Karl-Marx-Straße (Trier)

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Karl-Marx-Straße
Brückenstraße (nur im nördlichen Teil)
Wappen
Straße in Trier
Karl-Marx-Straße
Basisdaten
Ort Trier
Ortsteil Mitte
Anschluss­straßen Brückenstraße, St.-Barbara-Ufer, Johanniterufer
Querstraßen Jüdemerstraße, Lorenz-Kellner-Straße, Feldstraße
Bauwerke Haus Venedig, Karl-Marx-Haus, Haus „Im Herrgottchen“
Vergnügungsviertel

Die Karl-Marx-Straße ist eine Innerortsstraße in Trier und befindet sich im Stadtteil Mitte-Gartenfeld. Sie führt von der Brückenstraße zur Römerbrücke. In der Brückenstraße 10 steht das Geburtshaus des Nationalökonomen und Philosophen Karl Marx.[1] Insbesondere im Abschnitt der Karl-Marx-Straße gibt es viele Kulturdenkmäler.[2] Zudem stellt die Straße die westlichste Geschäftsstraße der Trierer Kernstadt dar. Zwischen Feldstraße und Johanniterufer befindet sich ein Vergnügungsviertel mit Bars, Sexshops und Bordellen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Straße trug früher den Namen Brückergasse.[1] Der Name leitet sich von ihrer Verlaufrichtung zum ehemaligen Brückentor an der Römerbrücke her; der Name ist seit 1150 belegt.[3]

Den Namen Karl-Marx-Straße für den Abschnitt ab der Ecke Jüdemerstraße trägt die Straße seit 1947.[4] Der Abschnitt der Karl-Marx-Straße ab der Kreuzung Lorenz-Kellner-Straße trug früher den Namen Schanzstraße[5], während der östliche Abschnitt Teil der Brückenstraße war. Dass das Stück am Karl-Marx-Haus den Namen behielt, wurde mit „historischen Gründen“ erklärt.[4]

Karl-Marx-Ampel Trier

Seit 2018 befinden sich an der Kreuzung zu Beginn der Brückenstraße Ampel mit stilisierten Ampelmännchen, die an Karl Marx erinnern sollen.[6]

Historische Gebäude in der Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste enthält unter Denkmalschutz stehende Gebäude in der Brückenstraße bzw. Karl-Marx-Straße. Teile der Straße stehen unter Denkmalschutz.[2][7] Eine ausführliche Liste aller Kulturdenkmäler befindet sich hier. Im Folgenden sollen nur die wichtigsten Kulturdenkmäler an der Straße genannt werden.

Brückenstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abschnitt Brückenstraße ist insbesondere durch zwei Gebäude geprägt: das sogenannte „Haus Venedig“ sowie das Karl-Marx-Haus.

Karl-Marx-Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Karl-Marx-Haus ist nicht nur das bekannteste Gebäude an der Straße, sondern zweifellos auch eines der bekanntesten Gebäude der Stadt Trier, da hier bekanntlich Karl Marx geboren wurde. Das Vorderhaus stammt von 1727; die Fassade wurde in den 1930er Jahren nach altem Vorbild rekonstruiert. Mitte des 19. Jahrhunderts geriet das Haus nämlich zunächst in Vergessenheit und wurde erst 1904 als solches wiederentdeckt und seitdem entsprechend hergerichtet.[8] Das Karl-Marx-Haus beherbergt heute das einzige Museum zum Leben und Wirken von Karl Marx in Deutschland.[9] Das heutige Museum wurde zum 100. Todestag von Karl Marx eröffnet.[8]

Haus Venedig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim „Haus Venedig“ handelte es sich ursprünglich um zwei Häuser aus dem 17. Jahrhundert, welche beide zum Anwesen der vom Comer See in Italien eingewanderten Kaufmannsfamilie Carové gehörten. Das ältere Gebäude entstand 1656–58 im Auftrag von Ambrosius Carové unter Führung des Maurermeisters Joseph Weis, der jüngere 1683–85 unter Thomas Carové. Der Hausname „Zu Venedig“ ist seit 1777 überliefert. Als der Krämer Jakob Fischer das Gebäude 1796 in eine Gaststätte mit dem Namen „Zur Stadt Venedig“ umwandelte, wurden die beiden Gebäude durch einen galerieartigen Seitentrakt miteinander verknüpft. 1835 wurde das Hinterhaus um ein weiteres Stockwerk erweitert; seitdem sind beide Gebäudeteile gleich hoch. 1842 und 1863 übernachtete Karl Marx in diesem Hotel.[10] Um 1874 wurde der Hotelbetrieb um ein weiteres Gebäude (Johannisstraße 1b) erweitert. Im Rahmen einer durchgreifenden Sanierung des Gebäudes übernahm die Stadt das Gebäude 1913. Nach starken Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das historische Gebäude wieder aufgebaut.[11]

Das Gebäude mit Krüppelwalmdach ist im Stil der Spätrenaissance erbaut; in einer Nische findet sich eine Statue des Heiligen Johannes des Täufers. Sie gibt der dort beginnenden Johannisstraße ihren Namen. Die Figur ist jedoch nur eine Replik; das Original ist im Städtischen Museum Trier untergebracht. Unterhalb der von Volutenkonsolen umrahmten Figur sind auch die Insignien der Familie Carové angebracht.[11]

Im Gebäude befindet sich heute eine Apotheke im Neorenaissance-Stil. Dem historischen Keller kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Noch bedeutender ist der im Hinterhaus gelegene Festsaal, der eine prachtvolle, leider restaurierungsbedürftige Stuckdecke besitzt, die in ihrer Qualität einem Schlossbau angemessen wäre.[11]

Karl-Marx-Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abschnitt Karl-Marx-Straße ist voll von historisch bedeutsamen Gebäuden mit vor allem historisierenden Fassaden. Viele der Gebäude verfügen überdies über historische Weinkeller. Heute finden sich in den Erdgeschossen vieler Wohn- und Geschäftshäuser an der Karl-Marx-Straße Geschäfte, da die Karl-Marx-Straße die westlichste Geschäftsstraße der Trierer Kernstadt darstellt. Das bekannteste Gebäude an der Karl-Marx-Straße ist das im 18. Jahrhundert im Stil des Barock mit Walmdach erbaute Haus „Im Herrgottchen“. Einige Gebäudeteile sind jedoch deutlich älter. Unterhalb befindet sich auch ein vermutlich mittelalterlicher Keller[2][7][12] Im Gebäude befindet sich heute das Blumengeschäft „A und A Floristik“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W. Deuser: Hôtel Venedig und seine Prachtdecke. In: Trierische Chronik. Zeitschrift der Gesellschaft für Trierische Geschichte und Denkmalpflege. Neue Folge IV. Jg. Nr. 1, 1. Oktober 1907.
  • Karl-Marx-Haus. Museum Bibliothek Forschungsinstitut. Ein Gang durch das Geburtshaus von Karl Marx. Trier 1979.
  • Patrick Ostermann (Bearb.): Stadt Trier. Altstadt. (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 17.1). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2001, ISBN 3-88462-171-8.
  • Ulrike Weber (Bearb.): Stadt Trier. Stadterweiterung und Stadtteile. (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 17.2). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2009, ISBN 978-3-88462-275-9.
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreisfreie Stadt Trier. Koblenz 2010 (PDF; 1,2 MB [abgerufen am 7. September 2015]).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Die Geschichte des Karl-Marx-Hauses. Friedrich-Ebert-Stiftung, abgerufen am 7. September 2015.
  2. a b c Patrick Ostermann (Bearb.): Stadt Trier. Altstadt. (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 17.1). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2001, ISBN 3-88462-171-8.
  3. Kulturbüro der Stadt Trier (Hrsg.)/Emil Zenz: Straßennamen der Stadt Trier: Ihr Sinn und ihre Bedeutung. Trier, 2003.
  4. a b Stefan Richter: Bei Marx in Trier ist mehr als eine Renovierung geplant. (Nicht mehr online verfügbar.) Die Linke, 1. März 2004, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 7. September 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/archiv2007.sozialisten.de
  5. Strassengeschichten. In: volksfreund.de. 15. April 2011, abgerufen am 7. September 2015.
  6. Deutsche Welle (www.dw.com): Trier macht Karl Marx zum Ampelmännchen – DW – 20.03.2018. In: dw.com. 6. August 2018, abgerufen am 9. August 2018.
  7. a b Ulrike Weber (Bearb.): Stadt Trier. Stadterweiterung und Stadtteile. (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Band 17.2). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2009, ISBN 978-3-88462-275-9.
  8. a b Eintrag zu Karl-Marx-Haus in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier; abgerufen am 11. März 2016.
  9. Leitbild Karl-Marx-Haus Trier. Friedrich-Ebert-Stiftung, abgerufen am 7. September 2015.
  10. Dagobert Oppenheim an Marx 17. Juli 1842 (Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung III. Band 1, S. 374); Karl Marx an Jenny Marx 15. Dezember 1863.(Marx-Engels-Werke. Band 30, S. 643.)
  11. a b c Eintrag zu Haus Venedig in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier; abgerufen am 11. März 2016.
  12. Eintrag zu Im Herrgottchen in der Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier; abgerufen am 11. März 2016.