Kapokbaum

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Kapokbaum
Kapok tree Honolulu.jpg

Kapokbaum (Ceiba pentandra)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Malvenartige (Malvales)
Familie: Malvengewächse (Malvaceae)
Unterfamilie: Wollbaumgewächse (Bombacoideae)
Gattung: Ceiba
Art: Kapokbaum
Wissenschaftlicher Name
Ceiba pentandra
(L.) Gaertn.
Brettwurzeln des Kapokbaums
Stacheliger Stamm des jungen Baumes
Kapokfrucht
Ceibaholz
Ceiba pentandra Blüten
Blätter von Ceiba pentandra

Der Kapokbaum (Ceiba pentandra), auch als Wollbaum bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Ceiba in der Unterfamilie der Wollbaumgewächse (Bombacoideae).

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kapokbaum ist ein mächtiger Baum mit schirmförmiger bis runder Krone der Wuchshöhen von über 60 Meter und einen Stammdurchmesser von über 3 Meter erreicht. Er kann über 500 Jahre alt werden.[1] Er ist einer der größten Bäume des tropischen Regenwaldes. Der Stamm ist jung grün-bräunlich und im Alter grau-bräunlich und er wird dann von hohen, breiten Brettwurzeln gestützt. In seiner Jugendzeit ist er dicht bedeckt mit spitzen, pyramidalen bis kegelförmigen Stacheln, die dann immer weniger werden.

Die langgestielten Laubblätter sind handförmig gefingert, mit bis zu 20 Zentimeter langen, kahlen, zugespitzten und verkehrt-lanzettlichen bis lanzettlichen, meist ganzrandigen, fünf bis neun, kurz gestielten Blättchen. Sie werden beim Beginn der Trockenzeit im Februar bis März abgeworfen. Zu dieser Zeit treiben die zumeist büschelweise an Zweigenden stehenden rosa, gelblich bis weißen zwittrigen und fünfzähligen, gestielten Blüten aus. Die Blüten öffnen sich nur Nachts, vom frühen Abend bis zum Morgen, und sie haben einen starken und unangenehmen Geruch aufgrund ihrer primären Fledermausblütigkeit (Blattnasen),[2] allerdings sind sekundär auch Motten, Bienen und Hummeln Bestäuber.[3] Der glockenförmige, vier- bis fünflappige Kelch ist grünlich, der fünfkammerige Fruchtknoten ist halbunterständig mit einem langen Griffel mit kopfiger Narbe. Die Staubblätter sind kürzer als der Griffel und haben zwei bis drei gewundene Antheren.

Die braunen, ledrigen, länglich-ellipsoiden und schwimmfähigen Früchte sind bis etwa 25 Zentimeter lange, sich entlang der Scheidewände öffnende Kapseln. Die über 100, etwa 5–6 Millimeter großen, rundlichen, schwärzlichen Samen liegen in einem Bett aus zahlreichen gräulich bis weiß-gelblichen, flaumigen Haaren. Die Haare entspringen dem Endokarp der Fruchtwand und dienen der Windausbreitung. Sie brechen bei der Fruchtreife von der Fruchtwand ab.[4]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 72, 80, 84 oder 88.[5][6]

Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden manchmal drei Varietäten unterschieden.[5]

  • Ceiba pentandra var. caribaea, in Südamerika und Westafrika, über 60 Meter hoch, Früchte kleiner und breiter sowie öffnend, mit Brettwurzeln und der Stamm hat kleine Stacheln.
  • Ceiba pentandra var. guineensis, in den Savannen Westafrikas, viel kleiner, bis 18 Meter hoch und ohne Brettwurzeln, Früchte öffnend.
  • Ceiba pentandra var. pentandra, der kultivierte Kapokbaum aus Westafrika und Asien, bis 30 Meter hoch, kleine oder keine Brettwurzeln und nicht öffnende Früchte mit helleren Fasern.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kapokbaum stammt ursprünglich aus dem tropischen Regenwald Mittel- und Nord-Südamerikas und verbreitete sich bis nach Westafrika. Allerdings könnte es auch umgekehrt sein und der Baum stammt aus West- und Zentralafrika. Mittlerweile ist er in den gesamten Tropen anzutreffen. Ceiba pentandra ist ein lichtbedürftiger Baum, der während der Regenzeit eine Niederschlagsmenge von rund 1000 bis 1500  mm benötigt. Er wächst bis in große Höhen von 4000 Metern.[4][5]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Kapokbaum wird u. a. Kapok gewonnen. Die Kapokfasern haben eine Länge von 10 bis 35 Millimeter und bestehen zu 64 % aus Cellulose und Hemicellulose. Aufgrund ihres Wachsüberzugs sind sie wasserabweisend und schlecht verspinnbar. Ein einzelner Baum liefert pro Jahr ungefähr 20 kg reine Fasern. Ohne weitere Behandlung können diese als Füllmaterial für Rettungsringe und Schwimmwesten oder als Polster- und Isoliermaterial genutzt werden.

Die Samen des Kapokbaums werden aufgrund ihres hohen Anteils an fettem Öl (Kapoköl) (bis zu 25 %) regional für die Herstellung von Seife oder Speiseöl verwendet, sie sind aber auch essbar. Aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung kommt der Kapok auch bei der Wundversorgung zum Einsatz.[4]

Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Mythologie der Maya von Yucatán stellt ein Kapokbaum die Axis Mundi oder den Weltenbaum dar, ähnlich der Weltenesche Yggdrasil in der nordischen Mythologie.[7]

In Erzählungen, die im peruanischen Amazonastiefland verbreitet sind, spielt der Kapokbaum, der dort „Lupuna“ genannt wird, eine wichtige Rolle. Er steht in der amazonischen Mythologie in Verbindung mit Wichten, die nach verschiedenen Überlieferungen im riesigen, oft bauchförmigen Stamm des Baumes leben oder um diesen herumtanzen.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kapokbaum (Ceiba pentandra) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The thickest, tallest, and oldest kapok trees auf monumentaltrees.com, abgerufen am 10. Mai 2018.
  2. I. M. Turner: The Ecology of Trees in the Tropical Rain Forest. Cambridge Univ. Press, 2004, ISBN 0-521-80183-4, S. 132.
  3. Edward M. Barrows: Animal Behavior Desk Reference. Third Edition, CRC Press, 2011, ISBN 978-1-4398-3652-1, S. 491.
  4. a b c Michael Pankratius: Lexikon Nachwachsende Rohstoffe, Abgerufen am 10. April 2010.
  5. a b c M. Brink, E. G. Achigan-Dako: Fibres. Plant Resources of Tropical Africa 16, Prota, 2012, ISBN 978-92-9081-481-8, S. 75–83.
  6. Ceiba pentandra bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  7. Christian Rätsch: Einführung in die Kosmologie der Maya. In: Ders.: Chactun - Die Götter der Maya. Quellentexte, Darstellung und Wörterbuch. (= Diederichs Gelbe Reihe. Band 57), Eugen Diederichs Verlag, München 1986, S. 15.
  8. Christian Rätsch: Einführung in die Kosmologie der Maya. In: Ders.: Chactun - die Götter der Maya. Quellentexte, Darstellung und Wörterbuch. (= Diederichs Gelbe Reihe. Band 57). Indianer. 2., aktualisierte Auflage. Diederich, München 1994, ISBN 3-424-00797-8, S. 15.