeit insgesamt 298 Lehrlinge bei Blum in Ausbildung stehen.[16]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2015 begründete die Julius Blum GmbH zusammen mit neun anderen Vorarlberger Unternehmen das „Klimaneutralitätsbündnis 2025“ mit dem Ziel, ihre gesamten Aktivitäten bis zum Jahr 2025 zu 100 Prozent klimaneutral zu gestalten.[17]

Blum arbeitet, nebst eigenen Test- und Prüfvorschriften, auch mit externen Prüfinstitutionen und -organisationen zusammen, wie beispielsweise ISO 9001, Bureau Veritas, Institut technologique FCBA, Deutsche Gütegemeinschaft Möbel, TÜV Rheinland LGA, American National Standards Institute ANSI und FIRA.

Im Jahr 1997 führte Blum ein Umweltmanagementsystem ein. Blum investiert in diverse Umweltmaßnahmen wie beispielsweise Photovoltaikanlagen oder Wärmerückgewinnung aus Produktionsprozessen.[18] Blum verfügt über einen eigenen Gleisanschluss beim Werk 7.[4] Darüber wickelt das Unternehmen den Großteil seiner Versandtätigkeit zu den großen Seehäfen per Bahn ab.[19] Blum ist seit 1997 nach ISO 14001 und seit 2012 nach ISO 50001 zertifiziert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Unternehmenswebseite: Daten und Fakten zum Wirtschaftsjahr 2014/2015
  2. Hermann Simon erwähnt die Julius Blum GmbH in seinem gleichnamigen Buch als Beispiel für einen „Hidden Champion“. (Hermann Simon: Hidden Champions des 21. Jahrhunderts : Die Erfolgsstrategien unbekannter Weltmarktführer. Campus, Frankfurt a. M., 2007. ISBN 978-3-593-38380-4. S. 22.)
  3. Unternehmenswebseite: Daten und Fakten
  4. a b vol.at: Countdown in Blum-Werk 7 5. August 2009.
  5. a b c Unternehmenswebseite: Heute Innovationen, morgen Standard
  6. Unternehmenswebseite: Produktionsstandorte
  7. vol.at: Blum erweiterte Standort in Russland 24. Oktober 2007
  8. vol.at: Beschlägehersteller Blum übernahm griechische Vertretung 26. März 2012
  9. Wirtschaftsblatt (Online-Version): AVL List und Blum mit größtem Erfindergeist 11. April 2013
  10. epo.org: Industry: Claus Hämmerle and Klaus Brüstle 24. Mai 2013
  11. advantageaustria.org: European Inventor Award 2013 goes to Julius Blum GmbH from Austria 19. Juni 2013
  12. Wirtschaftszeit.at: Drei Blum-Lehrlinge für Berufsweltmeisterschaft 2009 qualifiziert (2009) – Nicht erreichbar 11. April 2016.
  13. Wirtschaftszeit.at: Ausbildung auf Top Niveau - die Lehre in der Vorarlberger Industrie – Nicht erreichbar 11. April 2016.
  14. vem.at: 4 Blum-Lehrlinge zu den WorldSkills 2011 in London (2011) – Nicht erreichbar 11. April 2016.
  15. Lehre bei Blum (Unternehmens-Microsite): Welche Lehrberufe gibt es bei Blum?
  16. 82 Lehrlinge haben jetzt ihre Ausbildung bei Blum begonnen (2. September 2015)
  17. Vorarlberger Unternehmen gründen Klimaneutralitätsbündnis (9. Januar 2015)
  18. Wirtschaftsblatt (Online-Version): Beschlägehersteller Blum wächst im Überseegeschäft 12. Juli 2013.
  19. orf.at: Ressourcencenter mit neuem Bahnanschluss 9. Oktober 2009.