KZ Sachsenburg

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Blick auf das KZ Sachsenburg (1933)
Spinnfabrik unterhalb des Schlosses (2016)
Hof der Fabrik (2016)
KZ Sachsenburg - Denkmal (2016)
KZ Sachsenburg - Kleiner Gedenkstein (2016)
Spinnfabrik (2016)

Das KZ Sachsenburg war eines der ersten Konzentrationslager der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das KZ wurde Anfang Mai 1933 unterhalb des Schlosses Sachsenburg in der ehemaligen Spinnfabrik auf einer kleinen Halbinsel an der Zschopau, die von einem Mühlgraben begrenzt wurde, errichtet. 50 bis 60 Häftlinge, meistens Arbeiterfunktionäre aus Chemnitz, gehörten zu jenen, die im Mai 1933 dieses Lager errichten mussten. Dazu kamen noch 40 Häftlinge aus dem KZ Plaue, die man am 2. Mai 1933 nach Sachsenburg verlegt hatte. Ihre Bewachung erfolgte durch 25 SA- und SS-Leute. Kommandant war SA-Standartenführer Max Hähnel.

Das Konzentrationslager Colditz wurde am 31. Mai 1934 dem Konzentrationslager Sachsenburg unterstellt. Mit dessen Auflösung zum 18. August 1934 wurde ein Großteil der Häftlinge nach Sachsenburg überführt.

Hähnel wurde nach dem Röhm-Putsch festgenommen und das KZ Sachsenburg ab 13. August 1934 durch das SS-Sonderkommando Sachsen übernommen. Als Lagerkommandant folgte auf Hähnel zunächst von August 1934 bis Oktober 1934 Max Simon, danach kurzzeitig Karl Otto Koch, im November 1934 Alexander Reiner, im Dezember 1934 Walter Gerlach und als letzter Kommandant von April 1935 bis Juli 1937 Bernhard Schmidt.[1]

Von 1933 bis 1937 waren mindestens zweitausend Regimegegner eingesperrt. Sie mussten unter unmenschlichen Bedingungen schwere, erniedrigende Arbeiten verrichten, so schwerste Arbeit im nahegelegenen Steinbruch und beim Bau von Uferbefestigungen. „Während in der Literatur bislang von 2000 Lagergefangenen in Sachsenburg die Rede war, konnten inzwischen fast 6000 namentlich ermittelt werden.“[2] Das KZ Sachsenburg bestand bis zum 9. Juli 1937. Am 19. Juli 1937 wurden 146 Häftlinge anschließend in das inzwischen errichtete Konzentrationslager Buchenwald verlegt, wo sie beim Aufbau der Anlagen auf dem Ettersberg eingesetzt wurden. Weitere 70 folgten einen Tag später. Es folgten weitere Transporte, der letzte mit zwölf Schutzhaftgefangenen und einem „Vorbeugehäftling“ geschah am 9. September 1937 nach Buchenwald.

Nach unvollständigen Unterlagen, die 1945 im Gemeindeamt Sachsenburg vorlagen, wurden elf Häftlinge ermordet. Wie viele Menschen infolge der Misshandlungen starben, bleibt unbekannt. Im Ortswappen von Sachsenburg erinnert ein rotes Dreieck als Symbol an die politischen Häftlinge. Nach dem Krieg wurde eine Mahn- und Gedenkstätte errichtet.

Die Firma Tautenhahn erwarb am 1. März 1938 das Betriebsgelände zur Einrichtung einer neuen Spinnfabrik. In den 1950er Jahren wurde eine Gedenkausstellung in der Spinnfabrik eingerichtet. 1968 folgte ein Mahnmal mit der Steinplastik einer Häftlingsgruppe. Die nach 1945 weiter betriebene Spinnfabrik wurde 1990 nach der politischen Wende in der DDR geschlossen, damit wurde auch die darin erhaltene Gedenkstätte beseitigt und die Gedenkstätte 1993 aufgelöst.[3] Verblieben ist auf dem Grundstück nahe der Zschopau das verwitterte Mahnmal von 1968 dessen Inschrift lautet: „Und setzet ihr nicht das Leben ein - nie wird Euch das Leben gewonnen sein!“ Es existiert zudem ein Gedenkstein, der an die Lage des KZ erinnert. Dieser trägt die Inschrift: „KZ Sachsenburg // 1933 –1937 // Hier litten 2000 // Antifaschisten // Unter dem Terror // Des Faschismus“. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten unterstützt seit 1998 die Einrichtung einer regulären Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft.[4][5] Zumal auch die Ausstellung zum KZ im Schloss nicht mehr existiert ginge die Erinnerung verloren, wenn sich nicht Aktivisten für Gedenkveranstaltungen finden würden.[6][7]

Bekannte Häftlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Knorr: Sachsenburg. Dokumente und Erinnerungen. Hrsg. IVVdN e.V. (Interessenverband der Verfolgten des Naziregimes und ihrer Hinterbliebenen e. V.) 1994.
  • Thiemo Kirmse und Enrico Hilbert (Hrsg.): Sachsenburg Dokumente und Erinnerungen. VVN/BdA-Chemnitz 2009.
  • Tausend Kameraden Mann an Mann. Hrsg. SED Kreisleitung Hainichen (Erinnerungen ehemaliger Häftlinge).
  • Wolfgang Benz, Barbara Distel: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band II: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. München 2005, ISBN 3-406-52962-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Benz, Barbara Distel: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band II: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. München 2005, ISBN 3-406-52962-3, S. 196 f
  2. Fachworkshop in Frankenberg „Das NS-Konzentrationslager Sachsenburg“ – Ein Ergebnisbericht
  3. Benz, Diesel: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. Erklärung des Geschäftsführers Siegfried Reiprich zum 27. Januar 2012
  5. Freie Presse:Sachsenburg hofft auf Förderung In: Neues Deutschland, 21. August 2012. „Es war der Beginn der systematischen Vernichtung Andersdenkender: Kommunisten, Sozialdemokraten, Pfarrer, Zeugen Jehovas und Homosexuelle wurden nach Hitlers Ermächtigungsgesetz in Sachsenburg …“
  6. SPD Chemnitz: Gedenkveranstaltung beim ehemaligen Konzentrationslager Sachsenburg zur 75. Wiederkehr des ersten Lagerappells: „Es ist geschehen, also kann es wieder geschehen.“
  7. Ehrung Gedenken am KZ-Mahnmal. In: Blick.de - Mittelsachsen.
  8. http://www.unserebersdorf.de/Stadtteil-Ebersdorf/Persoenlichkeiten/

Koordinaten: 50° 55′ 56,5″ N, 13° 1′ 36,8″ O