Swarzędz

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Swarzędz
Wappen von Swarzędz
Swarzędz (Polen)
Swarzędz
Swarzędz
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Posen
Fläche: 8,20 km²
Geographische Lage: 52° 24′ N, 17° 4′ OKoordinaten: 52° 24′ 0″ N, 17° 4′ 0″ O
Einwohner: 31.004
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 62-019 und 62-020
Telefonvorwahl: (+48) 61
Kfz-Kennzeichen: POZ, PZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BerlinWarschau
Schienenweg: Warschau–Posen
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 19 Schulzenämter
Fläche: 102,00 km²
Einwohner: 47.526
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 466 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3021163
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeisterin: Anna Tomicka
Adresse: Rynek 1
62-020 Swarzędz
Webpräsenz: www.swarzedz.pl



Swarzędz [ˈsfaʐɛnt͡s] (deutsch Schwersenz, 1940–1943 Schwaningen) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Großpolen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt an der polnischen Autobahn A2, etwa zehn Kilometer östlich der Stadt Posen (Poznań).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwersenz östlich der Stadt Posen auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Die erste urkundliche Erwähnung einer Siedlung an der Stelle des heutigen Swarzędz stammt aus dem Jahr 1366. 1377 wird erwähnt, dass sich in der Siedlung eine Pfarrei befindet. Auf Grund der günstigen Lage an dem Weg von Posen nach Masowien entwickelte sich der Ort gut. Ursprünglich war die Siedlung in Privatbesitz der Familie Łodzia, ab dem 15. Jahrhundert gehörte sie der Familie Górka. Als Andreas Górka 1592 verstarb, kam die Ortschaft an dessen Schwiegersohn Peter Czarnkowski. Im 17. Jahrhundert gehörte sie der Familie Grudzinski.[2]

Die Grudzinskis boten Protestanten Schutz, die sich hier ansässig machten. Als im Sommer 1616 fanatisierte Jesuitenschüler und der Pöbel die evangelischen Kirchen in Posen zerstört hatten,[3] wandten sich viele Posener Protestanten nach Schwersenz, nicht wenige Reichere zogen nach Lissa.[2] Im Jahr 1621 wurde Juden aus dem Ghetto in Posen Zugang zum Stadtgebiet gewährt.

Am 23 August 1683 erhielt die Ortschaft Stadtrecht, jedoch nicht vom König, sondern auf dem Kurniker Schloss von einem Grudzinski.[2] Im 17. Jahrhundert entstanden Zünfte der Händler und Handwerker. 1793, während der Zweiten Teilung Polen-Litauens, kam die Stadt mit inzwischen 2.508 Einwohnern unter preußische Herrschaft. 1798 lebten in der Stadt 448 Handwerker, davon 70 Tuchmacher und 36 Leinweber. 1807 wurde Schwersenz Teil des Großherzogtums Warschau, mit dessen Auflösung 1815 fiel die Stadt wieder an Preußen, wo sie bis 1887 zum Landkreis Posen, anschließend bis 1918 zum Landkreis Posen-Ost im Deutschen Reich gehörte.

Ende des 19. Jahrhunderts blühte das Tischlerhandwerk auf. 1887 erhielt der Ort Anschluss an das Schienennetz von Posen nach Wreschen und damit, neben der Straße von Warschau nach Posen, einen weiteren wichtigen Verkehrsanschluss.

1919, nach dem Ersten Weltkrieg, musste Schwersenz aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden. 1939 wurde die Stadt im Rahmen des Polenfeldzugs von der deutschen Wehrmacht besetzt. Anschließend wurde das Kreisgebiet Posen-Ost einschließlich der Stadt wieder dem Deutschen Reich einverleibt. Im Dritten Reich gab es hier von 1941 bis 1943 ein Arbeitslager für Juden. Von 1941 bis 1944 existierte das Sammellager Schwaningen des Arbeitsgaues III (Wartheland-West) des Reichsarbeitsdienstes.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eroberte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Stadt Schwersenz. Nach Kriegsende übergaben die Sowjetbehörden die Stadt der Verwaltung der Volksrepublik Polen. In der Folgezeit wurden die deutschen Einwohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus der Stadt vertrieben.

Die Stadt besitzt heute einen Sportflugplatz, der vom Posener Fliegerverein Wanda Modlibiowska betrieben wird. Im Ort haben sich unterschiedliche Unternehmen angesiedelt, vor allem für Tischler- und Polsterarbeiten. Ein Radweg von Posen durch das Naturschutzgebiet Dębiniec nach Pobiedziska führt durch die Stadt.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1793: 2.508
  • 1800: 2.430, davon 1.277 Juden (Mehrheit der Einwohner)[2]
  • 1843: 3.013[2]
  • 1861: 3.083[2]
  • 1875: 2.923[4]
  • 1880: 2.930[4]
  • 1890: 3.155, davon 1.055 Evangelische, 1.628 Katholiken und 472 Juden[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche der Mutter Gottes in Swarzędz
  • Es gibt das Freilichtmuseum „Prof.-Ryszard-Kostecki“, das sich mit der Bienenzucht aus ganz Europa befasst.
  • Im der Gemeinde zugehörigen Ort Uzarzewo befindet sich ein Park aus dem 19. Jahrhundert mit einem 1860 bis 1865 errichteten Hof. In diesem befindet sich ein Jagdmuseum.
  • Im Dorf Wierzenica befindet sich die hölzerne St. Nikolaus, der aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts stammt. Bei der Kirche befindet sich das Grab von August Cieszkowski (1814–1894). Weiterhin befindet sich in der Nähe des Dorfes ein Friedhof mit Gräbern aus der Bronzezeit.
  • die Kirche des heiligen Martin in Swarzędz (18. Jahrhundert)
  • Kirche des Erzengels Michael in Uzarzewo

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Swarzędz hat eine Fläche von 93 km², auf denen über 38.000 Menschen in 20 Ortschaften leben. Dazu gehören:

Name deutscher Name
(1815–1918)
deutscher Name
(1939–1945)
Bogucin Hammer Thorshammer
Garby Garby Buckelfelde
Gortatowo Gortatowo Eberbach
Gruszczyn Gruszczyn
1906–1918 Heinrichswerder
Heinrichswerder
Janikowo Janikowo Wiesengrund
Jasin Jasin Ebenfeld
Karłowice Vorwerk Karlowitz Wittenau
Kobylnica Kobelnitz 1939–1943 Roßgarten
1943–1945 Kobelnitz
Kruszewnia Kruszewnia 1939–1943 Ludendorf
1943–1945 Ludendorff
Łowęcin Lowencin
1906–1918 Lowentschin
Jägerslust
Mechowo Mechowo Moostal
Nowa Wieś Poznańska Neudorf bei Schwersenz
1906–1918 Neudorf
Neuhausen
Paczkowo Paczkowo
1906-1918 Osthausen
Osthausen
Puszczykowo-Zaborze Puszczykowo-Zaborze
1906–1918 Karlskrone
Karlskrone
Rabowice Rabowice Reizenstein
Sarbinowo Sarbinowo Siewershausen
Sokolniki Gwiazdowskie Sokolniki Gwiadowskie
1906–1918 Falkenstern
Falkenstern
Swarzędz Schwersenz 1939–1943 Schwaningen
1943–1945 Schwersenz
Święcinek Vorwerk Swiencinek Vorwerk Soldan
Uzarzewo Gut Usarzewo Soldanshof
Wierzenica Wierzenica Oberbrunn
Wierzonka Wierzonka Waldhof
Zalasewo Zalasewo Reichelsfelde

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Florenty von Lisiecki (1810–1875), deutsch-polnischer Jurist, Abgeordneter der Preußischen Nationalversammlung, * in Wierzenica
  • Paulina Wilkońska (1815–1875), polnische Schriftstellerin
  • Philipp Jaffé (1819–1870), deutscher Historiker
  • Simon Baruch (1840–1921), deutsch-amerikanischer Arzt und Pionier der Hydrotherapie
  • Erich Ludendorff (1865–1937), deutscher General und Putschist, * in Kruszewnia
  • Robert Siewert (1887–1973), deutscher Politiker und Widerstandskämpfer
  • Graf August Cieszkowski (1814–1894), polnischer Geschichtsphilosoph und politischer Aktivist, † in Wierzenica
  • Andrzej Fischer (* 1952), polnischer Fußballspieler

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 451–452.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Swarzędz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d e f Wuttke (1864), S. 451–452.
  3. Wuttke (1864), S. 405.
  4. a b c http://www.geschichte-on-demand.de/pos_posenost.html