Karl-Friedrich Wessel (Philosoph)

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Karl-Friedrich Wessel (2016)

Karl-Friedrich Wessel (* 14. Juni 1935 in Hamburg) ist Professor i.R. für Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik. Er ist wissenschaftlicher Leiter des Projektes Humanontogenetik an der Humboldt-Universität zu Berlin und amtierender Vorsitzender der "Gesellschaft für Humanontogenetik". Er ist Herausgeber der Reihe „Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik“.

In seinen Arbeiten beschäftigte er sich kritisch mit normativen Fragen der menschlichen Entwicklung und thematisiert humanontogenetisch relevante Probleme auf den Gebieten der Pädagogik, der Medizin und Pflegewissenschaft, aber auch der Gender-Forschung, der Migration und Fragen technischer und wissenschaftlicher Verantwortung. Den Kern seiner wissenschaftsphilosophischen Arbeiten stellen besonders methodologische Probleme der Human- und Lebenswissenschaften dar. In den frühen 1980er Jahren begründete er zusammen mit Günter Tembrock, Hans-Dieter Schmidt und Günter Dörner das Forschungsprojekt „Biopsychosoziale Einheit Mensch“. Gemeinsam entwickelten sie ein theoretisches Modell und einen kritischen Ansatz für die interdisziplinäre Forschung in den Humanwissenschaften und begründeten damit eine neue Disziplin, die Humanontogenetik.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wessel begann mit einer Lehrerausbildung und als Berufsschullehrer. Von 1957 bis 1962 studierte er Philosophie und Theoretische Physik an der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB). Er promovierte 1968 in Philosophie mit einer Studie über den kritischen Realismus und habilitierte im Jahr 1975 mit einer Arbeit über Philosophie und Pädagogik bei Hermann Ley.

Von 1977 bis 1989 hatte er, in der Nachfolge von Hermann Ley, die Professur für Philosophische Probleme der Naturwissenschaften an der HUB inne, umbenannt im Jahr 1980 in Philosophische Probleme der Naturwissenschaften, technischen und mathematischen Wissenschaften. Er war 1990 Gründer und Leiter des Interdisziplinären Instituts für Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik, das bis zum Jahre 2000 an der HUB etabliert war und dessen Forschungstätigkeit im Rahmen des Projektes Humanontogenetik dieser Universität bis heute fortgesetzt wird.

Wessel hat in den Fachgebieten Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik eine bedeutende wissenschaftliche Schule aus- und aufgebaut sowie über drei Jahrzehnte geleitet. Er betreute 85 Dissertationen und 41 Habilitationen/B-Promotionen, davon 75 als Erstgutachter; zu seinen wissenschaftlichen Publikationen gehören 30 Bücher sowie ungezählte Fachbeiträge.

Aus seinem akademischen Umfeld sind eine Reihe von in Bildung, Erziehung und Kultur, Politik und Wirtschaft tätiger Personen hervorgegangen. So war Stefan Michał Kwiatkowski Mitglied zahlreicher staatlicher Kommissionen zur Berufsbildung und Bildungsforschung in Polen, u. a. beim Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik, beim Zentralinstitut für Arbeitsschutz (Nationales Forschungsinstitut), aber auch Vorsitzender des wissenschaftlichen Programms des Europäischen Zentrums für lebenslanges Lernen und Multimedia.[1] Genannt seien des Weiteren Martin Dube, der im Rahmen der Regierungsbildung 1990 von Lothar de Maizière im Ministerium für Wirtschaft zum Staatssekretär berufen wurde und dort für Grundsatzfragen der Wirtschaftspolitik zuständig war[2] sowie Jan Hofmann, Direktor des Landesinstitutes für Schule und Medien Berlin-Brandenburg sowie Staatssekretär im Kultusministerium Land Sachsen-Anhalt. Als Personen der Wirtschaft sind zu nennen Hans-Peter Böhm, Vice Präsident Governement Affairs bei der Siemens AG[3], sowie Michael Ketting, langjähriges Mitglied des Vorstandes der Intertractor AG in Gevelsberg.

Die aus der wissenschaftlichen Schule von Wessel[4] hervorgegangenen Hochschullehrer (Professoren, Hochschuldozenten) sind und waren – entsprechend dem von Beginn an zugrundeliegenden interdisziplinären Forschungsansatz – in sehr unterschiedlichen Fachgebieten tätig:

Wessel ist seit 2016 Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Struktur und Prozess ontogenetischer Entwicklung des Menschen – Ergebnisse, Aufgaben und Perspektiven. in: Biopsychosoziale Einheit Mensch. Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Reihe 36. 1987, Berlin. S. 550-565.
  • Forschungsprojekt „Der Mensch als biopsychosoziale Einheit“. Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 36 (1988). S. 97-106.
  • Über Realitäts- und Theorieverlust in der Erziehungswissenschaft der DDR. in: Die Deutsche Schule, 4 (1991). S. 505-513.
  • Humanontogenetik – neue Überlegungen zu alten Fragen. Zeitschrift für Humanontogenetik, 1 (1998). S. 17-40.
  • Humanontogenetik und Interdisziplinarität. Zeitschrift für Humanontogenetik, 2 (1999). S. 5-22.
  • Homo temporalis oder Humanontogenetik als Geschichtsdiskurs. in: Geschichte zwischen Erlebnis und Erkenntnis. Selbstorganisation. Hrsgg. von R.-M. E. Jacobi. Jahrbuch für Komplexität in den Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Vol. 10. (1999). S. 379-387.
  • Walter Masing, Michael Ketting, Wolfgang König, Karl-Friedrich Wessel (Hrsg.): Qualitätsmanagement - Tradition und Zukunft. Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Deutschen Gesellschaft für Qualität e. V. Hanser Verlag, München / Wien 2003, ISBN 3-446-21601-4
  • Die Dynamik des Verhältnisses von Pflege und Zivilisation in: Die Dynamik der Pflegewelt. Beiträge der 5. Berliner Pflegetagung vom 3. und 4. September 2010. Hrsgg. von Karl-Friedrich Wessel, Olaf Scupin, Thomas Diesner, Jörg Schulz. Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik, Bd. 27 (2011): Grünwald (Kleine Verlag). S. 13 - 21, ISBN 978-3937461397
  • Individualität im Alter. in: Bildungsherausforderung Alter. Möglichkeiten und Ressourcen eines bildungsstrategischen Ansatzes. Hrsgg. von Karl-Friedrich Wessel und Thomas Diesner. Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik, Bd. 28 (2011): Grünwald (Kleine Verlag). S. 15 - 24, ISBN 3-937461-41-8
  • Hermann Ley und die offene Welt. in: Hermann Ley. Denker einer offenen Welt. Hrsgg. von Karl-Friedrich Wessel, Hubert Laitko und Thomas Diesner. Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik, Bd. 29 (2012): Grünwald (Kleine Verlag). S. 13 - 40, ISBN 978-3-937461-56-4
  • Prävention und Rehabilitation aus humanontogenetischer Sicht. in: Persönlichkeit und Verantwortung in Wissenschaft, Medizin und Technik. Robert Ketting zum Gedenken. Hrsgg. von Karl-Friedrich Wessel und Andreas Wessel. Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik, Bd. 30 (2013): Grünwald (Kleine Verlag). S. 221 - 236, ISBN 978-3-937461-57-1
  • Der ganze Mensch. Eine Einführung in die Humanontogenetik. Logos Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-8325-3996-2.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Diesner, Michael Ketting, Olaf Scupin, Andreas Wessel (Hrsg.): Humanontogenetik. Interdisziplinäre Theorie und Brücke in die Praxis. Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik, Bd. 33. Logos Verlag, Berlin 2016. ISBN 978-3-8325-4240-5.
  • Friedrich Kleinhempel, Anette Möbius, Hans-Ulrich Soschinka, Michael Waßermann (Hrsg.) Die Biopsychosoziale Einheit Mensch. Begegnungen. Festschrift für Karl-Friedrich Wessel. Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik, Bd. 10 (1996): Bielefeld (Kleine Verlag). ISBN 3-89370-242-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://wnp.aps.edu.pl/instytut-pedagogiki/sylwetki-naukowe/kwiatkowski-stefan-micha%C5%82.aspx
  2. http://deutsche-einheit-1990.de/ministerien/ministerium-fuer-wirtschaft/staatssekretaere/
  3. https://www.efzn.de/fileadmin/Veranstaltungen/NET/2015/NET2015_ebook.pdf
  4. Hans-Christoph Rauh: Gesamtverzeichnis der promovierten und habilitierten Absolventen des Bereiches Philosophische Probleme der Naturwissenschaften am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin und der Folgeeinrichtungen (1958-2005). In: Karl-Friedrich Wessel, Hubert Laitko und Thomas Diesner (Hrsg.): Hermann Ley. Denker einer offenen Welt. Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie und Humanontogenetik, Bd. 29. Kleine Verlag, Grünwald 2012, S. 479-517, ISBN 978-3-937461-56-4.