Kästle (Unternehmen)

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Kästle GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1924
Sitz Headquarters: Hohenems, Österreich;

Produktion: Vorarlberg

Leitung Mehrheitseigentümer: ConsilSport
Umsatz 6 Mio. EUR (2013)[1]
Branche Sportartikelhersteller
Website www.kaestle-ski.com

Die Kästle GmbH ist ein österreichischer Skihersteller. Als eines der traditionsreichsten Unternehmen der Branche ist Kästle seit 1924 in der Produktion von Wintersportartikeln tätig. Gefertigt wurden die ersten Paar Kästle-Ski 1924 von Wagnermeister Anton Kästle im Vorarlberger Hohenems. Ihre Hochblüte erlebte die Marke mit Rennläufern wie Toni Sailer in den 1950er- und Pirmin Zurbriggen in den 1980er-Jahren. Nachdem sie 1999/2000 vom Markt verschwunden war, wurde die Marke von neuen Eigentümern 2007 in Wels wiederbelebt. Die größten Märkte des österreichischen Skiherstellers sind die USA und Österreich, gefolgt von Frankreich, der Schweiz und Norwegen.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Alpinskis von Kästle mit dem Logo in einer Skihütte in Mitterbach am Erlaufsee

1924 produzierte der Vorarlberger Anton Kästle in der väterlichen Wagnerei in Hohenems die ersten Ski aus Vollesche. Fünf Jahre später begann er mit der Herstellung erster Kleinserien. Ende der 1930er Jahre stellte Kästle den Arlberg-Ski vor, einen hochwertigen Ski, der bei Spitzenskiläufern schnell Anklang fand. In den Kriegsjahren musste die Produktion wegen Rohstoffmangels eingestellt werden. 1946 erfolgte die Beschlagnahmung des Betriebes durch die Alliierten und 1947 kam es zur Wiederaufnahme aller Produktionszweige.

1950/60er Jahre – Internationale Bekanntheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Kästle Areal in Hohenems

International bekannt wurde Kästle in den 1950er Jahren, als Trude Jochum-Beiser bei den alpinen Weltmeisterschaften 1950 in Aspen die erste Goldmedaille auf Kästle-Skiern erreichte. Bei den Olympischen Winterspielen 1952 in Oslo konnten Kästle-Athleten weitere drei Goldmedaillen einfahren. Die Spiele in Cortina brachten weitere 20 Medaillen für Kästle – unter anderem zwei Goldmedaillen durch Toni Sailer.

Auch in der Entwicklung setzte Kästle zu dieser Zeit Maßstäbe in der Skiindustrie. So wurde in den 1960er Jahren beispielsweise ein neues Skibauprinzip entwickelt, welches unter der Abkürzung CPM (Compound Plastic Metal) bekannt wurde.

1968 wurde die Vorarlberger Skifabrik Anton Kästle, wie das Unternehmen damals hieß, von Pepi Fischer und dessen Schwester Selma Sturmberger, den Eigentümern der österreichischen Skifabrik Fischer, erworben.

1970/80er Jahre – Erfolge im Skiweltcup[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktion wurde 1970 auf 300.000 Paar Ski erhöht und der Österreicher Karl Cordin siegte im Abfahrtsweltcup auf Kästle. Die Umbenennung von „Skifabrik Kästle“ zu „Kästle Ges.m.b.H“ erfolgte 1972. Vier Jahre später wurde das neue Markenzeichen – die bekannten „double arrows“ – eingeführt. Mit sieben Medaillen war Kästle bei den Alpinen Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen 1978 die erfolgreichste Skimarke. Im darauf folgenden Jahr wurde, speziell für Hochalpinisten, mit dem „Tour Randonnée“ der leichteste Ski der Welt (2,65 kg pro Paar bei einer Länge von 180 cm) präsentiert.

1980 gewann Kästle durch den Liechtensteiner Andreas Wenzel zum ersten Mal den Gesamtweltcup der Herren. 1984 folgte der zweite Sieg im Gesamtweltcup durch den Schweizer Pirmin Zurbriggen, der Kästle 1985 in Bormio und bei der WM 1987 in Crans-Montana/Schweiz zweimal in Folge zum Doppelweltmeister krönte. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary errangen Sportler auf Kästle-Skiern vier Gold-, sechs Silber- und sechs Bronzemedaillen. Zudem gewann Pirmin Zurbriggen in diesem Jahr zum dritten Mal den Gesamtweltcup.

Am 19. Oktober 1988 verstarb der Gründer von Kästle, Anton Kästle sen.

In den 1970er, 1980er und 1990er Jahren waren Skirennläufer wie Maria und Irene Epple, Hubert Strolz und Anita Wachter auf den Skiern der Firma erfolgreich.

Übernahme durch Benetton[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen Einschnitt in der Geschichte von Kästle stellte 1991 die Übernahme der Firma durch Benetton-Sportsystem, ein Tochterunternehmen des italienischen Bekleidungsunternehmens, dar. Kästle wurde in eine Aktiengesellschaft umgeformt und erhielt eine deutliche Aufstockung im Forschungs- und Entwicklungsbudget. Mit Nordica-Skischuhen, welche ebenfalls zu Benetton-Sportsystem gehören, wurde erstmals ein Komplettpaket für den Skifahrer angeboten. Der Produktionsstandort in Hohenems wurde 1996 stillgelegt. Die letzten Rennerfolge mit Kästle-Skiern wurden 1997 bei den alpinen Skiweltmeisterschaften in Sestriere erzielt, als Kjetil André Aamodt und Tom Stiansen zwei Goldmedaillen errangen. Mit der Präsentation einer Nordica-Skikollektion 1999 wurde die Marke Kästle stillgelegt. Nordica wurde zum direkten Nachfolger Kästles.

2000er Jahre – Neuer Investor (2007)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2007 erwarb eine österreichische Investoren-Gruppe um die Cross Industries AG die weltweiten Markenrechte an Kästle von der Benetton Group. Kästle-Skier wurden nun wieder in Österreich entwickelt und produziert. Im Winter 2007/08 brachte Kästle die „Comeback-Kollektion“ bestehend aus vier Skimodellen auf den Markt.[3][4] Vor allem Freerider und Tourenski beflügelten den Absatz von Kästle.[5] Im Winter 2007/08 wurde im Museum Huber-Hus in Lech eine Sonderausstellung gezeigt, die einen Rückblick auf die Entwicklung der Marke seit 1924 lieferte. Seit der Wintersaison 2008/2009 befindet sich die Ausstellung als Kästle-Museum in der Bergstation der Rüfikopf Seilbahn. 2008 wurde die Produktpalette ausgeweitet. Ab jetzt gibt es acht Modelle.

2010er Jahre – Expansion am amerikanischen Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 übersiedelt die Firmenzentrale von Wels ins Gusswerk-Areal in Salzburg Kasern. Seitdem sind Produktentwicklung, Marketing, Logistik und Customer Service an diesem Standort vereint.[6] Während das Unternehmen in Österreich nur einen Marktanteil von 1,7 Prozent hatte, sah man Wachstumspotential in den USA. Daher wurde 2013 der US-amerikanische Freerider Chris Davenport als Miteigentümer ins Boot geholt und hält seitdem 5 Prozent an der Skimarke. Der zweifache Weltmeister im Extrem-Skifahren arbeitet außerdem an der Produktentwicklung mit.[1]

Die Ski-Produktion erfolgt ausschließlich bei Sportartikelherstellern in Österreich. Seit Mitte 2015 ist der Hauptsitz wieder zurück in Hohenems. Im ehemaligen Stammhaus sind die Geschäftsführung samt Verwaltung und Marketing sowie die Entwicklung angesiedelt.

Im März 2018 bekam Kästle mit der tschechischen Firma ConsilSport eine neue Mehrheitseigentümerin. Tomas Nemec, Gründer und Eigentümer von ConsilSport, verstärkt dabei mit seinem Engagement die Finanzkraft von Kästle und bringt eine langjährige Erfahrung in den Bereichen Produktion und internationaler Vertrieb mit.

Kästle-Athleten und sportliche Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche bekannte Skifahrer haben mit Kästle-Skis Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften eingefahren. Derzeit sind Chris Davenport, Sasha Schmid, Giulia Monego, Lorraine Huber und Griffin Post offizielle Kästle-Athleten. In der Vergangenheit zählten unter anderem Pirmin Zurbriggen, Toni Sailer, Pepi Stiegler, Bill Kidd, Kjetil André Aamodt, Reinhold Messner und Tom Stiansen zu den Kästle Athleten. [7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Kaestle in der Nische etabliert auf vorarlbergernachrichten.at
  2. neuer Umsatzrekord auf vorarlbergernachrichten.at
  3. Kästle kehrt auf den Ski-Markt zurück. In: Skiinfo.de. 23. August 2007, archiviert vom Original am 28. September 2007; abgerufen am 4. Januar 2015.
  4. Kästle – eine Legende kehrt zurück. In: Vorarlberg Online. 2. Dezember 2007, abgerufen am 4. Januar 2015.
  5. Ski-Marke "Kästle" wird wiederbelebt. In: Der Standard. 9. Oktober 2007, abgerufen am 5. Januar 2015.
  6. Ines Trajceski: Unternehmen Kästle geht nach Salzburg. In: Bezirksrundschau. 25. September 2012, abgerufen am 5. Januar 2015.
  7. Kästle Pro Team, Kästle Webseite