Kölsche Kippa Köpp

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Kölsche Kippa Köpp
(KKK)
Zweck: Traditions- und Brauchtumspflege des Kölner Karnevals
Vorsitz: Aaron Knappstein (Vorsitzender)[1]
Gründungsdatum: 2017
Sitz: Köln
Website: kippakoepp.koeln

Kölsche Kippa Köpp (KKK) ist ein jüdischer Karnevalsverein in Köln.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde im November 2017 gegründet.[2][3] Er ist der erste jüdische Karnevalsverein in Köln nach dem Zweiten Weltkrieg[4] und wahrscheinlich auch der erste in ganz Deutschland[5][6] oder gar weltweit.[7]

Der Name des Vereins setzt sich zusammen aus Kölsche (im Kölner Dialekt die Bezeichnung für Kölner), dem Begriff der jüdischen männlichen Kopfbedeckung Kippa und Köpp, das auch der kölschen Mundart entspringt und „Köpfe“ bedeutet. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, der die Gründung des Vereins unterstützte,[8] meinte zur Neugründung: „Der jüdische Karneval hatte vor dem Krieg seinen festen Platz im kölschen Fastelovend. Es ist gut, dass auch diese Nische wieder besetzt ist.“[9]

Der erste Präsident der KKK, Aaron Knappstein, erläuterte: „Ganz wichtig ist uns die Bewahrung der Tradition: Damals waren Juden im Karneval aktiv, haben mit Nichtjuden gefeiert. Und jetzt sind sie wieder da. Ich finde, so eine Normalität zu zeigen, hilft immer. Dass Juden nicht nur vorkommen, wenn es Übergriffe gibt, sondern auch wenn gefeiert wird.“[5] Er betonte, dass der Verein mit der Gründung den Karneval auch wieder in das Judentum hinein tragen wolle, weil die Mehrheit der Gemeindemitglieder in Köln aus der ehemaligen Sowjetunion stamme, wo Karneval unbekannt war.[5] Die Mitglieder setzen sich aus Teilen der liberalen Gemeinde, der orthodoxen Juden und der säkularen Juden zusammen[5] und präsentieren damit das breite Spektrum des Judentums. Zudem erklärte er: „Kölner Juden waren immer Teil des vielfältigen karnevalistischen Lebens, aber lange Zeit nicht sichtbar. Mit den Kölschen Kippa Köpp möchten wir dies ändern und gleichzeitig auch den Fastelovend wieder stärker in die jüdische Gemeinde tragen.“[10][11]

Im Februar 2019 hatte der Verein zwölf Mitglieder.[12][13] Die Mitgliedschaft im KKK steht auch Menschen offen, die nicht jüdischen Glaubens sind.[14]

Das Logo der Kölschen Kippa Köpp besteht aus drei großen ineinander verwobenen „K“, dem Kölner Wappen und dem Wappen des ehemaligen Vereins Kleiner Kölner Klub und wird vom Schriftzug Kölsche Kippa Köpp e.V. vun 2017 sowie einer Umschrift von „Kölsche Kippa Köpp“ in hebräischen Schriftzeichen umrandet.[2] Die Mitglieder tragen blau-weiße Krätzchen. Wenn man diese aufklappt, sind auf rotem Grund ein Davidstern und ein siebenarmiger Leuchter zu sehen. Daneben steht der hebräische Text eines Gebetes für Menschen, die auf Reisen sind.[15]

Am Karnevalssonntag, dem 3. März 2019, gab es die erste Veranstaltung in Räumen der Kölner Synagogengemeinde.[13]

Geschichte und Tradition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der KKK sieht sich in der Tradition des jüdischen Kleinen Kölner Kegelklubs (ebenfalls KKK)[8], der 1922 ins Leben gerufen wurde und im Ursprung tatsächlich ein Kegelverein war. Daraus entwickelte sich ein Karnevalsverein, der sich in Kleiner Kölner Klub[16] umbenannte. Gründer und Präsident war der Textilgroßhändler Max Salomon, der selbst in der Bütt auftrat; seine bekannteste Figur war die „Kölsche Marktfrau“. Er wanderte 1939 in die USA aus und veranstaltete in Los Angeles „Rheinische Abende“.[17][18] Der andere Gründer Willi Salomon emigrierte nach Palästina.[5] Vermutlich war die damalige Gründung eines jüdischen Karnevalsvereins in Köln auch eine Reaktion darauf, dass einige andere Karnevalsvereine ab den 1920er Jahren keine jüdischen Mitglieder mehr aufnahmen.[17] Der Verein war in Köln so etabliert, dass regelmäßig das Kölner Dreigestirn aus Prinz, Bauer und Jungfrau die Sitzungen des KKK besuchte.[5] Allein im Jahr 1928 organisierte der Klub mehrere Sitzungen und einen Festball. Bis 1930 sind öffentliche Veranstaltungen des KKK bekannt, in den Folgejahren waren öffentliche Saalveranstaltungen aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation verboten. Der Historiker Marcus Leifeld nimmt an, dass sich die Mitglieder ab 1933 nur noch intern trafen.[19] Mindestens drei Mitglieder des KKK emigrierten, mindestens zwei wurden deportiert und ermordet.[20]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder der „Köpp“ sind auch in anderen Karnevalsgesellschaften aktiv: Die vier Vorstandsmitglieder gehören zum Beispiel den Blauen Funken, der StattGarde Colonia Ahoj und der K.G. Alt-Köllen vun 1883 an.[3] Sie besuchen als Gruppe auch Karnevalssitzungen von anderen Karnevalsvereinen.[5]

Als erste eigene Veranstaltung des neuen „KKK“ fand ein karnevalistischer Frühschoppen unter dem Motto „Falafel und Kölsch“ am Karnevalssonntag 2019 statt,[21] mit anschließender Führung durch die Synagoge Köln.[4]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Kölner Musiker Rolly Brings widmete mit dem Lied "Shalom, Alaaf" den Kölschen Kippa Köpp eine eigene Hymne.[22][23][24]
  • Am 12. November 2021 wurde am Humboldt-Gymnasium im Kölner Stadtteil Altstadt-Süd ein Weg, der in der Nähe der damaligen Wohnung von Max Salomon liegt, nach dem ehemaligen Karnevalsverein in Kleiner-Kölner-Klub-Weg benannt.[25][26][27]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marcus Leifeld: Der Kölner Karneval in der Zeit des Nationalsozialismus. Vom regionalen Volksfest zum Propagandainstrument der NS-Volksgemeinschaft. Hrsg.: Werner Jung (= Schriftenreihe des NS-Dokumentationszentrums. Nr. 18). Emons, 2015, ISBN 978-3-95451-405-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mit Kölsch und Kippa Jüdische Allgemeine
  2. a b „Kölsche Kippa Köpp“ Jüdischer Karnevalsverein in Köln gegründet. In: express.de. 4. Februar 2019, abgerufen am 8. Februar 2019.
  3. a b Jüdischer Karnevalsverein in Köln gegründet. In: tachles.ch. Abgerufen am 6. Februar 2019.
  4. a b Monika Salchert: Kölsche Kippa Köpp: Jüdischer Karnevalsverein in Köln gegründet. In: ksta.de. 4. Februar 2019, abgerufen am 6. Februar 2019.
  5. a b c d e f g Christoph Driessen: Den Davidstern unter der Karnevalsmütze. In: rnz.de. 8. Februar 2019, abgerufen am 8. Februar 2019.
  6. Michael Rubinstein: Selbstredend jeck. In: juedische-allgemeine.de. 28. Februar 2019, abgerufen am 2. März 2019.
  7. Judentum und Karneval: Die "Kölsche Kippa Köpp". In: dw.com. 27. Februar 2019, abgerufen am 2. März 2019.
  8. a b Jüdischer Karnevalsverein: Unbemerkt haben sich 2017 die „Kölsche Kippa Köpp“ gegründet. In: rundschau-online.de. 4. Februar 2019, abgerufen am 6. Februar 2019.
  9. Kölner Karnevalspräsident freut sich über jüdischen Verein. In: rtl.de. 8. Februar 2019, abgerufen am 8. Februar 2019.
  10. Mit Kölsch und Kippa. In: juedische-allgemeine.de. 4. Februar 2019, abgerufen am 6. Februar 2019.
  11. Judeus reavivam tradição de Carnaval apagada pelo nazismo. In: terra.com.br. 5. Februar 2019, abgerufen am 6. Februar 2019 (portugiesisch).
  12. Peter Maxwill: Jüdische Jecken – Warum diese Narren die "Kölsche Kippa Köpp" gegründet haben. In: https://www.spiegel.de/. 8. Februar 2019, abgerufen am 8. Februar 2019.
  13. a b Jüdische Jecken: Kippa Köpp, Alaaf!, Deutschlandfunk, 4. März 2018
  14. Kölner gründen ersten jüdischen Karnevalsverein seit der NS-Zeit. In: koeln.de. 5. Februar 2019, abgerufen am 6. Februar 2019.
  15. Die „Kölsche Kippa Köpp“: Den Davidstern unter der Karnevalsmütze. In: rnz.de. 8. Februar 2019, abgerufen am 8. Februar 2019.
  16. Nicola Wenge: Integration und Ausgrenzung in der städtischen Gesellschaft, Verlag Philipp von Zabern, 2006, ISBN 978-3-8053-3459-4, Seite 199 eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  17. a b Jüdischer Karnevalsverein: Unbemerkt haben sich 2017 die „Kölsche Kippa Köpp“ gegründet. In: rundschau-online.de. 4. Februar 2019, abgerufen am 6. Februar 2019.
  18. Daniela Sandner: jüdisch jeck. BoD – Books on Demand, 2017, ISBN 978-3-7448-1504-8, S. 90 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  19. Leifeld, Kölner Karneval, S. 277.
  20. Leifeld, Kölner Karneval, S. 278.
  21. Neuer jüdischer Karnevalsverein stellt sich in Köln vor. In: kirche-und-leben.de. 4. März 2019, abgerufen am 8. März 2019.
  22. Brings singen „Shalom, Alaaf“ für jüdische Jecken, Youtube-Kanal des WDR, abgerufen am 18. Februar 2021
  23. Shalom, Alaaf express.de
  24. "Shalom Alaaf": Cologne carnival music is becoming more political dw.com
  25. Amtsblatt der Stadt Köln. (PDF) In: Stadt-Koeln.de. 11. August 2021, S. 247, abgerufen am 11. August 2021.
  26. Zentrales Namensarchiv. (PDF) In: stadt-koeln.de. 6. August 2021, abgerufen am 11. August 2021.
  27. Köln benennt Straße nach früherem jüdischen Karnevalsverein. In: www1.wdr.de. 2. November 2021, abgerufen am 12. November 2021.