Mehrteiler

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Ein Mehrteiler – beispielsweise eine Trilogie oder Tetralogie – ist ein großes inhaltlich zusammengehörendes literarisches, filmisches oder – selten – musikalisches Werk (besonders Oper), das aus mindestens zwei Teilen besteht. Die Einzelwerke eines Mehrteilers können zwar einen gemeinsamen Rahmen haben, jedoch gleichzeitig selbständig und in sich abgeschlossen sein, sie können aber auch in hohem Maße voneinander abhängen.

Mehrteiler im engen Sinne sind zu unterscheiden von Bestseller-Fortsetzungen, die ihre Entstehung in erster Linie einem Verkaufserfolg des – zunächst keineswegs auf Mehrteiligkeit angelegten – Originalwerkes verdanken.

Mehrteiler in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dass die ersten Dramen-Trilogien der Westlichen Welt im Antiken Griechenland entstanden, ist vor dem Hintergrund zu verstehen, dass die griechische Tragödie und Komödie aus dem Kontext der Dionysien entstanden sind, mehrtägigen religiösen Festspielen, die dieser Form des Theaters großzügigen Raum boten. Als der erste Autor einer Dramen-Trilogie gilt Aischylos, der mit seiner Orestie, die er für die Dionysien eingereicht hatte, einen Preis gewann und die Stücke 458 v. Chr. erstmals aufführte.[1] Verbindendes Thema der drei Tragödien ist die lange Serie von Gewalt im Haus des Atreus, die ihr Ende findet, als das Prinzip der individuellen Rache von dem der geordneten Rechtsprechung abgelöst wird.

Roman[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Romantrilogie in der amerikanischen Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Literatur der Vereinigten Staaten erlangte die Roman-Trilogie zwischen 1890 und 1940 große Bedeutung, wo die Verwendung dieser Form unter anderem durch den Polen Henryk Sienkiewicz (Trilogie, 1884–1888) angeregt worden war und im Werk beispielsweise von Frank Norris (The Epic of the Wheat, unvollendet, postum 1903), Upton Sinclair (nur einer von drei geplanten Romanen veröffentlicht: Manassas, 1904), Thomas Dixon (Trilogy of Reconstruction, 1905–1907), Theodore Dreiser (Trilogy of Desire, 1912–1947), John Dos Passos (U. S. A. Trilogy, 1930–1936), James T. Farrell (Studs Lonigan, 1932–1935), William Carlos Williams (Stecher Trilogy, 1937–1952) und William Faulkner (Snopes Trilogy, 1940–1959) erscheint. All diese Autoren haben die Trilogie als Gefäß für große nationale Erzählungen verwendet, die konventionelle lineare Chronologien hatten mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende, dem die drei Teile der Trilogie entsprachen.[2] In derselben Zeit nutzte Pearl S. Buck die Form der Roman-Trilogie, um dem amerikanischen Lesepublikum in epischer Breite die chinesische Kultur nahezubringen (The House of Earth, 1931–1935).

Als die kulturellen Trendsetter „das Große, das Umfassende, das Epische“ (the big, the inclusive, the epic) in den 1940er Jahren für obsolet erklärten, geriet die Form in den USA zunächst wieder außer Gebrauch. Nur durch Science-Fiction- bzw. Fantasywerke wie Isaac Asimovs Foundation-Zyklus (1951–1953) und J. R. R. Tolkiens Der Herr der Ringe (1954/1955) erlangte sie in den 1950er Jahren auch in den USA erneut Beachtung.[2]

Eine grundlegend neue Verwendung der Roman-Trilogie unternahmen in den 1980er und 1990er Jahren Philip Roth (Zuckerman-Trilogie, 1979–1985), Toni Morrison (Love-Trilogie, 1987–1998) und Cormac McCarthy (The Border Trilogy, 1992–1998), die mit der linearen Chronologie brachen und in ihren Arbeiten zwar ebenfalls amerikanische Geschichten erzählten, diese aber dekonstruierten und damit das Erzählen selbst zum Thema machten und kritisierten.[2] Ähnliche Dekonstruktion findet sich auch in Paul Austers New-York-Trilogie (1985–1987).

In der amerikanischen Jugendliteratur, in der von Anfang an (potenziell endlose) Romanserien eine zentrale Rolle gespielt hatte, erlangten im Fantasy-Bereich im frühen 21. Jahrhundert auch Trilogien und Tetralogien starke Verbreitung (Beispiele: Christopher Paolinis Eragon, 2002–2011; Suzanne CollinsDie Tribute von Panem, 2008–2010).

Mehrteiler im Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der sehr hohen Produktionskosten und der Ungewissheit, ob ein Film seine Herstellungskosten einspielen wird, werden Kinofilme nur in seltenen Fällen von vornherein als Mehrteiler konzipiert. Zu den filmhistorisch bedeutendsten Ausnahmen von dieser Regel zählt etwa Krzysztof Kieślowskis Drei-Farben-Trilogie, deren drei Einzelfilme die drei Farben der französischen Tricolore repräsentieren und die nahezu gleichzeitig produziert worden sind.

In der großen Mehrzahl der Fälle dagegen ist es erst der wirtschaftliche Erfolg eines Films, der zur Produktion einer oder mehrerer Fortsetzungen führt. Wenn die Handlung des Originals im zweiten Teil fortgeführt wird, spricht man von einem Sequel; seit etwa 1970 existiert daneben auch das Konzept des Prequels, bei dem der zweite Teil die Vorgeschichte des Originals erzählt.

Besonders häufig kommt es zur mehrteiligen Produktion bei der Adaption mehrteiliger Buchbestseller – insbesondere, wenn ein hohes Budget zur Verfügung steht. Die Fortsetzungen sind dann manchmal von Anfang an Teil des Produktionskonzepts (Beispiel: Der Herr der Ringe, 2001–2003). In anderen Fällen dagegen gibt erst ein erfolgreicher Kinostart den Ausschlag dafür, dass das finanzielle Risiko einer Fortsetzung eingegangen wird (Beispiel: Der Pate, 1972 → Der Pate – Teil II, 1974 → Der Pate III, 1990).

Mehrteiler im Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Fernsehserien auf Endlosigkeit angelegt sind – Staffeln, die sich als erfolgreich erweisen, können gewöhnlich ad infinitum weitere hinzugefügt werden –, erzählt ein Fernseh-Mehrteiler (eine „Miniserie“) stets eine abgeschlossene Geschichte. Um sicherzustellen, dass die Zuschauer die Handlung verstehen, müssen Hintergründe und Vorgeschichte in der Miniserie – anders als in der Fernsehserie – relativ bündig geliefert werden. Ein weiteres Merkmal besteht darin, dass die Zeit des Mehrteilers gewöhnlich keine Parallelität zur Zuschauerzeit besitzt.[3]

Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Mehrteiler sind – je nach Anzahl der Teile – folgende Bezeichnungen gebräuchlich:

Zahl der Teile Bezeichnung aus Erbwortschatz Bezeichnung aus Lehnwortschatz
2 Zweiteiler Dilogie (Verwendung selten)
3 Dreiteiler Trilogie
4 Vierteiler Tetralogie
5 Fünfteiler Pentalogie
6 Sechsteiler Hexalogie
7 Siebenteiler Heptalogie
8 Achtteiler Oktologie, Oktalogie
9 Neunteiler Ennealogie
10 Zehnteiler Dekalogie
12 Zwölfteiler Dodekalogie

Für eine Liste mit Beispielen von Mehrteilern siehe Liste von Mehrteilern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petra Anders, Michael Staiger (Hrsg.): Serialität in Literatur und Medien. Band 1: Theorie und Didaktik. Schneider Hohengehren, Baltmannsweiler 2016, ISBN 978-3-8340-1571-6 (mit Auswahlbibliographie, S. 20–27).
  • Günter Giesenfeld (Hrsg.): Endlose Geschichten. Serialität in den Medien. Olms-Weidmann, Hildesheim 1994, ISBN 978-3487097992.
  • Frank Kelleter (Hrsg.): Populäre Serialität: Narration – Evolution – Distinktion. Zum seriellen Erzählen seit dem 19. Jahrhundert. transcript, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-2141-9.
  • Olaf Knellessen, Giaco Schiesser, Daniel Strassberg (Hrsg.): Serialität. Wissenschaft, Künste, Medien. Turia + Kant, Wien 2015, ISBN 978-3851327663.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Zweiteiler – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Evert Sprinchorn: Dramatic Cycles. In: Gabrielle H. Cody, Evert Sprinchorn (Hrsg.): The Columbia Encyclopedia of Modern Drama. Band 1. Columbia University Press, New York 2007, ISBN 978-0-231-14422-3, S. 362–363.
  2. a b c Caroline Louise Egan: Sum of the parts: The trilogy in McCarthy, Roth, and Morrison. Abgerufen am 11. April 2022.
  3. Martin Jurga: Fernsehtextualität und Rezeption. Springer Fachmedien, Wiesbaden 1999, ISBN 978-3-531-13359-1, S. 109 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).