Karin Leukefeld

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Karin Leukefeld (2015)

Karin Leukefeld (* 1954 in Stuttgart) ist eine deutsche Journalistin und Nahost-Korrespondentin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leukefeld wurde 1954 geboren. Sie gibt als ihren beruflichen Werdegang eine Ausbildung zur Buchhändlerin sowie ein Studium der Ethnologie, Islam- und Politikwissenschaften an. Sie hat sich in Organisations- und Öffentlichkeitsarbeit unter anderem beim Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, in der Bundespartei Die Grünen betätigt, und in einer Informationsstelle in El Salvador gearbeitet. Außerdem war sie persönliche Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten der PDS (Außenpolitik und Humanitäre Hilfe).[1]

Journalistische Aktivitäten und Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 2000 ist Leukefeld freie Korrespondentin im Mittleren Osten.[1]

2010 wurde sie von der syrischen Regierung akkreditiert, reiste immer wieder nach Syrien und berichtete vor Ort vom Syrienkonflikt. Vergleichbar viel erlaube die syrische Regierung laut Tagesspiegel (Stand 2012) keinem anderen deutschen Journalisten.[2]

Beiträge von Leukefeld erscheinen derzeit (Stand 2020) vorwiegend in den überregionalen marxistisch-sozialistischen Zeitungen Neues Deutschland (seit 1997)[3] und Junge Welt (seit 2001)[4], zudem auf dem Videoportal Weltnetz.tv (seit 2011),[5] dem durch die russische Regierung finanzierten Internetportal RT Deutsch (seit 2015),[6] der Zeitschrift Zeit-Fragen (seit 2015),[7] sowie den Onlinemagazinen Rubikon (seit 2017)[8] und NachDenkSeiten (seit 2017).[9]

Vereinzelte Radio-, Video- oder Textbeiträge veröffentlichte sie in der Schweizer Wochenzeitung (2005 bis 2011)[10] beim Schweizer Radio und Fernsehen (2012 bis 2017)[11] sowie beim Deutschlandfunk (2007 bis 2011).[12] Zudem finden sich von ihr einzelne Beiträge oder Interviews im Bayerischen Rundfunk (2013)[13] und bei n-tv (2016).[14]

Leukefeld ist, unter anderen neben Daniele Ganser und Rainer Mausfeld, Mitglied des Beirats von Rubikon.[15]

Am 17. März 2021 veröffentlichte die junge Welt den Leukefeld-Artikel „Zweifel an OPCW nicht erwünscht“.[16]

Leukefeld gab Ken Jebsen auf KenFM mehrere Interviews.[17]

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solange noch ein Weg ist (1996)

Leukefelds erstes Buch betrachtet Gerald Grüneklee (taz) als fundierte Analyse. Leukefeld schildere in diesem „bisher umfassendsten Überblick den Alltag der Kurden in Syrien und im Iran, der Türkei und im Irak.“ Die historischen Rückblicke bezeichnet er als „erhellend zum Verständnis der aktuellen Situation“. Deutlich werde „wieder einmal, dass ohne deutsche Waffen und Geld zumindest die Kurdenverfolgung in der Türkei nicht im bisher praktizierten Ausmaß stattfinden könnte“. Das Buch biete eine „fundierte Auseinandersetzung mit den politischen Perspektiven der Region“, die auch für Leser ohne einschlägige Vorinformationen nachvollziehbar seien.[18]

Nimm Abschied und werde stark (2004)

Das Buch handelt von der Deutschen Helma Al Saadi, deren Mann Amer Al Saadi als Abrüstungsbeauftragter von Saddam Hussein mit dem schwedischen Abrüstungsexperten Hans Blix verhandelte. Die Biografie bietet nach Meinung der Zeit-Rezension verblüffende Einblicke in die irakische Gesellschaft.[19] Lesenswert seien auch die Beobachtungen über den gewandelten Alltag irakischer Frauen, in dem Islamisten ihnen im öffentlichen Leben immer mehr Fesseln anlegen würden, meint Hans-Christian Rößler in der FAZ.[20] Die wechselvolle Geschichte und Gegenwart des Irak – Revolution, Aufschwung, Diktatur, Krieg und Besatzung – werde am Schicksal einer Frau auch politisch Unbedarften nahegenbracht. Leukefeld gelinge es, dem Irak ein Gesicht jenseits Saddam Husseins zu geben.[21]

Flächenbrand (2015)

In ihrer Publikation zeige Leukefeld Verständnis für das Vorgehen Assads und äußere Schuldzuweisungen an oppositionelle Kräfte wie internationale Akteure, so die Rezension von Nathalie Wohlleben im Portal für Politikwissenschaft. Die Terrororganisation IS werde in ihrer Bedeutung nicht erfasst, insofern die Autorin meine, der IS habe „mit Unterstützung von Saudi‑Arabien, der Türkei und anderen Golfstaaten mit seinem 'Vormarsch die Kernerarbeit [gemeint ist wohl ‚Kärrnerarbeit‘, Anm. in der Rezension] für diese Aufspaltung Syriens und des Iraks' geleistet“ und nur die Bedrohung der Ölquellen sei Motiv der Eingriffe des Westens gegen den IS. Die Rezensentin betrachtet dies als symptomatisch für die Autorin, Fakten und politisch gebundene Mutmaßungen „bis zur Unkenntlichkeit der Einzelteile miteinander zu verquicken“. Des Weiteren kritisiert Wohlleben das „sehr linke Feindbild“ von den „USA als böser Hegemonialmacht“ und die „antiisraelische Stoßrichtung“. Leukefeld mache ihre Recherche nicht transparent, Fußnoten und Literaturverzeichnis würden fehlen. Ein seriöser Überblick werde damit nicht geboten.[22]

Dagegen hält Wolfgang Freund von der SZ das Buch Leukefelds in einer Sammelrezension zu Leukefeld, Jürgen Todenhöfer und Daniel Gerlach für ein „gelungenes Reportagebuch“. Sie mache vor allem die „unterbelichtete“ Rolle Frankreichs im nahöstlichen „Polit- und Revolutionstheater“ deutlich, bei dem sich die französisch-syro-alawitischen „Techtelmechtel entlang eines roten Fadens entwickelt“ hätten, der bis zum 14. Juli 2007 hinführe.[23]

Syrien zwischen Schatten und Licht (2016)

Leukefeld sieht im Gespräch mit Ernst Rommey im Deutschlandradio Kultur Bashar al-Assad als „Getriebenen, wenn nicht gar als Opfer des Auslands und der Geopolitik.“ Wie sein Vater habe er ein doppeltes Gesicht, fortschrittsorientiert und autokratisch. Den oppositionellen Gruppen wirft sie vor, nicht auf die Angebote Assads eingegangen zu sein.[24]

Mediale Rezeption und Resonanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmut Höge kommentierte 2011 in der TAZ: „Leukefeld schafft es unzählige Entschuldigungen für das Regime vorzubringen, warum es trotz Demokratieversprechen nach der Machtübernahme von Baschar al Assad dennoch nichts als Unterdrückung und Ausbeutung gegeben hat. [...] Karin Leukefeld ist eine Unterstützerin eines blutigen, die Menschenwürde mit Füßen tretenden Regimes.“[25]

Matthias Meisner schrieb 2012 im Tagesspiegel, „In ihren Texten bemüht sich Karin Leukefeld zwar um gewissen Abstand zu Assad. Nie aber erscheint der syrische Staatschef als Diktator, der die Opposition im Land brutal unterdrückt. Für sie ist er eher eine „tragische“, an eigenen Reformvorhaben gescheiterte Figur.“ Meisner berichtet, Detlef Pries (Neues Deutschland, ND) und Arnold Schölzel (Junge Welt) hätten Leukefeld verteidigt. Die ND-Redaktion nehme die Angebote von Leukefeld gerne an, „um nicht allein auf die Berichterstattung von Agenturen angewiesen zu sein, die selbst keinen unmittelbaren Einblick in das Geschehen haben“. Arnold Schölzel (Junge Welt) halte Leukefeld für eine „erfahrene Journalistin“, die Berichterstattung der Nachrichtenagenturen aus Syrien seien im Vergleich zu ihren Berichten unbefriedigend, sie könne aus Syrien weitgehend frei berichten.[2]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016: Was von Kriegen übrig bleibt[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kurzbiographie | Leben im Hintergrund der Schlagzeilen. In: leukefeld.net. Abgerufen am 11. August 2016.
  2. a b Matthias Meisner: Mit Assads Duldung – „Ich kann weitgehend frei berichten“. In: Der Tagesspiegel. 21. Februar 2012, abgerufen am 12. November 2016.
  3. Suche: Karin Leukefeld. In: Neues Deutschland. Abgerufen am 27. August 2020.
  4. Suche: Karin Leukefeld. In: Junge Welt. Abgerufen am 27. August 2020.
  5. Karin Leukefeld. In: Weltnetz.tv. Abgerufen am 27. August 2020.
  6. Karin Leukefeld. Gastautorin und Korrespondentin in Syrien und dem Nahen Osten. In: RT Deutsch. Abgerufen am 27. August 2020.
  7. Suche: Karin Leukefeld. In: Zeit-Fragen. Abgerufen am 27. August 2020.
  8. Karin Leukefeld. In: Rubikon. Abgerufen am 27. August 2020.
  9. Karin Leukefeld. In: NachDenkSeiten. Abgerufen am 27. August 2020.
  10. Karin Leukefeld. In: Die Wochenzeitung. Abgerufen am 27. August 2020.
  11. Suche: Karin Leukefeld. In: SRF. Abgerufen am 27. August 2020.
  12. Suche: Karin Leukefeld. In: Deutschlandfunk. Abgerufen am 27. August 2020.
  13. Suche: Karin Leukefeld. In: Bayerischer Rundfunk. Abgerufen am 27. August 2020.
  14. Suche: Karin Leukefeld. In: N-Tv. Abgerufen am 27. August 2020.
  15. Beirat. In: Rubikon. Abgerufen am 27. August 2020.
  16. Zweifel an OPCW nicht erwünscht. 17. März 2021, abgerufen am 9. April 2021.
  17. Suche: Karin Leukefeld. In: KenFM. Abgerufen am 27. August 2020.
  18. Gerald Grüneklee: Kurden: Fundierte Analyse. In: Die Tageszeitung.
  19. Nimm Abschied und werde stark. Helma Al Saadi. In: Die Zeit. 29. September 2004.
  20. Annäherungen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 25. November 2004.
  21. Leben zwischen Hamburg und Bagdad. In: AG Friedensforschung. 9. November 2004.
  22. Nathalie Wohlleben: Portal für Politikwissenschaft - Flächenbrand. Abgerufen am 8. April 2017 (deutsch).
  23. Wolfgang Freund: Chaos im Orient. In: Süddeutsche Zeitung. 1. Juni 2015.
  24. im Gespräch mit Ernst Rommeney: Karin Leukefeld: "Syrien zwischen Schatten und Licht" - Geplatzter Traum von einer arabischen Republik. In: Deutschlandradio Kultur. 9. Juli 2016.
  25. Im Ringen um die Wahrheit. In: Die Tageszeitung. 26. August 2011. Abgerufen am 28. August 2020.
  26. Was von Kriegen übrig bleibt - Dokumentation - von Karin Leukefeld - HQ. Abgerufen am 9. April 2021 (deutsch).